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Bistum

1 Jahr Corona in der Region – Ansturm auf Seelsorge

Thomas König am 05.03.2021

Header website 2103032 info-icon-20px Foto: Grafikabteilung Bistum Passau / Design Stephanie Kössler

Ende Januar 2020 wurde der erste Corona-Fall in Deutschland bestätigt. Ein Mann hatte sich bei einer Arbeitskollegin aus China angesteckt. Nach und nach breitete sich die Bedrohung auf ganz Deutschland und die Welt aus. Am dritten März 2020 wurde dann der erste Fall in Niederbayern bekannt. Seitdem führt Corona zu einem steigenden Ansturm auf die Seelsorger und Beratungsstellen auch im Bistum Passau.

Tote und schwerst­kran­ke Men­schen, Insol­ven­zen, bedroh­te Exis­ten­zen, Kurz­ar­beit, Qua­ran­tä­ne, Schlie­ßung von Schu­len und Kin­der­gär­ten, Rei­se- und Kon­takt­ver­bo­te, ein­ge­schränk­tes Glau­bens­le­ben, Ein­sam­keit, Angst und Ver­zweif­lung – Lock­down. Die Lis­te der Begrif­fe in Ver­bin­dung mit der Coro­na­pan­de­mie könn­te noch lan­ge fort­ge­setzt wer­den. Coro­na hat das Lebens­ge­fühl der Men­schen, die gan­ze Gesell­schaft tief­grei­fend ver­än­dert. Der Druck steigt – nach über einem Jahr im Aus­nah­me­zu­stand stel­len sich vie­le Fra­gen wie: Gesund­heit und Sicher­heit oder Frei­heit und Wirt­schaft? Wel­che Aus­wir­kun­gen hat die Kri­se auf die Men­schen? Wie sieht das Danach“ aus, wenn es denn end­lich kommt? Und auch wenn mit Impf­stof­fen ein Licht am Tun­nel in Sicht ist, ist die Ver­un­si­che­rung wei­ter groß. Was die Men­schen in der Coro­na­kri­se bewegt, dass bekom­men die Seel­sor­ger im Bis­tum Pas­sau seit mitt­ler­wei­le einem Jahr tag­täg­lich widergespiegelt.

Coro­na ver­stärkt die Wahr­neh­mung der Themen!”

Pater Ludger Werner, Leiter der Telefonseelsorge im Bistum Passau

Tele­fon­seel­sor­ge
In der Tele­fon­seel­sor­ge im Bis­tum Pas­sau gehen jähr­lich über 20.000 Anru­fe ein. Allein im letz­ten Jahr ist ein Anstieg der Bera­tungs­ge­sprä­che um ca. 10 Pro­zent zu ver­zeich­nen. Der ret­ten­de Anker für die Anru­fer: die über 90 Mit­ar­bei­ter der Tele­fon­seel­sor­ge. Abwech­selnd sind sie 24 Stun­den am Tag und 365 Tage im Jahr im Ein­satz — kos­ten­los und ohne Zeit­be­gren­zung. Die Num­mer lau­tet: 0800 / 111 0 222

Im Inter­view spricht der Lei­ter der Tele­fon­seel­sor­ge im Bis­tum Pas­sau, Pater Lud­ger Wer­ner, über das Ange­bot und den Bedarf in Coronazeiten.

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In Pas­sau wird die Tele­fon­seel­sor­ge von der Diö­ze­se Pas­sau getra­gen und unter­stützt. Sie besteht seit 1975. Der dama­li­ge Bischof Anto­ni­us Hof­mann und der frü­he­re Dom­pfar­rer Franz Kuf­ner haben sie mit ins Leben geru­fen. Wer ehren­amt­li­cher Mit­ar­bei­ter bei der Tele­fon­seel­sor­ge wer­den will, muss eine etwa ein Jahr lang dau­ern­de Aus­bil­dung machen. Inter­es­sier­te kön­nen sich bei der Tele­fon­seel­sor­ge mel­den. Neue Hel­fer wer­den lau­fend gesucht.

Was macht das alles mit den Men­schen?“
Mit einer Online-Umfra­ge von Juli 2020 bis Janu­ar hat der eme­ri­tier­te Wie­ner Pas­to­ral­theo­lo­ge Prof. Paul Zuleh­ner Ant­wor­ten auf die Fra­ge gesucht. Meh­re­re Tau­send Ant­wor­ten aus allen Kon­ti­nen­ten sind für ihn Zumu­tung und Ermu­ti­gung zugleich für die Ver­ant­wort­li­chen des öffent­li­chen Lebens eben­so wie für die ein­zel­nen Men­schen. Für den Alt­öt­tin­ger Lieb­frau­en­bo­ten und das Pas­sau­er Bis­tums­blatt hat Zuleh­ner sei­ne Erkennt­nis­se exklu­siv in der aktu­el­len Aus­ga­be zusam­men­ge­fasst. Hier heißt es u.a.: Soloun­ter­neh­men, Fami­li­en­be­trie­be oder Kunst­pro­jek­te ste­hen vor dem Aus. Vie­le Men­schen sind auf Kurz­ar­beit gesetzt, ande­re haben ihren Arbeits­platz ver­lo­ren oder hegen begrün­de­te Angst davor. Die revo­lu­tio­nä­re Infor­ma­ti­sie­rung, wel­che wie einst die Indus­tria­li­sie­rung zu einem Umbau des gesell­schaft­li­chen Gefü­ges füh­ren wird, wur­de in der Zeit der Pan­de­mie beschleu­nigt. Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel ver­merk­te am 26.10.2020, dass eine sozia­le Fra­ge auf uns zukom­me. Sie wird den rei­chen Län­dern viel abver­lan­gen. Die Sor­ge ist groß, dass Kin­der und Jugend­li­che, die durch den Lock­down der Schu­len trotz Home­schoo­ling in ihrer Bil­dung beein­träch­tigt sind, über Genera­tio­nen hin­weg mit unse­rem Schul­den­berg wer­den leben müs­sen“, so der Exper­te Prof. Zuleh­ner. (Das gan­ze Inter­view kön­nen Sie in den aktu­el­len Aus­ga­ben des Alt­öt­tin­ger Lieb­frau­en­bo­ten und des Pas­sau­er Bis­tums­blat­tes nachlesen).

Hier ein Bericht über einen Online-Vortrag des Experten bei der KEB

Schul­pas­to­ral
Was macht die Kri­se mit der nach­fol­gen­den Genera­ti­on? Wel­che Sor­gen und Ängs­te haben Schul­kin­der und Jugend­li­che? Dass der Bedarf an Psy­cho­the­ra­pien für Kin­der und Jugend­li­che seit der Pan­de­mie ange­stie­gen ist, zeigt auch der aktu­el­le Arzt­re­port der Bar­mer-Kran­ken­kas­se. Bei Kin­dern, Jugend­li­chen und jun­gen Erwach­se­nen bis ein­schließ­lich 24 Jah­ren stie­gen die Zah­len für die Akut­be­hand­lung sowie die Anträ­ge etwa für die erst­ma­li­ge The­ra­pie in 2020 um sechs Pro­zent, heißt es dort. Distanz­un­ter­richt, kei­ne Tref­fen mit Freun­den, kei­ne Par­ty – was das für Aus­wir­kun­gen hat, dar­über spre­chen wir mit Micha­el Schwai­gho­fer, er ist Leh­rer und in der Schul­pas­to­ral an der Mit­tel­schu­le Vils­ho­fen tätig.

Ich befürch­te ja, ich hof­fe nein!”

Michael Schwaighofer auf die Frage, ob der große Ansturm auf Fachstellen und Beratungsstellen erst noch kommt
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Erd­mu­te Fischer ist Refe­ren­tin in der Schul­pas­to­ral, sie beschreibt die Rück­mel­dun­gen von Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen so: „…vie­le erzäh­len, dass Pro­ble­me auf­tau­chen, die vor­her nicht so sicht­bar waren, da die Schü­ler vor Coro­na den Tag über ja außer Haus“ gewe­sen sind, näm­lich in der Schu­le. Nun schla­gen aber neben den gege­be­nen Ängs­ten bzgl. Coro­na auch Pro­ble­me auf, die unter­schwel­lig schon da waren. Auch darf man nicht ver­ges­sen, dass es Todes­fäl­le gibt und für die Schü­le­rin­nen und Schü­ler, nicht wie gewöhn­lich, eine Schul­fa­mi­lie und die sicht­ba­ren Leh­rer da sind, die dies auf­fan­gen.“ Dann haben wir Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, die ver­su­chen mit auf­mun­tern­den Ange­bo­ten und Ideen die Schul­fa­mi­li­en zu unter­stüt­zen, so die Refe­ren­tin. Vir­tu­el­le Räu­me für Impul­se, Medi­ta­tio­nen wer­den erstellt. Mit Pro­jek­ten wird ver­sucht ein Hal­te­seil durch die­se Zeit zu schaf­fen. Wie schön ist es doch, ein­mal was Ande­res als die Haus-Auf­ga­ben“ zu machen, etwas, das Spass macht, das Freu­de bringt. Eine Kol­le­gin hat die Kin­der auf­ge­for­dert ein lachen­des Bild zu malen oder Foto zu machen und hat damit einen klei­nen Film zusam­men­ge­stellt, den jeder in der Schu­le sehen kann. Dann haben so man­che Kin­der wie auch Eltern gesagt — bei die­sem Video ging die Son­ne im Her­zen auf“.

Allein – aber nicht ein­sam?
Hier eine Online-Ver­an­stal­tung der KEB: Seel­sor­ger ste­hen Men­schen bei, die Ängs­te haben oder Trost suchen. Doch wie kann man mensch­li­che Nähe geben, wäh­rend Abstand­hal­ten so wich­tig ist, um das Coro­na­vi­rus ein­zu­däm­men? Kran­ken­haus-Seel­sor­ge­rin Alex­an­dra Kal­chau­er spricht über ihren All­tag im Kran­ken­haus Altötting.