Das glauben wir

Studientag „Mystik im Alltag - Leben in Gottes Gegenwart“

Sarah Joas am 08.10.2019

2019-09-28-09.45.35 Foto: P. Dr. Augustinus Weber OSB

Einer, der etwas erfahren hat

Die christ­li­chen Kir­chen ver­lie­ren in vie­len Län­dern Euro­pas jedes Jahr eine gro­ße Zahl von Mit­glie­dern. Meis­tens ist dabei der for­mel­le Aus­tritt nur der End­punkt einer oft über Jahr­zehn­te vor sich gegan­ge­nen Ent­frem­dung vom christ­li­chen Glau­ben über­haupt. Vie­le Men­schen haben den Ein­druck, dass die Inhal­te der kirch­li­chen Ver­kün­di­gung mit ihrem Leben nichts zu tun haben, sie kön­nen damit nichts mehr anfan­gen. Der dies­jäh­ri­ge Stu­di­en­tag der Ordens­ge­mein­schaf­ten im Bis­tum Pas­sau woll­te des­halb ein­mal in die ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung gehen. Wo lie­gen die Quel­len der Erkennt­nis und Erfah­rung, die für vie­le Men­schen heu­te nicht mehr zugäng­lich sind, Quel­len, in denen der christ­li­che Glau­be sei­nen Ursprung hat? Die­ser Fra­ge ging der dies­jäh­ri­ge Stu­di­en­tag der Ordens­ge­mein­schaf­ten im Bis­tum Pas­sau nach. Dabei ent­fal­te­te Prof. Dr. Schwi­en­horst-Schön­ber­ger vor den ver­sam­mel­ten Ordens­leu­ten die Bedeu­tung der christ­li­chen Mystik.

Geheim­nis­voll schil­lert das Wort Mys­tik‘. Doch was ist damit gemeint? Eine Deu­tung hebt auf außer­ge­wöhn­li­che Erfah­run­gen ab, wie sie etwa von Hei­li­gen berich­tet wer­den. Mys­tik hät­te dann nur im Leben weni­ger Chris­ten einen Platz. Ein ande­res Ver­ständ­nis dage­gen sieht den Kern der Mys­tik in einem Leben in der Gegen­wart Got­tes. Gott ist zwar immer gegen­wär­tig, aber das ist nicht allen bewusst. Vor allem hier liegt die Bedeu­tung der außer­ge­wöhn­li­chen Erfah­run­gen. Sie bedeu­ten einen Durch­bruch, in dem eine tie­fe­re Dimen­si­on der Wirk­lich­keit bewusst wird und prä­gen­de Bedeu­tung gewinnt.

Unter­schied­li­che Auf­fas­sun­gen gibt es auch über die Bedeu­tung der Mys­tik für das Chris­ten­tum. Man­che pro­tes­tan­ti­sche Theo­lo­gen wie Adolf von Har­nack oder Karl Barth nah­men ihr gegen­über eine ableh­nen­de Hal­tung ein und führ­ten sie auf außer­christ­li­che Ein­flüs­se zurück. Dem­ge­gen­über sieht Ber­nard McGinn im Chris­ten­tum eine Reli­gi­on, die für ein mys­ti­sches Ver­ständ­nis offen ist. Denn sie ist aus Got­tes­er­fah­rung ent­stan­den. Die Hei­li­ge Schrift berich­tet grund­le­gen­de Ereig­nis­se die­ser Art: Mose am bren­nen­den Dorn­busch, Wun­der, die Jesus wirkt und sei­ne Auf­er­ste­hung, die Bekeh­rung des Apos­tels Pau­lus vor Damas­kus. Aus sol­chen Durch­bruchs­er­fah­run­gen erwächst der Glau­be, der dann bezeugt und in Leh­re und Ritus wei­ter ent­fal­tet wird. Dabei haben jene, die auf das Wort der Zeu­gen hin die Glau­bens­bot­schaft anneh­men, nicht ohne wei­te­res selbst eine ent­spre­chen­de Erfah­rung. Jedoch wird der Glau­be bei den fol­gen­den Gene­ra­tio­nen durch viel­fäl­ti­ge kul­tu­rel­le und gemein­schaft­li­che For­men gestützt. Bre­chen sol­che Stüt­zen weg, wie es in der Gegen­wart in unse­rem Kul­tur­kreis der Fall ist, gerät der Glau­be in eine Kri­se. Von da her ist das berühm­te Dic­tum Karl Rah­ners zu ver­ste­hen: „[D]er From­me von mor­gen wird ein Mys­ti­ker‘ sein, einer, der etwas erfah­ren‘ hat, oder er wird nicht mehr sein, weil die Fröm­mig­keit von mor­gen nicht mehr durch die im Vor­aus zu einer per­so­na­len Erfah­rung und Ent­schei­dung ein­stim­mi­ge, selbst­ver­ständ­li­che öffent­li­che Über­zeu­gung und reli­giö­se Sit­te aller mit­ge­tra­gen wird“. Wenn jemand die Quel­le nicht mehr kennt, aus der die ers­ten Glau­bens­zeu­gen geschöpft haben, wird der Glau­be schwach und ver­liert sich.

Wie kann die Kir­che auf die­se Situa­ti­on reagie­ren? Zwei Wege sind denk­bar: Auf der einen Sei­te das Bemü­hen, die christ­li­che Gesell­schaft zu revi­ta­li­sie­ren, und auf der ande­ren Sei­te das Bemü­hen, an die Wur­zeln zu gehen. Das Letz­te­re scheint durch­aus viel­ver­spre­chend, da Men­schen auch mit­ten im säku­la­ren Kon­text außer­ge­wöhn­li­che Erfah­run­gen machen. Erst kürz­lich hat der Pas­to­ral­theo­lo­ge Eber­hard Tie­fen­see dar­auf auf­merk­sam gemacht, dass es auch bei Athe­is­ten mys­ti­sche Erfah­run­gen gibt. 

Mystische Erfahrung

Prof. Schwi­en­horst-Schön­ber­ger ver­deut­lich­te die Struk­tur einer mys­ti­schen Erfah­rung am Bei­spiel des eng­li­schen Bene­dik­ti­ners Bede Grif­fiths. In sei­ner Auto­bio­gra­phie berich­tet die­ser: Gegen Ende mei­ner Schul­zeit ging ich eines Abends allein spa­zie­ren und hör­te den vol­len Chor­ge­sang der Vögel, wie man ihn nur bei Son­nen­auf­gang oder Son­nen­un­ter­gang und nur zu die­ser Jah­res­zeit zu hören bekommt. Noch heu­te erin­ne­re ich mich an die Über­ra­schung, die ich emp­fand, als der Klang plötz­lich an mei­ne Ohren drang. Mir schien, ich hät­te die Vögel noch nie sin­gen gehört, und ich frag­te mich, ob sie das gan­ze Jahr so sän­gen, ohne dass ich es gemerkt hät­te. Als ich wei­ter­ging, stieß ich auf eini­ge voll erblüh­te Weiß­dorn­bü­sche, und wie­der glaub­te ich, noch nie einen sol­chen Anblick gese­hen und nie­mals sol­chen Lieb­reiz emp­fun­den zu haben. Wäre ich plötz­lich unter die Bäu­me des Gar­tens Eden ver­setzt wor­den und hät­te dort einen Engel­chor sin­gen gehört, hät­te ich nicht ver­wun­der­ter sein kön­nen. Sodann erreich­te ich eine Stel­le, an der man sehen konn­te, wie die Son­ne über den Sport­plät­zen unter­ging. Auf ein­mal flog eine Ler­che neben dem Baum, an dem ich stand, vom Boden auf und ließ ihr Lied über mir erklin­gen, bis sie nach wie vor sin­gend her­ab­flog , um zu schla­fen. Dann wur­de alles still, als die letz­ten Son­nen­strah­len ver­schwan­den und der Schlei­er der Däm­me­rung die Erde bedeck­te. Ich ent­sin­ne mich des Gefühls der Ehr­furcht, das über mich kam. Ich woll­te auf dem Boden nie­der­knien, so als sei ein Engel gegen­wär­tig. Ich wag­te es kaum, zum Him­mel auf­zu­bli­cken, denn es kam mir vor, als wäre er nur ein Schlei­er vor dem Ange­sicht Got­tes.“

Äußer­lich gese­hen geschieht in die­sem Bericht nichts Beson­de­res, es gesche­hen kei­ne Wun­der“, und doch ist die­se Erfah­rung außer­ge­wöhn­lich. Denn das Gewöhn­li­che zeigt sich hier auf eine außer­ge­wöhn­li­che Art. Bis­her hat­te Bede Grif­fiths die Din­ge ober­fläch­lich wahr­ge­nom­men. Doch nun pas­siert etwas Außer­ge­wöhn­li­ches in sei­nem Bewusst­sein, das sich sei­nem Gedächt­nis tief ein­prägt. Man kann hier von einer Spon­ta­n­er­fah­rung‘ spre­chen, von einem sen­si­ti­ven Erwa­chen‘: Plötz­lich wird eine Dimen­si­on der Wirk­lich­keit wahr­ge­nom­men, die bis­her ver­schlos­sen war. Es geht dabei nicht nur um eine schö­ne Erfah­rung, um ange­neh­me Gefüh­le. Viel­mehr bedeu­tet die­se Erfah­rung einen Bruch gegen­über der vor­aus­ge­hen­den Situa­ti­on.

Bede Grif­fiths war damals Agnos­ti­ker. Die Erfah­rung, die er beschreibt, ereig­ne­te sich in einem pro­fa­nen Kon­text und war in kei­ner Wei­se inten­diert. Sie stell­te sich unvor­her­ge­se­hen und plötz­lich ein. Auch wenn man um die Bedeu­tung einer sol­chen Erfah­rung weiß, kann man sie nicht wil­lent­lich her­bei­füh­ren. Sie ist unver­füg­bar, eine Gabe.

Auch wenn Bede Grif­fiths damals Agnos­ti­ker war, deu­te­te er eine außer­ge­wöhn­li­che Natur­er­fah­rung doch spon­tan durch reli­giö­se Bil­der. Er ver­spürt den Impuls, nie­der­zu­knien und spricht vom Gar­ten, Eden, von der Gegen­wart eines Engels, vom Him­mel und dem Ange­sicht Got­tes. Es sind Ver­glei­che als ob“. Und doch leuch­tet durch die beson­de­re Wahr­neh­mung der Natur deren unge­gen­ständ­li­cher Hin­ter­grund mit auf. Der bis­her unbe­kann­te Hin­ter­grund sei­ner Erfah­rung brach in sein Bewusst­sein ein. Gott kann nicht selbst direkt wahr­ge­nom­men wer­den. Mit Meis­ter Eck­hart gespro­chen: Gott ist nicht dies und nicht das. Er ist nichts von alle­dem.

Dem Unter­schied zwi­schen der empi­ri­schen Wirk­lich­keit, die jeder beob­ach­ten kann, und deren tie­fe­rem Hin­ter­grund, der in einer Durch­bruchs­er­fah­rung auf­leuch­tet, ent­spricht auf Sei­ten des Men­schen der Unter­schied zwi­schen dem empi­ri­schen Ich und dem wah­ren Selbst des Men­schen. Die Moder­ne neigt dazu, den Men­schen ein­fach mit sei­nem empi­ri­schen Ich zu iden­ti­fi­zie­ren. Doch beson­ders in Kri­sen­si­tua­tio­nen bricht ein Gespür dafür auf, dass der Mensch noch mehr ist. Eine Sehn­sucht, die durch inner­welt­li­che Erfül­lun­gen nicht gestillt wer­den kann, mel­det sich. Der christ­li­che Glau­be lädt dazu ein, dem auf den Grund zu gehen. Die­ser Weg des Zu-Grun­de-Gehens führt zum wah­ren Leben, wäh­rend der Ver­such, das Ego zu ret­ten, zum Tod führt: Wenn das Wei­zen­korn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es rei­che Frucht“ (Joh 12,24). Die­ses Wort erschließt die Struk­tur des mensch­li­chen Lebens.

Die Erfah­rung, von der Grif­fiths erzählt, ist für unser Emp­fin­den etwas Außer­ge­wöhn­li­ches. Doch wenn wir es gründ­li­cher beden­ken, kön­nen wir sagen: Sie ist eigent­lich das Nor­ma­le“. Den­ken wir nur an das Stau­nen, mit dem Kin­der nach und nach die Welt ent­de­cken. Sie begeg­nen vie­len Din­gen so, als wäre es das ers­te Mal. Doch als Erwach­se­ne haben wir das Stau­nen und den Glau­ben weit­ge­hend ver­lernt. Wir müs­sen uns kon­zen­trie­ren, um eine Auf­ga­be zu erle­di­gen. Die habi­tua­li­sier­ten Über­sprungs­hand­lun­gen, die uns nicht bewusst sind, füh­ren dazu, dass wir die Dimen­si­on der Wirk­lich­keit, die uns in der unge­gen­ständ­li­chen Erfah­rung erschlos­sen wird, ver­ges­sen haben und gar nicht mehr ken­nen. Der Phi­lo­soph Mar­tin Heid­eg­ger hat das als Seins­ver­ges­sen­heit“ bezeich­net. Auch unser Glau­be ist im Grun­de ein weit­ge­hend säku­la­ri­sier­ter Glau­be. Er bewegt und arti­ku­liert sich vor­ran­gig auf der Ebe­ne unse­res empi­ri­schen Ich. Gibt es eine Mög­lich­keit, die ver­lo­re­ne Dimen­si­on wie­der zu gewin­nen und aus ihr her­aus zu leben?

Kontemplation

Unse­re moder­ne Kul­tur grün­det vor allem auf den Errun­gen­schaf­ten des empi­ri­schen Ich. Das Ich will etwas errei­chen. Es beob­ach­tet die Din­ge. Es zieht sei­ne Schluss­fol­ge­run­gen dar­aus. Die dar­aus her­vor­ge­hen­den Hand­lun­gen sind ziel­ori­en­tiert. Zur Errei­chung der Zie­le wer­den bestimm­te Mit­tel ein­ge­setzt. Die­se Men­ta­li­tät ist zum Mar­ken­zei­chen der west­li­chen Zivi­li­sa­ti­on gewor­den. Zum Pro­blem wird sie, wenn sie ihren so erfolg­rei­chen Zugang zur Wirk­lich­keit ver­ab­so­lu­tiert. Der moder­ne Säku­la­ris­mus ist im Grun­de der Ver­such, die hin­ter­grün­di­ge, numi­no­se Qua­li­tät der Wirk­lich­keit zu leug­nen und aus dem kul­tu­rel­len Gedächt­nis zu eli­mi­nie­ren. Er sieht sich jedoch mit Gegen­be­we­gun­gen kon­fron­tiert. Ins­be­son­de­re gibt es in unse­rer Gesell­schaft seit etwa vier Jahr­zehn­ten ein sta­bi­les Seg­ment, das für sich eine täg­li­che und ernst zu neh­men­de spi­ri­tu­el­le Pra­xis neu ent­deckt hat. Es gibt Men­schen, die Ele­men­te der klas­sisch monas­tisch gepräg­ten Tra­di­ti­on auf­ge­grif­fen und in ihren all­täg­li­chen Lebens­voll­zug imple­men­tiert haben. 

Man kann die unter­schied­li­chen For­men der Wahr­neh­mung, um die es hier geht, mit den Begrif­fen beob­ach­ten‘ und schau­en‘ umschrei­ben. Ein Natur­wis­sen­schaft­ler beob­ach­tet, Bede Grif­fiths hat geschaut. Gegen das Beob­ach­ten ist grund­sätz­lich nichts ein­zu­wen­den. Zum Pro­blem wird es jedoch, wenn es zum ein­zig gül­ti­gen Zugang zur Wirk­lich­keit erklärt wird. Wenn wir im Him­mel sind, wer­den wir Gott nicht beob­ach­ten, son­dern wir wer­den ihn schau­en. Christ­lich gese­hen ist das Leben des Men­schen ein Weg vom Glau­ben zum Schau­en. Dabei hat die Übung der Kon­tem­pla­ti­on eine gro­ße Bedeu­tung. Denn wir kön­nen das Schau­en nicht machen. Doch wir kön­nen uns dar­in üben, all das zu las­sen, was das Schau­en hin­dert. Eben dar­um geht es in der Kontemplation.

Ein Weg, der dahin füh­ren will, ist die lec­tio divina. Sie geht auf die frü­hen Mönchs­vä­ter zurück, und hat durch den Kar­täu­ser Gui­go II. († 1188) eine klas­si­sche Dar­stel­lung erhal­ten. Es beginnt mit dem Lesen eines Wor­tes der Hei­li­gen Schrift (lec­tio), über des­sen Sinn der Lesen­de dann nach­denkt (medi­ta­tio). The­men und Anlie­gen, die sich da zei­gen, wer­den dar­auf in ein Gespräch mit Gott ein­ge­bracht (ora­tio). Das Gebet mün­det dann in das schwei­gen­de Ver­wei­len in der Gegen­wart Got­tes (con­tem­pla­tio). Die­se spi­ri­tu­ell tief ange­leg­te Pra­xis der lec­tio divina ist in der Neu­zeit für lan­ge Zeit ver­lo­ren gegan­gen. Erst in der Gegen­wart gibt es wie­der beacht­li­che Bestre­bun­gen, sie wie­der­zu­ge­win­nen. Die­se Bemü­hun­gen knüp­fen zum Teil dort an, wo in der Ver­gan­gen­heit viel­ver­spre­chen­de Ent­wick­lun­gen abge­bro­chen wurden.

Prof. Schwi­en­horst-Schön­ber­ger hob hier beson­ders die Übung der Kon­tem­pla­ti­on her­vor. Schon die ägyp­ti­schen Wüs­ten­vä­ter kann­ten das unge­gen­ständ­li­che Gebet. So rät Evagri­us Pon­ti­kus: Hal­te dei­nen Geist über­haupt frei von jeg­li­cher Form und nähe­re dich ohne jede Mate­rie dem imma­te­ri­el­len Wesen, denn so nur wirst Du es erken­nen.“ Doch erst die Wol­ke des Nicht­wis­sens“, die zwi­schen 1375 und 1400 von einem Kar­täu­ser-oder Augus­ti­ner­möch ver­fasst wur­de, lehrt die Kon­tem­pla­ti­on als eine eige­ne, von der Medi­ta­ti­on zu unter­schei­den­de Übung. Ihr geht es dar­um, alle Vor­stel­lun­gen und men­ta­len Akte hin­ter sich zu las­sen und sich wort­los“ in Got­tes rei­ne Gegen­wart“ zu ver­sen­ken: Daher übe flei­ßig die­ses Nichts‘ und Nir­gend­wo‘. Lass dei­ne äuße­ren leib­li­chen Sin­ne ruhen, denn es ist wirk­lich so: Für die­ses inne­re Gesche­hen sind sie nicht zuständig“. 

Hier stellt sich frei­lich die Fra­ge: Wel­che Rol­le spielt Jesus Chris­tus in die­ser Form des bild­lo­sen Gebe­tes? Prof. Schwi­en­horst-Schön­ber­ger ver­wies hier auf das Wort Jesu in Joh 16,7.13: Doch ich sage euch die Wahr­heit: Es ist gut für euch, dass ich fort­ge­he. Denn wenn ich nicht fort­ge­he, wird der Bei­stand nicht zu euch kom­men; gehe ich aber, so wer­de ich ihn zu euch sen­den. … Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahr­heit, wird er euch in der gan­zen Wahr­heit lei­ten.“ Das kon­tem­pla­ti­ve Gebet macht Ernst mit die­sem Wort. In einem schmerz­haf­ten Pro­zess ler­nen die Jün­ger, sich von einer spe­zi­fi­schen Form der Gegen­wart Jesu lösen. Er kann und muss von ihnen gehen, da er in ihnen ist und sie in ihm (Joh 14,20). In sei­nem Brief per­sön­li­cher Füh­rung“ erläu­tert Gui­go die­sen Gedan­ken anhand des bibli­schen Bil­des von Chris­tus als der Tür (Joh 10,9). Vie­le blei­ben vor die­ser Tür ste­hen ohne ein­zu­tre­ten. Das ist gut, aber sie wer­den nicht zur Fül­le des Heils gelan­gen. Im War­ten drau­ßen vor der Tür sieht Gui­go ein Bild für die Medi­ta­ti­on. In die­sem gedul­di­gen War­ten kommt es dar­auf an, ein Gespür zu ent­wi­ckeln für die ver­bor­ge­ne Füh­rung des Geis­tes in der Tie­fe des Her­zens und [zu] war­ten, bis die­ser ihn anrührt und ihm ein Zei­chen gibt ein­zu­tre­ten“. Johan­nes vom Kreuz spricht eben­falls vom Ein­tritt in die kon­tem­pla­ti­ve Pha­se des Glau­bens. Er ver­gleicht sie mit dem Abstil­len eines Kin­des wie es eine lie­be­vol­le Mut­ter mit einem zar­ten Kind macht. Sie wärmt es an ihrer war­men Brust, zieht es mit köst­li­cher Milch und leich­ten, süßen Spei­sen auf, trägt es auf dem Arm und ver­wöhnt es. In dem Maße aber, wie es grö­ßer wird, hört die Mut­ter nach und nach auf, es zu ver­wöh­nen, ver­birgt ihre zar­te Lie­be und bestreicht ihre süße Brust mit bit­te­rem Aloesaft. Sie lässt es von ihren Armen her­ab und stellt es auf die eige­nen Füße. Es soll die Eigen­hei­ten eines Kin­des ver­lie­ren und sich grö­ße­ren, wesent­li­che­ren Din­gen hin­ge­ben“ (Dunk­le Nacht I).

Man­ches an die­ser Sicht des spi­ri­tu­el­len Lebens mag uns auf den ers­ten Blick unge­wohnt, ja fremd erschei­nen. Genügt es nicht, ein ein­fa­cher Christ zu sein? Es genügt, wenn der Geist Got­tes einen so führt. Doch gibt es auch vie­le Men­schen, die Fra­gen haben und nach einem tie­fe­ren Ver­ständ­nis der Wirk­lich­keit suchen. Ja, letzt­lich sind doch alle Men­schen beru­fen, im Glau­ben einen Weg des Wachs­tums und vor­an­schrei­ten­der Rei­fung zu gehen. Und da es hier vor allem auf die Pra­xis ankommt, schloss die­ser für die Teil­neh­mer sehr ein­drucks­vol­le Stu­di­en­tag mit einer Zeit inne­ren Gebe­tes in der Stille.

Text und Fotos: P. Dr. Augus­ti­nus Weber OSB 

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