Bistum

Mehr lebendiges Totholz im Wald

Pressemeldung am 07.07.2020

Bioholz baeumchen Foto: Juliane Röder / Philipps-Universität Marburg

Projekt BioHolz erhält Auszeichnung als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt. Am Projekt beteiligt ist auch das Bischöfliche Ordinariat Passau.

Tote Bäu­me sind sehr leben­dig: Für zahl­rei­che Tier‑, Pilz- und Pflan­zen­ar­ten sind abge­stor­be­ne Bäu­me ein wich­ti­ger Lebens­raum sowie wert­vol­le Nah­rungs­quel­le. Der Wunsch nach einem auf­ge­räum­ten“ und wirt­schaft­lich pro­fi­ta­blen Wald führt aber oft­mals dazu, dass nur noch sehr wenig Holz unge­nutzt“ im Wald bleibt. Das Ver­bund­pro­jekt Bio­Holz unter Feder­füh­rung der Phil­ipps-Uni­ver­si­tät Mar­burg sucht nach neu­en Wegen, um die unter­schied­li­chen Ansprü­che von Forst­wirt­schaft, Nah­erho­lung, Tou­ris­mus und Natur­schutz an Wäl­der und Holz mit­ein­an­der in Ein­klang zu brin­gen. Dafür wird Bio­Holz nun als offi­zi­el­les Pro­jekt der UN-Deka­de Bio­lo­gi­sche Viel­falt aus­ge­zeich­net. Die Aus­zeich­nung wird an Pro­jek­te ver­lie­hen, die sich in vor­bild­li­cher Wei­se für die Erhal­tung der bio­lo­gi­schen Viel­falt einsetzen.

Spech­te, Fle­der­mäu­se, Käfer und Pil­ze — sie alle pro­fi­tie­ren von Alt- und Tot­holz im Wald. 

Wer die Arten­viel­falt unter­stüt­zen und akti­ven Natur­schutz betrei­ben möch­te, soll­te tote oder abster­ben­de Bäu­me in sei­nen Wäl­dern mög­lichst erhalten”

Projektkoordinatorin Juliane Röder

Sie sind ein wert­vol­ler Teil natur­na­her Wäl­der und Grund­la­ge für wich­ti­ge öko­lo­gi­sche Pro­zes­se. Das bedeu­tet aber auch, dass der bes­te Natur­schutz manch­mal dar­in besteht, nichts zu tun – und das kann sehr schwer sein“, sagt Röder.

Wenn Wäl­der mit dem Ziel bewirt­schaf­tet wer­den, mög­lichst viel Holz zur Nut­zung in der Indus­trie, als Bau- und Möbel­holz oder als Ener­gie­quel­le zu pro­du­zie­ren, sinkt der Anteil alter und abster­ben­der Bäu­me. Zur Maxi­mie­rung der Holz­pro­duk­ti­on wur­den Baum­plan­ta­gen mit Bäu­men glei­chen Alters geschaf­fen, opti­miert für die Bewirt­schaf­tung mit gro­ßen Maschi­nen. Die­ses Kon­zept gilt zwar längst als ver­al­tet, doch der Umbau eines Wal­des dau­ert Jahr­zehn­te“, sagt Röder. Die extre­me Dür­re der letz­ten bei­den Jah­re habe die­sen Pro­zess zwar schmerz­haft beschleu­nigt, doch noch sei nicht klar, wel­che Ent­schei­dun­gen heu­te zu tref­fen sind, um die robus­ten, arten­rei­chen, wirt­schaft­lich und gesell­schaft­lich pro­fi­ta­blen Wäl­der von mor­gen zu fördern.

Inner­halb des Pro­jek­tes ent­wi­ckeln und erpro­ben wir Stra­te­gien, wie Forst­wirt­schaft nicht nur trotz, son­dern auch durch den Schutz der Bio­di­ver­si­tät und von Öko­sys­tem­leis­tun­gen lang­fris­tig pro­fi­ta­bel blei­ben kann. Das geht natür­lich nur mit gesell­schaft­li­chem Rück­halt. Des­halb arbei­ten im Pro­jekt Part­ne­rin­nen und Part­nern aus For­schung, Forst­pra­xis und Natur­schutz eng zusam­men“, sagt Röder.

Das heißt auch die unab­hän­gi­ge UN-Deka­de Fach­ju­ry gut: Die gesell­schaft­li­che Akzep­tanz wur­de in die­sem Pro­jekt mit­ge­dacht“ sagt Ulrich Doh­le, Bun­des­vor­sit­zen­der des Bunds Deut­scher Forst­leu­te und Mit­glied der Jury. Neben einer Urkun­de und einem Aus­zeich­nungs­schild erhält Bio­Holz einen Viel­falt-Baum“, der sym­bo­lisch für die bun­te Viel­falt und ein­zig­ar­ti­ge Schön­heit der Natur steht, zu deren Erhal­tung das Pro­jekt einen wert­vol­len Bei­trag leis­tet. Ab sofort wird das Pro­jekt außer­dem auf der deut­schen UN-Deka­de-Web­sei­te vorgestellt.

Zur UN-Dekade

Die Aus­zeich­nung zum UN-Deka­de-Pro­jekt fin­det im Rah­men der Akti­vi­tä­ten zur UN-Deka­de Bio­lo­gi­sche Viel­falt statt, die von den Ver­ein­ten Natio­nen für den Zeit­raum von 2011 bis 2020 aus­ge­ru­fen wur­de. Ziel der inter­na­tio­na­len Deka­de ist es, den welt­wei­ten Rück­gang der bio­lo­gi­schen Viel­falt auf­zu­hal­ten. Dazu strebt die deut­sche UN-Deka­de eine För­de­rung des gesell­schaft­li­chen Bewusst­seins in Deutsch­land an. Die Aus­zeich­nung nach­ah­mens­wer­ter Pro­jek­te soll Men­schen dazu bewe­gen, selbst im Natur­schutz aktiv zu werden.

Das Projekt BioHolz

Das Pro­jekt Bio­Holz wird im Rah­men der För­der­initia­ti­ve For­schung zur Umset­zung der Natio­na­len Bio­di­ver­si­täts­stra­te­gie” mit über drei Mil­lio­nen Euro durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Bil­dung und For­schung (BMBF) sowie durch das Bun­des­amt für Natur­schutz (BfN) mit Mit­teln des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Umwelt, Natur­schutz und nuklea­re Sicher­heit (BMU) geför­dert. Am Pro­jekt betei­ligt sind neben der Phil­ipps-Uni­ver­si­tät Mar­burg die Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Mün­chen, die Juli­us-Maxi­mi­li­ans-Uni­ver­si­tät Würz­burg, die Uni­ver­si­tät Greifs­wald, der Lan­des­bund für Vogel­schutz e.V. und das Bischöf­li­che Ordi­na­ri­at Pas­sau. Wich­ti­ge Koope­ra­ti­ons­part­ner sind der Natio­nal­park Baye­ri­scher Wald, die Baye­ri­sche Aka­de­mie für Natur­schutz und Land­schafts­pfle­ge, der Wald­be­trieb Eichel­berg, der NABU Saar­land e.V, der Saar­Forst Lan­des­be­trieb, der Natio­nal­park Huns­rück-Hoch­wald, sowie der Stadt­wald der Han­se­stadt Lübeck.

Text: Phil­ipps-Uni­ver­si­tät Marburg

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