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Weltkirche

„Was die Christen dort tun, wird geschätzt."

Pressemeldung am 24.09.2020

Bischof Oster Botschafter Dakar info-icon-20px Foto: Bayer / pbp
Bischof Dr. Stefan Oster SDB im Gespräch mit dem Deutschen Botschafter Stephan Röken in Dakar, Anfang Februar.

Im Interview mit dem missio magazin spricht der Passauer Bischof Dr. Stefan Oster über seine Reise mit missio in den Senegal und die Menschenpflicht, dafür zu sorgen, dass auch die Generationen nach uns noch menschenwürdig leben können.

Für missio stehen in diesem Jahr vier Länder Westafrikas im Fokus, darunter der Senegal. Sie waren mit missio vor Ort. Wie waren Ihre Eindrücke?

Ich war zum ers­ten Mal in die­ser Regi­on. Dakar prä­sen­tiert sich als moder­ne, viel­fäl­ti­ge Stadt, die einen Boom und wirt­schaft­li­che Pro­spe­ri­tät erlebt. Aber natür­lich haben wir auch schnell wahr­ge­nom­men, dass es ein gro­ßes Gefäl­le gibt zum Leben in den Dör­fern und klei­nen Ort­schaf­ten, gera­de was Infra­struk­tur, Hygie­ne­aus­stat­tung und Bil­dungs­ein­rich­tun­gen betrifft. Den­noch ist der Sene­gal eines der Län­der inner­halb der Regi­on, in dem es den Men­schen ver­gleichs­wei­se gut geht. Das liegt an der Pro­spe­ri­tät des Lan­des, aber auch dar­an, dass dort Sta­bi­li­tät und Frie­den herr­schen, auch zwi­schen den Reli­gio­nen. Es war sehr ein­drück­lich, die Gestalt des Islam dort ken­nen­zu­ler­nen. Vie­le der gläu­bi­gen Men­schen dort sor­gen dafür, dass der Ter­ror dort nicht oder nur sehr schwer Fuß fas­sen kann, weil die Men­schen so wach­sam sind.

Die Nachbarn Mali, Burkina Faso und Niger leiden unter Instabilität und islamistischem Terror. Wenn die Armut wächst, bedeutet das eine düstere Zukunft?

Es sind schon düs­te­re Wol­ken, die über die­sen Län­dern auf­zie­hen. Umso wich­ti­ger ist die Arbeit, die mis­sio und die Kir­che dort vor Ort leis­ten. Man hat immer das Gefühl, das sind womög­lich nur Trop­fen auf dem hei­ßen Stein. Aber ich habe dort den Ein­druck gewon­nen: Das, was die Chris­ten dort tun, wird geschätzt und ange­nom­men und ist wenigs­tens für eini­ge Men­schen ein Glücks­tref­fer. Zum Bei­spiel, wenn Kin­der an einer katho­li­schen Schu­le, die ver­nünf­tig geführt wird, ordent­lich aus­ge­bil­det werden.

Bischof Oster Huber Kardinal Sarr info-icon-20px Foto: Bayer / pbp
Kardinal em. Théodore-Adrien Sarr zusammen mit Bischof Stefan Oster und missio-Präsident Wolfgang Huber, im Garten seines Amtssitzes in Dakar, Anfang Februar.

Corona verschärft die Armut und hat auch die Klimadebatte vorerst ausgebremst. Sie haben mit den Schülern von Fridays vor Future protestiert. Ist das zu Ende?

Ob die Prot­ago­nis­ten auch wei­ter­hin die Schü­le­rin­nen und Schü­ler sein wer­den, das wird sich zei­gen. Aber das The­ma wird uns blei­ben. Da bin ich den jun­gen Men­schen sehr dank­bar, dass sie die Dring­lich­keit des Anlie­gens uns manch­mal trä­gen Erwach­se­nen vor Augen geführt haben. Für uns Chris­ten ist Öko­lo­gie ja ein wich­ti­ges Anlie­gen, aber kei­ne Ersatz­re­li­gi­on und kei­ne Ideo­lo­gie. Dass wir alle mit­ein­an­der Ver­ant­wor­tung tra­gen, dafür zu sor­gen, dass die Genera­tio­nen, die nach uns kom­men auch men­schen­wür­dig leben kön­nen auf der Grund­la­ge des­sen, was da ist, das ist eine Menschenpflicht.

Sie haben als einer von 110 Bischöfen weltweit das Lieferkettengesetz unterzeichnet.

Wenn wir Unter­neh­men gewis­ser­ma­ßen nöti­gen, zu zei­gen, wo das her­kommt, was sie bei uns ver­trei­ben, wer es her­stellt und unter wel­chen Bedin­gun­gen, dann kann man irgend­wann bei uns kei­ne T‑Shirts aus Län­dern Asi­ens für unter zehn Euro mehr bekom­men. Das ist schlicht­weg nicht mög­lich, es sei denn, es wird unter men­schen­un­wür­di­gen Bedin­gun­gen pro­du­ziert. Das gilt eben­so für Nah­rungs­mit­tel und ande­res. Des­we­gen bin ich dafür, dass wir hier acht­sam sind.

Wenn wir nun im Herbst gemeinsam mit Ihnen im Bistum Passau Westafrika in den Blick nehmen – was erhoffen Sie sich?

Ich hof­fe, dass sich das Bewusst­sein stärkt, dass wir eine Welt sind. Wir mer­ken ja, dass Kri­sen uns geneigt machen, uns um uns selbst zu dre­hen und die Welt aus dem Blick zu ver­lie­ren. Ich hof­fe also, dass wir die Welt wie­der in den Blick bekom­men, dass wir vor allem auch auf unse­re Geschwis­ter schau­en in den Län­dern, die weni­ger pri­vi­le­giert sind als wir. Dass wir hel­fen, dass Men­schen ihr Herz öff­nen und tei­len, und damit etwas zum Auf­bau der Län­der, um die es geht, beitragen.

Das Inter­view führ­te Bar­ba­ra Brust­lein von mis­sio München.