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Bischof

Corona und Kirche – Interview mit Bischof Oster

Armin Berger am 31.03.2020

0 O3 A1847 info-icon-20px Foto: Anna Hofmeister

Keine Gottesdienste, gemeinsame Gebete oder Andachten, keine Taufen und Erstkommunionfeiern, Beerdigungen nur im engsten Familienkreis und auch keine anderen Veranstaltungen. Das kirchliche Leben, wie wir es kennen, gibt es momentan nicht. Armin Berger hat darüber mit dem Passauer Bischof Stefan Oster gesprochen.

Gera­de in Kri­sen­zei­ten ist ihr christ­li­cher Glau­be für vie­le Men­schen eine wich­ti­ge Stüt­ze. Wel­che Mut­mach-Bot­schaft möch­ten Sie den Gläu­bi­gen im Bis­tum Pas­sau mit auf den Weg geben?

Im Grun­de wäre jetzt erst gera­de die Zeit der Chris­ten, also die Zeit der­je­ni­gen, die einen Glau­ben haben, dass Gott der Herr über die Geschich­te ist – und dass er Plä­ne des Heils hat – mit jedem ein­zel­nen, aber auch mit unse­rem Land und mit der gan­zen Schöp­fung – auch in der Kri­se. Zudem: Kir­che ist mehr als das, was von ihr äußer­lich sicht­bar ist. Wir sind eine Gemein­schaft von Geschwis­tern, die wie durch ein unsicht­ba­res Band mit­ein­an­der ver­bun­den sind. Wir sind – mit einem Bild aus der Bibel gesagt – Leib Chris­ti. Und daher gilt mit einem Wort von Papst em. Bene­dikt: Wer glaubt ist nie allein“ Und zwar ob gera­de ein Got­tes­dienst mög­lich ist oder nicht. Natür­lich stärkt uns der Got­tes­dienst und wir brau­chen den alle, und hof­fen, dass er auch bald wie­der mög­lich sein wird. Aber zunächst gilt: Wer glaubt, ist nie allein.

In die­ser schwie­ri­gen Zeit zeigt sich die Stär­ke einer Gemein­schaft auf beson­de­re Wei­se. Durch Ver­zicht und per­sön­li­che Ein­schrän­kung bewei­sen vie­le Nächs­ten­lie­be — Nach­bar­schafts­hil­fen wer­den wie­der­be­lebt, um älte­ren oder erkrank­ten Men­schen zu hel­fen. Was löst das regio­na­le Enga­ge­ment der Men­schen bei Ihnen aus?

Ich habe wirk­lich eine gro­ße Hoff­nung, dass wir auch durch die­se Kri­se wie­der in ein tie­fe­res Bewusst­sein von Gemein­sam­keit, von Gemein­schaft­lich­keit fin­den. Es ist ja oft ganz erstaun­lich, was Men­schen in Kri­sen­zei­ten tun kön­nen, was sie leis­ten kön­nen, aber auch, was sie aus­hal­ten kön­nen. Was Sie auf­ge­zählt haben, zeigt doch auch, dass wir Men­schen Gemein­schafts­we­sen sind. Und es zeigt womög­lich auch, das vie­les in unse­rer moder­nen Kul­tur, wenn sie ganz nor­mal dahin­läuft, nicht beson­ders gesund ist, oft son­dern indi­vi­dua­lis­tisch, ego­is­tisch, mate­ria­lis­tisch. Jetzt auf ein­mal sehen wir, wie kost­bar Unter­stüt­zung, Nähe ist, auch wenn wir sie nicht unmit­tel­bar zei­gen kön­nen, aber wir haben tech­ni­sche und ande­re Mög­lich­kei­ten, sie zu zei­gen. Also, ich hof­fe wirk­lich auch auf eine tie­fe Besin­nung in die­ser Zeit der Krise.

Hier das Inter­view zum Hören in unse­rem Podcast:

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Sehr wich­tig ist der­zeit, dass die seel­sor­ge­ri­schen Diens­te der Kir­che wei­ter­lau­fen — natür­lich ange­passt an die Vor­ga­ben. Und nie­mand muss sich schä­men oder Berüh­rungs­ängs­te haben, die­se anzunehmen…?

Ich fin­de es wun­der­bar, dass es so schnell und leicht mög­lich ist, Got­tes­diens­te zu über­tra­gen, dass die Men­schen mit­fei­ern kön­nen. Zusätz­lich haben wir auch Mate­ri­al zur Ver­fü­gung gestellt, das man auf unse­ren Inter­net­sei­ten her­un­ter­la­den kann und das dazu ein­lädt, zuhau­se Got­tes­dienst zu fei­ern. Und so eine gemein­sa­me Andacht, ein Gebet daheim ist auch nicht ein­fach eine schlech­te­re“ Form im Ver­hält­nis zur Mit­fei­er am Bild­schirm. Sie ist viel­leicht sogar manch­mal noch inten­si­ver oder inti­mer als über den Bild­schirm. Der Bild­schirm macht uns ja tat­säch­lich oft ein­fach nur zu Zuschau­ern, weil wir es irgend­wie so gewohnt sind, im Fern­se­hen zuzu­schau­en – und nicht teil­zu­neh­men. Wenn wir aber einen Haus­got­tes­dienst in der Fami­lie fei­ern und beten, dann ist man auch anders bei­ein­an­der. Das muss man ein wenig üben, es ist unge­wohnt, so zu beten, aber es kann auch erst recht zusam­men­schwei­ßen. Mit­ein­an­der beten mit den Hil­fen, die wir anbie­ten, ist also auch eine sehr schö­ne Form. Und ich hof­fe, dass es auch eine Form ist, die das Gebet in der Fami­lie, im Fami­li­en­kreis, im Mit­ein­an­der neu bele­ben kann. Sie sehen: Wir haben in die­ser Kri­se auch vie­le Chancen.

Und dann darf man die Bera­tungs­an­ge­bo­te nicht ver­ges­sen, Stich­wort Cari­tas oder Telefonseelsorge!

Genau, es gibt die Cari­tas, die Tele­fon­seel­sor­ge, die Ehe- und Fami­li­en-Pas­to­ral. Es gibt jetzt mit ehren­amt­li­cher Unter­stüt­zung die Ver­sor­gung zuhau­se von Men­schen, die sich sonst bei der Tafel etwas abho­len. Auch unse­re Jugend­bü­ros ste­hen sechs Tage die Woche Jugend­li­chen am Tele­fon zur Ver­fü­gung, wenn ihnen zuhau­se die Decke auf den Kopf fällt und sie ein­fach mal jeman­den zum Reden brau­chen. Auch bei der Tele­fon­seel­sor­ge kann rund um die Uhr jeder anru­fen, ob er nun katho­lisch ist oder nicht. 

Ostern steht vor der Tür – Wie kön­nen / sol­len Gläu­bi­ge die­ses heu­er feiern?

Wie gesagt, mit den genann­ten media­len Mög­lich­kei­ten. Ich möch­te auch dazu ein­la­den, sich bewusst die Tex­te anzu­schau­en. Vor allem das Evan­ge­li­um, die Lesun­gen, die in den Got­tes­diens­ten an Ostern vor­ge­tra­gen wer­den. Viel­leicht hat man auch mal sehr bewusst Zeit, die Tex­te zuhau­se län­ger zu medi­tie­ren, für sich auf­zu­neh­men, ins Gebet damit zu kom­men. Beten Sie, nicht nur auto­ma­tisch vor­ge­fer­tig­te“ Gebe­te, die auch wich­tig und gut sind, aber ver­su­chen Sie auch, still zu wer­den, in ein per­sön­li­ches Gespräch mit Gott, mit Chris­tus zu kom­men, von dem Sie sicher sein dür­fen, dass er in lie­be­vol­ler Wei­se auf sie schaut und auf Sie war­tet. Man kann dem Herrn alles erzäh­len, was man auf dem Her­zen hat. Man kann aber auch nur schwei­gend dasit­zen und sich bewusst­ma­chen, dass er einen lie­be­voll anschaut. Ein wich­ti­ger Punkt ist mir auch die Beich­te. Die ist nun nicht in die­sem aus­führ­li­chen Maß mög­lich. Wenn Sie einen Seel­sor­ger anru­fen und sagen, Sie möch­ten beich­ten, dann wird er das aber irgend­wie ermög­li­chen. Ich wer­de oft gefragt, ob die Tele­fon­beich­te gül­tig ist. Nein, das ist kei­ne Beich­te, aber ich darf Ihnen zusa­gen, und das hat die katho­li­sche Leh­re immer fest­ge­hal­ten: Wenn ein Mensch sich einer schwe­ren Sün­de bewusst ist, und sie bereut und damit in ein auf­rich­ti­ges Gebet vor Gott kommt, und sich vor­nimmt, das dann bei der nächs­ten Gele­gen­heit noch­mal in die Beich­te zu brin­gen, dann hat auch die­ser Akt der inne­ren Reue, des Bekennt­nis­ses sün­den­ver­ge­ben­de Wir­kung. Auch da gilt, sie kön­nen das mit jeman­dem bespre­chen, mit einem Pries­ter oder Seel­sor­ger am Tele­fon. Das hat sün­den­ver­ge­ben­de Wir­kung, wenn Sie sich vor­neh­men, dann zu einem spä­te­ren Zeit­punkt, wenn es mög­lich ist, zu beich­ten. Man nennt das votum con­fes­sio­nis“, also eine Art Ver­spre­chen, dass man die Beich­te dann noch­mal nach­ho­len wird. Das ist auch etwas, das für vie­le beru­hi­gend ist, zu wissen.

Sie haben selbst eine per­sön­li­che Ein­la­dung zum täg­li­chen Mit­be­ten um 15 Uhr aus­ge­spro­chen, da läu­ten bis­tums­weit die Kirchenglocken….?

Da bekom­me ich vie­le Rück­mel­dun­gen, die dank­bar sind dafür, dass wir mit Glo­cken­ge­läut an das Gebet erin­nern. Ich sel­ber habe mich schon bei der Fra­ge ertappt, war­um läu­ten jetzt die Glo­cken? Und mich dann erin­nert: Ah, der Rosen­kranz! Und dann habe ich die­ses Gesätz gebe­tet, für die Men­schen, die in Not sind, vor allem für die vie­len, die sich ein­set­zen in der Pfle­ge, oder für die vie­len, die unser Land auf­recht­erhal­ten, in der Lebens­mit­tel­ver­sor­gung, in der Sicher­heit, im Bereich Daten­schutz und in so vie­len Berei­chen, für die wir alle dank­bar sind. Und in der Hoff­nung, dass der Herr­gott uns hilft, gut durch die­se Kri­se zu kom­men und sie mög­lichst bald zu beenden.

Inter­view: Armin Ber­ger
Bild: Anna Hofmeister