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Das glauben wir

Ein Diakon folgt dem Ruf von Papst Franziskus

Redaktion am 27.05.2021

DSC9451 Foto: Tine Limmer

Der Flug ist gebucht und Reisetaschen sind schon fast gepackt. Die Aufregung und Vorfreude ist groß. Für Diakon Günther Jäger (65 Jahre) aus Oberbuch hebt das Flugzeug am 30. Mai in Richtung Griechenland ab. Ziel ist die Insel Lesbos – die drittgrößte Insel Griechenlands in der Ägais.

Zehn Wochen wird er hier ver­brin­gen. Aber mit kris­tall­kla­rem Was­ser, Sand­strän­den, Wan­dern im Oli­ven­hain und Pini­en­wäl­der, sowie Besich­ti­gungs­tou­ren durch die sehens­wer­ten Bau­wer­ke der Insel wird es nichts werden.

Sein Rei­se­ziel ist das Flücht­lings­la­ger Moria und das Con­tai­ner­dorf Kara Tepe. Dort wird er an der Sei­te von Doro Blancke, der Initia­to­rin des Ver­eins Doro Blancke Flücht­lings­hil­fe“ mit­ar­bei­ten, über­all dort wo Not am Mann und der Frau ist – qua­si überall.

War­um muss es Moria sein und war­um Flücht­lings­hil­fe?“ so die Fra­ge, die vie­le stel­len. Gün­ther Jäger hat dar­auf eine kur­ze Ant­wort: Ich neh­me mei­nen Auf­trag als Dia­kon sehr ernst. Genau­so wie den Auf­trag von Papst Fran­zis­kus. Er hat im apos­to­li­schen Schrei­ben Evan­ge­lii Gau­di­um gesagt, dass die Kir­che an die Rän­der, an die Gren­zen der mensch­li­chen Exis­tenz gehen muss. Die­se Wor­te haben mich sehr berührt und ich habe einen direk­ten Auf­trag dar­in gesehen.“

Schon lan­ge vor sei­ner Wei­he zum Dia­kon hat er sich fest vor­ge­nom­men, sich zu für die Ärms­ten in der Welt zu enga­gier­ten. Eigent­lich woll­te ich in die Ent­wick­lungs­hil­fe, nach Afri­ka. Doch da hat­te der Herr­gott wohl einen ande­ren Plan für mich. Bis­her hat das näm­lich nicht geklappt“, schmun­zelt der 65jährige. 

Der inner­li­che Drang etwas tun zu wol­len, sei in den letz­ten Mona­ten und Wochen immer stär­ker gewor­den. Er hat den Erzäh­lun­gen von vie­len Flücht­lin­gen, die hier im Umland eine ers­te Blei­be bis zum Asyl­ver­fah­ren und dar­über hin­aus gefun­den haben gelauscht: von Krieg und Ver­fol­gung im Hei­mat­land, vom gefähr­li­chen und lebens­be­dro­hen­den Über­set­zen in maro­den Boo­ten über das Mit­tel­meer, vom Elend in den Auf­fang­la­gern, von den Zelt­städ­ten und den dort unhalt­ba­ren Zustän­den, von der Per­spek­tiv­lo­sig­keit, die dort herrscht und der Unge­wiss­heit wie lan­ge man fest­ge­hal­ten wird, bevor es einen Schritt vor- oder zurückgeht.

Wenn ich jetzt als 65-Jäh­ri­ger nach Les­bos fah­re, dann nicht um Ehre, Respekt oder Aner­ken­nung für mein Han­deln zu erhal­ten. Ich möch­te mich aktiv betei­li­gen, den Men­schen ein biss­chen Zuver­sicht zu geben. Wie ich das anstel­le, weiß ich heu­te noch nicht. Doch ich ver­traue drauf, dass der Herr mir hilft, das rich­ti­ge zu tun. Ich will ver­su­chen, den Wor­ten Jesu aus dem Gleich­nis vom Sama­ri­ter zu fol­gen, in dem Jesus sagt: „… geh und hand­le genau so …“ Man hat mir schon pro­phe­zeit, dass ich anders zurück­kom­men wer­de, als ich weg­fah­re“, so Jäger. 

Es sei recht schwie­rig gewe­sen, eine Orga­ni­sa­ti­on zu fin­den, die ihm für sein Anlie­gen eine Chan­ce gibt. Oft hieß es von natio­na­len und inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen, dass er zu alt sei, die Orga­ni­sa­ti­on eige­ne Fach­kräf­te habe oder nur eige­ne Leu­te in die Lager schi­cke. Ich woll­te aber nicht zu Hau­se sit­zen, und nur beten und spen­den. Das ist sicher bei­des sehr wich­tig und nötig, aber es genügt mir nicht mehr“, sagt er vol­ler Überzeugung.

Hil­fe die rich­ti­ge Orga­ni­sa­ti­on zu fin­den, erhielt er von Pfar­rer Micha­el Wit­ti und Pepi Raich. Pepi Raich ist Bür­ger­meis­ter in Feich­ten im Kau­ner­tal (Öster­reich) – der Part­ner­stadt Feich­tens, dem Haupt­sitz dem Pfarr­ver­band in dem er sei­nen Dienst tut. Im Pfarr­ver­band lie­gen ihm vor allem die Senio­ren, Ein­sa­men und Allein­ste­hen­den am Her­zen, die er regel­mä­ßig besucht. 

Kon­kre­te Schrit­te unter­nahm der Dia­kon erst im März die­ses Jah­res. Emails wur­den geschrie­ben und per Sky­pe per­sön­li­che Gesprä­che geführt. Schnell waren sich Blancke und Jäger sym­pa­thisch. Es hät­te auch noch eine Tätig­keit über den Arbei­ter-Sama­ri­ter­bund gege­ben. Doch die­se Orga­ni­sa­ti­on war schon einen Schritt wei­ter und betreut in Grie­chen­land jun­ge Asyl­su­chen­de in Aus­bil­dung. Das war mir schon zu weit weg von der Basis“, so Jäger. 

Wo Gün­ther Jäger auf Les­bos unter­kommt, ist eben­falls noch unbe­kannt. Ich weiß nur, dass ich in eine Pri­vat­un­ter­kunft kom­me. Wenn ich mit einer zwei­ten Per­son ein Zim­mer tei­len muss, ist das kein Pro­blem. Ich bin genüg­sam“, meint er dazu.

Der­zeit ist die 60-jäh­ri­ge Doro Blancke, die aus der Stei­er­mark stammt, vor Ort und wird mich anler­nen. Ich freue mich schon auf ein per­sön­li­ches Ken­nen­ler­nen. Wenn sie dann in den nächs­ten Wochen nach Hau­se fährt, wer­de ich eini­ge ihrer Auf­ga­ben über­neh­men. So ist der Plan. Mein Rück­flug ist für den 13. August gebucht. Wenn alles gut geht, wer­de ich an die­sem Tag wie­der ein­mal Groß­va­ter“, freut er sich jetzt schon. 

Wer sich über die Arbeit von Doro Blancke infor­mie­ren möch­te: www​.dor​o​blancke​.at

Text: Tine Limmer