Bistum

Dombauhütte Passau ist Kulturerbe

Wolfgang-Christian Bayer am 11.04.2019

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Die drei staatlichen Dombauhütten in Bamberg, Passau und Regensburg sind Immaterielles UNESCO-Kulturerbe. Die Deutsche UNESCO-Kommission hat die staatlichen Dombauhütten mit ihrer bald 100 Jahre langen Erhaltungsarbeit in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Bay­erns Bau­mi­nis­ter Dr. Hans Reich­hart gra­tu­lier­te im Rah­men einer Fei­er­stun­de an der Regens­bur­ger Dom­bau­hüt­te den Staat­li­chen Bau­äm­tern Bam­berg, Pas­sau und Regens­burg mit ihren Dom­bau­hüt­ten zu die­ser Aus­zeich­nung und über­reich­te die Pla­ket­te Imma­te­ri­el­les Kul­tur­er­be“, die an den Dom­bau­hüt­ten ange­bracht wird. Für Reich­hart ist die Aus­zeich­nung mehr als ein Sym­bol: Das Hand­werk der Dom­bau­hüt­ten hat eine lan­ge Tra­di­ti­on in Bay­ern. Sie bewah­ren das Kul­tur­er­be Bay­erns und geben es an die nächs­te Genera­ti­on wei­ter. Auf die­se Wei­se lebt in ihnen die Tra­di­ti­on ihrer mit­tel­al­ter­li­chen Vor­bil­der wei­ter.“

Die Dom­bau­hüt­ten in Regens­burg (1923 gegrün­det), Pas­sau (1928 gegrün­det) und Bam­berg (1929 gegrün­det) gehen auf frü­he mit­tel­al­ter­li­che Kir­chen­bau­ten zurück. Sie sichern den Bestand ihrer Dome, indem sie tra­dier­tes Wis­sen mit­tel­al­ter­li­cher Stein­metz­kunst bewah­ren, Aus­bil­dungs- und Ver­mitt­lungs­ar­beit leis­ten und sich mit Dom­bau­hüt­ten in ganz Euro­pa ver­net­zen. Mit der Auf­nah­me in das deut­sche Regis­ter Guter Pra­xis­bei­spie­le der Erhal­tung Imma­te­ri­el­len Kul­tur­er­bes wür­digt die Deut­sche UNESCO-Kom­mis­si­on die­se Anstren­gun­gen. Orga­ni­sa­to­risch sind die Staat­li­chen Dom­bau­hüt­ten Teil der zum Baye­ri­schen Bau­mi­nis­te­ri­um gehö­ren­den Staat­li­chen Bau­äm­ter in Bam­berg, Pas­sau und Regens­burg. Im Mai 2018 haben sie sich dem Auf­nah­me­ver­fah­ren der Bau­hüt­ten in Ulm, Köln und Frei­burg zur Ein­tra­gung des Bau­hüt­ten­we­sens bei der Deut­schen UNESCO-Kom­mis­si­on ange­schlos­sen. Gemein­sam mit ande­ren Län­dern wol­len sie das Dom­bau­hüt­ten­we­sen dar­über hin­aus bei der UNESCO als Imma­te­ri­el­les Kul­tur­er­be der Mensch­heit aner­ken­nen lassen.

2019_Dombauhütte-PA_Kulturerbe info-icon-20px Foto: Sebastian Kraft
Bayerns Bauminister Dr. Hans Reichhart (von rechts) überreichte dem Leitenden Baudirektor Norbert Sterl vom Staatlichen Bauamt Passau und dem Hüttenmeister der Dombauhütte Passau, Jérôme Zahn, eine Plakette, die die Anerkennung des Bauhüttenwesens als „Immaterielles Kulturerbe“ durch die UNESCO-Kommission dokumentiert.

Zum Imma­te­ri­el­len Kul­tur­er­be zäh­len nach dem 2003 ver­ab­schie­de­ten und von mehr als 170 Staa­ten unter­zeich­ne­ten UNESCO-Über­ein­kom­men zur Erhal­tung des Imma­te­ri­el­len Kul­tur­er­bes münd­li­che über­lie­fer­te Tra­di­tio­nen und Aus­drucks­for­men, dar­stel­len­de Küns­te, gesell­schaft­li­che Bräu­che, Ritua­le, Fes­te, Wis­sen und Bräu­che in Bezug auf die Natur und das Uni­ver­sum und tra­di­tio­nel­le Hand­werks­tech­ni­ken. Laut Deut­scher UNESCO-Kom­mis­si­on spie­len Men­schen hier­bei die Schlüs­sel­rol­le. Die oft nur münd­lich tra­dier­ten Prak­ti­ken wir­ken iden­ti­täts­stif­tend und gemeinschaftsfördernd.

Die Initia­to­ren des Antrags der Pas­sau­er Dom­bau­hüt­te, Lei­ten­der Bau­di­rek­tor Nor­bert Sterl vom Staat­li­chen Bau­amt Pas­sau und Hüt­ten­meis­ter Jérô­me Zahn, freu­en sich zusam­men mit dem gesam­ten Team, das sind aktu­ell neun Stein­met­ze, ein Laub­ma­cher, ein Maler und zwei Lehr­lin­ge, über die beson­de­re Aus­zeich­nung der Auf­nah­me in das bun­des­wei­te Ver­zeich­nis des Imma­te­ri­el­len Kul­tur­er­bes. An der Staat­li­chen Dom­bau­hüt­te Pas­sau erfolgt die stein­metz­mä­ßi­ge Stein­be­ar­bei­tung, ins­be­son­de­re bei der Neu­an­fer­ti­gung von zu erset­zen­den Werk­stü­cken, weit­ge­hend mit tra­di­tio­nel­len, teil­wei­se jahr­hun­der­te­al­ten Hand­werks­tech­ni­ken mit ent­spre­chen­den Werk­zeu­gen. Ihr Fach­wis­sen, ihre Tech­ni­ken und Fer­tig­kei­ten gibt die Dom­bau­hüt­te erfolg­reich auch an Aus­zu­bil­den­de wei­ter. Neben dem Ein­satz hand­werk­li­cher Fähig­kei­ten zur denk­mal­ge­rech­ten Erhal­tung des Doms St. Ste­phan sorgt die Pas­sau­er Dom­bau­hüt­te aber auch für eine maß­nah­men­be­glei­ten­de stän­di­ge Bau­for­schung und Bestands­er­fas­sung, auf deren Grund­la­ge die Mate­ri­al­be­schaf­fen­heit, die fach­tech­ni­sche Bear­bei­tung und das zuge­hö­ri­ge Instru­men­ta­ri­um doku­men­tiert wer­den, um die wert­vol­le Bau­sub­stanz der Pas­sau­er Kathe­dra­le auch für die Zukunft dau­er­haft zu bewahren.

Text: PM Staat­li­ches Bau­amt Passau