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Gedenken in Passau: 100 Jahre Altöttinger Gnadenbildflucht

Thomas König am 30.05.2019

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In Passau wurde am Abend an die Altöttinger Gnadenbildflucht vor 100 Jahren erinnert. Vom Kloster Niedernburg aus startete eine feierliche Prozession mit dem Gnadenbild in den Dom St. Stephan, wo Bischof Stefan Oster SDB mit vielen Gläubigen eine Maiandacht feierte.

Vor hun­dert Jah­ren: 1919 war Bay­ern ein Unru­he­herd und Schau­platz der Nach­kriegs­wir­ren. Der ers­te Welt­krieg war gera­de erst zu Ende, Elend, Not und Unsi­cher­heit in der Bevöl­ke­rung waren groß. Das führ­te zu vie­len poli­ti­schen Strö­mun­gen, auf der Suche nach einer neu­en Staats­form. Die Neu­ge­stal­tung in Bay­ern setz­ten sich vie­le extre­me und auch radi­ka­le Grup­pie­run­gen auf ihre Agen­da. Die soge­nann­ten Spar­ta­kus­grup­pen sorg­ten des­halb für gro­ße Angst in der Bevöl­ke­rung. Die Furcht vor ihnen war so groß, dass vor allem in kir­chen­na­hen Krei­sen auch die Sor­ge um das Alt­öt­tin­ger Gna­den­bild wuchs. In der Nacht vom 24. auf 25. April 1919 wur­de es schließ­lich in Sicher­heit gebracht. Ein­ge­wi­ckelt in ein­fa­ches Pack­pa­pier, trat es sei­ne aben­teu­er­li­che Flucht durch das gan­ze Bis­tum bis nach Pas­sau an. Ers­ter Zufluchts­ort in Pas­sau war damals das Klos­ter Nie­dern­burg, die Schwes­tern des Klos­ters nah­men das Gna­den­bild in ihre Obhut.

In Nie­dern­burg war auch der Start­punkt der heu­ti­gen Gedenk­fei­er­lich­kei­ten in Pas­sau. Nach Ein­tref­fen der Ehren­gäs­te aus Alt­öt­ting und des Gna­den­bil­des, wur­de zunächst eine Sta­tio in der Klos­ter­kir­che Nie­der­burg abgehalten.

Das Gna­den­bild hier in Pas­sau zu haben ist etwas ganz Beson­de­res und auch es in der Pro­zes­si­on tra­gen zu dür­fen. Es ist ein Bild, das Men­schen über Jahr­hun­der­te lang ver­ehrt haben, sie haben ihre Hoff­nun­gen hier­hin getra­gen. Es ist auch etwas Beson­de­res, weil Alt­öt­ting so ein bedeu­ten­der Ort ist. Und wenn wir ihr Bild heu­te hier im Dom haben, dann ist das großartig.”

Bischof Stefan Oster SDB im Interview

Eine fei­er­li­che Pro­zes­si­on führ­te das Dom­ka­pi­tel, Bischof Ste­fan mit dem Alt­öt­tin­ger Gna­den­bild und vie­le Gläu­bi­ge, durch die Pas­sau­er Alt­stadt in Rich­tung Dom. 

Am 10. Mai 1919, wur­de das Gna­den­bild vom dama­li­gen Bischof Sigis­mund Felix Frei­herr von Ow-Fell­dorf vom Klos­ter Nie­der­burg in den Dom gebracht. Ins­ge­samt 32 Tage blieb es dann dort und lös­te einen Ansturm von Gläu­bi­gen im Dom aus, sie alle kamen um das Gna­den­bild zu ver­eh­ren. Wall­fahrts­zü­ge aus dem gan­zen Bis­tum kamen nach Passau.

Im Dom St. Ste­phan wur­de heu­te dann Mai­an­dacht gefei­ert. Bischof Ste­fan erin­ner­te zu Beginn des Got­tes­diens­tes an sei­nen Bischofs­vor­gän­ger vor 100 Jah­ren. Die­ser hielt 1919 eine Pre­digt über die schwie­ri­gen, unru­hi­gen Zei­ten, nach dem ers­ten Welt­krieg. Und wir befin­den uns 100 Jah­re spä­ter auch in Zei­ten des Umbruchs, so Bischof Oster. 

Wir leben in Zei­ten in denen wir spü­ren, dass vie­le Unsi­cher­hei­ten bei den Men­schen da sind, vie­le Umbrü­che da sind. Auch in der Kir­che, nicht nur in der Welt. Und wir glau­ben, wer sich an die Mut­ter des Herrn hält und mit ihr zusam­men auf den Herrn schaut, der ist auf der siche­ren Seite.”

Bischof Stefan Oster SDB

Hier können Sie die Predigt von Bischof Stefan in voller Länge und einen Radiobeitrag hören:

Aus­klang der Gedenk­fei­er­lich­kei­ten an 100 Jah­re Alt­öt­tin­ger Gna­den­bild­flucht war dann ein Emp­fang im Dominnenhof.

Nach den 32 Tagen im Jahr 1919 im Pas­sau­er Ste­phans­dom wur­de das Gna­den­bild dann in einem fest­li­chen Zug wie­der nach Alt­öt­ting zurückgeführt. 

In Alt­öt­ting wird mor­gen, am 31. Mai, der Heim­kehr des Gna­den­bil­des vor 100 Jah­ren gedacht. Um 20 Uhr fin­det die letz­te Mai­an­dacht im Fran­zis­kus­haus statt. Mit einer fei­er­li­chen Lich­ter­pro­zes­si­on mit Bischof Dr. Ste­fan Oster wird das Gna­den­bild dann zur Gna­den­ka­pel­le geleitet. 

Aus­führ­li­che Infor­ma­tio­nen zur Alt­öt­tin­ger Gna­den­bild­flucht, mit Inter­views und his­to­ri­schen Foto­gra­phi­en, fin­den Sie hier: