Weltkirche

Weichenstellung für die Zukunft

Yvonne Haderer am 29.10.2019

News_2019_Vorstand PMF info-icon-20px Foto: Hildegard Mathies - Frauensmissionswerk
Das Frauenmissionswerk hat gewählt: Präsidentin Margret DieckmannNardmann (3.v.li.) wurde auf der Generalversammlung in Münster im Amt bestätigt und geht nun in ihre dritte Amtszeit. Neu gewählte Beisitzerinnen sind Professorin Dr. Dorothea Sattler, (vorne re.) und Dorothea Fuchs (2.v.li.). Mit im Bild: die Geistliche Beirätin des PMF, Schwester Christeta Hess (4.v.li.) sowie die Vorstandsmitglieder Renate Perk (ganz li.) und Hildegard Sievers (hinten re.).

Mit der Wiederwahl von Präsidentin Margret Dieckmann-Nardmann und der Neuwahl weiterer Vorstandsmitglieder – darunter Professorin Dr. Dorothea Sattler aus Münster – stellte das Päpstliche Missionswerk der Frauen in Deutschland (PMF; Frauenmissionswerk) am vergangenen Wochenende auf seiner Generalversammlung in Münster die Weichen für die Zukunft. Das in Koblenz beheimatete und weltweit tätige Hilfswerk von Frauen für Frauen und Mädchen hat zudem neue Projektziele beschlossen und strebt die Gründung des Werkes in Partnerländern an.

Mar­gret Dieck­mann-Nard­mann aus Ost­be­vern ist zum drit­ten Mal an die Spit­ze des in der katho­li­schen Kir­che ein­ma­li­gen Hilfs­wer­kes gewählt wor­den. Ihre Amts­zeit beträgt sechs Jah­re. Ich gehe mit einem tol­len, ein­satz­be­rei­ten Team sowie mit viel Power und Lust in die drit­te Amts­zeit“, sag­te die Prä­si­den­tin nach der Wahl.

Neben ihr wur­den neu in den Vor­stand gewählt: Pro­fes­so­rin Dr. Doro­thea Satt­ler, Direk­to­rin des Öku­me­ni­schen Insti­tuts an der Katho­lisch-Theo­lo­gi­schen Fakul­tät der Uni­ver­si­tät Müns­ter, und Doro­thea Fuchs aus Kai­sers­lau­tern. Bei­de sind seit die­sem Jahr auch Diö­ze­san­lei­te­rin­nen des Frau­en­mis­si­ons­wer­kes in ihren jewei­li­gen Diö­ze­sen (Satt­ler in Müns­ter, Fuchs in Speyer). 

Im Mit­tel­punkt der Gene­ral­ver­samm­lung, die drei Tage lang im Liud­gerhaus in Müns­ter tag­te, stand die Aus­rich­tung des Frau­en­mis­si­ons­wer­kes für die Zukunft. Ziel ist es, das Frau­en­mis­si­ons­werk auch in Part­ner­län­dern zu eta­blie­ren, um die Arbeit vor Ort noch bes­ser koor­di­nie­ren und damit Frau­en und Mäd­chen stär­ken und unter­stüt­zen zu kön­nen. Den Anfang soll Ruan­da machen, wo Mar­gret Dieck­mann-Nard­mann auf ihrer Pro­jekt­rei­se im August bereits ers­te Gesprä­che dazu geführt hat. Damit reagiert das Frau­en­mis­si­ons­werk auch auf den Wunsch von Pro­jekt­part­ne­rin­nen, sich vor Ort stär­ker und mit einer eige­nen PMF-Struk­tur ein­brin­gen und enga­gie­ren zu kön­nen. Das Frau­en­mis­si­ons­werk setzt sich welt­weit für Frau­en und Mäd­chen ein, die unter Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen, Benach­tei­li­gun­gen oder Gewalt lei­den – und dafür, dass Frau­en und Mäd­chen ihr Poten­zi­al voll und frei ent­fal­ten können.

Die Zukunft vie­ler Gesell­schaf­ten und die Zukunft der Welt ist eng damit ver­knüpft, dass Frau­en und Mäd­chen selbst­be­wusst und stark sind“, betont Dieck­mann­Nard­mann. Der Fort­schritt einer Gesell­schaft hängt auch davon ab, wie frei und stark ihre Frau­en sind, denn oft sind es die Frau­en, von denen wich­ti­ge Ver­än­de­run­gen aus­ge­hen und die eine Gesell­schaft zusam­men­hal­ten.“ Zudem prä­gen die Frau­en auch die Ent­wick­lung künf­ti­ger Genera­tio­nen. Des­halb setzt sich das Frau­en­mis­si­ons­werk für Bil­dung, Gesund­heits­für­sor­ge, die gesell­schaft­li­che Stär­kung und die Selbst­er­mäch­ti­gung (Empower­ment) von Mäd­chen und Frau­en ein.

News_2019-Ruanda-Jan-2018-332 info-icon-20px Foto: Frauenmissionswerk

In Ruan­da unter­stützt das Werk bereits seit lan­gem den Bau von Häu­sern für Wit­wen, die sonst weder ein Dach über dem Kopf noch den Respekt der Gesell­schaft haben. Oft wer­den die Frau­en nach dem Tod des Ehe­man­nes aus ihren Häu­sern ver­trie­ben, wird ihnen die Exis­tenz­grund­la­ge ent­zo­gen. Durch die Häu­ser, die etwa in Zusam­men­ar­beit mit der Diö­ze­se Nyun­do ent­ste­hen, bekom­men die Frau­en eine neue Exis­tenz, mehr Selbst­be­wusst­sein. Respekt und Aner­ken­nung und gestal­ten als Grup­pe die ört­li­che Gemein­de neu mit. In der Diö­ze­se Ken­ge in der Demo­kra­ti­schen Repu­blik Kon­go för­dert das Werk seit die­sem Jahr ein Pro­jekt für soge­nann­te Mäd­chen­müt­ter – Teen­ager, die zu früh schwan­ger wer­den, weil sie ver­hei­ra­tet oder ver­ge­wal­tigt wer­den. Ihnen fehlt dann oft die Exis­tenz­grund­la­ge, da sie von ihren Fami­li­en und auch von den Män­nern ver­sto­ßen wer­den. Auf Initia­ti­ve von Bischof Jean Pierre Kwambam­ba sol­len sie Lege­hen­nen erhal­ten, um sich ihren Lebens­un­ter­halt selbst ver­die­nen zu kön­nen, und dar­über hin­aus neue Chan­cen auf Schul­bil­dung und ein eigen­stän­di­ges Leben.

Wir haben uns vor Ort und welt­weit dem Kampf gegen das Klein­hal­ten von Frau­en und Mäd­chen und gegen die Unge­rech­tig­keit ver­schrie­ben“, betont Dieck­mann-Nard­mann. Gemein­sam mit ande­ren Hilfs­wer­ken, mit Frau­en­ver­bän­den und ‑initia­ti­ven wer­den wir wei­ter­hin alles dafür tun, dass Gleich­heit und Gleich­be­rech­ti­gung ver­wirk­licht wer­den. Die zahl­rei­chen Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen und Benach­tei­li­gun­gen von Frau­en und Mäd­chen müs­sen ein Ende haben! Denn unse­re Welt hat nur eine Zukunft, wenn wir alle gemein­sam an ihr mitbauen!“

In Müns­ter ging nach 126 Jah­ren auch ein prä­gen­des Kapi­tel in der Geschich­te des Frau­en­mis­si­ons­wer­kes zu Ende. Mit dem Aus­schei­den von Chris­ti­ne Weit­zel, die die Diö­ze­san­lei­tung im Bis­tum Spey­er im Som­mer nach rund einem Vier­tel­jahr­hun­dert auf eige­nen Wunsch abge­ge­ben hat­te, ende­te nun auch die Para­men­ten­fer­ti­gung zur Unter­stüt­zung der Kir­chen in den Län­dern des Südens. Hier lie­gen wich­ti­ge Wur­zeln unse­res Wer­kes und es war über 126 Jah­re eine sehr wich­ti­ge Arbeit“, sagt Mar­gret Dieck­mann-Nard­mann, aber mitt­ler­wei­le gibt es in allen Län­dern eine eige­ne Para­men­ten­fer­ti­gung. Wir kon­zen­trie­ren unse­re Kräf­te künf­tig voll­kom­men auf die Berei­che Bewusst­seins­bil­dung, Men­schen­rechts­ar­beit und den part­ner­schaft­li­chen Ein­satz für die Eine Welt.“

Info: Gegrün­det wur­de das Frau­en­mis­si­ons­werk im Jahr 1893 von Katha­ri­na Schyn­se aus Wall­hau­sen. Sitz der Zen­tra­le ist Koblenz. Das Frau­en­mis­si­ons­werk enga­giert sich mit sei­nen Mit­glie­dern aus der­zeit 18 deut­schen Diö­ze­sen für die Rech­te von Frau­en und Mäd­chen welt­weit sowie für die part­ner­schaft­li­che Ent­wick­lung in allen Tei­len der Welt.

Text: Hil­de­gard Mathies