Soziales

Heimvolksschule St. Maria will „Kindern Heimat geben“

Redaktion am 25.05.2023

Bp St Maria Fuerstenzell Neue Wohngruppen 02 Fotos: Brunner
Strahlende Gesichter gab es bei der Besichtigung der neuen Wohngruppen der Heimvolksschule St. Maria in Fürstenzell: v.l. Gesamteinrichtungsleiter Maik Hollstein, SLW-Vorstandsvorsitzender Johannes Erbertseder, Marianne Lüddeckens vom Förderverein Sternstunden e.V., SLW-Präses Bruder Marinus Parzinger, Fürstenzells Bürgermeister Manfred Hammer, Josef Bauer vom Caritas-Landesverband Bayern, Kreisjugendamtsleiter Stefan Geiß und Priorin Schwester Helene Binder vom Benediktinerinnenkloster Neustift als frühere Trägerin der Einrichtung.

Neue Wohngruppen im alten Schwestern-Klausurbereich eingeweiht – Großzügige Förderung durch Sternstunden e.V. – Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe im Landkreis.

Wo bis vor weni­gen Jah­ren die ehr­wür­di­gen Schwes­tern des Bene­dik­ti­ne­rin­nen­klos­ters Neu­stift bei Orten­burg, frü­he­rer Trä­ger der Heim­volks­schu­le St. Maria in Fürs­ten­zell, gelebt und gebe­tet haben, ist nun neu­es Leben ein­ge­kehrt. Die Kin­der- und Jugend­hil­fe­stif­tung Sera­phi­sches Lie­bes­werk (SLW) Alt­öt­ting ließ den ehe­ma­li­gen Klau­sur­be­reich sanie­ren und dort Wohn­grup­pen mit fami­liä­rem Cha­rak­ter ver­wirk­li­chen. Wir wol­len den Kin­dern Hei­mat geben“, beton­te der SLW-Vor­stands­vor­sit­zen­de Johan­nes Erb­erts­eder bei der fei­er­li­chen Einweihung.

Im Bei­sein einer Rei­he von Ehren­gäs­ten – dar­un­ter auch Mari­an­ne Lüd­de­ckens von der Pro­jekt­ab­tei­lung des gemein­nüt­zi­gen För­der­ver­eins Stern­stun­den e.V., der die Ein­rich­tung mit 650.000 Euro unter­stützt hat – sprach Erb­erts­eder von der nun­mehr wie­der­be­leb­ten Kern­kom­pe­tenz in der sta­tio­nä­ren Betreu­ung und Inter­nat-Unter­brin­gung von Kin­dern und Jugend­li­chen in Fürs­ten­zell. Wegen der Coro­na-Pan­de­mie, aber auch auf­grund der Sanie­rungs­be­dürf­tig­keit der Räum­lich­kei­ten hat­te es die­se Funk­ti­on für eine Wei­le nicht mehr gege­ben, wie der SLW-Spre­cher erzähl­te, der auch auf die Idee auf­merk­sam mach­te, dass sich die nach dem Weg­gang der Neu­stif­ter Schwes­tern ver­wais­ten Klau­sur­zel­len für heil­päd­ago­gi­sche Wohn­grup­pen, für Erzie­hungs­hil­fe für bestimm­te Ziel­grup­pen unter einem ent­spre­chen­den För­der­zweck eig­nen könnten.

Erb­erts­eder erin­ner­te dar­an, dass auch die Bene­dik­ti­ne­rin­nen bereits inklu­siv in dem Sozi­al­raum der Heim­volks­schu­le St. Maria in Fürs­ten­zell Kin­der mit Trau­ma­ta und schwe­ren Schick­sals­schlä­gen als Hin­ter­grund auf­ge­nom­men hat­ten. Der Gesamt­ein­rich­tungs­lei­ter Maik Holl­stein ver­wies dar­auf, dass es sich bei den Wohn­grup­pen um einen Schutz­raum“ han­de­le, der erst nach Klop­fen an der jewei­li­gen Tür betre­ten wer­den dür­fe. Es sei ein lan­ger Weg gewe­sen, mit Unter­stüt­zung der betref­fen­den Fach­stel­len und Behör­den die Wohn­grup­pen im ehe­ma­li­gen Schwes­tern­heim zu schaf­fen, wo im Erd­ge­schoß nun die Ver­wal­tung von St. Maria sitzt. In den bei­den dar­über­lie­gen­den Gescho­ßen befin­den sich laut Holl­stein nun die Wohn­grup­pe Miri­am mit neun Plät­zen – dar­un­ter wel­che aus­schließ­lich für den Land­kreis Pas­sau – und die Wohn­grup­pe Tre­vor mit sechs Plät­zen spe­zi­ell für soge­nann­te unbe­glei­te­te min­der­jäh­ri­ge Geflüchtete.

Nach Holl­steins Wor­ten besteht hier eine Mischung zwi­schen the­ra­peu­ti­schen und heil­päd­ago­gi­schen Grup­pen. Bei­de sei­en voll belegt – auch per­so­nell, berich­te­te der Ver­ant­wort­li­che erfreut. Die Kin­der füh­len sich sehr wohl hier“, füg­te er hin­zu. Die Zim­mer sei­en über­wie­gend mit Nass­zel­len aus­ge­stat­tet. Die Eta­gen hät­ten bereits die Schwes­tern bar­rie­re­frei umge­stal­ten las­sen, so Holl­stein, der die Frei­wil­lig­keit des Auf­ent­halts unter­strich. Es sei kei­ne geschlos­se­ne Ein­rich­tung, merk­te der Haus­herr“ ergän­zend an, der dar­über infor­mier­te, dass immer zwei Per­so­nen im Nacht­dienst ver­füg­bar sind. Die Bewoh­ner sei­en zwi­schen 14 und 18 Jah­ren alt. Täg­lich wer­den im gesam­ten Spek­trum der Heim­volks­schu­le St. Maria in Fürs­ten­zell rund 500 Kin­der betreut. Die Bau­kos­ten für die Umge­stal­tung des Schwes­tern­heims haben rund 1,2 Mil­lio­nen Euro betra­gen. Betriebs­start für die­ses laut Holl­stein kom­ple­xe und sehr her­aus­for­dern­de Arbeits­feld war bereits im Juni 2022.

In den Jah­ren 2018 und 2019 habe es auf Basis der kla­ren Ein­stel­lung des SLW zum Erhalt der Wohn­for­men an der Heim­volks­schu­le St. Maria ers­te Ideen zur Wei­ter­füh­rung des Inter­nats als Kern­ele­ment der Gesamt­ein­rich­tung gege­ben, teil­te Maik Holl­stein mit. Es sei immer Prio­ri­tät gewe­sen, das Heim zu erhal­ten, doch zunächst habe die frü­he­re Women-Power“ der Schwes­tern gefehlt, räum­te der Gesamt­ein­rich­tungs­lei­ter ein. Auch die anfäng­li­chen Beden­ken aus der Eltern­schaft und der Nach­barn ver­hehl­te er nicht. Sofort Offen­heit habe es bei dem rela­tiv früh kon­tak­tier­ten Stern­stun­den e.V. gege­ben. Trotz Coro­na habe man die Wohn­plät­ze und die damit ver­bun­de­nen Stel­len der Mit­ar­bei­ter gesi­chert, skiz­zier­te Holl­stein die Situa­ti­on. Zum 31. August 2021 sei die Still­le­gung des Inter­nats mit gleich­zei­ti­gem Start des Umbaus – zwei Jah­re spä­ter als zunächst vor­ge­se­hen – erfolgt. 

Ein wei­te­rer Schritt sei die Umwid­mung in Schü­ler­woh­nen auf­grund des rus­si­schen Angriffs­krie­ges auf die Ukrai­ne gewe­sen, stell­te Holl­stein fest. Der ers­te ukrai­ni­sche Flücht­ling sei am 16. März 2022 auf­ge­nom­men wor­den. Ende Juni 2022 begann der Betrieb der heil­päd­ago­gi­schen Wohn­grup­pe Miri­am, Mit­te Okto­ber folg­te die Wohn­grup­pe Tre­vor. Die Arbeit lau­fe Hand in Hand mit der Schu­le und bie­te den Kin­dern die Chan­ce, hier neu anzu­fan­gen.“ Der Haus­lei­ter zeig­te den Zuhö­rern ein paar Fall­bei­spie­le für Aus­gangs­si­tua­tio­nen auf, nach denen Kin­der und Jugend­li­che in die Wohn­grup­pen kom­men – bei­spiels­wei­se infol­ge von häus­li­cher Gewalt und Unter­drü­ckung, eben­so aus Fami­li­en mit Eltern, die Sucht­mit­tel im Haus­halt kon­su­mie­ren, oder als Kon­se­quenz der psy­chi­schen Erkran­kung der allein­er­zie­hen­den Mut­ter, aber auch nach der Ent­wur­ze­lung durch die Flucht aus Kriegs­re­gio­nen und aus Hei­mat­län­dern mit unsi­che­ren Lebensperspektiven.

Den Rei­gen der Gruß­wor­te eröff­ne­ten denn auch zwei jeweils 15-jäh­ri­ge Syrer, die sich dank­bar zeig­ten für die Auf­nah­me in der Wohn­grup­pe von St. Maria und für damit ver­bun­de­nen Chan­cen durch den Schul­be­such. Der eine Jugend­li­che möch­te danach eine Aus­bil­dung zum Auto­me­cha­ni­ker machen, wie er ver­riet. Der ande­re, der sei­ne Fami­lie seit Jah­ren nicht mehr gese­hen hat und Deutsch­land als sein Hei­mat­land bezeich­ne­te, möch­te spä­ter stu­die­ren und Zahn­arzt wer­den. Der Applaus des Publi­kums war den bei­den sym­pa­thi­schen jun­gen Män­nern sicher.

Wir brau­chen jeden Platz und jede Inves­ti­ti­on in die­sem Bereich“, gab der stell­ver­tre­ten­de Land­rat Klaus Jeggle zu beden­ken, der die wert­vol­le päd­ago­gi­sche Arbeit lob­te. Jeder Mensch, den wir hier wie­der auf die Spur brin­gen, ist ein Gewinn für die Gesell­schaft“, kon­sta­tier­te der Reprä­sen­tant des Land­krei­ses, der es als äußerst wich­tig ansah, sich um jun­ge Leu­te zu küm­mern und ihnen zu ver­mit­teln, Du kannst was.“ Fürs­ten­zells Bür­ger­meis­ter Man­fred Ham­mer hieß beson­ders die bei­den jun­gen Syrer will­kom­men. Die Heim­volks­schu­le St. Maria mit ihrem vol­len Pro­gramm wür­dig­te er als sehr wert­vol­len päd­ago­gi­schen Leucht­turm für die Markt­ge­mein­de, den Land­kreis und die Regi­on dar­über hin­aus. Bedeut­sam sei Sen­si­bi­li­tät, wenn ein Kind in Gefahr sei, so der Bür­ger­meis­ter. Der Schul­stand­ort mit vie­len unter­schied­li­chen Ange­bo­ten bie­te bes­te Rah­men­be­din­gun­gen. Ham­mers Bot­schaft am Schluss lau­te­te: Kin­der müs­sen Kind sein dürfen.“

Bp St Maria Fuerstenzell Neue Wohngruppen 01 Foto: Brunner

Text: Bern­hard Brunner

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