Bistum

Impressionen vom zweiten Adoratio-Kongresstag in Altötting

Wolfgang-Christian Bayer am 16.11.2019

Adoratio8_Bayer info-icon-20px Foto: Wolfgang-Christian Bayer

Der zweite Tag des Adoratio-Kongresses in Altötting startete mit einem Morgenlob zum Mitsingen, im großen Saal des Kultur+Kongresszentrums. Im Anschluss daran erklärte Pater Hans Buob in seinem Vortrag wie Anbetung in seinem Sinne richtig ausgeübt werden sollte.

"Zuhören ist wichtiger als Reden."

Gott aner­ken­nen heißt, zuerst ein­mal, auf ihn hören“, sag­te Pater Hans Buob in sei­nem Vor­trag Anbe­ten — wie geht das?“ Schließ­lich hei­ße es beim Schma Isra­el“ nicht Rede, Isra­el“, son­dern Höre, Isra­el“. Jedes Gebet sol­le mit einer Fra­ge begin­nen: Gott, wer bist du? Um dann immer mehr auf die Ant­wort zu kom­men: Gott ist der, der mir immer neu begeg­nen will. Buob stell­te klar, dass viel Beten durch dämo­ni­sche Got­tes­bil­der“ gestört sei.

Gott wün­sche sich, dass wir Bezie­hung zu ihm suchen — er sei kein böser, bestra­fen­der Gott. Ver­su­chen Sie, die­se dämo­ni­schen Got­tes­bil­der aus Ihrem Unter­be­wusst­sein her­aus­be­kom­men!“, so Buob. Die zwei­te Fra­ge, die unmit­tel­bar auf die ers­te fol­ge, sei: Wer bin ich? Mit der Ant­wort: Der, den Gott aus Lie­be geschaf­fen hat. Anbe­ten sei auch, sei­ne Dank­bar­keit dafür aus­zu­drü­cken: Ich kom­me aus einer unend­li­chen Lie­be — und die­se Lie­be spricht mich täg­lich an.“

Da wo Anbe­tung statt­fin­det, wach­sen Beru­fun­gen, zeig­te der US-Ame­ri­ka­ner David Craig, Begrün­der des Apos­to­lats Ado­ra­ti­on for Voca­ti­ons“ in sei­nem Work­shop auf. Er sprach von sei­ner eige­nen Pfar­rei, die noch kei­ne ein­zi­ge Pries­ter­be­ru­fung her­vor­ge­bracht hat­te. Nach einer Frei­tags­an­be­tung im Jahr 1995, zu der er ein­ge­la­den hat­te und zu der 150 Men­schen kamen, tra­ten drei jun­ge Män­ner in das Pries­ter­se­mi­nar ein. Der Vati­kan mit Johan­nes Paul II. hör­te von dem Fall, über den die Medi­en berich­te­ten, und bestärk­te Craig dar­in Ado­ra­ti­on for Voca­ti­on“ zu grün­den. Die Demut, in der Gott sich vor mir in der Anbe­tung zeigt, ver­an­lasst mich dazu zu sagen: Sen­de mich, um das zu tun, was du möchtest.“

"Gott ist treu – er wird antworten!"

Wenn es nach David Craig geht, dann soll­ten Beter nicht mit einer Ein­kaufs­lis­te“ vor Gott tre­ten, son­dern dem Herrn mit offe­nem Her­zen begeg­nen“, ihn fra­gen: Was soll ich tun?“ sowie bit­ten: Sen­de mich dahin, wo Du mich brauchst“ und dann ein­fach „(hin)hören“. Denn der Mit­be­grün­der des Apos­to­la­tes Ado­ra­ti­on for Voca­ti­ons“ aus Connecticut/​USA ist sich sicher: Gott ist treu – er wird ant­wor­ten“. In sei­nem Work­shop im Rah­men des Ado­ario Kon­gres­ses in Alt­öt­ting mit über 120 Teil­neh­mern erklär­te er u.a., war­um Anbe­tung und dabei ins­be­son­de­re das Gebet um Pries­ter­be­ru­fun­gen wich­tig ist. Auch Bischof Ste­fan Oster war unter den Besu­chern des Workshops.

Über sei­ne eige­ne Moti­va­ti­on sag­te der Vater von zwei Kin­dern und drei Enkel­kin­dern: Ich will den Glau­ben wei­ter­ge­ben.“ Ohne Pries­ter gebe es aber kei­ne Fei­er der Eucha­ris­tie; als Katho­lik sei es ihm aber ein beson­de­res Anlie­gen, den Kin­dern zu ver­mit­teln, dass Jesus in der Hos­tie wirk­lich Chris­tus ist“. Craig ani­mier­te die Teil­neh­mer dazu in zwei­er­lei Anlie­gen zu beten: um Pries­ter­be­ru­fun­gen ganz all­ge­mein sowie um das Hei­lig­wer­den unse­rer Priester“.

Mit einer Rei­he von Bei­spie­len beleg­te Craig, dass das Gebet um Beru­fun­gen tat­säch­lich Früch­te trägt. Er begann mit der Geschich­te sei­ner eige­nen Pfar­rei in Con­nec­ti­cut, die rund 60 Jah­re lang kei­ne ein­zi­ge Beru­fung hat­te und dann auf ein­mal gleich drei Pries­ter­amtskan­di­da­ten auf ein­mal. Alle drei hät­ten sich gemel­det, kurz nach­dem er in sei­ner Pfar­rei eine Anbe­tung um Pries­ter­be­ru­fun­gen ins Leben geru­fen hat­te und alle drei sei­en heu­te hei­li­ge und glück­li­che Pries­ter“. Craig erzähl­te auch, wie die Initia­ti­ve Ado­ra­ti­on for Voca­ti­ons“ in Rom ankam, wie sie von Papst Johan­nes Paul II. unter­stützt wur­de und heu­te in vie­len Län­dern erfolg­reich prak­ti­ziert wird

Am Ende sei­ner Aus­füh­run­gen emp­fahl er das Buch IN SINU JESU: Wenn das Herz zum Her­zen spricht – Auf­zeich­nun­gen eines Pries­ters im Gebet“ eines nament­lich nicht bekann­ten Bene­dik­ti­ners und bat die Teil­neh­mer um das Gebet für die Kir­che in den USA“ – Seid ver­si­chert: wir beten auch für euch“, sag­te er.

"Werde wer du bist!" - Predigt von Bischof Stefan

Wer­de, wer du bist!“, habe es schon bei den alten Grie­chen gehei­ßen, sag­te Bischof Ste­fan Oster in sei­ner Pre­digt bei der Eucha­ris­tie­fei­er am Sams­tag auf dem Ado­ra­tio-Kon­gress in Altötting.

Der alte Sokra­tes habe einst gesagt, wer die Wahr­heit erken­ne, aber nicht tue, habe sie wohl noch nicht rich­tig ver­stan­den. Die Chris­ten dage­gen, so Bischof Oster wei­ter, sie kann­ten anders als die Grie­chen die Wirk­lich­keit der Sün­de. Mit der Erkennt­nis allein sei es daher noch nicht getan. Sie wuss­ten, der alte Adam, wie Pater Buob heu­te Vor­mit­tag so schön gesagt hat, ist in der Tau­fe nicht ersof­fen, er kann schwim­men!“ Sün­de aber sei nicht zuerst die böse Tat, sag­te der Bischof wei­ter, son­dern zuerst die inne­re Ent­fer­nung von Gott. Die böse Tat sei erst die Kon­se­quenz aus die­ser Entfernung.

Wann wur­de Petrus wirk­lich zum Fels der Kir­che? Ich glau­be, als er dem Auf­er­stan­de­nen beim Fischen begeg­ne­te.“ Petrus sei unter dem Kreuz noch davon­ge­rannt, habe vor­her aber noch die Klap­pe auf­ge­ris­sen“. Doch Jesus macht ihm danach kei­nen Vor­wurf, stellt nur eine Fra­ge: Petrus, liebst du mich?“Jesus habe in Petrus die Beru­fung früh gese­hen. Und Petrus begann erst jetzt wirk­lich im Her­zen zu ver­ste­hen. Er begann zu wer­den, wer er ist — durch die ver­ge­ben­de Lie­be Got­tes und sein Ja zu ihr. Wir, so Bischof Oster, wol­len ler­nen Ja“ zu sagen — so wie auch Maria Ja gesagt hat, die im tiefs­ten Sinn zuerst Wohn­ort Got­tes in der Welt, also Kir­che, sei.

Es geht einem wirk­lich das Herz auf.”

Weihbischof Florian Wörner
Adoratio_15_Bayer info-icon-20px Foto: Wolfgang-Christian Bayer

Im Inter­view beton­te der Weih­bi­schof von Augs­burg, Flo­ri­an Wör­ner, wie wich­tig er den Ado­ra­tio-Kon­gress erach­te: Ich emp­fin­de es als ganz, ganz gro­ße Ver­an­stal­tung. Die Reso­nanz von über 1.600 Teil­neh­mer zeigt, dass ein gro­ßes Inter­es­se da ist.” Er sehe den Kon­gress in vie­ler­lei Hin­sicht als gro­ßen Gewinn, da sich die Men­schen nach Anbe­tung seh­nen und die­se ver­tie­fen wol­len, vor allem in der Gemein­schaft, so der Weihbischof.

Hier bekom­men sie wert­vol­le Impul­se durch die Vor­trä­ge, die Fei­er der Got­tes­diens­te und die Pre­dig­ten. Wenn es die Ver­an­stal­tung jetzt nicht schon hier in Alöt­ting geben wür­de, dann müss­te man sie wirk­li­che erfin­den”, schwärmt Weih­bi­schof Wör­ner. Die schö­ne Musik, die Licht­ef­fek­te, die stim­mungs­vol­le Situa­ti­on in der Kir­che und dazu die offe­nen und begeis­ter­ten Men­schen sei­en wundervoll.

Anbe­tung heißt: Gott du bist Gott und ich bin Geschöpf.” Bei­de Fra­gen, wer ist Gott und wer bin ich, sei­en enorm wich­tig zu beant­wor­ten und die Anbe­tung sei die bes­te Gele­gen­heit dafür.

"Fangt einfach an..."

Beim Podi­ums­ge­spräch über bewähr­te Model­le von Gebets­aben­den erzähl­ten jun­ge Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter erfolg­rei­cher Initia­ti­ven wie Night­fe­ver”, Night­fire”, Holy Hour” (Jugend 2000), Abend der Barm­her­zig­keit” (Gemein­schaft Emma­nu­el), das Schwei­zer Ado­ray” und die öster­rei­chi­sche Loretto”-Gemeinschaft von ihren Erfah­run­gen mit eucha­ris­ti­scher Anbe­tung und der Sehn­sucht jun­ger Men­schen nach Stil­le. Außer­dem gab es hilf­rei­che Tipps in Sachen Start­schwie­rig­kei­ten, Lob­preis­mu­sik und Pro­fes­sio­na­li­sie­rung — Fangt ein­fach an, am Ende wirkt der lie­be Gott”, so der abschlie­ßen­de Auf­ruf an die Zuhörerschaft.

Vol­ler Humor zeig­te Pfar­rer Bern­hard Hes­se den Zuhö­ren­den sei­nes Bei­trags Von der Anbe­tung zur Evan­ge­li­sie­rung” den Weg auf, wie sie als Kat­zen” in die Anbe­tung hin­ein­ge­hen — und als Löwen” wie­der her­aus­kom­men kön­nen. Oft lie­fen in der Kir­che so vie­le Din­ge schief, weil ihre Mit­glie­der nicht die Rei­hen­fol­ge ein­hiel­ten, sag­te Hes­se: Jesus gehö­re näm­lich an die ers­te Stel­le, nichts und nie­mand sonst. Anbe­tung sei der Ort, die­se Rei­hen­fol­ge ein­zu­üben. Bei der Anbe­tung steht Jesus ganz vor­ne“, sag­te Hes­se und zitier­te einen Tweet von Papst Fran­zis­kus: Nur in der Stil­le des Gebe­tes kön­nen wir die Stim­me Got­tes hören.” Des­halb kön­ne, so Hes­se, eine Evan­ge­li­sie­rung ohne das Gebet nicht frucht­bar sein: Ich möch­te Euch wün­schen, Euch Jesus ganz aus­zu­set­zen und Euch von ihm ent­zün­den zu las­sen“, sag­te er.

Auch das Ehe­paar Gabrie­le und Man­fred Spö­ckel­ber­ger berich­te­te von sei­nen Erfah­run­gen mit dem Gebet. Er habe dadurch zu einem neu­en, tie­fen Glau­ben gefun­den — und den Mut für eine lebens­wich­ti­ge Ope­ra­ti­on. Schwes­ter Mecht­hild Stei­ner gab nach dem Vor­trag von Pfar­rer Bern­hard Hes­se Zeug­nis und erzähl­te, wie beliebt die Anbe­tungs­näch­te bei Schü­le­rin­nen und Schü­lern sind. Näch­te, in denen die Schü­ler ein­ge­la­den sind, in der Schu­le zu über­nach­ten und dabei die eucha­ris­ti­sche Anbe­tung kennenzulernen. 

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Bischof Oster beim Buchsignieren: Das Credo-Buch des Bischofs entwickelt sich zum Verkaufsschlager auf dem Kongress.
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Bischof Stefan beim Workshop für Priester und Diakone: "Wo drückt der Schuh?"

Gebetsabend für die deutschsprachigen Länder

0O3A9065 info-icon-20px Foto: Anna Hofmeister

Zwei jun­ge Frau­en zün­de­ten 45 Ker­zen an — eine für jede Diö­ze­se der Län­der Deutsch­land, Öster­reich und Schweiz. Gemein­sam bete­ten die in der Basi­li­ka ver­sam­mel­ten Gläu­bi­gen für eine Erneue­rung des Glau­bens in den Pfar­rei­en, aus denen sie ange­reist waren. Wir wol­len unse­re Her­zen öff­nen, um uns von die­ser Glut anste­cken zu las­sen, die­sem ewi­gen Feu­er einer Son­ne, die nie unter­geht”, sag­te die Mode­ra­to­rin und wies dar­auf hin, dass eine Mons­tranz nicht umsonst son­nen­för­mig sei. Dass die Gegen­wart Jesu von dort aus in alle Orte und Pfar­rei­en aus­strah­len könne.

Von die­ser Glut han­del­te auch das Zeug­nis die­ses Abends: Jesus ließ mich ver­ste­hen, dass ich nie­mals ein­sam gewe­sen war”, erzähl­te Pater Johan­nes von Habs­burg, der einst Top-Bän­ker in Frank­reich war und nun als Pries­ter der Gemein­schaft Eucha­ris­tein” Men­schen mit Schwie­rig­kei­ten unter­stützt, von sei­nem per­sön­li­chen Glau­bens­weg. Sein gan­zes Sein ist mir gewid­met — und mein gan­zes Ich ist dazu bestimmt, Ihm zu gehö­ren. Das hat mich unglaub­lich tief berührt.”