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Das glauben wir

Normal leben können – ein Geschenk

Redaktion am 25.08.2021

S11 Zoo PB info-icon-20px Foto: Dr. Barbara Osdarty / pbb

Franz ist ein Teenie wie alle anderen – wieder. Denn seine Welt und die seiner Familie ist aus den Fugen geraten: Diagnose Leukämie. Doch Franz hat gekämpft und ist nun, dank einer Knochenmarkspende, auf dem Weg der Besserung.

Er spielt gern Fuß­ball. Eigent­lich. Trifft sich mit Freun­den, um gemein­sam die Frei­zeit zu ver­brin­gen. Nor­ma­ler­wei­se. Doch aktu­ell ist alles anders – und das hat aus­nahms­wei­se nichts mit Coro­na zu tun. Denn Franz hat vor etwa neun Mona­ten erfah­ren, dass er an Leuk­ämie lei­det. Seit­dem hat sich sein Leben erheb­lich ver­än­dert, und auch, wenn er zum Glück aktu­ell auf dem Weg der Bes­se­rung ist: Genau wie vor der Dia­gno­se wird es wohl noch eine gan­ze Wei­le nicht sein.

Mit so etwas hät­ten wir natür­lich nie gerech­net – aber wer rech­net auch mit sol­chen Din­gen?“, erin­nert sich Andrea Eis­ner, die Mut­ter von Franz, an den Dezem­ber 2020. Wir haben schon bemerkt, dass Franz auf ein­mal etwas schlapp war, kei­ne Kon­di­ti­on hat­te. Das passt nicht zu ihm, denn eigent­lich ist er sehr sport­lich und aktiv. Aber da haben wir uns noch nicht viel dabei gedacht – immer­hin konn­te man wäh­rend der gan­zen Coro­na-Zeit ja auch kaum raus. Wir haben es dar­auf gescho­ben, dass er sich in der Zeit zuvor zu wenig bewegt hat. Und ehr­lich gesagt: Ich hat­te auch den Ver­dacht, dass es dar­an lie­gen könn­te, dass er wäh­rend Coro­na mehr am Han­dy und Com­pu­ter war – da dach­te ich, er hat viel­leicht ein­fach kei­ne Lust auf Sport.“ Des­halb frag­te sie Franz, ob er mit ihr zum Lau­fen geht – der war sofort dabei. Doch schon nach einer kur­zen Stre­cke war er völ­lig erschöpft. Spä­tes­tens da habe ich gemerkt, dass wirk­lich etwas nicht stimmt. Man hat gese­hen, wie sehr es ihn ärgert – aber er konn­te ein­fach nicht mehr. Dar­auf­hin sind wir dann gleich zum Arzt.“

Das war am 17. Dezem­ber 2020. Schon am 18. dann die Dia­gno­se: Leuk­ämie. Die Fami­lie ist natür­lich aus allen Wol­ken gefal­len, doch viel Zeit zum Nach­den­ken blieb nicht. Franz muss­te sofort in die Kin­der­kli­nik, das Blut­bild war so besorg­nis­er­re­gend, dass es unmit­tel­bar danach nach Regens­burg ging, weil man dort auf ent­spre­chen­de The­ra­pien spe­zia­li­siert ist. Schon am 23. Dezem­ber star­te­te die ers­te Che­mo-The­ra­pie. Aus­ge­rech­net vor Weih­nach­ten“, erin­nert sich Franz. Das war für ihn beson­ders schlimm, denn er hat­te sich schon so aufs Fest gefreut. Wegen Coro­na durf­te dann auch immer nur ein Eltern­teil bei ihm im Kran­ken­haus sein, Mama und Papa haben sich abge­wech­selt, auch an den Fei­er­ta­gen. Aber ganz schön vie­le Geschen­ke gab es in die­sem Jahr“, strahlt Franz, von der Fami­lie, den Freun­den, aber auch von der Kli­nik.“ Die Mit­ar­bei­ter dort haben sich ganz viel Mühe gege­ben, bei jedem Kind her­aus­ge­fun­den, womit es gern spielt. Durch Spen­den­gel­der wur­de es mög­lich, genau die­se Din­ge zu besor­gen. Bei Franz war es Lego. Das hat ihn unheim­lich gefreut und auch wirk­lich auf­ge­mun­tert. Über­haupt scheint das eine sei­ner her­aus­ra­gen­den Eigen­schaf­ten zu sein: Selbst der schlimms­ten Situa­ti­on noch etwas Gutes abge­win­nen zu können. 

Denn obwohl die ers­te Che­mo ihn sehr belas­tet hat, erzählt Franz ganz offen über die­se Zeit, über die Ängs­te, aber auch die guten Momen­te; vor allem spricht er aber davon, was er jetzt alles schon wie­der kann und darf und was er sich für die nächs­te Zeit wünscht. Denn Franz blickt nach vor­ne, nicht zurück. 

Dass er das kann, das ver­dankt er einem Men­schen, der bereit war, sich typi­sie­ren zu las­sen und Kno­chen­mark zu spen­den. Wir wis­sen, dass es ein 20-jäh­ri­ger Deut­scher war, mehr wis­sen wir aber lei­der nicht“, erzählt Andrea. In zwei Jah­ren kann die Fami­lie einen Antrag stel­len, dass sie den Spen­der ken­nen­ler­nen möch­te. Also ich möch­te das unbe­dingt“, betont Andrea. Franz zögert ein biss­chen. Ich bin ihm so dank­bar, weil er mein Leben geret­tet hat“, beschreibt er. Aber es ist auch ein biss­chen komisch, weil ich ken­ne ihn ja gar nicht und weiß auch nicht, wie er ist.“ Letzt­lich wür­de er den Men­schen, dem er alles ver­dankt, aber auch gern ein­mal tref­fen. Ich habe ja jetzt sogar sei­ne Blut­grup­pe“, erklärt Franz. Die hat sich näm­lich mit der Spen­de ver­än­dert. Auch span­nend: Franz hat jetzt zwei ver­schie­de­ne DNA‘s, im Spei­chel eine ande­re als im Blut. In sol­chen medi­zi­ni­schen Fra­gen ist er nun Fach­mann, not­ge­drun­gen. Franz war bei allen Arzt­ge­sprä­chen dabei. Die Ärz­te haben sich viel Zeit genom­men, nicht nur uns, son­dern auch ihm alles zu erklä­ren, das war auch uns wich­tig“, so Andrea. Beson­ders anstren­gend war für die Fami­lie das War­ten dar­auf, dass ein pas­sen­der Spen­der gefun­den wird: In der Kli­nik waren alle immer zuver­sicht­lich, dass es klap­pen wird. Die­se Zuver­sicht hat auf uns abge­färbt. Natür­lich gab es Momen­te, in denen wir Angst hat­ten oder zwei­fel­ten, aber im Gro­ßen und Gan­zen haben wir fest dar­an geglaubt, dass alles gut­ge­hen wird. Schließ­lich kam die Nach­richt, dass vier Spen­der even­tu­ell in Fra­ge kom­men – gleich zwei haben dann auch wirk­lich genau gepasst.“ 

Die Tage vor der Trans­plan­ta­ti­on – das waren die Momen­te, in denen alle am meis­ten gezit­tert haben. Es ist eine schwie­ri­ge Pro­ze­dur, und wir haben natür­lich gehofft, dass alles gut geht. Zwi­schen­durch war nicht klar, ob die Trans­plan­ta­ti­on wie­der­holt wer­den muss – da waren wir schon sehr in Sor­ge“, sagt Andrea, aber man muss kämp­fen, hof­fen, beten.“ Wäh­rend all der Zeit haben sich die Eis­ners von Freun­den und Fami­lie getra­gen gefühlt. So vie­le Men­schen haben Anteil genom­men. Ich sage immer: Jeder, der mag, darf fra­gen, wie es uns geht. Denn so spü­ren wir, dass Men­schen an uns den­ken. Ich emp­fin­de das nicht als Neu­gier­de, son­dern Anteil­nah­me. Das tut uns gut, auch Franz.“ Von sei­ner Minis­tran­ten­grup­pe hat Franz ein Pla­kat gebas­telt bekom­men, mit guten Wün­schen und Fotos von den Freun­den. Georg Kibitz­neck, der regel­mä­ßig nach Alt­öt­ting wall­fahr­tet, hat von Franz‘ Schick­sal gehört und sich spon­tan bereit erklärt, für ihn zur Got­tes­mut­ter zu gehen. Die Eis­ners kann­ten ihn vor­her gar nicht, haben sich aber sehr über die Anteil­nah­me gefreut. Das Kreuz, das der Pil­ger in Alt­öt­ting hat seg­nen las­sen, wird Franz in Ehren hal­ten. Der­zeit sieht alles danach aus, als wäre die Trans­plan­ta­ti­on sehr erfolg­reich ver­lau­fen. 99,9 Pro­zent mei­ner Stamm­zel­len sind schon neu“ – Franz ist die Erleich­te­rung anzu­se­hen. Umso mehr, als sich zunächst die neu­en Zel­len nicht in dem Maß wie erhofft zu bil­den began­nen. Aber plötz­lich star­te­ten sie durch – seit­dem geht es auf­wärts. Natür­lich sind noch vie­le Kon­troll­un­ter­su­chun­gen nötig, doch wenn sich alles wei­ter­hin so gut ent­wi­ckelt, kann Franz viel­leicht schon im Win­ter wie­der ganz nor­mal am All­tag teil­neh­men, spie­len, ler­nen, mit Freun­den zusam­men sein. 

So gese­hen war es auch wie­der gar nicht so schlecht, dass uns das genau wäh­rend Coro­na pas­siert ist“, fin­det Andrea. Am Online-Unter­richt konn­te Franz weit­ge­hend teil­neh­men, er hat gar nicht so viel ver­passt und jetzt sogar die Chan­ce, auf Pro­be in die 8. Klas­se vor­zu­rü­cken. Und da auch die ande­ren Kin­der sich nicht tref­fen und kaum etwas gemein­sam unter­neh­men konn­ten, war Franz nicht so allein, nicht als ein­zi­ger aus­ge­schlos­sen.“ Denn natür­lich muss­te er wäh­rend der Zeit der Krank­heit sehr vor­sich­tig sein. Auch für Andrea war es durch Home­of­fice wesent­lich ein­fa­cher, Franz zu unter­stüt­zen und die vie­len Fahr­ten nach Regens­burg zu stem­men. So gelangt die Fami­lie ein­mal mehr zu der Über­zeu­gung, dass selbst das Schlim­me oft etwas Gutes hat. 

Aus Dank­bar­keit initi­ie­ren die Eis­ners nun gemein­sam mit der Akti­on­Kno­chen­mark­spen­de­Bay­ern und der Kin­der­krebs­hil­fe Din­gol­fing-Land­au eine Typi­sie­rungs­ak­ti­on. Es ist so wich­tig, dass Men­schen sich typi­sie­ren las­sen. Aber man denkt im All­tag nicht dar­an – das war bei uns nicht anders. Bevor Franz das pas­siert ist, hat­ten wir kei­ne Ahnung von Leuk­ämie und allem, was damit zusam­men­hängt. Wir hat­ten die Idee, für Franz so eine Akti­on durch­zu­füh­ren – um einen Spen­der zu fin­den. Aber so schnell ist so eine Typi­sie­rung nicht abge­schlos­sen. Des­we­gen machen wir es jetzt – damit jeman­dem, der in die glei­che Situa­ti­on kommt, auch gehol­fen wer­den kann. Wenn die Men­schen von Franz‘ Geschich­te hören, sind sie viel­leicht bereit, mit­zu­ma­chen. Des­we­gen sind wir sozu­sa­gen die Paten für die­se Akti­on. Aus den Ver­ei­nen, bei denen wir sind und aus dem Freun­des­kreis haben schon vie­le zuge­sagt – aber auch alle ande­ren, die hel­fen wol­len, sind herz­lich willkommen.“ 

BIUS: Zum Glück daheim: Für Franz Eis­ner war es einer der schöns­ten Momen­te, als er erfah­ren hat, dass er das Kran­ken­haus ver­las­sen und wie­der nach Hau­se fah­ren darf. Da hat sich natür­lich auch Mama Andrea gefreut – aktu­ell ver­brin­gen bei­de viel Zeit gemein­sam im hei­mi­schen Garten.

Als im Som­mer 2020 die­ses Bild auf­ge­nom­men wur­de, war noch alles in Ord­nung: Mut­ter Andrea und Vater Franz waren mit Sohn Franz und Toch­ter Sophia bei einem Aus­flug im Nürn­ber­ger Tier­park, unbe­schwert, fröh­lich. Es folg­te eine schwe­re Zeit, doch ihre posi­ti­ve Lebens­ein­stel­lung haben sie sich trotz­dem bewahrt.

Text: Dr. Bar­ba­ra Osdar­ty / pbb

Infos zur Aktion

Je mehr kom­men, des­to besser!

Am 12. Sep­tem­ber kann man sich in Aicha vorm Wald typi­sie­ren las­sen Franz geht es heu­te nur so gut, weil schnell ein geeig­ne­ter Stamm­zel­len­spen­der gefun­den wer­den konn­te. Ohne die ent­spre­chen­de Daten­bank wäre das unmög­lich gewe­sen – es ist wich­tig, dass sie immer wei­ter wächst. Des­halb hat sich Fami­lie Eis­ner ent­schie­den, eine Typi­sie­rungs­ak­ti­on zu initiieren.

Ort:

Grundschule Aicha vorm Wald, Adresse: Schulstraße 10

Datum:

12.09.2021

Zeit:

11 bis 16 Uhr

Mit­zu­brin­gen: Krankenversicherungskarte.

Grö­ße­re Grup­pen: Bit­te um Vor­anmel­dung unter typisierung-​franze@​web.​de.

Wer kann kom­men: Per­so­nen zwi­schen 17 und 45, die sich gesund füh­len und kör­per­lich in guter Ver­fas­sung sind. Bei Vor­er­kran­kun­gen z.B. des Herz-Kreis­lauf-Sys­tems, der Atem­we­ge, bei schwe­ren Nie­ren­er­kran­kun­gen oder ande­ren schwer­wie­gen­den Ein­schrän­kun­gen ist vor­her abzu­klä­ren, ob man für die Typi­sie­rung in Fra­ge kommt.

Orga­ni­sa­tor: Akti­on­Kno­chen­mark­spen­de­Bay­ern und Kin­der­krebs­hil­fe Dingolfing-Landau. 

Spen­den: Wenn die Coro­na-Situa­ti­on es erlaubt, ist rund um die Akti­on für das leib­li­che Wohl gesorgt, es gibt Kaf­fee und Kuchen und es wird gegrillt! Ein­ge­la­den sind alle, auch die, die schon typi­siert sind oder sich nicht mehr typi­sie­ren las­sen kön­nen – der gesam­te Erlös geht an die Kinderkrebshilfe. 

Spen­den kann man auch an:
Kin­der­krebs­hil­fe
Din­gol­fing-Land­au-Lands­hut e.V., IBAN: DE87 7425 0000 0100 2740 00,
Ver­wen­dungs­zweck: Fran­ze Aicha v. Wald