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Bistum

Missbrauch und Prävention - Überarbeitete Regelwerke treten zum Jahreswechsel in Kraft

Pressemeldung am 09.12.2019

2019 Marx Bischofskonferenz Archivbild2 info-icon-20px Bild: Archiv (pbp - R. Geissler)

Zu Beginn des kommenden Jahres treten die neue „Ordnung für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger und schutz- oder hilfebedürftiger Erwachsener durch Kleriker und sonstige Beschäftigte im kirchlichen Dienst“ und die „Rahmenordnung – Prävention gegen sexualisierte Gewalt an Minderjährigen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ in allen (Erz-)Diözesen in Kraft. Beide Dokumente wurden vom Ständigen Rat der Deutschen Bischofskonferenz am 18. November 2019 beschlossen.

Die Rege­lun­gen der bis­he­ri­gen Leit­li­ni­en“ wur­den über­ar­bei­tet und wer­den künf­tig als eine für alle (Erz-)Diözesen ein­heit­li­che Ord­nung“ Gel­tung haben. Sie wird – nach der Inkraft­set­zung durch den jewei­li­gen Diö­ze­san­bi­schof und der Ver­öf­fent­li­chung im Amts­blatt – zu einem in jeder (Erz-)Diözese gleich­lau­ten­den diö­ze­sa­nen Gesetz, das teil­te die Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz am Mit­tag mit. 

Beson­de­re Berück­sich­ti­gung fin­det die Per­spek­ti­ve der Betrof­fe­nen sexu­el­len Miss­brauchs – so ist unter ande­rem die Betei­li­gung Betrof­fe­ner an Pro­zes­sen zum Umgang mit sexu­el­lem Miss­brauch aus­drück­lich vor­ge­se­hen. Die Ein­bin­dung exter­ner und unab­hän­gi­ger Fach­be­ra­tungs­stel­len ist aus­drück­lich vor­ge­se­hen. Die neue Ord­nung spricht zudem durch­gän­gig von Betrof­fe­nen“ anstel­le von Opfern“. Auch auf den Zusatz mut­maß­lich“ wird auf Wunsch von Betrof­fe­nen ver­zich­tet. Damit soll deut­lich wer­den, dass Per­so­nen, die Miss­brauchs­hand­lun­gen mel­den, nicht mit einer miss­traui­schen, son­dern einer zuge­wand­ten Hal­tung begeg­net wird. 

Der Gel­tungs­be­reich der Ord­nung umfasst alle kirch­li­chen Stel­len und Ein­rich­tun­gen der jewei­li­gen (Erz-)Diözese sowie alle kirch­li­chen Rechts­trä­ger, die der bischöf­li­chen Gesetz­ge­bungs­ge­walt unterliegen. 

Die Rah­men­ord­nung Prä­ven­ti­on wird eben­falls in den Amts­blät­tern der (Erz-)Diözesen ver­öf­fent­licht. Unter ande­rem unter­schied­li­che gesetz­li­che Vor­ga­ben in den ein­zel­nen Bun­des­län­dern machen in der Regel diö­ze­san­spe­zi­fi­sche Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen“ erfor­der­lich, die die kon­kre­ten Vor­ga­ben zur Prä­ven­ti­ons­ar­beit in der (Erz-)Diözese festlegen. 

Aus­drück­lich wer­den als Adres­sa­ten der neu­ge­fass­ten Rah­men­ord­nung Prä­ven­ti­on auch die Neu­en Geist­li­chen Gemein­schaf­ten, kirch­li­chen Bewe­gun­gen und Initia­ti­ven benannt. Damit wer­den sie ver­bind­li­cher als bis­her zu Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men ver­pflich­tet. Neu ent­hal­ten sind die Begrif­fe der sekun­dä­ren“ und ter­tiä­ren“ Prä­ven­ti­on. Sie unter­strei­chen den mehr­di­men­sio­na­len Ansatz von Prä­ven­ti­on: Prä­ven­ti­on im Sin­ne der Rah­men­ord­nung will mit geeig­ne­ten Maß­nah­men sexua­li­sier­ten Über­grif­fen vor­beu­gen (pri­mär), die Gewalt erken­nen und been­den (sekun­där) und das Gesche­he­ne auf­ar­bei­ten und aus­rei­chend Schutz und Hil­fe in Form einer nach­sor­gen­den Prä­ven­ti­on (ter­ti­är) anbieten. 

Der Beauf­trag­te der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz für Fra­gen des sexu­el­len Miss­brauchs im kirch­li­chen Bereich und für Fra­gen des Kin­der- und Jugend­schut­zes, Bischof Dr. Ste­phan Acker­mann (Trier), sieht die neu­en Doku­men­te posi­tiv: Die bei­den Regel­wer­ke sind auf­grund zahl­rei­cher Rück­mel­dun­gen und Hin­wei­se zum zwei­ten Mal gründ­lich über­ar­bei­tet wor­den. In der aktu­el­len Fas­sung spie­geln sich die Erfah­run­gen und Erkennt­nis­se wider, die wir den letz­ten Jah­ren gewon­nen haben. Die­se haben sowohl zu einer Aus­wei­tung des Anwen­dungs­be­reichs wie auch zu einer grö­ße­ren Ver­bind­lich­keit geführt. Dafür bin ich dank­bar. Denn das dient der noch kon­se­quen­te­ren Auf­de­ckung von Fäl­len sexua­li­sier­ter Gewalt und einem wirk­sa­me­ren Schutz von Kin­dern, Jugend­li­chen und Erwach­se­nen, die sich ande­ren im Raum der Kir­che anvertrauen.“ 

Hin­ter­grund Bereits bei der Ver­ab­schie­dung der Leit­li­ni­en für den Umgang mit sexu­el­lem Miss­brauch Min­der­jäh­ri­ger und erwach­se­ner Schutz­be­foh­le­ner durch Kle­ri­ker, Ordens­an­ge­hö­ri­ge und ande­re Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter im Bereich der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz“ und der Rah­men­ord­nung – Prä­ven­ti­on gegen sexua­li­sier­te Gewalt an Min­der­jäh­ri­gen und erwach­se­nen Schutz­be­foh­le­nen im Bereich der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz“ im August 2013 wur­de für bei­de Regel­wer­ke eine Gel­tungs­dau­er von fünf Jah­ren sowie eine Über­prü­fung vor der Ver­län­ge­rung der Gel­tungs­dau­er ver­ein­bart. Um die Ergeb­nis­se der im Sep­tem­ber 2018 ver­öf­fent­lich­ten Stu­die Sexu­el­ler Miss­brauch an Min­der­jäh­ri­gen durch katho­li­sche Pries­ter, Dia­ko­ne und männ­li­che Ordens­an­ge­hö­ri­ge im Bereich der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz“ („MHG-Stu­die“) und das im Mai 2019 ver­öf­fent­lich­te Motu pro­prio Vos estis lux mun­di von Papst Fran­zis­kus bei der Über­ar­bei­tung ent­spre­chend zu berück­sich­ti­gen, wur­den die Leit­li­ni­en und die Rah­men­ord­nung Prä­ven­ti­on bis zum 31. Dezem­ber 2019 ver­län­gert und wer­den nun zum 1. Janu­ar 2020 durch die bei­den neu­en Regel­wer­ke ersetzt. Nach fünf Jah­ren ist jeweils eine Eva­lua­ti­on bei­der Regel­wer­ke vorgesehen. 

Quel­le: Deut­sche Bischofskonferenz

Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten der Deutschen Bischofskonferenz: