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Tamina Friedl am 08.06.2022

220401 Verabschiedung Obermaier Foto: Wolfgang Bayer / pbp
Rosmarie Obermaier (Mitte) bei ihrer Verabschiedung mit Generalvikar Josef Ederer und Christine Krammer vom Referat Mission & Weltkirche.

Wer auf Reisen in ferne Länder geht, lernt jedes Mal zumindest ein kleines Stück einer anderen Kultur kennen. „Grundsätzlich war ich immer offen für andere Länder und Kulturen. Ich bin sehr viel gereist“, das sagt auch Rosmarie Obermaier aus Osterhofen im Bistum Passau über sich selbst. Dass es jedoch noch einmal eine ganz andere Geschichte ist, in ein fernes Land zu ziehen, dort zu leben und zu arbeiten, hat Rosmarie Obermaier in den 30 Jahren gelernt, die sie als Missionarin in der brasilianischen Diözese Alagoinhas verbracht hat.

Als Laie ent­sandt zu wer­den, lau­fe anders ab als bei Pries­tern oder Ordens­leu­ten, erklärt Ober­mai­er. Sie selbst hat über die dama­li­ge Arbeits­ge­mein­schaft für Ent­wick­lungs­hil­fe (AGEH, heu­te AGIA­MONDO) einen sog. Ent­wick­lungs­hil­fe­ver­trag über drei Jah­re erhal­ten, mit dem sie 1992 ihren Welt­dienst antre­ten konn­te. Im Grun­de genom­men bin ich 1992 in einen fah­ren­den Zug ein­ge­stie­gen. Wir waren ja das drit­te Team, das nach Bra­si­li­en aus­ge­sen­det wor­den ist, und von daher war ich kei­ne Pio­nie­rin mehr“, erin­nert sich Obermaier. 

In Bra­si­li­en war ihr Haupt­auf­ga­ben­be­reich die sozi­al­päd­ago­gi­sche Arbeit. Bischof Eder habe damals spe­zi­ell nach jeman­dem gesucht, der sich um die Sozi­al­struk­tur der Frau­en, Kin­der und alten Men­schen bemüht“. So stand für Ros­ma­rie Ober­mai­er zunächst die Kin­der­pas­to­ral im Vor­der­grund mit dem über­ge­ord­ne­ten Ziel, die Kin­der­sterb­lich­keit im Land zu sen­ken. Auf ihre ers­te Amts­zeit im Welt­dienst folg­ten schließ­lich sie­ben wei­te­re, in denen sie ihre Arbeit auf wei­te­re pas­to­ra­le Fel­der aus­wei­te­te. So unter­stütz­te sie bspw. Alters­hei­me bei der Ver­net­zung unter­ein­an­der, orga­ni­sier­te Pro­jek­te für psy­chisch Kran­ke oder Men­schen mit Behin­de­rung und arbei­te­te mit Sucht­kran­ken. Im Rah­men ihres letz­ten Pro­jek­tes vor ihrem Ruhe­stand unter­stütz­te sie min­der­jäh­ri­ge schwan­ge­re Mäd­chen, die oft in schwie­ri­gen Ver­hält­nis­sen leben und aus ihrem Umfeld nur wenig Hil­fe erhalten.

Ich kann kei­ne Sakra­men­te spen­den“, sagt Ros­ma­rie Ober­mai­er über ihren Ein­satz in Bra­si­li­en. Jedoch sei ihr Haupt­auf­ga­ben­be­reich, die Sozi­al­ar­beit, trotz­dem stets in enger Ver­bin­dung mit dem Glau­ben gestan­den: Die gan­ze Sozi­al­ar­beit in Bra­si­li­en lebt aus der Bibel und aus dem Evan­ge­li­um. Das ist eine ganz­heit­li­che Arbeit. Die Reli­gi­on und die sozia­le Arbeit kann man nicht tren­nen. Die sind eins.“ Über­haupt habe sie ihre Auf­ga­be als Mis­sio­na­rin nie in der Evan­ge­li­sie­rung gese­hen. Das Jahr 1992, in dem sie nach Bra­si­li­en kam, mar­kier­te 500 Jah­re seit der Ankunft von Chris­toph Kolum­bus in Ame­ri­ka. Nach­dem sie sich vor ihrer Abrei­se mit deren Fol­gen für die indi­ge­ne Bevöl­ke­rung Latein­ame­ri­kas aus­ein­an­der­ge­setzt hat­te, habe sie in ihrem Welt­dienst so auch ein klei­nes Stück Wie­der­gut­ma­chung des­sen, was wir als Wei­ße vor 500 Jah­ren kaputt gemacht und zer­stört haben“ gesehen. 

Wich­tig sei Ros­ma­rie Ober­mai­er über die Jah­re hin­weg vor allem gewe­sen, den Men­schen vor Ort nichts Neu­es auf­zu­drän­gen. Sie habe Impul­se aus Deutsch­land mit­ge­nom­men, die mal ange­nom­men wur­den und mal nicht. Ins­ge­samt aber gilt: Ich habe mich inte­griert in die Struk­tu­ren, die vor Ort da waren.“ Auf die­se Wei­se sei sie in Bra­si­li­en schnell herz­lich emp­fan­gen wor­den. Sie habe ein­fach dazu gehört. Gehol­fen habe ihr – beson­ders anfangs – dabei auch, dass sie sich voll und ganz auf die Lebens­wei­se in ihrem Gast­ge­ber­land ein­ge­las­sen habe: Wenn man sich dann ein­lässt auf die Rea­li­tät der Leu­te, sich auch auf den Kopf einen Was­ser­ei­mer mit zehn Litern stellt und den mal ein paar Meter schleppt und sich dabei ganz nass schüt­tet, weil man das Balan­cie­ren noch nicht kann, dann bricht das die­se Bar­rie­ren ab.“ Geän­dert habe sich für Ober­mai­er vor allem ihr Ver­ständ­nis für ande­re Kul­tu­ren und ihr Umgang damit. Beson­ders von ihrem Mann, einem Afro-Bra­si­lia­ner, mit dem sie seit 21 Jah­ren ver­hei­ra­tet ist, habe sie sehr viel über Vor­ur­tei­le gelernt. So habe er immer gesagt, sie kön­ne kei­ne Aus­sa­gen über eine gan­ze Bevöl­ke­rung tref­fen, weil sie nicht jeden ein­zel­nen Men­schen ken­ne. Ich habe durch die­se Ehe gelernt, dass man ande­re Kul­tu­ren respek­tiert. Das heißt auch: Ich muss nicht mei­ne Kul­tur able­gen, jeder kann die Kul­tur leben, in die er hin­ein­ge­wach­sen und erzo­gen wor­den ist.“

Über die Jah­re hin­weg hat Ros­ma­rie Ober­mai­er vie­le inter­na­tio­na­le Kon­tak­te und Freund­schaf­ten geknüpft, für die sie heu­te sehr dank­bar ist. Ihre Freun­de in der Hei­mat haben sie zudem auf ganz beson­de­re Wei­se unter­stützt, indem sie schon vor Jah­ren einen gemein­nüt­zi­gen Ver­ein spe­zi­ell zur För­de­rung ihrer Arbeit gegrün­det haben. Jetzt geht Ros­ma­rie Ober­mai­er in den Ruhe­stand und den ver­sucht sie, wört­lich zu neh­men: Ich soll ja jetzt end­lich mal a Ruah gebn‘, sagt man auf Bai­risch.“ Erst­mal geht es für sie jetzt jedoch wie­der zurück nach Bra­si­li­en und auch in Zukunft wird der Ter­min­ka­len­der voll blei­ben. Die­ses Pen­deln zwi­schen Deutsch­land und Bra­si­li­en müs­se sie jetzt erst ein­mal orga­ni­sie­ren, so Ober­mai­er. Und ansons­ten gilt für die Zukunft: Ich mache das, was der Tag und Gott von mir verlangt.“

Das Interview mit Rosmarie Obermaier können Sie hier anhören:

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