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„Wir werden die vielen Kinder um uns vermissen“

Pressemeldung am 10.11.2020

2020 11 09 Wir werden die vielen Kinder um uns vermissen info-icon-20px Foto: Stefanie Starke
v.l.: Sr. Charlotte, Sr. Hemma und Sr. Ludowika in der kleinen Kapelle in der Kinderklinik Dritter Orden Passau.

Letzten drei Ordensschwestern verlassen Kinderklinik und ziehen aus Altersgründen zurück ins Mutterhaus nach München

Es scheint unvor­stell­bar, dass die letz­ten Dritt­or­dens­schwes­tern in der Kin­der­kli­nik Drit­ter Orden Pas­sau in den nächs­ten Wochen das Haus ver­las­sen wer­den. Schließ­lich ist die Kin­der­kli­nik seit jeher eng mit dem Drit­ten Orden ver­bun­den. So sind die ers­ten Schwes­tern bereits vor über 100 Jah­ren — im Jahr 1918 — in die Drei­flüs­se­stadt gekom­men. Die Säug­lings­ster­be­ra­te hat­te sei­ner Zeit dras­tisch zuge­nom­men, eben­so hat sich Tuber­ku­lo­se stark aus­ge­brei­tet und so haben die Pas­sau­er Bür­ger um Hil­fe gebe­ten, wor­auf die Dritt­or­dens­schwes­tern sich von Mün­chen auf den Weg gemacht haben, um vor Ort selbst­los und mit viel Herz­blut zu hel­fen. Bis zum heu­ti­gen Tag sind sie geblie­ben“, erzählt Kin­der­kli­nik-Chef­arzt Prof. Dr. Mat­thi­as Kel­ler von der His­to­rie der Kinderklinik.

Schwes­ter Ludo­wi­ka, Schwes­ter Hem­ma und Schwes­ter Char­lot­te sind die letz­ten ver­blie­be­nen Dritt­or­dens­schwes­tern – mit ihrem Weg­gang aus der Kin­der­kli­nik geht in Pas­sau nun eine Ära zu Ende. Sie haben nicht nur vie­le Pas­sau­er beim Start ins Leben beglei­tet, son­dern vor allem den Geist des Hau­ses sowie die Kin­der­ge­sund­heit in der Regi­on prä­gend mit­ge­stal­tet. Aus gesund­heit­li­chen aber auch aus Alters­grün­den geht es für die Drei nun ins Mut­ter­haus des Drit­ten Ordens nach München/​Nymphenburg. Bis zuletzt haben sie ihre Auf­ga­ben in der Kin­der­kli­nik mit viel Herz­blut und Lei­den­schaft für die Pfle­ge und zum Wohl der Pati­en­ten aus­ge­führt, stets getreu dem Wort des Herrn Was ihr dem gerings­ten mei­ner Brü­der getan habt, das habt ihr mir getan.“

Anfangs waren wir 16 oder 17 Mit­schwes­tern, dann sind es immer weni­ger gewor­den. Lei­der. Denn auch, wenn wir eine wun­der­vol­le Auf­ga­be hier im Haus hat­ten, so konn­ten wir lei­der nie­man­den für den Orden begeis­tern“, so Schwes­ter Char­lot­te. Die 78-Jäh­ri­ge hat­te schon immer den Wunsch Kin­der­kran­ken­schwes­ter zu wer­den. Bereits mit 16 Jah­ren hat sie Kin­der in einer Ein­rich­tung bei Alt­öt­ting betreut, beglei­tet von Ordens­schwes­tern. Daher auch ihr Ent­schluss zum Drit­ten Orden zu gehen: Kein stren­ger Orden. Wir sind ein täti­ger Orden der Pfle­ge und das hat mich fas­zi­niert“, erin­nert sich Sr. Char­lot­te heu­te. Man ist in die Ordens­fa­mi­lie hin­ein­ge­wach­sen. Kann­te nichts anders und so kön­nen wir auch heu­te sehr zufrie­den auf unser Leben bli­cken.“ In Pas­sau hat sie mit 17 Jah­ren Kin­der­kran­ken­pfle­ge gelernt, spä­ter Groß­kran­ken­pfle­ge, bevor es dann zurück ins dama­li­ge Säug­lings­heim nach Pas­sau ging. Ich war unter ande­rem Sta­ti­ons­lei­te­rin auf Sta­ti­on 3. Heu­te bin ich nicht mehr in der Pfle­ge tätig, aber den­noch gibt es viel Arbeit für uns zu erle­di­gen. Unter ande­rem fül­le ich die Begrü­ßungs­map­pen für die Eltern mit Fly­ern“, berich­tet Sr. Char­lot­te vom All­tag im Haus.

BR9 A9415 Hofmeister info-icon-20px Foto: Hofmeister / pbp

Ihre Mit­schwes­ter Hem­ma ist stol­ze 89 Jah­re und seit über einem Jahr­zehnt im Unru­he­stand“, wie sie selbst erzählt. Bei uns gibt es das nicht, dass wir gar nicht arbei­ten“, schmun­zelt sie. Und wenn es nur ist, dass ich mei­ne Mit­schwes­tern mit Kuchen ver­wöh­ne und Früh­stück zube­rei­te.“ Mit 21 Jah­ren ist Sr. Hem­ma in die Kan­di­da­tur gegan­gen und hat ihre Aus­bil­dung in Mün­chen begon­nen, neun Jah­re spä­ter ist die gebür­ti­ge Strau­bin­ge­rin dann nach Pas­sau gekom­men und hat damit fast 60 Jah­re die Ein­rich­tung – zunächst im Säug­lings­heim, dann die heu­ti­ge Kin­der­kli­nik – beglei­tet. Das Haus ist groß gewor­den, aber auch wenn sich viel ver­än­dert hat und man nicht mehr alle Gesich­ter kennt, so zeich­net sich die Kin­der­kli­nik doch durch ihren fami­liä­ren Cha­rak­ter aus“, so Sr. Hem­ma. Sie wer­de mit dem Weg­gang nach Mün­chen vor allem die vie­len Kin­der um sich her­um ver­mis­sen. Gera­de in den Anfän­gen waren wir immer bei den kran­ken Kin­dern. Wir waren wie ihre Ersatz­müt­ter, auch weil Eltern prak­tisch kaum Zutritt hat­ten. Teil­wei­se woll­ten die Kin­der gar nicht mehr nach Hau­se, so gut hat es ihnen bei uns gefal­len“, lacht sie. Die kran­ken Kin­der waren im Haus bis sie gesund waren – das waren teil­wei­se Wochen. Daher auch die enge Ver­bun­den­heit.“ Und wäh­rend die­sen Wor­ten kommt Schwes­ter Hem­ma ins Schwel­gen und erin­nert sich an eini­ge klei­ne Pati­en­ten, die ihr ganz beson­ders in Erin­ne­rung geblie­ben sind: Wir hat­ten mal einen 5‑Jährigen schwer­kran­ken Jun­gen auf Sta­ti­on. Der war ein paar Wochen bei uns und war so gern da. Wie‘s zum Heim­ge­hen war hat er an der Frau Dok­tor hoch­ge­se­hen und gemeint: Es eilt nicht mit dem Heim­ge­hen, ich bin doch so gern im Kran­ken­haus.“ Die drit­te und damit letz­te Ver­blie­be­ne im Bun­de der Dritt­or­dens­schwes­tern ist Sr. Ludo­wi­ka, die seit ihrem 16. Lebens­jahr in der Kin­der­kli­nik tätig ist – tat­säch­lich noch immer ist: Denn mit ihren 82 Jah­ren ist Sr. Ludo­wi­ka tag­täg­lich im Archiv der Kin­der­kli­nik tätig, unter­stützt die Pfor­te und arbei­te­te in der Ver­gan­gen­heit auch immer wie­der im Näh­zim­mer. In Hutthurm gebo­ren woll­te sie nach ihrer Aus­bil­dung in der Groß­kran­ken­pfle­ge beim Drit­ten Orden in Mün­chen zurück nach Pas­sau, hat hier Kin­der­kran­ken­schwes­ter gelernt und wur­de dann in die Heb­am­men­schu­le geschickt.

Gemein­sam haben die drei Schwes­tern die letz­ten Jahr­zehn­te in Pas­sau ver­bracht – immer zusam­men! Das ist auch nicht anders wie in einer Ehe oder unter guten Freun­den – es gibt sol­che und sol­che Tage. Aber wir hat­ten immer ein schö­nes Mit­ein­an­der.“ Auch die Arbeit im Haus habe sich stets durch das gute und fami­liä­re Mit­ein­an­der mit den Ärz­ten und dem Team auf den Sta­tio­nen aus­ge­zeich­net. Dabei hat der Tag für die Schwes­tern stets früh begon­nen: Wir sind Früh­auf­ste­her. Um 5 Uhr mor­gens star­tet unser Tag mit dem Mor­gen­ge­bet, dann geschwind umzie­hen und zur Hei­li­gen Mes­se wei­ter, eine Tas­se Kaf­fee und dann ging es immer sofort auf die Sta­ti­on, schließ­lich muss­ten die Kin­der ver­sorgt und geba­det und das Bett­chen frisch gemacht wer­den – erst dann waren wir dran mit früh­stü­cken“, erzählt Sr. Hem­ma. Sie erin­ne­re sich noch an die ärm­li­chen Ver­hält­nis­se im Haus als sie damals ange­fan­gen hat­te – erst woll­te ich hier auf kei­nen Fall blei­ben und jetzt bin ich fast 60 Jah­re hier und ich habe es nie bereut.“ Die Bet­ten hät­ten damals noch kei­ne Räder gehabt und die Kin­der muss­ten zum Waschen getra­gen werden.

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„„Wir haben nie etwas ande­res ken­nen­ge­lernt und sind auch zufrie­den damit. Ich glau­be schon, dass das das rich­ti­ge war. Ich wür­de wie­der in die Pfle­ge gehen und ich war gern im Orden“”

Sr. Charlotte

Der Abschied fal­le alle Drei­en nicht leicht, immer­hin sind die Schwes­tern tief mit Pas­sau ver­wur­zelt – Das ist unse­re Hei­mat“, betont Sr. Ludo­wi­ka. Aber das ist nun­mal der Gang der Din­ge. Es hieß von Anfang an, dass man im Alter nach Mün­chen ins Alten­heim kommt – also ist das für uns selbst­ver­ständ­lich“, so Sr. Char­lot­te wei­ter. Man wis­se, dass das jetzt die letz­te Sta­ti­on sei: Und es ist ja auch schön zu wis­sen, dass man wo ange­kom­men ist. Es hät­te noch nicht unbe­dingt gleich sein müs­sen, aber es ist alles für uns vor­be­rei­tet und es geht uns dort gut.“ Mit einem Lachen ergänzt Sr. Hem­ma: Und wir machen uns dort noch­mal eine rich­tig schö­ne Zeit.“

Wich­tig wäre den Schwes­tern, dass der reli­giö­se Geist in der Kin­der­kli­nik auch nach ihrem Weg­gang bleibt und sich der Glau­ben nicht ver­flüch­tigt. Eben­so liegt ihnen die Pfle­ge der klei­nen Kapel­le im Ein­gangs­be­reich sehr am Her­zen – und an obers­ter Stel­le: Wir wün­schen uns für die Kin­der­kli­nik außer­dem stets gutes Per­so­nal, dass für die Kin­der da ist und eben­so für die Eltern.“

Über Jahr­zehn­te haben sie die Kin­der­kli­nik Drit­ter Orden Pas­sau nicht nur beglei­tet und dort gear­bei­tet – sie haben nach dem Vor­bild ihrer Patro­nin, aus fran­zis­ka­ni­schen Geist im Dienst Got­tes und der Men­schen, die Ein­rich­tung mit Leben gefüllt: Schwes­ter Hem­ma, Schwes­ter Ludo­wi­ka und Schwes­ter Char­lot­te. Das gesam­te Team der Kin­der­kli­nik Drit­ter Orden Pas­sau wünscht den Dritt­or­dens­schwes­tern einen erfüll­ten Lebens­abend im Mut­ter­haus in Mün­chen und dankt Ihnen im Namen aller für das über­aus auf­op­fern­de und selbst­lo­se Enga­ge­ment in Pas­sau. Auch wenn sich nun die letz­ten Dritt­or­dens­schwes­tern aus Pas­sau in den Ruhe­stand ver­ab­schie­den, bleibt unse­rer Kin­der­kli­nik durch die Trä­ger­schaft aber auch in Zukunft eng mit dem Drit­ten Orden, und dadurch auch mit den Schwes­tern, ver­bun­den“, will Chef­arzt Prof. Dr. Mat­thi­as Kel­ler abschlie­ßend betonen!

BR9 A9433 Hofmeister info-icon-20px Foto: Hofmeister / pbp

Zum Abschied der Dritt­or­dens­schwes­tern wird in die­ser Woche ein Got­tes­dienst im Dom St. Ste­phan in Pas­sau gefei­ert – coro­nabe­dingt lei­der unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit. Ger­ne möch­te das Team der Kin­der­kli­nik jedoch der Pas­sau­er Bevöl­ke­rung die Mög­lich­keit gewäh­ren, sich bei Bedarf von den ver­blie­be­nen Schwes­tern zu ver­ab­schie­den. Dies geht pos­ta­lisch mit einem Brief oder einer Kar­te an die Kin­der­kli­nik, Bischof-Alt­mann-Stra­ße 9 in 94032 Pas­sau, oder via Email an ordensschwestern@​kinderklinik-​passau.​de.

Text: Ste­fa­nie Starke