Bistum

Orgelimprovisation in St. Nikola

Thomas König am 09.09.2019

2019_news_orgelimpro_ts-10 info-icon-20px Foto: Toni Scholz

"Der Dreieine Gott - Vater, Sohn und Heiliger Geist" – so lautete das Motto der ersten Nacht der Orgelimprovisationsnacht in St. Nikola in Passau. Zahlreiche Organisten und auch Besucher waren am Samstag zu dieser außergewöhnlichen Veranstaltung von weit her angereist.

Die ers­te Nacht der Orgel­im­pro­vi­sa­ti­ons­nacht in St. Niko­la, Pas­sau stand the­ma­tisch unter dem Mot­to Der Drei­ei­ne Gott — Vater, Sohn und Hei­li­ger Geist”. Dem­ge­mäß teil­te sich der Abend in drei Abschnit­te auf. Der ers­te Part Gott, der treu­en und schüt­zen­de Vater” wur­de mit baro­cken Orgel­im­pro­vi­sa­tio­nen, die inner­halb einer Ves­per erklan­gen aus­ge­füllt. Stil­si­cher und abwechs­lungs­reich über­zeug­te hier­bei der ers­te Orga­nist des Abends Regio­nal­kan­tor Chris­ti­an Mül­ler. Des­wei­te­ren musi­zier­ten drei sei­ner Regio­nal­kan­tor­kol­le­gen und drei Kan­to­ren der KSG als Scho­la unter der Lei­tung von Regio­nal­kan­tor Robert Pern­peint­ner klar und klang­schön die lit­ur­gi­schen Gesän­ge. Durch die Lit­ur­gie selbst führ­te Diö­ze­san­kir­chen­mu­sik­di­rek­tor und Dia­kon Dr. Mari­us Schwemmer.

Zum ers­ten Kon­zert kam es dann nach einer halb­stün­di­gen Pau­se in der sich die Zuhö­rer bei Sekt und Häpp­chen begeg­nen konn­ten. Die inter­na­tio­nal ange­se­he­ne Kory­phäe Prof. Wolf­gang Sei­fen (Berlin/​Kevelear) impro­vi­sier­te im roman­ti­schen und sym­pho­ni­schen Stil über Chris­tus­lie­der. Das er zurecht als Paga­ni­ni der Orgel” bezeich­net wird, bewies er gleich zu Beginn mit sei­ner ers­ten Impro­vi­sa­ti­on im deutsch-roman­ti­schen Stil über den Cho­ral Gelobt seist du, Herr Jesu Christ”. Sei­ne Impro­vi­sa­ti­ons­stra­te­gie leb­te von schier uner­schöpf­li­cher Krea­ti­vi­tät, traum­haft sicher geführ­ten Modu­la­tio­nen, beein­dru­cken­de kon­tra­punk­ti­sche Fähig­kei­ten und fas­zi­nie­ren­der Spiel­tech­nik. Ein rest­los begeis­tern­des Publi­kum lausch­te nach einer himm­lisch vor­ge­tra­ge­nen lyri­schen Cho­ral­be­ar­bei­tung über das Lied ich will dich lie­ben, mei­ne Stär­ke” auch danach stau­nend der vier­sät­zi­gen Sym­pho­nie für gro­ße Orgel, in der gre­go­ria­ni­sche Hym­nen, die vor­her durch die Scho­la gesang­lich vor­ge­stellt wur­den. Nach dem ers­ten Höhe­punkt schien eine Stei­ge­rung unmög­lich, doch die dar­ge­bo­te­ne Impro­vi­sa­ti­on im fran­zö­sisch-roman­ti­schen Stil brach­te Wolf­gang Sei­fen mit so viel Spann­kraft (im Alle­gro), Anmut (im Andan­te Can­ta­bi­le), so viel schwe­ben­de Leich­tig­keit (im Scher­zo) und eine alles über­tref­fen­de Klan­gent­fal­tung (im Fina­le) dar, dass am Ende dem Publi­kum nichts ande­res als brau­sen­de Bei­falls­be­kun­dung übrig blieb.

2019_news_orgelimpro_ts-3 info-icon-20px Foto: Toni Scholz

Nach einer wei­te­ren Begeg­nungs­pau­se griff Prof. Thier­ry Escaich in die Tas­ten. Er wid­me­te sich der letz­ten the­ma­ti­schen Ein­heit Der Hei­li­ge Geist, Quell des Heils”. Man war gespannt, wie sich der Pari­ser Titu­lar­or­ga­nist an Saint-Éti­en­ne-du-Mont prä­sen­tier­te, der als Impro­vi­sa­tor als einer der wich­tigs­ten Ver­tre­ter der Schu­le der fran­zö­si­schen Orgel­im­pro­vi­sa­to­ren unse­rer Zeit gilt. Im sei­nem rhyth­misch, pul­sie­ren­den und far­ben­rei­chen Per­so­nal­stil ent­führ­te er die Zuhöre­ren­den in eine ganz ande­re Klang­wel­ten. Über pfingst­li­che Tex­te und Bil­der impro­vi­sier­te er glei­cher­ma­ßen vir­tu­os wie sein Vor­gän­ger. Unglaub­lich klang­ge­wal­tig eröff­ne­te er mit Ouver­tu­re impro­vi­sée” sein Kon­zert. In der dar­auf­fol­gen­den Text­im­pro­vi­sa­ti­on bewies er, wel­che schöp­fe­ri­sche Kraft und musi­ka­li­sche Aus­drucks­mög­lich­kei­ten in ihm ste­cken. Ver­ständ­lich und über­zeu­gend über­set­ze er ein Gedicht in Musik, was ihm eben­so auch bei der Impro­vi­sa­ti­on über ein Bild mehr als gelang. Er zau­ber­te uner­war­te­te Klän­ge und Stim­mun­gen in den Raum und reiz­te die klang­li­chen Sei­ten der Orgel bis aufs Letz­te aus. Nach zwei span­nen­den und abwechs­lungs­rei­chen Dar­bie­tun­gen über die Cho­rä­le Veni, crea­tor Spi­ri­tus” sowie Der Geist des Herrn erfüllt das All” schloss er mit Dan­ses Sym­pho­ni­ques impro­vi­sées” sein Konzert. 

Hier zeig­te er noch­mals klang­ge­wal­tig, vir­tu­os und vor allem rhyth­misch über­ra­schend sein meis­ter­haf­tes Kön­nen. Nach­dem der hier begeis­tern­de Applaus ver­hallt war, wur­de der Abend mit einem kur­zen Segen zur Nacht” beschlos­sen. Dia­kon Dr. Mari­us Schwem­mer run­de­te mit sei­nem geist­li­chen Tages­rück­blick, der musi­ka­lisch von Regio­nal­kan­tor Chris­ti­an Mül­ler stim­mungs­voll umrahmt wur­de, die beein­dru­cken­de Impro­vi­sa­ti­ons­nacht ab und ertei­le allen Anwe­sen­den den Segen Gottes.

Text: Chris­ti­an Mül­ler
Fotos: Toni Scholz