Jugend

Pilotprojekt "Auf dich kommt es an - Entdecke das Leben"

Thomas König am 03.07.2019

Gruppe2bearbeitet
(im Bild v.l.) Eva Bogner (Lehrerin), Kathrin Lieb-Brilka (Lehrerin), Stefan Zauner (Projektleiter), Lisa Zeilberger (Schülerin), Bischof Stefan Oster SDB, Eva Maria Fuchs (PNP Stiftungsbeauftragte), Astrid Schmid (Schulleiterin), Hans Würdinger (Pfarrer Neuhaus am Inn)

Die Maria Ward Realschule in Neuhaus am Inn bietet ab Herbst das Wahlfach „DU bist VOLL WertVoll“ an. Hintergrund ist das Pilotprojekt der PNP Stiftung mit dem Übertitel „Auf dich kommt es an – Entdecke das Leben – Wie mit Jesus das Leben gelingen kann“. Die PNP Stiftung finanziert das Projekt für das kommende Schuljahr – heute wurde es Bischof Stefan Oster SDB von den Verantwortlichen präsentiert.

Die Beschrei­bung des Kon­zepts des Wahl­fachs, beginnt mit Zah­len der neu­es­ten AOK Kin­der/Ju­gend- und Fami­li­en­stu­die — und deren Ergeb­nis­se sind erschre­ckend. So heißt es, jedes 5 Kind/​jeder 5 Jugend­li­che weist Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­kei­ten auf. Bin­dungs­stö­run­gen und Eltern, denen es schwer fällt, gelin­gen­de und posi­ti­ve Bezie­hun­gen und Bin­dun­gen zu ihren Kin­dern auf­zu­bau­en, neh­men zu. Jun­ge Men­schen pla­gen Zukunfts- und Lebens­ängs­te. Allei­ne 17 pro­zent aller Jugend­li­chen erkran­ken wäh­rend ihrer Jugend­zeit an behand­lungs­be­dürf­ti­gen psy­chi­schen Erkran­kun­gen, so die Inhal­te der Stu­die. Und dies ist nur ein klei­ner Aus­zug der Ergeb­nis­se. Sol­chen Pro­ble­men ent­ge­gen­zu­wir­ken oder gar zu ver­mei­den, ist das Ziel des Pro­jekts, das im Sep­tem­ber an der Maria Ward Real­schu­le in Neu­haus am Inn star­tet, ansetzen. 

Initia­to­rin ist die Stif­tungs­be­auf­trag­te der Pas­sau­er Neu­en Pres­se, Eva Maria Fuchs. Sie bekommt in ihrem Job vie­le der Pro­ble­me von ver­schie­de­nen Fami­li­en mit. Und sie liest dabei auch oft über die Kin­der, die meist in zwei­ter Rei­he ste­hen — und deren Pro­ble­me natür­lich wie­der ganz anders gela­gert sind.

Und eben an die­se Kin­der, kom­men wir aber als Stif­tung direkt gar nicht her­an. Da geht es oft um Ängs­te, Ver­hal­tens­stö­run­gen, Abbruch der Aus­bil­dung usw. Und wir haben dann gesagt, wenn dann kann man die­se Kin­der doch nur in der Schu­le grei­fen. So ent­stand die Idee. Es müss­te ein Platz geschaf­fen wer­den, wo ein Kind die Mög­lich­keit hat, es selbst zu sein. Wo Kin­der Ängs­te zei­gen dür­fen, ihre Stär­ken erfah­ren kön­nen, wo aber auch Platz ist, eine Schwä­che zu zei­gen oder sich auch ein Schei­tern ein­zu­ge­ste­hen. Das gehört ja alles zum Leben dazu. Und in die­sem Zusam­men­hang haben wir natür­lich sofort an die kirch­li­chen Schu­len gedacht.”

Eva Maria Fuchs, Beauftragte Stiftung der Passauer Neuen Presse

Und so ist Eva Maria Fuchs dann an Bischof Ste­fan Oster her­an­ge­tre­ten. Und der fand die Idee nicht nur gut, son­dern hat­te auch gleich die rich­ti­ge Schu­le parat, mit der er sich die­ses Pilot­pro­jekt vor­stel­len könn­te. Die Maria Ward Real­schu­le in Neu­haus am Inn. Und dort waren Schul­lei­te­rin und Leh­rer­kol­le­gi­um der Fach­schaft Reli­gi­on auch gleich voll des Taten­drangs. Jetzt ist das Pro­jekt bereits in tro­cke­nen Tüchern, die PNP Stif­tung finan­ziert das Gan­ze mit 7200 EUR, für das nächs­te Schul­jahr. Ab Sep­tem­ber wird das Wahl­fach DU bist VOLL Wert­Voll“ ange­bo­ten, es fin­det mit zwei Wochen­stun­den immer nach­mit­tags statt, für die Klas­sen 7 bis 10

Wir mer­ken in der heu­ti­gen Zeit, dass es gar nicht mehr selbst­ver­ständ­lich ist, dass jun­ge Men­schen in ein ver­nünf­ti­ges Selbst­bild hin­ein­fin­den, in ein Wer­te­ver­ständ­nis, auch in ein Glau­bens­ver­ständ­nis, das ihnen in ein gelin­gen­des Leben hilft. Sie sol­len erfah­ren, dass sie kost­ba­re, wert­vol­le Men­schen sind, sie sol­len erle­ben, dass das Leben kost­bar ist, dass Gemein­schaft wich­tig ist. Und sie sol­len einen Raum fin­den, wo sie ihre Fra­gen ans Leben anbrin­gen kön­nen und so wie ich das sehe, wer­den sie dort auch gut begleitet.”

Bischof Stefan Oster über die Erwartungen an das Projekt

In der Pro­jekt­be­schrei­bung heißt es: Wir wol­len Jugend­li­chen und Fami­li­en die Mög­lich­keit bie­ten, sich ein Stück beglei­ten zu las­sen, ihr Leben zu reflek­tie­ren, Unter­stüt­zung geben in Fra­gen der Lebens­ge­stal­tung und Wer­te­ent­wick­lung, damit sich eine gesun­de und sta­bi­le Per­sön­lich­keit ent­wi­ckeln kann. Auf der ande­ren Sei­te wol­len wir die Fra­ge nach Gott, die eige­ne Reli­gio­si­tät und die Wei­ter­ent­wick­lung der eige­nen Glau­bens­ge­schich­te för­dern und unter­stüt­zen. Somit bil­den wir eine Syn­the­se aus Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung und Glau­bens­ent­wick­lung, die sich inein­an­der ver­webt und den Jugend­li­chen und sei­ne Fami­lie in ihrer gan­zen Lebens­wirk­lich­keit wahr­nimmt.“ Und das sieht in der Pra­xis dann so aus. Das Ange­bot ist in drei Blö­cke aufgeteilt:

Ein Block ist die Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung, hier sol­len die Kin­der die Mög­lich­keit erhal­ten, über sich sel­ber nach­zu­den­ken, über Stär­ken, Schwä­chen, aber auch über die Zukunft. Dann ist ein zwei­ter Block sozia­les Enga­ge­ment, hier sol­len die Kin­der für das The­ma all­ge­mein sen­si­bi­li­siert wer­den, z.B. wer braucht über­haupt Sozi­al­hil­fe? Der drit­te Block ist dann die Glau­bens­be­geg­nung, da gibt es dann ver­schie­de­ne Ange­bo­te, wie Lob­preis, Got­tes­dienst­pla­nun­gen usw. aber die Kin­der sol­len auch die Mög­lich­keit haben, die gro­ßen Glau­bens­fra­gen zu stellen.”

Eva Bogner, Lehrerin für Katholische Religionslehre, Maria Ward Realschule Neuhaus am Inn

Das Gan­ze wird auch mit Pro­jek­ten beglei­tet, in die z.B. dann auch die Eltern ganz bewusst ein­be­zo­gen wer­den sol­len. Es sind Schu­lun­gen ange­dacht, es gibt z.B. den Punkt Erleb­nis­päd­ago­gik mit den Eltern, oder auch einen Besuch im Klet­ter­gar­ten mit der Fami­lie, aber es kann auch ein Ein­kehr­wo­chen­en­de sein. 

Die Schu­le for­mu­liert ihren Auf­trag in der Pro­jekt­be­schrei­bung so: Betrach­tet man die deut­sche Schul­land­schaft, so stellt man schnell fest, dass Schu­le als Bil­dungs­ein­rich­tung in ers­ter Linie Wis­sen ver­mit­teln soll. Zuneh­mend über­nimmt Schu­le aber auch die Auf­ga­ben der Erzie­hung jun­ger Men­schen und deren Fami­li­en, die in ihrer Per­sön­lich­keit wach­sen und rei­fen sol­len. Wer­te zu erken­nen und für sich anzu­neh­men wird dabei immer wich­ti­ger in einer plu­ra­lis­ti­schen Gesell­schaft, die in Glau­bens- und Lebens­fra­gen zuneh­mend ori­en­tie­rungs­los gewor­den ist. Aus die­sem Grund erken­nen wir an der Maria Ward Real­schu­le Neu­haus am Inn, den Impuls der Neuevan­ge­li­sie­rung und der Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung als Auf­trag: Jugend­li­che machen sich auf den Weg, sich selbst und den eige­nen Glau­ben neu zu ent­de­cken, Bekann­tes zu ver­tie­fen und Anre­gun­gen zur Wei­ter­ent­wick­lung zu geben. Dazu soll das Wahl­fach Du bist VOLL Wert­Voll“ einen Bei­trag leisten.“

Das Wahl­fach Du bist VOLL Wert­Voll“ wird ab dem kom­men­den Schul­jahr an der Maria Ward Real­schu­le in Neu­haus ange­bo­ten. Es ist ein Pilot­pro­jekt, das es so in der baye­ri­schen Schul­land­schaft noch nicht gibt”, so Stif­tungs­be­auf­tra­ge Eva Maria Fuchs beim Bischofs­ter­min. Ange­setzt ist das Pro­jekt zunächst auf 2 Jahre.

Hier können Sie den Radiobeitrag mit den Interviews anhören: