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Kirche vor Ort

Stuck und Fresken zum Greifen nah

Pressemeldung am 10.03.2020

PK Aldersbach Bild1 DSC 0003 Foto: Karin Rankl
Begutachtung von Schadensbildern auf dem Raumgerüst unmittelbar unter den Gewölbefresken: Dr. Thomas Kupferschmied (von rechts), Alois Brunner, Bernhard Symank, Norbert Sterl, Thomas Knödl, die Restauratoren Peter Turek und Michael Bengler, Felix Viemann, Pfarrer Sebastian Wild und Restaurator Ulrich Weilhammer

Auf dem mächtigen Raumgerüst in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Aldersbach, das den gesamten Kirchenraum überspannt und bis auf Höhe des Gewölbes reicht, werden umfangreiche Untersuchungen zur Ermittlung des Restaurierungsumfangs an Stuck und Fresken durchgeführt. Die für die Restaurierung Verantwortlichen haben aktuell Arbeitsmuster aus nächster Nähe begutachtet und die Restaurierungsmethoden für die weitere Bearbeitung freigegeben.

Die bei­den Restau­rie­rungs­fach­bau­lei­ter Micha­el Beng­ler und Peter Turek aus Din­gol­fing, die ihre Unter­su­chungs­er­geb­nis­se vor­stell­ten, hat­ten für die anwe­sen­den Ver­tre­ter des Baye­ri­schen Lan­des­amts für Denk­mal­pfle­ge, Dr. Tho­mas Kup­fer­schmied und Bern­hard Symank, Kunst­re­fe­rent Alo­is Brun­ner vom Bischöf­li­chen Ordi­na­ri­at Pas­sau, Pfar­rer Sebas­ti­an Wild, Kir­chen­pfle­ger Tho­mas Knödl sowie für die Ver­ant­wort­li­chen am Staat­li­chen Bau­amt Pas­sau, Nor­bert Sterl, Felix Vie­mann und Karin Rankl, gute Nach­rich­ten: Der auf Stuck und Male­rei vor­ge­fun­de­ne Ver­schmut­zungs­grad war gerin­ger als ursprüng­lich ver­mu­tet. Allein mit einer Tro­cken­rei­ni­gung mit­tels Staub­ma­gnet und Tro­cken­rei­ni­gungs­schwamm sowie mit par­ti­el­ler bestands­pfle­gen­der Feucht­rei­ni­gung ließ sich bereits ein gutes Restau­rie­rungs­er­geb­nis erzie­len. Frü­he­re restau­ra­to­ri­sche Über­ar­bei­tun­gen aus den Jah­ren 1911 und 1961 müs­sen damit nicht groß­flä­chig abge­nom­men wer­den, son­dern bedür­fen nur dort, wo Schä­den oder Stö­run­gen ein­seh­bar sind, einer Abnah­me in soge­nann­ter Strap­po-Tech­nik‘ mit anschlie­ßen­der Retu­sche. Ris­se wer­den gerei­nigt und mit einer Aus­mi­schung von Kalk­hy­drat und Tro­cken­pig­ment aufgefüllt. 

Für Lei­ten­den Bau­di­rek­tor Sterl vom Staat­li­chen Bau­amt Pas­sau, das im Rah­men der Staat­li­chen Bau­pflicht für die Pla­nung und Umset­zung der Gesamt­re­stau­rie­rung sorgt, ist das ein Glücks­fall, weil damit nicht nur eine sub­stanz­scho­nen­de, im bes­ten Sin­nen kon­ser­vie­ren­de Ober­flä­chen­be­hand­lung erreicht, son­dern durch den Ver­zicht auf eine zeit­auf­wän­di­ge Ent­fer­nung spä­te­rer Über­ma­lun­gen zugleich auch hin­sicht­lich Kos­ten und Bau­zeit eine wirt­schaft­li­che Lösung gefun­den wurde. 

PK Aldersbach Bild2 Reinigungsprobe Foto: Michael Bengler

Auf die­ser Basis wird nun die Erstel­lung der Leis­tungs­ver­zeich­nis­se für die der Restau­rie­rungs­ar­bei­ten an Fres­ken, Fas­sun­gen und Stuck­or­na­men­ten erfol­gen. Die Arbei­ten an der Raum­scha­le kön­nen nach anschlie­ßen­der Aus­schrei­bung und Ver­ga­be im Som­mer 2020 begin­nen. Aktu­ell hat das Staat­li­che Bau­amt Pas­sau für die Innen­re­stau­rie­rung der Asam­kir­che bereits Pla­nungs- und Bau­leis­tun­gen in Höhe von mehr als 4,5 Mil­lio­nen Euro vergeben.

Den Unter­su­chun­gen sind bereits umfang­rei­che Arbei­ten vor­aus­ge­gan­gen: In der Kir­che wur­den Depot- und Werk­statt­bo­xen mit einer Nutz­flä­che von etwa 180 m² auf zwei Ebe­nen errich­tet, in denen die Aus­stat­tungs­ele­men­te der Sei­ten­al­tä­re (z. B. Gemäl­de, Plas­ti­ken, Auf­sät­ze des Chor­ge­stühls, der Beicht­stüh­le u. a.) für die Zeit der Innen­re­stau­rie­rung ein­ge­la­gert sind. Zum Schutz des his­to­ri­schen Boden­be­la­ges wur­de eine Flä­che von etwa 1.100 m² mit Holz­werk­stoff-Plat­ten im gesam­ten Kir­chen­in­nen­raum abge­deckt, die his­to­ri­schen Brüs­tun­gen, Gelän­der sowie Tür­stö­cke erhiel­ten Schutz­be­klei­dun­gen, eben­so das Haupt­por­tal und der Neben­ein­gang als Bau­stel­len­zu­gän­ge. Auf­wen­dig waren die Demon­ta­ge- und Räu­mungs­ar­bei­ten des Kir­chen­in­ven­tars. Dabei wur­den von Restau­ra­to­ren zum Bei­spiel die Sei­ten­al­tä­re von der Men­sa bis zum Gemäl­de im Altar­aus­zug (= obe­rer Abschluss des Altars) demon­tiert und ein­ge­la­gert oder ein­ge­packt. Im Zuge der Demon­ta­ge wur­den alle Gegen­stän­de inven­ta­ri­siert, vom Staub und ggf. Schim­mel­be­fall gerei­nigt und in den Depot­bo­xen ein­ge­la­gert. Zur Ver­mei­dung wei­te­rer Sub­stanz­ver­lus­te an Fas­sun­gen, Ver­gol­dun­gen sowie Schnit­ze­rei­en erfolg­ten z. T. auch Not­si­che­run­gen mit Japan­pa­pier oder Kit­tun­gen an den Gegen­stän­den vor der Ein­la­ge­rung. Des Wei­te­ren wur­den Rück­bau­maß­nah­men an der Haupt- und Chor­or­gel der Asam­kir­che durch­ge­führt. Auch hier waren Gerüs­te mit Per­so­nen­auf­zug und Trep­pen­turm erfor­der­lich. Die Chor­or­gel-Pfei­fen waren teil­wei­se vom Schim­mel befal­len und konn­ten erst nach ent­spre­chen­der Behand­lung zusam­men mit den ande­ren Objek­ten frei von Schad­stof­fen in den Depot­bo­xen ein­la­gert werden.

PK Aldersbach Bild3 Reinigungsprobe Foto: Michael Bengler

Ent­spre­chend dem Bau­fort­schritt bei der Errich­tung des Raum­ge­rüsts erfolg­ten die Demon­ta­ge und die Siche­rung der Aus­stat­tungs­ele­men­te in den obe­ren Raum­par­tien sowie seit Novem­ber letz­ten Jah­res die Bau­meis­ter­ar­bei­ten im Kir­chen­in­nen­raum. Dabei wird der Putz bis auf etwa drei Meter Höhe abge­nom­men, das Mau­er­werk des Kir­chen­schif­fes gerei­nigt, mit­tels Kom­pres­sen Ent­sal­zungs­maß­nah­men durch­ge­führt und anschlie­ßend die stark geschä­dig­te Sockel­par­tie neu ver­putzt. Par­al­lel hier­zu erfolg­ten für die künf­ti­ge Tem­pe­rie­rung von Neben­räu­men, u. a. der Werk­tags­ka­pel­le, auf­wen­di­ge Natur­stein- und Gra­bungs­ar­bei­ten, die im Innen­be­reich in Hand­ar­beit aus­ge­führt wer­den mussten.

Die Innen­re­stau­rie­rung der Pfarr­kir­che Mariä Him­mel­fahrt in Alders­bach wird bis Ende 2024 dau­ern. Die Gesamt­kos­ten für die Restau­rie­rung wer­den auf rund 15 Mil­lio­nen Euro geschätzt. 40 Pro­zent trägt der Frei­staat Bay­ern, 60 Pro­zent die Diö­ze­se Passau.

Bei Rück­fra­gen wird gebe­ten, sich an den Lei­ter des Hoch­baus am Staat­li­chen Bau­amt Pas­sau, Herrn Lei­ten­den Bau­di­rek­tor Nor­bert Sterl, 0851 / 50172000, zu wenden.

Text: Nor­bert Sterl