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Bistum

Die Kraft der leisen Mächte

Susanne Schmidt am 20.09.2022

220916 Vernissage 2 Foto: Susanne Schmidt / pbp

Normalerweise zieren Gemälde vergangener Bischöfe und Fürsten das prächtige Treppenhaus der Neuen Residenz in der Passauer Altstadt. Doch in diesen Tagen ist das altehrwürdige Gebäude verändert: Schon im Eingangsbereich blickt man unter dem Kreuz auf eine weiße Skulptur, die gleichermaßen abstrakt ist als auch zum Nachdenken anregt. Das Kunstwerk gehört zu einer Wanderausstellung, die von 16. September bis 31. Oktober 2022 im Museum am Dom in Passau ausgestellt ist. Die Künstlerin Katinka Schneweis gab ihr den Titel „Die Kraft der leisen Mächte“.

Die­ser Titel ist der Künst­le­rin zugleich ein gro­ßes Anlie­gen. Sie stellt die mensch­li­che Intui­ti­on in den Mit­tel­punkt ihrer Aus­stel­lung: Aus mei­ner Sicht leben wir in einer Umbruchs­zeit, ähn­lich wie in der Renais­sance, in der der Mensch sei­nen Ver­stand ent­deckt hat. Man hat seit­dem über Hun­der­te von Jah­ren gelernt, sei­nen Ver­stand zu pfle­gen und zu för­dern. In mei­nen Augen ist es so zu einer Über­be­wer­tung des Ver­stan­des gekom­men“, so Kat­in­ka Schne­weis. Mein Anlie­gen ist es, die ande­re Sei­te, die intui­ti­ve Sei­te mehr zu pfle­gen und auch dafür zu sor­gen, dass man lernt, dar­auf zu hören, sie zu unter­schei­den und für sich zu nutz­ten.“ Der Künst­le­rin zufol­ge sind dies die lei­sen Kräf­te, die im Inne­ren des Men­schen ver­bor­gen sei­en. Jeder ken­ne sie, aber sie wür­den viel zu sel­ten wahr­ge­nom­men. Dies habe sie zum Titel der Aus­stel­lung gebracht.

220916 Vernissage 4 Foto: Susanne Schmidt / pbp

Der Impuls zur Aus­stel­lung ging von Kat­in­ka Schne­weis selbst aus:

Jeder Mensch trägt urei­ge­nen Ängs­te, Sor­gen, Nöte, Wün­sche und Gefüh­le in sich. Vie­le davon sind all­ge­mein­gül­tig. Ich habe also bei mir ange­fan­gen und ver­sucht, die­se wahrzunehmen.”

Katinka Schneweis

So ori­en­tiert sich der Auf­bau der Aus­stel­lung am Inners­ten des Men­schen, an der Intui­ti­on und einem für das mensch­li­che Dasein grund­le­gen­den The­ma: Die künst­le­ri­sche Rei­se in das Inne­re beginnt beim Haupt­tor, wo die The­men Trau­er und Schmerz plas­tisch auf­ge­grif­fen wer­den. Über die ver­schie­de­nen Stock­wer­ke spannt sie eine Klam­mer und endet im letz­ten Raum mit dem Werk Fal­ke“. Die­ses Kunst­werk sym­bo­li­siert für die Künst­le­rin die Ver­bin­dung zwi­schen Flucht und Kampf und bil­det so den Abschluss und das Ziel der Aus­stel­lung: Wenn ich vor einer Her­aus­for­de­rung ste­he, wie Trau­er oder Schmerz, kann ich mich die­ser stel­len oder kann flie­hen. Der Fal­ke ist ein Jagd­tier. Er kämpft so und er kann flie­gen – und des­halb auch flie­hen. Das war die Klam­mer, die ich um die gan­ze Aus­stel­lung ver­sucht habe, herumzuspannen.“

220916 Vernissage 1 Foto: Susanne Schmidt / pbp

Auch wei­te­re Räu­me der Resi­denz sind in die Aus­stel­lung ein­be­zo­gen: In der ehe­ma­li­gen fürst­bi­schöf­li­chen Biblio­thek mit ihren baro­cken Buch­be­stän­den im ers­ten Stock sind ver­schie­de­ne abs­trak­te Skulp­tu­ren aus­ge­stellt, die sich stim­mig in den Raum ein­fü­gen. Auch the­ma­tisch fügen die­se sich in den Raum ein, indem sie des­sen Zweck und im Raum befind­li­ches Mate­ri­al auf­grei­fen: Die abs­trak­ten Figu­ren sind aus Papier ange­fer­tigt und erzäh­len wie die Bücher ihre eige­nen Geschich­ten, nur eben dreidimensional.

Die Gestal­tung der Aus­stel­lung in die­sen Räum­lich­kei­ten sei jedoch eine Her­aus­for­de­rung gewe­sen, wie Alo­is Brun­ner, Direk­tor des Muse­ums am Dom, erzählt: Es ist nicht so ein­fach, in den Räu­men der Resi­denz aus­zu­stel­len, da die­se Räu­me durch den leben­di­gen Stuck und die groß­for­ma­ti­gen Gemäl­de vor­ge­prägt sind – und dage­gen muss man auch erst ein­mal ankom­men. Was kann man dage­gen“, um sich in die­sem vor­ge­ge­be­nen Ambi­en­te zu posi­tio­nie­ren?“ Daher sei es eine Mög­lich­keit, ins Abs­trak­te bzw. Unge­gen­ständ­li­che zu gehen. Wie gut die Räu­me mit der Kunst har­mo­nie­ren mer­ke man bei­spiels­wei­se gleich im Trep­pen­haus. Ande­rer­seits: die aus­ge­wähl­ten Far­ben stim­men mit den Räu­men zusam­men. Daher kön­nen sich die Arbei­ten der Künst­le­rin wun­der­bar behaup­ten. Und des­halb gefällt mir auch der Titel Die Kraft der lei­sen Mächte´.“

220916 Vernissage 3 Foto: Susanne Schmidt / pbp

Nach­dem man im zwei­ten Stock durch das majes­tä­ti­sche Trep­pen­haus mit den beein­dru­cken­den Fres­ken die Prunk­räu­me der Neu­en Resi­denz betre­ten hat, zieht eine abs­trak­te Skulp­tur aus wei­ßem Gips den Blick auf sich. Mit ihren aus­drucks­star­ken For­men des Kunst­werks am sei­de­nen Faden“ nimmt die Künst­le­rin Bezug zu den Stuck­ar­bei­ten der Räu­me – und regt gleich­zei­tig an, dar­über hin­aus zu bli­cken. Es erzählt eine Geschich­te von Frei­heit. Auch die wei­te­ren Gemäl­de, Skulp­tu­ren und Kunst­ob­jek­te aus Pel­zen grei­fen auf unter­schied­li­che Art die Gege­ben­hei­ten der Räu­me auf und erzäh­len nach dem Selbst­ver­ständ­nis der Künst­le­rin in ihrem Gesamt­kon­text eine Geschich­te von Wachs­tum und Ent­fal­tung, die jeder Mensch in sich mit­voll­zie­hen und wie­der­fin­den könne.

Nach­dem wegen der Coro­na­pan­de­mie die Aus­stel­lung zunächst nicht statt­fin­den konn­te, freu­te sich Kunst­re­fe­rent Alo­is Brun­ner beson­ders, dass sie nun – beim drit­ten Anlauf – gelun­gen ist. Kat­in­ka Schne­weis ist im Bis­tum schon vie­le Jah­re bekannt: Von 19941997 absol­vier­te die gebür­ti­ge Strau­bin­ge­rin eine Schrei­ner­leh­re in der Dom­schrei­ne­rei des Bischöf­li­ches Ordi­na­ri­ats in Pas­sau. Nach Ihrem Stu­di­um der Kunst­päd­ago­gik an der Lud­wig-Maxi­mi­li­an-Uni­ver­si­tät Mün­chen arbei­te­te sie als Kunst­er­zie­he­rin, bis sie 2013 den Schritt in die Selb­stän­dig­keit als Frei­schaf­fen­de Künst­le­rin ging. Heu­te ist sie mit ihrem künst­le­ri­schen Anlie­gen, die Intui­ti­on als eine dem Ver­nunft­ge­brauch eben­bür­ti­ge Form des Den­kens anzu­er­ken­nen, über Deutsch­land hin­aus bekannt.

Die Wan­der­aus­stel­lung ist noch bis 31. Okto­ber 2022 in der Neu­en Resi­denz im Muse­um am Dom zu sehen – von Mon­tag bis Sams­tag jeweils von 1016 Uhr am Resi­denz­platz 8, Passau. 

Wei­te­re Infos über die Künst­le­rin und ihre Wer­ke fin­den Sie unter: www​.kat​in​ka​-schne​weis​.de

220916 Vernissage 5 Foto: Susanne Schmidt / pbp

Text: Susan­ne Schmidt / pbp

Weitere Informationen über die Ausstellung finden Sie hier:

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