Jugend

Zehn Jahre Malteser-Schulsanitätsdienst

Yvonne Haderer am 11.11.2019

10_Jahre info-icon-20px Foto: Krenn
Carolin Lukat: Vor der Schulsanitäterin zur angehenden Notfallsanitäterin. Darüber freut sich auch Schulsanitätsdienst-Referent Manuel Moser (l.). Stefan Wagner (r.), auch ehemaliger Schulsani, ist schon da, wo Carolin Lukat demnächst hinwill: Er macht gerade die Ausbildung zum Notfallsanitäter.

Im Herbst 2009 waren erstmals Malteser an der Staatlichen Wirtschaftsschule Passau sowie der Maria-Ward-Realschule Neuhaus am Inn, um Schulsanitäter auszubilden. Damals ein spannender, neuer Dienst für junge Leute, ist es heute ein Angebot, das sich längst etabliert hat.

Zehn Jah­re Mal­te­ser-Schul­sa­ni­täts­dienst (SSD): ein Grund für die Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on, die­se Zeit Revue pas­sie­ren zu las­sen und auf­zu­zei­gen, was aus ehe­ma­li­gen Schul­sa­ni­tä­tern wer­den kann, wenn sie sich schon früh sozi­al ein­brin­gen und ler­nen, Ver­ant­wor­tung zu übernehmen.

Ein Para­de­bei­spiel dafür ist die 19-jäh­ri­ge Caro­lin Lukat aus Vorn­bach am Inn. In der 7. Klas­se hat sie die Aus­bil­dung zur Schul­sa­ni­tä­te­rin gemacht und erin­nert sich noch gut dar­an: Was die Schul­sa­ni­tä­ter bei uns mach­ten, hat mir impo­niert. Als dann die Aus­schrei­bung der Wahl­pflicht­fä­cher kam, war für mich sofort klar: Da mache ich mit.“

Zur­zeit beglei­ten die Mal­te­ser deutsch­land­weit über 500 Schul­sa­ni­täts­diens­te mit ca. 8.000 Schul­sa­ni­tä­tern, in der Diö­ze­se Pas­sau sind es 18 Schu­len mit ca. 160 Schü­le­rin­nen und Schü­lern. Seit 2009 haben die Pas­sau­er Mal­te­ser schon mehr als ein­tau­send Schü­le­rin­nen und Schü­ler aus­ge­bil­det, die wäh­rend der Unter­richts­zei­ten, in den Pau­sen sowie bei Schul­ver­an­stal­tun­gen im Rah­men ihrer Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten den Sani­täts­dienst über­neh­men und im Not­fall Ers­te Hil­fe leisten.

Als Schul­sa­ni­tä­te­rin konn­te Caro­lin ihr Kön­nen und Wis­sen mehr­mals anwen­den, so bei einer Hyper­ven­ti­la­ti­on, bei Nasen­blu­ten oder Stür­zen. Ich war schon im Kin­der­gar­ten begeis­tert von der Ers­ten Hil­fe. Es gibt ein Foto aus der Zeit, auf dem ich einem Not­ruf abset­ze“, erzählt sie. Das tat sie dann auch ganz pro­fes­sio­nell als Schulsanitäterin.

Spä­tes­tens jetzt war sie mit dem Hel­fer- und dem Mal­te­ser-Virus infi­ziert, wur­de Mit­glied in der Mal­te­ser Jugend Pas­sau-Stadt und über­nahm auch hier schnell Ver­ant­wor­tung. Zusam­men mit Mona Lind­büch­ler lei­tet sie aktu­ell die Kin­der­grup­pe in Ruder­ting und ist Jugend­ver­tre­te­rin im Diözesanjugendführungskreis.

Sie absol­vier­te den Lehr­gang zur Grup­pen­lei­ter-Assis­ten­tin, wur­de Ein­satz­sa­ni­tä­te­rin und spä­ter Ret­tungs­dienst-Hel­fe­rin. Da war es nahe­lie­gend, dass sie nach Abschluss der Schu­le ihren Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst bei den Mal­te­sern leis­te­te, so wie vie­le Schul­sa­nis vor und nach ihr auch. Zunächst war sie im Bereich Jugend und Sozia­les Ehren­amt ein­ge­setzt, spä­ter im Rettungsdienst.

Als Bun­des­frei­wil­li­ge hat Caro­lin Kin­der im Grund­schul­al­ter zu Klei­nen Hel­den“ aus­ge­bil­det – ein Ange­bot, das aus dem SSD her­vor­ge­gan­gen ist — und war maß­geb­lich an der Orga­ni­sa­ti­on des Schul­sa­ni-Tages betei­ligt. Die­ser fin­det seit 2013 statt, seit 2015 auf dem Gelän­de des Auer­spergs-Gym­na­si­ums Pas­sau-Freu­den­hain und ist der Höhe­punkt im Jah­res­lauf für die Schulsanis.

Ihr Ange­bot für die jun­gen Leu­te und auch die betreu­en­den Lehr­kräf­te haben die Mal­te­ser in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich aus­ge­baut. So gibt es heu­te Team­lei­ter- und Her­zens­ret­ter-Aus­bil­dun­gen, zahl­rei­che Schul­sa­nis neh­men am Diö­zesan­wett­be­werb der Sani­täts­grup­pen sowie am bay­ern­wei­ten Pra­xis­tag der Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen teil und die Lehr­kräf­te an Austauschtreffen.

Caro­lin Lukat möch­te Not­fall­sa­ni­tä­te­rin wer­den und hofft, dass sie nächs­tes Jahr im Okto­ber die Aus­bil­dung begin­nen kann: Das Schö­ne an die­sem Beruf ist für mich, dass ich den Men­schen hel­fen und ihre Dank­bar­keit spü­ren kann. Das woll­te ich immer schon machen“, erklärt die 19-Jäh­ri­ge. Im Febru­ar die­ses Jah­res hat sie bereits die Aus­bil­dung zur Ret­tungs­sa­ni­tä­te­rin erfolg­reich abge­schlos­sen und ist in die­ser Funk­ti­on seit Sep­tem­ber 2019, unmit­tel­bar nach ihrer Zeit als Bun­des­frei­wil­li­ge, haupt­amt­lich bei den Mal­te­sern beschäf­tigt. Dort sieht sie neben ihrem ehren­amt­li­chen Enga­ge­ment auch ihre beruf­li­che Zukunft.

Ein beein­dru­cken­der Lebens­lauf für ein bis­her so kur­zes Leben. Caro­lin Lukat weiß genau, was sie will. Und geht ihren Weg kon­se­quent. Schul­sa­ni­täts­dienst-Refe­rent Manu­el Moser, der sie natür­lich gut kennt, ist vol­ler Hoch­ach­tung. Mehr als Caro­lin kann man in der Zeit nicht machen an Aus­bil­dun­gen und Ver­ant­wor­tungs­ebe­nen. Es ist schön, sol­che Wer­de­gän­ge zu sehen: Mit zwölf Jah­ren als Schul­sa­nis und ein paar Jah­re spä­ter bei der Grup­pen­lei­ter­aus­bil­dung. Wir kön­nen unse­ren Teil dazu bei­tra­gen, dass die­se jun­gen Men­schen zu ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ten und sozia­len Erwach­se­nen her­an­rei­fen und sie dabei unter­stüt­zen“, sagt er. Manu­el Moser erklärt auch, dass vie­le Mit­glie­der der Mal­te­ser Jugend aus dem SSD kom­men: Sie machen bei deren Akti­vi­tä­ten mit und blei­ben dabei.“

Ihre Freun­de kön­nen ihr gro­ßes Enga­ge­ment oft nicht ver­ste­hen, sagt Caro­lin Lukat. Aber sie fin­det Erfül­lung dar­in. Ihre Erfah­run­gen sind ähn­lich denen von Manu­el Moser: Ich freue mich zu sehen, wie die Kin­der­grup­pe sich ent­wi­ckelt. Sie sind star­ke Per­sön­lich­kei­ten gewor­den. Es ist ein­fach schön, wenn die Kin­der Ver­trau­en haben und über Pro­ble­me reden.“ Auch sie selbst haben die Tätig­kei­ten bei den Mal­te­sern ver­än­dert und geprägt: Ich bin frü­her erwach­sen gewor­den, weil ich schon früh Ver­ant­wor­tung über­nom­men habe“, sagt die ange­hen­de Notfallsänitäterin.

Foto und Text: Malteser