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Soziales

Der Traum von einem Ort ohne Sorgen und Ängste

Wolfgang-Christian Bayer am 20.11.2019

30-Jahre-UN-Kinderrechtskonvention1 info-icon-20px Foto: Florian Kopp / Kindermissionswerk

Als Kind wuchs Dianira Trigoso Vizconde in Peru in großer Armut auf. Heute hilft sie Kindern in einem Projekt des Kindermissionswerks, die ein ähnliches Schicksal haben, und stärkt sie in ihren Rechten. Ein Bericht zum 30-jährigen Jubiläum der UN-Kinderrechtskonvention.

Ich habe mir immer einen Ort gewünscht, an dem sich Kin­der in Frei­heit ent­wi­ckeln kön­nen“, sagt Dia­ni­ra Tri­go­so Vizcon­de. Einen Ort, an dem ihre Mei­nung etwas zählt und sie respek­tiert und gehört wer­den, an dem ihre Sor­gen und Ängs­te ernst genom­men wer­den.“ Trä­nen lau­fen ihr über die Wan­gen, wäh­rend sie das erzählt. Es ist ein Ort, den sie selbst so in ihrer Kind­heit nicht hat­te. Heu­te bie­tet sie Kin­dern in Peru genau so einen Ort – in einem Pro­jekt des Kin­der­mis­si­ons­werks Die Sternsinger’.

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Auf­ge­wach­sen ist die heu­te 41-Jäh­ri­ge in Peru, in der Stadt Caja­mar­ca im nörd­li­chen Anden­hoch­land – als das sieb­te von 15 Geschwis­tern. Viel zum Leben besit­zen sie und ihre Fami­lie nicht. Jeder Tag ist eine Her­aus­for­de­rung, die es zu meis­tern gilt. Nicht immer ist genug zu essen da, die Kin­der tei­len sich zu meh­re­ren ein klei­nes Schlaf­zim­mer. Wird jemand in der Fami­lie krank, ver­schärft sich die Situa­ti­on. Eine Kran­ken­ver­si­che­rung haben sie nicht, eine medi­zi­ni­sche Behand­lung muss aus der eige­nen Tasche gezahlt wer­den. Drei von Vizcon­des Geschwis­tern ster­ben früh – so wie vie­le Kin­der in Peru, weil Krank­hei­ten und Infek­tio­nen nur schlecht oder gar nicht behan­delt werden. 

Vizcon­des Kind­heit ist kein Ein­zel­fall in Caja­mar­ca. Ganz im Gegen­teil. Armut bestimmt den All­tag vie­ler Men­schen in der perua­ni­schen Stadt. Am meis­ten trifft das die Kin­der. Kei­ner weiß das bes­ser als sie selbst. Genau des­halb hilft sie heu­te Kin­dern und Jugend­li­chen, die ein ähn­li­ches Schick­sal haben und in Armut groß wer­den. Als Pro­jekt­lei­te­rin bei der Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on MICAN­TO, ein Part­ner des Kin­der­mis­si­ons­werks Die Stern­sin­ger’, unter­stützt sie Jun­gen und Mäd­chen in deren schwie­ri­gen Lebens­la­gen. Sie klärt sie über ihre Rech­te auf, gibt Nach­hil­fe- und För­der­un­ter­richt und bie­tet ihnen ein mög­lichst sor­gen­frei­es Zuhau­se. Mit MICAN­TO ist für mich ein Traum in Erfül­lung gegan­gen. Wir bie­ten Kin­dern, die heu­te in einer ähn­li­chen Lebens­si­tua­ti­on sind wie ich damals, eine Per­spek­ti­ve. Die Kin­der haben Fähig­kei­ten und Stär­ken, die nur dar­auf war­ten, ent­deckt zu wer­den“, sagt Vizcon­de. Wenn die zier­li­che und beschei­de­ne Frau sicht­lich gerührt von ihrer Arbeit berich­tet, spürt der Zuhö­rer sofort: Jede ein­zel­ne Geschich­te der Kin­der ist immer auch ein Teil ihrer eigenen. 

Seit 2005 gibt es die Orga­ni­sa­ti­on MICAN­TO. Sie för­dert benach­tei­lig­te, arbei­ten­de Kin­der in Caja­mar­ca. Das Leben in den Armen­vier­teln der Stadt wird bestimmt von Per­spek­tiv­lo­sig­keit, Dro­gen und Kri­mi­na­li­tät. Nicht sel­ten erle­ben Kin­der häus­li­che Gewalt, sexu­el­len Miss­brauch und Ein­sam­keit. Vie­le Kin­der gehen arbei­ten und tra­gen so zum Lebens­un­ter­halt der Fami­lie bei. In sei­nem Zen­trum stärkt MICAN­TO die Kin­der in ihrer Ent­wick­lung und ihrem Selbst­be­wusst­sein, hilft bei den Haus­auf­ga­ben und gibt Nach­hil­fe­kur­se. Mit Lob­by­ar­beit und poli­ti­schen Aktio­nen macht die Orga­ni­sa­ti­on auf die Situa­ti­on der Kin­der und deren Rech­te auf­merk­sam. Rund 300 Kin­der und Jugend­li­che zwi­schen vier und 17 Jah­ren wer­den der­zeit in dem Pro­jekt betreut.

Eines die­ser 300 Ein­zel­schick­sa­le ist Vizcon­de beson­ders nahe gegan­gen: Die Geschich­te von Rolan­do. Mit acht Jah­ren kam der Jun­ge in das Hilfs­pro­jekt. Ich habe ihn von klein auf beglei­tet. Er war immer sehr auf­ge­weckt, ein cle­ve­res Kind. Irgend­wann hat er ange­fan­gen zu arbei­ten, um sich sei­ne Schul­ma­te­ria­li­en selbst kau­fen zu kön­nen“, erin­nert sich Vizcon­de und erzählt wei­ter: Rolan­do hat­te gro­ße fami­liä­re Pro­ble­me. Sei­ne Eltern waren bei­de Alko­ho­li­ker und er war das Jüngs­te von sie­ben Geschwis­tern.“ Eines Tages habe Rolan­do sie sogar gebe­ten, ihn zu adop­tie­ren. Das sei aber aus finan­zi­el­len Grün­den nicht mög­lich gewe­sen. Mitt­ler­wei­le ist Rolan­do 17 Jah­re alt. Er ist erwach­sen gewor­den, geht jetzt sei­nen eige­nen Weg. Mican­to besucht er immer noch regel­mä­ßig und ist vor allem Vizcon­de bis heu­te sehr dank­bar. Denn ohne ihre Hil­fe hät­te sein Leben auch ganz anders ver­lau­fen können.

Wenn Vizcon­de über die Arbeit von MICAN­TO spricht, ist ihr eines beson­ders wich­tig: Bei dem Hilfs­an­ge­bot gehe es nicht dar­um, dass die Kin­der nicht mehr arbei­ten gehen sol­len. Das sei der fal­sche Weg, betont sie. Natür­lich muss es eine wür­di­ge und kei­ne aus­beu­te­ri­sche Arbeit sein, der die Kin­der nach­ge­hen. Aber in Peru sind die Kin­der stolz zu arbei­ten. Sie erfah­ren, dass man im Leben etwas errei­chen kann, wenn man sich anstrengt, und sie ler­nen, sich zu behaup­ten.“ Doch die Kin­der soll­ten wis­sen, dass sie auch Rech­te haben. Zum Bei­spiel ein Recht auf Bil­dung oder auf Frei­zeit und Spielen.

Und weil der Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on die Kin­der­rech­te so wich­tig sind, fei­ern sie die­se jedes Jahr mit einem gro­ßen Fest – immer am 20. Novem­ber. Es ist der Tag, an dem 1989 die Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on der Ver­ein­ten Natio­nen ver­ab­schie­det wur­de. Mit einem Demons­tra­ti­ons­zug zie­hen sie dann durch die Stra­ßen von Caja­mar­ca und hal­ten ihre selbst gebas­tel­ten Pla­ka­te in die Höhe. Der 20. Novem­ber 2019 wird für Vizcon­de und die Kin­der ein ganz beson­de­rer Tag. An dem Tag fei­ern die Kin­der­rech­te ihren 30. Geburts­tag – und ganz MICAN­TO fei­ert mit. Für die Rech­te der Kin­der in Peru und auf der gan­zen Welt.

Text: Robert Baumann/​Kindermissionswerk
Fotos: Flo­ri­an Kopp / Kindermissionswerk

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