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Kirche vor Ort

66. St. Anna-Wallfahrt der Oberschlesier nach Altötting

Armin Berger am 30.07.2019

66_St.-Anna-Wallfahrt_Oberschlesier_4 Roswitha Dorfner

Seit 66 Jahren pilgern die Heimatvertriebenen aus Oberschlesien immer zur Zeit des Festtags der hl. Mutter Anna (26. Juli), ihrer Schutzpatronin, nach Altötting.

Sie tun das mit zwei dank­ba­ren Gebets­ta­gen in Tra­di­ti­on, Brauch­tum und Bekennt­nis zur Hei­mat, als Erbe und Auf­trag“, so Nor­bert Grö­ner von der Ober­schle­si­schen Lands­mann­schaft, Kreis­grup­pe Mün­chen.

Zur Vor­abend­mes­se in der St. Anna-Basi­li­ka mit fest­li­cher Lich­ter­pro­zes­si­on am Sams­tag, 27. Juli, sprach Haupt­ze­le­brant und Pre­di­ger Bischofs­vi­kar Pfr. Peter Tar­lin­ski, Seel­sor­ger der Min­der­hei­ten im Bis­tum Oppeln, über die Wür­de und Not­wen­dig­keit des Betens“. Am Sonn­tag, 28. Juli, setz­te er drei Gedan­ken­bil­der zum Pau­lus­wort Der Frie­de Chris­ti tri­um­phie­re in euren Her­zen“ (Kol 3,1217) in den Mit­tel­punkt. Der Dank der Wall­fahrts­or­ga­ni­sa­to­ren galt den über 1.000 ober­schle­si­schen Lands­leu­ten, die trotz hoch­som­mer­li­cher Tem­pe­ra­tu­ren aus ganz Bay­ern und dar­über hin­aus gekom­men waren, den präch­ti­gen Fah­nen- und Trach­ten­ab­ord­nun­gen (eine Grup­pe reis­te wie­der aus Güters­loh an), den Berg­män­nern sowie der Alt­öt­tin­ger Hof­mu­sik, die mit der Schu­bert-Mes­se (sams­tags) und der Haydn-Mes­se am Sonn­tag für den fest­li­chen musi­ka­li­schen Rah­men sorgte.

Der Frie­de Chris­ti tri­um­phie­re in euren Herzen!”

Bischofsvikar Pfr. Peter Tarlinski, Seelsorger der Minderheiten im Bistum Oppeln

Den Anna­berg von Ober­schle­si­en und den Gna­den­ort Alt­öt­ting sah Dami­an Schwi­der, der Lan­des­vor­sit­zen­de der Lands­mann­schaft Ober­schle­si­en in Bay­ern, als eine wun­der­ba­re Ver­bin­dung zwi­schen der alten und der neu­en Hei­mat: Wir brau­chen ein­an­der, hier und drü­ben“ – denn Hei­mat begrei­fe man erst in der Frem­de, wenn man sie ver­lo­ren habe. Der Hei­mat­ver­lust, ver­ur­sacht durch die Kriegs­jah­re 1939 – 1945 las­se sich nicht so leicht ver­ar­bei­ten, griff auch Fest­pre­di­ger Bischofs­vi­kar Tar­lin­ski auf: Du musst raus, flüch­ten, sonst wirst du nicht über­le­ben; du darfst nicht mehr nach Hau­se, eine Hei­mat gibt es nicht mehr!“ Die­se Sehn­sucht nach der alten Hei­mat sei viel­fach falsch gedeu­tet wor­den, die Schle­si­er, Sude­ten­deut­schen und Ost­deut­schen sei­en viel­fach im Wes­ten als Revan­chis­ten abge­stem­pelt wor­den. Ins­be­son­de­re mit der Wen­de 1989 und die segens­rei­che Arbeit durch die Lands­mann­schaf­ten sei es gelun­gen, dass neu auf­ge­bau­te Exis­ten­zen inzwi­schen zur neu­en Hei­mat gewor­den sind und Frie­den mit der Hei­mat“ geschlos­sen wer­den konnte. 

Ein wei­te­rer Punkt war dem Pre­di­ger wich­tig: Frie­den mit der Her­kunft“. Egal, was ande­re den­ken“, beton­te Pfr. Tar­lin­sky, wich­tig sei, Her­kunft und Prä­gung eines Men­schen wert­zu­schät­zen, zu wah­ren und auf­zu­bau­en als Zukunft für nach­kom­men­de Genera­tio­nen: Wir brau­chen uns nicht zu ver­ste­cken, wir kön­nen nur zusam­men­wach­sen, wenn wir Frie­den mit unse­rer Her­kunft schlie­ßen, um stolz sagen zu kön­nen: Ich bin ein Ober­schle­si­er!“ Als drit­tes leg­te der Fest­pre­di­ger sei­nen ober­schle­si­schen Lands­leu­ten drin­gend ans Herz, den Frie­den mit dem Christ­sein zu schlie­ßen – nicht ihr hier“, wie er um sich bli­ckend fest­stell­te, son­dern in euren Fami­li­en und im Bekann­ten­kreis.“ Gera­de die jün­ge­re Genera­ti­on glei­che sich dem glau­bens­fer­nen Zeit­geist“ an, wol­le nicht auf­fal­len, mit­zie­hen, sich ande­ren anglei­chen: Man ist zwar Christ und doch nicht!“ Frie­den mit dem Christ­sein schlie­ßen sei eine Her­aus­for­de­rung gera­de in heu­ti­gen schwie­ri­gen Zei­ten und zugleich ein Appell, den Glau­ben trotz alle­dem nicht zu unter­drü­cken und davonzulaufen!“

Wir brau­chen Maria, set­zen unse­re Hoff­nung auf sie, die gera­de hier in Alt­öt­ting als Heil der Kran­ken ange­ru­fen wird“, bestärk­te am Nach­mit­tag Pfar­rer Rei­mund Schrott bei der fei­er­li­chen Mari­en­an­dacht in der Stift­s­pfarr­kir­che das gläu­bi­ge Ver­trau­en der ober­schle­si­schen Lands­leu­te. Einer besorg­nis­er­re­gen­den Glau­bens­si­tua­ti­on, dras­tisch zurück­ge­hen­den Mari­en­an­dach­ten und ‑ver­eh­rung setz­te Pfar­rer Schrott den Lob­preis Mari­ens im Magni­fi­cat ent­ge­gen: Mei­ne See­le preist die Grö­ße des Herrn …“. Mari­ens Vor­bild, ihre gläu­bi­ge demü­ti­ge Hal­tung sol­le Wach­rüt­teln in einer Zeit der Arro­ganz und des Ego­is­mus, dass durch die Got­tes­mut­ter wie­der Frie­den und Glau­bens­freu­de in die Her­zen einkehre.

Nach dem Eucha­ris­ti­schen Segen zogen die Trach­ten- und Fah­nen­ab­ord­nun­gen mit der Geist­lich­keit zur Gna­den­ka­pel­le und wur­den mit dem Schluss­se­gen von Alt­öt­tings Wall­fahrt­rek­tor Prä­lat Gün­ther Man­dl ent­las­sen – mit loben­den und dan­ken­den Wor­ten: Was wäre Alt­öt­ting ohne sei­ne treu­en Pil­ger aus Ober­schle­si­en und was wären die Ober­schle­si­er ohne ihren tüch­ti­gen Kreuzl­trä­ger Robin!“ (auf dem mitt­le­ren Foto links zu sehen).

Text und Fotos: Ros­wi­tha Dorfner