Das glauben wir

Bibelschule des Propädeutikums - Bericht Teil 4 aus dem Hl. Land

Sarah Joas am 10.05.2019

Bibelschule-2019_47

Die beiden zurückliegenden Tage Montag und Dienstag galten der biblischen und neueren Geschichte Israels: Das Ziel war zunächst die Menora, der große siebenarmige Leuchter, der vor dem Parlament des Staates Israel, der Knesset, steht.

Bibel­schu­le des Pro­pä­deu­ti­kum — Ein­bli­cke von Dr. Bern­hard Klin­ger

Die bei­den zurück­lie­gen­den Tage Mon­tag und Diens­tag gal­ten der bibli­schen und neue­ren Geschich­te Isra­els: Das Ziel war zunächst die Meno­ra, der gro­ße, sie­ben­ar­mi­ge Leuch­ter, der vor dem Par­la­ment des Staa­tes Isra­el, der Knes­set, steht. Die Moti­ve, die auf der Meno­ra dar­ge­stellt sind, grei­fen vor allem auf bibli­sche Erzäh­lun­gen und Momen­te zurück. Zusam­men mit den bibli­schen Moti­ven und Moti­ven aus der Geschich­te des Juden­tums ver­weist die Meno­ra vor der Knes­set auf die Iden­ti­tät Isra­els. Bewusst wähl­ten wir wie­der den Fuß­weg dort­hin; nicht nur, dass es ange­sichts des dich­ten Ver­kehrs mit dem Bus nicht wesent­lich schnel­ler gegan­gen wäre, son­dern zu Fuß bekommt man auch deut­li­cher mit, dass Jeru­sa­lem nicht nur die berühm­te Alt­stadt mit dem Suk (Markt), der Gra­bes­kir­che und dem Fel­sen­dom ist, son­dern eben auch eine moder­ne Stadt.
Der Besu­cher­an­drang an der Meno­ra hielt sich an die­sem Vor­mit­tag in Gren­zen, so dass wir dort im Schat­ten und in Ruhe zwei Refe­ra­te der Pro­pä­deu­ti­ker zum moder­nen Staat Isra­el und dem Nah­ost­kon­flikt sowie zu Qum­ran und sei­nen Schrift­rol­len hören konn­ten.

Mit dem zwei­ten Refe­rat war dann auch die Brü­cke gelegt zum zwei­ten Pro­gramm­punkt des Vor­mit­tags: dem Isra­el-Muse­um. Die­ses Muse­um lässt einen ein­tau­chen in eine rei­che Geschich­te. Die immense Fül­le des­sen, was zu sehen und zu erfah­ren ist, macht eine Aus­wahl not­wen­dig. So beschränk­ten wir uns zusam­men mit der deutsch­spra­chi­gen Muse­ums­füh­re­rin zum einen auf den Shri­ne of the Books“, auf die Abtei­lung, die Ein­blick gibt in die Fun­de der Schrift­rol­len von Qum­ran, durch die uns auch bibli­sche Tex­te über­lie­fert sind; zum ande­ren auf das 1:50-Modell der Stadt Jeru­sa­lem, wie man sie sich zur Zeit des Zwei­ten Tem­pels etwa 66 n.Chr. vor­stel­len kann. Anschlie­ßend führ­te uns Rita, so hieß die Deutsch­schwei­ze­rin, die seit 50 Jah­ren in Jeru­sa­lem lebt und deren Fami­lie die Flucht vor den Nazis gelun­gen war, durch die Abtei­lung für Jüdi­sche Kul­tur und jüdi­sches Leben“. Sehr anschau­lich und mit einem für ihr Alter enor­men Elan ließ sie die rei­che Geschich­te ihrer reli­giö­sen Kul­tur leben­dig wer­den und ging auch sehr ger­ne auf die Fra­gen unse­rer Grup­pe ein.
Im Anschluss an den Muse­ums­be­such war dann wie­der inten­si­ve Lese­zeit ange­sagt, zu der sich die Pro­pä­deu­ti­ker ent­we­der in das Gäs­te­haus der Abtei oder auch in eine Ecke Jeru­sa­lems zurück­zie­hen konn­ten. Aller­dings ist es gar nicht so ein­fach, in Jeru­sa­lem tat­säch­lich eine ruhi­ge Ecke zu finden…

Der Diens­tag wid­me­te sich eben­falls der Geschich­te, aller­dings einem sehr schreck­li­chen Kapi­tel der Geschich­te des Juden­tums: Wir besuch­ten Yad Vas­hem, die Gedenk­stät­te der Mär­ty­rer und Hel­den des Staa­tes Isra­el im Holo­caust. Yad Vas­hem“ bedeu­tet über­setzt: Denk­mal und Name“; die­ser Wor­te stam­men aus Jes 56,6, wo es heißt: Ihnen gebe ich in mei­nem Haus und in mei­nen Mau­ern Denk­mal und Namen. Das ist mehr wert als Söh­ne und Töch­ter: Einen ewi­gen Namen gebe ich einem jeden, der nicht aus­ge­tilgt wird.“ Frei­lich wird an den Schu­len heut­zu­ta­ge sehr aus­führ­lich und inten­siv die Nazi­zeit und die Ver­nich­tung der Juden im Holo­caust the­ma­ti­siert, aber die Gedenk­stät­te Yad Vas­hem ver­dich­tet die Schreck­lich­keit und die­se unvor­stell­ba­re Men­schen­ver­ach­tung in einer Wei­se, die sehr tief berührt, sprach­los macht und bei nicht weni­gen Besu­chern zu Trä­nen führt.
Der anschlie­ßen­de Besuch auf dem Maha­ne-Yehu­da-Markt war als Kon­trast­pro­gramm ein bewusst aus­ge­such­tes Ziel, um bei aller Nach­denk­lich­keit und Betrof­fen­heit auch wie­der Leben­dig­keit zu erleben.

Den Mitt­woch erleb­ten wir als einen beson­de­ren und sehr dicht gefüll­ten Tag: beson­ders des­we­gen, weil wir ihn erst­mals zusam­men mit der Grup­pe aus dem Lin­zer Pro­pä­deu­ti­kum ver­brach­ten; sehr dicht ange­sichts der vie­len Ein­drü­cke, die die Stun­den die­ses Tages in Paläs­ti­na mit sich brach­ten. Regens Mar­tin Deng­ler und sein Kol­le­ge Regens Erwin Hin­ter­mayr hat­ten im Vor­feld schon ein­ge­plant, die­sen Tag gemein­sam zu ver­brin­gen. Beglei­tet wur­den wir außer­dem von unse­rer paläs­ti­nen­si­schen Füh­re­rin Kha­dra Zrei­neh: Khadras Eltern waren in den 1960er Jah­ren nach Deutsch­land aus­ge­wan­dert; Kha­dra war in Deutsch­land gebo­ren und auf­ge­wach­sen, ging aber dann in den 1970er Jah­ren eher unfrei­wil­lig als frei­wil­lig nach Paläs­ti­na zurück und hei­ra­te­te dort. Sie ist Chris­tin, lebt ihren Glau­ben sehr inten­siv und setzt sich hoch enga­giert für Ver­söh­nung und ein respekt­vol­les Mit­ein­an­der ein. In ihr ver­bin­den sich gewis­ser­ma­ßen zwei Kul­tu­ren: unse­re euro­pä­isch-deut­sche Kul­tur, mit der sie auf­ge­wach­sen ist, und die paläs­ti­nen­si­sche Kul­tur, in die hin­ein sie gebo­ren wur­de und in der sie nun mit ihrer Fami­lie lebt.

Mit ihr besuch­ten wir zunächst Hero­di­on, die von König Hero­des d.Gr. errich­te­te Fes­tungs- und Palast­an­la­ge; Hero­des d.Gr. ist als der König bekannt, der den Kin­der­mord von Bet­le­hem befoh­len hat­te; er war bei sei­nen Unter­ta­nen alles ande­re als beliebt, da er sein Volk unter­drück­te und aus­beu­te­te und sich letzt­lich bei der Besat­zungs­macht, den Römern, anbie­der­te. Vom Hero­di­on ging es wei­ter zu den Hir­ten­fel­dern: sowohl zu den ortho­do­xen und als auch den katho­li­schen Hir­ten­fel­der in Bayt Sahur, einem Ort, der zu Bet­le­hem gehört. Bei katho­li­schen Hir­ten­fel­dern wur­de es gera­de­zu weih­nacht­lich! Gemein­sam mit dem Lin­zer Pro­pä­deu­ti­kum fei­er­ten wir die Eucha­ris­tie – und stimm­ten dann doch mit zwei weih­nacht­li­chen Lie­dern ein – zwar nicht unbe­dingt in die Schar der Engel, aber zumin­dest in die Schar all der Pil­ger­grup­pen, die eben­falls auf den Hir­ten­fel­dern waren. Da fie­len dann gewis­ser­ma­ßen Weih­nach­ten und Pfings­ten zusam­men: Denn auch wenn Engel auf den Fel­dern sin­gen“ oder sogar Stil­le Nacht“ in sehr unter­schied­li­chen Spra­chen zu hören waren, ver­stand doch einer den anderen.

Von den Hir­ten­fel­dern aus fuh­ren wir wei­ter nach Bayt Jala, wo wir sowohl die Kir­che des Hl. Niko­laus von Myra besuch­ten, der dort für eini­ge Jah­re gelebt und gewirkt hat­te, als auch das Pries­ter­se­mi­nar für das Latei­ni­sche Patri­ar­chat für Jeru­sa­lem: Es ist letzt­lich das Pries­ter­se­mi­nar für ein Gebiet, das die Paläs­ti­nen­si­schen Auto­no­mie­ge­bie­te, Isra­el, Jor­da­ni­en und Zypern umfasst. Dann war es Zeit für das Mit­tag­essen: Wir durf­ten im Haus von Kadrahs Groß­el­tern tra­di­tio­nel­le paläs­ti­nen­si­sche Küche genie­ßen, bevor es wei­ter ging zur Geburts­kir­che in Betlehem.

Der Andrang der Pil­ger, die in die Geburts­grot­te woll­ten, war enorm – so enorm, dass wir annä­hernd zwei Stun­den hät­ten war­ten müs­sen, um selbst den Ort zu sehen oder ihn gar zu berüh­ren, an dem an die Geburt Jesu erin­nert wird. Wir hiel­ten es dann eher mit dem bekann­ten Zitat von Ange­lus Sile­si­us („Und wäre Chris­tus tau­send­mal in Beth­le­hem gebo­ren, und nicht in dir: Du blie­best doch in alle Ewig­keit ver­lo­ren.“) und lie­ßen uns von Kad­rah in die katho­li­sche Geburts­kir­che und die dor­ti­ge Geburts­grot­te füh­ren, die auch zu dem Höh­len­sys­tem unter der Geburts­kir­che gehört und von der grie­chisch-ortho­do­xen Geburts­grot­te nur durch eine Mau­er getrennt ist. 

Wer mein­te, nun wür­den wir die Rück­fahrt nach Bet­le­hem antre­ten, täusch­te sich! Wir bete­ten näm­lich noch ein Gesätz­chen Rosen­kranz zusam­men mit der maro­ni­ti­schen Gemein­de von Bet­le­hem: Kad­rah hat­te eine kur­ze Begeg­nung im dor­ti­gen Gemein­de­zen­trum arran­giert: In der dor­ti­gen Gemein­de wäre ohne­hin der Rosen­kranz vor der Abend­mes­se gebe­tet wor­den – und Kad­rah wuss­te es zu orga­ni­sie­ren, dass wir ein Gesätz­chen vor­be­te­ten und die maro­ni­ti­schen Schwes­tern und Brü­der auf Ara­bisch nach­be­te­ten. Das Gebet verbindet!

Dann aber ging es wirk­lich zurück nach Jeru­sa­lem – erfüllt von vie­len Ein­drü­cken und Infor­ma­tio­nen, wie Chris­ten in Paläs­ti­na ihr Leben bestrei­ten und wir ihnen hel­fen kön­nen, sowie berei­chert von sehr viel Herz­lich­keit und Glau­bens­freu­de, die uns an die­sem Tag begeg­net waren!

War der Mitt­woch sehr dicht gepackt, war der Don­ners­tag ein eher ruhi­ger Tag, der aller­dings sehr früh begann: Um 6.00 Uhr stan­den wir in der Gra­bes­kir­che auf Gol­go­ta und fei­er­ten Eucha­ris­tie. Und nach dem Früh­stück im Gäs­te­haus führ­te uns Fra­ter Sime­on durch die Abtei­kir­che und die Abtei – und ließ die Pro­pä­deu­ti­ker teil­ha­ben dar­an, wie es sich lebt als Bene­dik­ti­ner im Hl. Land ist. Zugleich war der Don­ners­tag für Isra­el ein Fei­er­tag: Man gedacht der Grün­dung des Staa­tes Isra­el im Jahr 1948. Für die Israe­lis ein Grund zur Freu­de – wie es ande­ren Men­schen im Land damit ging und geht, hat­ten wir am Vor­tag erfahren.

Hier finden Sie den dritten Teil des Berichts:

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