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Bischof Oster zur Fußball-WM in Katar

Pressemeldung am 17.11.2022

Bischof Oster Kinderfussball Foto: Susanne Schmidt
Bischof Stefan Oster beim Fußballspielen mit Kindern aus der rumänischen Diözese Satu Mare.

Der Sportbischof der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Stefan Oster SDB (Passau), erklärt vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar am 20. November 2022:

Die poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se kri­tisch in den Blick nehmen.“ 

Die Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft in Katar rückt näher. Vie­le freu­en sich auf die­ses glo­ba­le Sport­er­eig­nis, bei nicht weni­gen aber gibt es auch Beden­ken, Skep­sis und Ableh­nung. Nach wie vor wird gefragt, wie es dazu kom­men konn­te, dass aus­ge­rech­net Katar vor zwölf Jah­ren von den FIFA als Aus­tra­gungs­land aus­ge­wählt wur­de. Die Kri­tik an die­ser Ent­schei­dung hat sich in den zurück­lie­gen­den Jah­ren sogar verstärkt. 

Als Sport­bi­schof der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz möch­te ich den Fans, die vor Ort und in den Medi­en die WM ver­fol­gen wer­den, kein schlech­tes Gewis­sen ein­re­den. Freu­de am Sport, auch an welt­wei­ten Mega-Events, hat ihr eige­nes Recht, auch wenn sie durch die extre­me Kom­mer­zia­li­sie­rung gera­de des Fuß­balls getrübt sein mag. Aber es ist trotz­dem rich­tig, die poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se in Katar kri­tisch in den Blick zu neh­men. Das Emi­rat hat sich für die Welt­meis­ter­schaft 2022 bewor­ben, um sei­ne inter­na­tio­na­le Bedeu­tung zu unter­strei­chen und an Repu­ta­ti­on zu gewin­nen. So ist es nur ange­mes­sen, dass in die­sen Tagen der Schein­wer­fer der Öffent­lich­keit auf das Land gerich­tet wird und auch die pro­ble­ma­ti­schen Aspek­te aus­ge­leuch­tet werden. 

Beson­de­re Auf­merk­sam­keit ver­die­nen die Lebens- und Arbeits­be­din­gun­gen der Arbeits­mi­gran­ten, die die Sport­stät­ten errich­tet und die Infra­struk­tur des Lan­des in den zurück­lie­gen­den Jah­ren aus­ge­baut haben. 88 Pro­zent der Wohn­be­völ­ke­rung in Katar sind Aus­län­der. Sie haben weni­ge Rech­te und unter­lie­gen einem stren­gen Regle­ment, das auf einer weit­ge­hen­den Abhän­gig­keit von den Arbeit­ge­bern auf­ruht. Die­se Situa­ti­on ist nicht neu und wur­de durch die Vor­be­rei­tun­gen der WM auch nicht geschaf­fen. Aber sie hat sich wegen der vie­len Pro­jek­te, die in die­sem Zusam­men­hang ange­sto­ßen wur­den, erheb­lich ver­schärft. Der Arbeits­schutz auf den Bau­stel­len war lan­ge kata­stro­phal, was vor allem bei der Errich­tung der Sta­di­en zu einer Unzahl von Unfäl­len und viel zu vie­len Toten geführt hat. Die inter­na­tio­na­len Pro­tes­te von Gewerk­schaf­ten und Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen haben inzwi­schen zu einer Bes­se­rung der Lage geführt: Die Sicher­heit auf den Bau­stel­len wur­de erhöht, das Arbeits­recht ver­schärft. Befrie­di­gend gelöst wer­den konn­ten die Pro­ble­me aber nicht; wei­ter­hin gibt es Defi­zi­te bei der Umset­zung der Geset­ze, beson­ders bei den erfor­der­li­chen Kon­trol­len. Auch sind man­che Vor­komm­nis­se mit Todes­fol­ge bis heu­te nicht auf­ge­klärt wor­den, und die For­de­rung nach einer ein­wand­frei­en Über­prü­fung bleibt des­halb bestehen. Die vie­len Toten und Ver­letz­ten blei­ben die dunk­le Unter­sei­te einer monu­men­ta­len Bau­leis­tung, die ange­sichts des Glan­zes der fer­tig­ge­stell­ten Are­nen nicht in Ver­ges­sen­heit gera­ten darf. Als beson­ders schwie­rig wird auch die Situa­ti­on weib­li­cher Haus­an­ge­stell­ter ange­se­hen, die oft iso­liert arbei­ten und nur schwer ihre Rech­te gegen­über den Arbeit­ge­bern durch­set­zen können.

Repressive Staatsordnungen verändern sich nur langsam

Wie ande­re Staa­ten der Ara­bi­schen Halb­in­sel wur­de auch das Emi­rat Katar in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten durch sei­nen Öl- und Gas­reich­tum in ein neu­es Zeit­al­ter kata­pul­tiert. Heu­te koexis­tie­ren eine kon­ser­va­tiv-tra­di­tio­nel­le isla­mi­sche Gesell­schaft und eine wirt­schaft­li­che Hyper­mo­der­ne mit­ein­an­der. Es wäre unge­recht, bei der not­wen­di­gen Kri­tik an frag­wür­di­gen Zustän­den die­se beson­de­re Situa­ti­on aus­zu­blen­den. Aber es wäre auch unan­ge­mes­sen, die ein­ge­schränk­ten Men­schen­rech­te zu ver­schwei­gen. Frau­en sind in Katar wei­ter­hin zurück­ge­setzt. Nicht isla­mi­schen Reli­gio­nen, auch das Chris­ten­tum, die unter den Arbeits­mi­gran­ten stark ver­tre­ten sind, wird Frei­heit nur in ein­ge­schränk­tem Maße zuge­bil­ligt. Sexu­el­le Min­der­hei­ten unter­lie­gen straf­recht­li­cher Ver­fol­gung. All dies ist (nicht nur in west­li­cher Sicht) Aus­druck einer repres­si­ven Staats- und Gesell­schafts­ord­nung, die sich nur lang­sam verändert.

Man­che der an der Welt­meis­ter­schaft betei­lig­ten Ver­bän­de und Sport­ler haben sich ent­schie­den, mit beson­de­ren Aktio­nen vor oder wäh­rend der Ver­an­stal­tung auf die schwie­ri­ge Situa­ti­on auf­merk­sam zu machen. Das ist zu begrü­ßen, sofern nicht Selbst­dar­stel­lung und ein mora­lisch-kul­tu­rel­les Über­le­gen­heits­ge­fühl die­se sym­bo­li­schen Hand­lun­gen bestim­men. Im Übri­gen wird noch zu prü­fen sein, ob die Ver­bän­de – wie zu Recht immer wie­der gefor­dert – ihre Ver­trags­part­ner in Katar, z. B. die Hotels, auch nach Men­schen­rechts­kri­te­ri­en aus­ge­wählt haben und wie sie sich kon­kret gegen­über dem berech­tig­ten Anlie­gen ver­hal­ten, einen Fonds zu unter­stüt­zen, aus dem Arbei­ter und ihre Fami­li­en für Rechts­ver­stö­ße ent­schä­digt wer­den können.

Vie­le Fans haben von einer Rei­se nach Katar abge­se­hen. Die­se Hal­tung ver­dient Respekt, kann aber von nie­man­dem ein­ge­for­dert wer­den. Wer zur Unter­stüt­zung sei­ner Natio­nal­mann­schaft den Weg nach Katar antritt, soll­te aber allen, denen er dort begeg­net, bei­spiels­wei­se Hotel­an­ge­stell­ten und Taxi­fah­rern, ange­mes­sen gegen­über­tre­ten. Ohne sich prot­zig zu ver­hal­ten, ist dabei immer auch zu beden­ken, dass aus dem Aus­land kom­men­de Dienst­leis­tungs­kräf­te mit ihrem oft nur sehr klei­nen Gehalt ihre Fami­li­en in der Hei­mat unter­stüt­zen. Die Erfah­rung lehrt, dass sport­li­che Groß­ereig­nis­se wie Welt­meis­ter­schaf­ten und Olym­pi­sche Spie­le die gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Situa­ti­on in den Aus­tra­gungs­län­dern übli­cher­wei­se nicht lang­fris­tig ver­bes­sern. Gera­de des­halb bleibt es die Auf­ga­be der inter­na­tio­na­len Gemein­schaft, auch nach der Been­di­gung der WM in Katar die Reform­kräf­te im Land wei­ter zu unter­stüt­zen und in der Auf­merk­sam­keit für die Men­schen­rech­te nicht nachzulassen.“

PRES­SE­MIT­TEI­LUNG DER DEUT­SCHEN BISCHOFSKONFERENZ

Bischof Stefan im Radiointerview:

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