"Es ist gut für euch, dass ich gehe" – eine Frage der Gerechtigkeit?

Susanne Simperl am 26.05.2022

Info Icon Foto: Susanne Schmidt / pbp

Vierzig Tage nach Ostern feierte Bischof Dr. Stefan Oster SDB mit vielen Gläubigen des Bistums Christi Himmelfahrt im Passauer Stephansdom. Das Hochfest erinnert daran, dass Jesus am 40. Tag nach Ostern in den Himmel aufgefahren ist und dort zur Rechten seines Vaters sitzt. Bischof Stefan fragte in seiner Predigt, inwiefern der Weggang Jesu gerecht sei.

Zu Beginn der Pre­digt griff Bischof Ste­fan eine Aus­sa­ge Jesu aus den Abschluss­re­den auf: ​„Es ist gut für euch, dass ich fort­ge­he. Denn wenn ich nicht fort­ge­he, wird der Bei­stand nicht zu euch kom­men.“ (Joh 16,7). Die­se Aus­sa­ge habe ihn oft zum Nach­den­ken gebracht. War­um sol­le es gut sein, dass Jesus nicht mehr in der Welt ist? Der Bischof erläu­ter­te die Ant­wort an zwei Bei­spie­len: Wenn Kin­der erwach­sen wer­den, sei ein Weg­gang aus dem Eltern­haus für sie oft för­der­lich. ​„Denn durch die­se Erfah­rung kann die Bezie­hung in ein neu­es Gleich­ge­wicht kom­men. Auch die eige­ne Ver­fasst­heit mache die Aus­sa­ge Jesu ver­ständ­lich: ​„Wir Men­schen sind leib­li­che Wesen. Und wir alle brau­chen hin und wie­der auch leib­li­che Nähe. Vor allem Baby braucht viel Kon­takt und Nähe“, sag­te der Bischof. Doch je älter der Mensch wer­de, des­to mehr ver­än­de­re es sich. ​„Die Qua­li­tät der inne­ren Bezie­hung wächst und das Bedürf­nis leib­lich ganz nah zu sein wird weniger.“

Wei­ter beschrieb der Bischof, dass sich das Ver­hält­nis Jesu zu sei­nen Jün­gern durch den Tod und die Auf­er­ste­hung ver­än­dert habe, wie sich an der Auf­for­de­rung Jesu zu Maria Mag­da­le­na zei­ge, ihn nicht fest­zu­hal­ten. ​„Die Jün­ger sol­len die Erfah­rung machen, dass sein Weg­gang aus dem leib­li­chen Zugriff kein Weg­gang ist im Sin­ne des­sen, dass er nicht mehr da ist. Son­dern die­ser Weg­gang ermög­licht eine neue Art von Nähe.“ Die­se ver­än­der­te Nähe sei das Kom­men des Hei­li­gen Geis­tes, der die Jün­ger inner­lich ganz aus­fül­le. Nicht ohne Grund sage Jesus: ​„Wer euch höret, der höret mich.“ (Lk 10,16).

„Der Weg­gang Jesu ermög­licht eine neue Art von Nähe.”

Bischof Stefan

Fünf­zig Tage nach Ostern, an Pfings­ten, erin­ner­ten sich die Chris­ten dar­an, dass Jesus beim Vater ist und den Hei­li­gen Geist gesandt hat – für alle. Dem Johan­nes­evan­ge­li­um zufol­ge wird der Geist ein­füh­ren in das, was Gerech­tig­keit ist, so Oster. Laut Jesus sei Gerech­tig­keit ​„dass ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr seht.“ Was dar­un­ter zu ver­ste­hen sei, erläu­ter­te der Bischof an drei Aspek­ten: Jesus sen­de sei­nen Geist für alle — und nicht nur den Zwölf. Somit sei Gerech­tig­keit hier uni­ver­sell zu ver­ste­hen. Als wei­te­ren Aspekt hob der Bischof her­vor: ​„Jesus schickt die­sen Geist so, dass er uns dadurch die Mög­lich­keit gibt, vor ihm gerecht zu wer­den.“ Schon Pau­lus habe in sei­nen Brie­fen die Fra­ge gestellt, wer oder was vor Gott gerecht macht. Oster ver­deut­lich­te: ​„Nicht wir und durch unse­re Leis­tun­gen, son­dern Er macht uns gerecht, durch sei­nen Geist – für uns alle.“ Ein drit­ter Aspekt, der die Gerech­tig­keit des Heim­gangs Jesu ver­ste­hen las­se, sei die Wie­der­gut­ma­chung des Kreu­zes­to­des. Und somit sei die Aus­sa­ge Jesu ​“Es ist gut für euch, dass ich gehe” ganz neu zu verstehen.

Die Predigt ist hier nachzuhören:

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