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Soziales

Das Jüngste Gericht

Redaktion am 11.10.2021

20210928 1217460 info-icon-20px Foto: Caritasverband für die Diözese Passau e. V.
v. r. Oberstaatsanwalt Walter Feiler, Betreuungslehrer Johannes Holzleiter, Betreuungslehrer Berthold Wimmer, Marc Aubry (Caritas), Staatsanwältin Sonja Diewald, Renate Ascher (Caritas), SchülerrichterInnen: Samira Schließeder, Paul Spitzl, Elisa Bachner, Julia Praml, Franziska Just, Kristina Schröder, David Beyer, Elisabeth Graupe, Bastian Weihrauch, Veronika Wassermann, Jan Suft, Betreuungslehrerin Roxana Rösler.

Seit 2017 gibt es in Passau sogenannte „Teen-Courts“. Jugendliche, geständige Ersttäter bekommen hier die Möglichkeit, ihr Vergehen im Rahmen eines Schüler-Gerichts zu verhandeln. Drei SchülerInnen, die in etwa gleich alt sind wie der Beschuldigte, besprechen den Fall und verhängen eine möglichst deliktbezogene Sanktion.

Die Teil­nah­me am Teen-Court ist für den straf­fäl­lig Gewor­de­nen frei­wil­lig und stellt eine Alter­na­ti­ve zu der sonst übli­chen Ver­hand­lung am Amts­ge­richt vor dem Jugend­rich­ter dar. Erfüllt der Delin­quen­te die ver­häng­te Sank­ti­on, stellt die Staat­an­walt­schaft das Ver­fah­ren ein.

Für das inzwi­schen sehr begehr­te Ehren­amt des Schü­ler-Rich­ters“, wer­den die jun­gen Men­schen von den sozi­al­päd­ago­gi­schen Mit­ar­bei­ten­den des Cari­tas­ver­ban­des für die Diö­ze­se Pas­sau e. V., Rena­te Ascher und Marc Aubry aus­ge­bil­det. Der Abschluss der Aus­bil­dung beinhal­tet die Hos­pi­ta­ti­on bei her­kömm­li­chen“ Ver­fah­ren im Amts­ge­richt sowie eine Ver­ei­di­gung vor der Staats­an­walt­schaft (sie­he Foto). 

Die Pra­xis in den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat gezeigt, dass nahe­zu alle Teil­neh­men­den der Teen-Courts in den dar­auf­fol­gen­den Jah­ren nicht wie­der straf­fäl­lig wur­den. Auch für die Schü­lerrich­te­rIn­nen stellt das Pro­jekt einen gro­ßen Mehr­wert dar, da sie Ver­ant­wor­tung über­neh­men und viel fürs Leben und ihre beruf­li­che Zukunft ler­nen können. 

Die Sank­tio­nen sind ein beson­de­rer Bestand­teil des Schü­ler­ge­richts“, erklärt Anna Mug­ler, die seit zwei Jah­ren Rich­te­rin in dem Pro­jekt ist und bereits eini­ge Fäl­le ver­han­delt hat. Dem nor­ma­len Jugend­rich­ter ste­hen nur weni­ge Sank­ti­ons­for­men zur Ver­fü­gung, aus denen er aus­wäh­len muss. Unse­re Gre­mi­en hin­ge­gen kön­nen dem Jugend­li­chen eine Stra­fe auf­er­le­gen, die indi­vi­du­ell an sein Ver­ge­hen und sei­ne Lebens­um­stän­de ange­passt ist und so im Ide­al­fall die best­mög­li­che, päd­ago­gi­sche Wir­kung erzie­len kann“.

Hier­bei ist nicht nur die Art der Sank­ti­on, son­dern auch deren Höhe aus­schlag­ge­bend für eine gelun­ge­ne Sank­ti­ons­fin­dung“ weiß Lin­da Dups, die eben­falls seit 2019 ihr Ehren­amt am Teen Court aus­übt. In wel­cher Höhe unser Gre­mi­um Sank­tio­nen aus­spricht, hängt oft auch mit dem Auf­tre­ten und der Koope­ra­ti­ons­be­reit­schaft des Ange­klag­ten zusam­men. Reue ist schließ­lich auch am rich­ti­gen Jugend­ge­richt ein wich­ti­ger Bestand­teil der Verhandlung.“

Lara Bart­lwe­ber, wel­che als erfah­re­ne Schü­ler-Rich­te­rin maß­geb­lich bei der Aus­bil­dung der Neu­en“ mit­ge­wirkt hat meint dazu: Die ange­hen­den Schü­lerrich­te­rIn­nen erhal­ten im Rah­men des Pro­jek­tes einen Ein­blick in das juris­ti­sche Berufs­feld. Zudem ler­nen sie in den Ver­hand­lun­gen, wie man Gesprä­che auf den Kern eines Pro­blems lenkt, um dann eine ange­mes­se­ne Lösung für alle Betei­lig­ten zu finden.“

2019 wur­de das Pas­sau­er Schü­ler­ge­richt der Cari­tas sogar zum Staats­emp­fang nach Mün­chen gela­den, wo der Jus­tiz­mi­nis­ter Georg Eisen­reich die Teen-Courts als Erfolgs­pro­jekt lob­te. So schrei­tet die neue Rie­ge der Schü­ler-Rich­ter vol­ler Elan und Zuver­sicht zur Tat, denn es war­ten bereits vie­le Fäl­le auf ihre Verhandlung.

Text: Cari­tas­ver­band für die Diö­ze­se Pas­sau e. V.