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Bistum

Auftakt Diözesanratsvollversammlung: Pfarreien in Corona-Krise

Pressemeldung am 17.10.2020

201016 Dioezesanrat foto2 BB info-icon-20px Foto: Bernhard Brunner

Am ersten Tag der Diözesanratsvollversammlung am 16. Oktober in Spectrum Kirche Passau-Mariahilf ging es zentral um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Pfarreien und Seelsorge im Bistum Passau. Diesbezüglich forderten die Ratsmitglieder klare und einheitliche Leitplanken für das Pfarrleben.

Das Pil­gern­de Volk Got­tes“, das im Mit­tel­punkt der Herbst­voll­ver­samm­lung des Diö­ze­san­ra­tes der Katho­li­ken im Bis­tum Pas­sau am Wochen­en­de im Spec­trum Kir­che in Pas­sau-Maria­hilf gestan­den ist, fühlt sich von der Diö­zesan­lei­tung in der Coro­na-Kri­se weit­ge­hend allein­ge­las­sen. Das mach­ten vie­le Lai­en­ver­tre­ter im ers­ten Teil der Tagung im Bei­sein des Bischofs unver­blümt deut­lich. Die Situa­ti­on hat kei­ner von uns je gekannt“, ver­tei­dig­te Dr. Ste­fan Oster die Vor­sicht der Bis­tums­spit­ze in Anleh­nung an die gesetz­li­chen Auf­la­gen. Wie Gene­ral­vi­kar Josef Ede­rer bekannt­gab, dür­fen Grä­ber­seg­nun­gen an Aller­hei­li­gen nach aktu­el­lem Stand statt­fin­den, aller­dings aus­nahms­los mit der Pflicht zum Tra­gen von Mund-Nasen-Masken.

Bemän­gelt wur­de von Ver­samm­lungs­teil­neh­mern vor allem die von Pfar­rei zu Pfar­rei viel­fach unein­heit­li­che Hand­ha­bung der Vor­sichts­maß­nah­men zur Ein­däm­mung des Coro­na-Infek­ti­ons­ge­sche­hen. Hel­mut Degen­hart aus Pocking bei­spiels­wei­se emp­fand es als stö­rend, dass Fron­leich­nam in sei­ner Hei­mat­pfar­rei kom­plett aus­ge­fal­len ist. Schon wäh­rend des ein­lei­ten­den Auf­bre­chens zu Orten des Lebens in fünf Grup­pen rund um das Tagungs­zen­trum hat­te sich der Wunsch nach vom Bis­tum bereit­ge­stell­ten Leit­plan­ken zur Ori­en­tie­rung wäh­rend der Pan­de­mie her­aus­kris­tal­li­siert – gera­de auch im Hin­blick auf die Kin­der und Jugend­li­chen, die sich ange­sichts des von der Virus-Abwehr gepräg­ten Gesche­hens oft frag­ten, kommt da noch was ande­res als Corona.“

Wir haben uns gefreut, als die Kir­chen­tür wie­der ein biss­chen auf­ging“, hieß es – auch im über­tra­ge­nen Wort­sinn – bei der Ana­ly­se der Grup­pen-Ergeb­nis­se zu Ober­be­grif­fen wie Freu­de, Hoff­nung, Trau­er oder Angst. Zum Aus­druck gebracht wur­de gro­ße Ent­täu­schung dar­über, wie schnell eine Gemein­schaft weg­bricht, aber auch die Erkennt­nis, dass Glau­be Gemein­schaft braucht. Gera­de in der Kri­se soll­te die Kir­che noch stär­ker und kla­rer sein. Eine Art Beer­di­gung auf Schmal­spur“ wur­de als äußerst schmerz­lich emp­fun­den, eben­so die oft gegen­wär­ti­ge Angst, Feh­ler zu machen, zum Bei­spiel durch die Befür­wor­tung des Aller­hei­li­gen-Grä­ber­gangs in her­kömm­li­cher Form mit der Gefahr, dabei einen neu­en Hot­spot zu schaf­fen. Seit Frei­tag ist dies gott­sei­dank kein The­ma mehr. Zur Spra­che kam auch die Befürch­tung, dass es sich vie­le Men­schen wäh­rend der Coro­na­zeit abge­wöhn­ten, sonn­tags in die Kir­che zu gehen.

Not macht erfin­de­risch“, zitier­te der Pas­sau­er Theo­lo­gie-Pro­fes­sor Dr. Dr. Peter Fonk am Ende sei­nes Impuls­re­fe­ra­tes ein all­ge­mein bekann­tes Sprich­wort und ermu­tig­te die Lai­en­ver­tre­ter dazu, auch die Mög­lich­kei­ten zu sehen, wel­che Coro­na für die Kir­che eröff­ne. Sein Wunsch an die Voll­ver­samm­lung des Diö­ze­san­ra­tes ziel­te im Bei­sein von Jonas Dem­bé­lé von Kayes in Mali dar­auf hin ab, den vom II. Vati­ka­ni­schen Kon­zil vor­ge­zeich­ne­ten Weg wei­ter­zu­ge­hen und zu ent­de­cken, wel­che Viel­falt in der Kir­che tat­säch­lich besteht. Der Kir­che ist kei­ne Sie­ges­ge­schich­te ver­hei­ßen, wohl aber der Bei­stand jenes Got­tes, der in allen Höhen und Tie­fen bei sei­nem Volk bleibt und des­sen beson­de­re Zunei­gung den Armen und Bedräng­ten gilt“, sag­te Fonk unter Hin­weis auf Mat­thä­us 28 („Ich bin bei Euch alle Tage“).

201016 Dioezesanrat foto1 BB info-icon-20px Foto: Bernhard Brunner

In sei­ner Pre­digt wäh­rend des Abend­got­tes­diens­tes sah Bischof Oster in Aus­le­gung des Lukas-Evan­ge­li­ums mit der Mah­nung Jesu an sei­ne Jün­ger, sich vor Heu­che­lei zu hüten, die Coro­na-Kri­se auch als eine ech­te Chan­ce“, Freund­schaft mit dem Herrn zu schlie­ßen, authen­ti­scher zu wer­den und zu lie­ben und viel­leicht neue Freun­de fürs Leben zu fin­den. Angst­frei­heit im Umgang mit Men­schen wächst mir von Gott zu“, for­mu­lier­te der Bischof als eine eige­ne per­sön­li­che Erfah­rung. Über­win­dung von Heu­che­lei füh­re zu einer Rei­fe, die uns zu Men­schen macht“, füg­te Oster hinzu.

In der Dis­kus­si­ons­run­de unter Mode­ra­ti­on von Diö­ze­san­rats­vor­stands­mit­glied Hans Käser hob er her­vor: Die Mit­te ist unser Glau­be.“ Der Bischof ver­wies auf die Mis­si­on der Chris­ten, Chris­tus zu ver­kün­den anstatt in ers­ter Linie gesell­schafts- und sys­tem­re­le­vant zu wer­den. Mehr Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den Ehren­amt­li­chen vor Ort, dazu Best-Practice“-Vorschläge für die Coro­na-Pha­se gab Diö­ze­san­rats­vor­sit­zen­der Mar­kus Biber den Ver­ant­wort­li­chen des Bis­tums als Arbeits­auf­trä­ge zum Abschluss des ers­ten Teils der Tagung mit.

Text + Fotos: Bern­hard Brunner