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Soziales

Ehe-, Familien- und Lebensberatung in Coronazeiten

Stefanie Hintermayr am 31.05.2021

429 A9702 1 info-icon-20px Foto: Stefanie Hintermayr/pbp

Helmut Höfl spricht als Leiter der Ehe, Familien- und Lebensberatung (EFL) des Bistums Passau im Interview über Hilfe und Beratung in Zeiten der Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft.

Jetzt, wo die Coro­na-Pan­de­mie am abeb­ben ist, wird immer deut­li­cher, wie sehr sie die Gesell­schaft und jeden Ein­zel­nen ver­än­dert hat, posi­tiv wie nega­tiv. Auf der Nega­tiv-Sei­te sind lei­der auch die per­sön­li­chen Kri­sen der Men­schen zu ver­zeich­nen, und zwar in allen Lebens­be­rei­chen und quer durch alle Alters­grup­pen. Hel­mut Höfl hat genau damit als Lei­ter der Ehe‑, Fami­li­en- und Lebens­be­ra­tung im Bis­tum Pas­sau tag­täg­lich zu tun – und jetzt noch mehr als je zuvor. Im Inter­view mit Tho­mas König spricht er über das The­ma Ehe‑, Fami­li­en- und Lebens­be­ra­tung in Coronazeiten“:

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Probleme und Leidtragende

Die Leid­tra­gen­den der Coro­na-Pan­de­mie sind, laut Hel­mut Höfl, Lei­ter der Ehe‑, Fami­li­en- und Lebens­be­ra­tung im Bis­tum Pas­sau, neben den Frau­en vor allem die Fami­li­en. Sta­tis­tisch gese­hen ist bei uns die Nach­fra­ge nach Bera­tungs­an­ge­bo­ten wie bei­spiels­wei­se Tele­fon­be­ra­tung um 17 Pro­zent gestie­gen“, erklärt er. Beson­ders pro­ble­ma­tisch sei­en Ein­sam­keit und der feh­len­de Bei­stand durch Fami­lie, Ange­hö­ri­ge und Freun­de, v.a. bei kran­ken oder ster­ben­den Men­schen. Gera­de in Todes­not brau­chen Men­schen Bei­stand.“ Der durch die Pan­de­mie beding­te Stopp hat­te laut Höfl eine unge­heu­re Wir­kung sowohl auf die Über­le­ben­den als auch auf die Ver­ant­wort­li­chen wie bei­spiels­wei­se Ärz­te oder Pfle­ge­per­so­nal. Ängs­te und Zwangs­er­kran­kun­gen hät­ten durch die Pan­de­mie deut­lich zuge­nom­men, beson­ders im zwei­ten Lock­down – und hier gera­de auch in den Fami­li­en. Zu Beginn der Pan­de­mie hät­ten Fami­li­en das Anhal­ten des Hams­ter­rads des moder­nen Lebens noch (zumin­dest bedingt) genos­sen. Das habe sich aller­dings im zwei­ten Lock­down gedreht und häu­fig ins Gegen­teil ver­kehrt, so Höfl. Zuneh­mend als Pro­blem habe sich hier die inten­si­ve Nähe und feh­len­de Distanz her­aus­ge­stellt. Das The­ma Platz im Eigen­heim hat­te plötz­lich eine völ­lig neue Rele­vanz“, erklärt Höfl. Home­of­fice der Eltern, Home­schoo­ling der Kin­der, Frei­zeit­ge­stal­tung – all das muss­te plötz­lich in den eige­nen vier Wän­de funk­tio­nie­ren. Eine Rie­sen­her­aus­for­de­rung für die Fami­li­en“, meint Höfl. Selbst­ver­ständ­lich kom­me es da über kurz oder lang auch ein­mal zu Rei­be­rei­en, wenn bei­spiels­wei­se über Platz oder Ritua­le dis­ku­tiert wird.

Glaube als tragende Säule

Das kirch­li­che Leben betref­fend habe Coro­na einen star­ken Ein­bruch bedeu­tet, meint Höfl. So hät­ten gera­de an Ostern 2020, als kei­ne Prä­senz­got­tes­diens­te gefei­ert wer­den durf­ten, gera­de bei kir­chen­af­fi­nen Men­schen regel­recht die Glo­cken der Sehn­sucht“ geläu­tet. Die urchrist­li­che Bot­schaft Es wird schon alles gut!“ sei aber nichts­des­to­trotz gelebt wor­den. Es gab ja vie­le Fami­li­en, die damit zurecht­kom­men muss­ten, dass ein Ange­hö­ri­ger erkrankt oder gar ver­stor­ben ist“, erklärt Höfl. Ent­span­nend und ent­las­tend wir­ke hier die Sicher­heit des Getra­gen-Seins von Gott und die Bin­dung zu Gott, die stär­ker ist als der Tod.

Über­all dort, wo Glau­be ein­ge­übt und gelebt wird, trägt das natür­lich tol­le Früchte.”

Helmut Höfl, EFL-Leiter

Kreative Lösungen

Dass die Mensch­heit krea­ti­ver sei, als man oft mei­nen möch­te, habe sich in der Pan­de­mie gezeigt, so Höfl. Nicht zuletzt die Tech­nik habe vie­les ermög­licht. Sogar Oma und Opa haben in man­chen Fami­li­en einen Kurs in Video­te­le­fo­nie gemacht, um mit den Enkel­kin­dern kom­mu­ni­zie­ren oder mit­ein­an­der Video­spie­le spie­len zu kön­nen“, freut sich der EFL-Lei­ter und führt als zwei wei­te­re Bei­spie­le Bewe­gungs­par­cours in Hoch­häu­sern und Gesell­schafts­spie­le an. All das zei­ge, dass vie­le durch­aus mit der Situa­ti­on der Geschlos­sen­heit zurechtkämen.

Probleme der jungen Generation

Die neus­ten Sta­tis­ti­ken zeig­ten eine Hoch­be­las­tung von Kin­dern und Jugend­li­chen durch die Coro­na-Pan­de­mie. Mehr noch: Kin­der­psych­ia­ter sprä­chen hier von einer regel­rech­ten Tria­ge, erklärt Höfl. Wie sehr die See­len von Kin­dern und Jugend­li­chen gelit­ten hät­ten, zei­ge sich jetzt zum Ende der Pan­de­mie durch den Ansturm auf die Bera­tungs­stel­len. Ins­be­son­de­re der man­geln­de Kon­takt zu Gleich­alt­ri­gen hät­te den Her­an­wach­sen­den zu schaf­fen gemacht. Über­mä­ßi­ge Inter­net­nut­zung bis hin zur Inter­net­sucht, per­ma­nen­te Ablen­kung sowie Stö­run­gen im Sexu­al­ver­hal­ten (Jugend­por­no­gra­fie, Por­no­sucht) häu­fi­ge dar­aus resul­tie­ren­de Pro­ble­ma­ti­ken. Höfl ver­wies aber dar­auf, dass etli­che aku­te Stö­run­gen wie z.B. Ablen­kung, Schlaf­stö­run­gen, Ticks nach einer gewis­sen Zeit der Nor­ma­li­tät wie­der von selbst ver­schwin­den. Zu einer Behand­lung rät er, wenn sich aus Ver­hal­tens­süch­ten ernst­haf­te Stö­run­gen entwickeln.

Die EFL

Der Fokus der Ehe‑, Fami­li­en- und Lebens­be­ra­tung (EFL) liegt auf der Paar­the­ra­pie und der Fami­li­en­be­ra­tung. Ein­zel­per­so­nen steht die EFL als Lebens­be­ra­tungs­stel­le bei­spiels­wei­se in Stress­si­tua­tio­nen, Stö­run­gen und Krank­hei­ten, Trau­er­be­wäl­ti­gung, Arbeits­platz­ver­lust usw. zur Seite.