Soziales

„Es gibt keine gute Prostitution“

Pressemeldung am 06.12.2019

Dezember19 prostitution info-icon-20px Foto: Tanja Kemper
Einige Mitglieder des Passauer Aktionskreises „NEIN zu Gewalt an Frauen“ mit der Referentin (v.l.): Sr. Verena Bergmaier von Solwodi Passau, Soni Unterreithmeier, KDFB-Geschäftsführerin Kathrin Plechinger sowie Hildegard Weileder-Wurm, Frauenseelsorgerin und Geistliche Begleiterin des KDFB.

Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter. Eines davon ist zweifellos (Zwangs)Prostitution. Auf diesen Missstand hat der Passauer Aktionskreis „NEIN zu Gewalt an Frauen“ unter Federführung des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) in der Diözese Passau anlässlich des Internationalen Gedenktags gegen Gewalt an Frauen rund um den 25. November aufmerksam gemacht.

Mit Soni Unter­reith­mei­er, der ehe­ma­li­gen Lei­te­rin von Sol­wo­di“ Augs­burg, wur­de eine Exper­tin nach Pas­sau geholt, die für ihren uner­müd­li­chen Kampf gegen Pro­sti­tu­ti­on bekannt ist. Sie ist davon über­zeugt: Sex­ar­beit ist kein Beruf wie jeder ande­re. Es gibt kei­ne gute Pro­sti­tu­ti­on!“ Soni Unter­reith­mei­er schil­der­te anschau­lich, wie Frau­en zur Ware wer­den und war­um gera­de Deutsch­land als Bor­dell Euro­pas gilt. Betrof­fen sei­en ins­be­son­de­re Mäd­chen und Frau­en aus dem ost­eu­ro­päi­schen Raum, die meist auf die so genann­te Loverboy“-Methode her­ein­fal­len wür­den. Die­se ist sim­pel, aber effek­tiv: Jun­ge Män­ner umgar­nen ihre Opfer, spie­len ihnen die ganz gro­ße Lie­be vor und machen sie emo­tio­nal abhän­gig. Dann täu­schen sie in der Regel eine finan­zi­el­le Not­la­ge vor und bit­ten ihre Freun­din um Unter­stüt­zung. Die Frau­en wer­den dazu gebracht, augen­schein­lich frei­wil­lig anschaf­fen zu gehen. Die Frau­en sehen sich zu die­sem Zeit­punkt selbst meist noch nicht als Opfer. Es ist für sie nor­mal, dass sie für die Lie­be die­ses Opfer brin­gen und sich pro­sti­tu­ie­ren, um für eine spä­te­re gemein­sa­me Zukunft das nöti­ge Geld zu ver­die­nen“, schil­der­te Unter­reith­mei­er. Doch das hat in den meis­ten Fäl­len fata­le Fol­ge. Der Lover­boy“ ent­puppt sich immer mehr als Pei­ni­ger, aus der Frei­wil­lig­keit wird Zwang. Man geht davon aus, dass der über­wie­gen­de Teil der Frau­en, näm­lich über 90 Pro­zent, nicht frei­wil­lig als Pro­si­tu­ier­te arbei­ten“, sag­te Unter­reith­mei­er. Die betrof­fe­nen Frau­en fin­den sich in einer Not­la­ge wie­der, aus der sie ohne Unter­stüt­zung von außen nur schwer ent­kom­men kön­nen. Die meis­ten Pro­sti­tu­ier­ten haben laut Soni Unter­reith­mei­er zudem mit schwe­ren gesund­heit­li­chen Fol­gen zu kämp­fen. Dem­nach wür­den rund 80 Pro­zent der Frau­en, die sich pro­sti­tu­ie­ren, unter post­trau­ma­ti­schen Belas­tungs­stö­run­gen lei­den. Im Ver­gleich: Bei Sol­da­ten, die nach Kriegs­ein­sät­zen in die Hei­mat zurück­keh­ren, sind rund 20 Pro­zent betroffen. 

Soni Unter­reith­mei­er stell­te her­aus: Das Rot­licht­mi­lieu ist ein Mil­lio­nen­ge­schäft. Im Hin­ter­grund gibt es eine mäch­ti­ge Lob­by. Doch Pro­sti­tu­ti­on ist gesund­heits­schä­di­gend, frau­en­ver­ach­tend und dis­kri­mi­nie­rend. In einer Gesell­schaft, die die Geleich­be­rech­ti­gung von Frau­en und Män­nern zum Ziel hat, ist das nicht ver­tret­bar.“ Geläu­fi­gen Argu­men­ten von Men­schen, die Pro­sti­tu­ti­on ver­harm­lo­sen, erteil­te sie eine kla­re Absa­ge. Bei­spiels­wei­se wer­de oft ange­führt, dass es Pro­sti­tu­ti­on ja schon immer gege­ben habe. Auch Mord und Tot­schlag hat es schon immer gege­ben, den­noch wer­den die­se Taten bestraft und sind nicht gesell­schaft­lich gedul­det.“ Zudem neh­me die Zahl der Ver­ge­wal­ti­gun­gen zu und nicht ab, wie oft­mals in Zusam­men­hang mit posi­ti­ven“ Fol­gen von Pro­sti­tu­ti­on ange­führt wer­de. Gera­de durch das Ange­bot der Pro­sti­tu­ti­on wird die Hemm­schwel­le für Gewalt gegen Frau­en her­ab­ge­setzt“, beton­te Unter­reith­mei­er. Sie pran­ger­te zudem an, dass in Deutsch­land das libe­rals­te Pro­sti­tu­ti­ons­ge­setz Euro­pas gel­te. Dem­nach ist frei­wil­li­ge Pro­sti­tu­ti­on hier erlaubt. Anders ist es bei­spiels­wei­se in Nor­we­gen, Schwe­den, Däne­mark, Irland und Frank­reich. Die EU emp­fiehlt allen Mit­glieds­staa­ten die Ein­füh­rung des Nor­di­schen Modells‘“, erklär­te Unter­reith­mei­er. Bei die­sem Modell wer­den Frei­er bestraft, dadurch wür­de die Nach­fra­ge sinken. 

Mit Soni Unter­reith­mei­ers Vor­trag Ware Frau – Deutsch­land das Bor­dell Euro­pas?!“ im Evan­ge­li­schen Zen­trum St. Mat­thä­us wur­de die Akti­ons­wo­che NEIN zu Gewalt an Frau­en“ abge­schlos­sen. Zuvor war bei einem öku­me­ni­schen Abend­ge­bet unter Betei­li­gung der Fach­aka­de­mie für Sozi­al­päd­ago­gik Pas­sau für die Opfer von Gewalt gebe­tet wor­den. Zudem gehör­ten ein Infor­ma­ti­ons­stand und eine Film­vor­füh­rung zum Akti­ons­pro­gramm, das auch im nächs­ten Jahr fort­ge­setzt wer­den soll.

Text: KDFB Diö­ze­san­ver­band Passau