Weltkirche

„Ja, ich will“

Redaktion am 09.07.2024

DSC 9503 Foto: Christine Limmer
Frater Petrus Dreyhaupt bei seiner ewigen Profess, in der Stifs- und Pfarrkirche des Benediktinerklosters Admont in der Obersteiermark.

Der Tag beginnt für Frater Petrus, den hier in Feichten viele unter Fabian Dreyhaupt kennen, um 6.15 Uhr mit der Vigil und Laudes, dem morgendlichen Gebet, gefolgt vom Gottesdienst um 7 Uhr.

Danach geht es für den jun­gen Mönch, der seit dem Wochen­en­de nun ganz den Bene­dik­ti­nern im Stift Admont ange­hört zum Früh­stück. Dann star­tet jeder der fast 30 Mön­che in sei­ne Auf­ga­ben. Es gibt viel zu tun im Stifts­gym­na­si­um, in der Ver­wal­tung oder in den Pfar­rei­en. Um 12.15 Uhr wird die Mit­tagshore gebe­tet, dann gibt es Mit­tag­essen. Um 17.45 Uhr ist der Arbeits­tag zu Ende und der Tag wird mit der Ves­per und dem Kom­plet in der Chor­ka­pel­le abgerundet.

Lan­ge hat der gebür­ti­ge Bre­mer, der in Wil­helms­ha­fen, Feich­ten und Alt­öt­ting auf­ge­wach­sen ist, über­legt und sich genau geprüft, ob das Leben eines Klos­ter­bru­ders etwas für ihn ist. Er ist zur ein­deu­ti­gen Ent­schei­dung gekom­men: Ja, ich will“ — mit allen Kon­se­quen­zen. Des­halb hat er am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de nach lan­gen Jah­ren der Prü­fung die Ewi­ge Pro­fess“ vor Abt Ger­hard Haf­ner abge­legt. Nach acht Jah­ren in bene­dik­t­i­ni­schen Lebens­for­men, zuerst im Stift Gött­weig und jetzt in Admont, wür­de ich behaup­ten, dass ich nun gut geprüft und reich­lich Zeit zum Über­le­gen hat­te“, gibt er zu. Sei­ne Eltern haben die­se Ent­schei­dung mit­ge­tra­gen. Wie Petrus sind auch wir mit ihm in die­se Ent­schei­dung gewach­sen und haben sie längst akzep­tiert“, so Mama Ines Dreyhaupt.

DSC 9639 Foto: Christine Limmer
Subprior Thomas Stellwag-Carion, Abt Gerhard Hafner, Frater Petrus Dreyhaupt, Abt Thomas Renner von Altenburg, Prior Maximilian Schiefermüller.

Ich ver­spre­che zur Ver­herr­li­chung Got­tes und zur Ehre unse­res Vaters Bene­dikt durch fei­er­li­che Gelüb­de, Bestän­dig­keit in der Gemein­schaft, klös­ter­li­che Lebens­füh­rung und Gehor­sam nach der Regel unse­res hei­li­gen Vaters Bene­dikt. Zum Zeug­nis dafür habe ich die­se Urkun­de eigen­hän­dig geschrie­ben.“, so ver­kün­de­te es Fra­ter Petrus allen im Got­tes­dienst Anwe­sen­den, unter­schrieb das Doku­ment und zeig­te es nicht nur dem Abt, son­dern allen Mit­brü­dern. Genau ver­folgt haben dies sei­ne Eltern in den Bän­ken, genau­so wie die Groß­el­tern, die dafür eigens von Ber­lin anreis­ten. Dass die Fami­lie anwe­send war, bedeu­te­te ihm viel. Für mich ist es ein Zei­chen von Wert­schät­zung und das eine Fami­lie, auch wenn man nicht immer einer Mei­nung ist oder die­sel­ben Welt­an­sich­ten teilt, zusam­men­hält und auf­ein­an­der schaut.“

Mög­lich wäre es dem 27jährigen gewe­sen, als Lai­en­bru­der“ der Gemein­schaft anzu­ge­hö­ren. Doch in Admont sind wir vor allem eine Pries­ter­ge­mein­schaft. Mit der Ent­schei­dung nach Admont zuge­hen, habe ich mir auch dies bewusst gemacht. Aber bereits vor mei­nem Ein­tritt in ein Klos­ter woll­te ich Pries­ter wer­den und die klös­ter­li­che Beru­fung kam dann hin­zu“, erklärt er. Da ich durch das Bei­spiel der Franz von Sales Obla­ten sehen durf­te, was es bedeu­tet, nicht als Ein­zel­kämp­fer“ zu sein, son­dern in einer Gemein­schaft. Dabei war mir dann aber eben­so wich­tig, einen Hafen zu haben und nicht, sagen wir eine Haus­num­mer, alle fünf Jah­re zu wech­seln. Mei­ne pries­ter­li­che Beru­fung wur­de vor allem zuerst durch die Fra­ge Kannst du dir vor­stel­len, Pries­ter zu wer­den?‘ mei­nes Firm­pa­ten Andre­as Erndl, Pries­ter des Bis­tums Pas­sau, aus­ge­löst. Dies war nur ein von vie­len Fra­gen, die in ihm Gedan­ken rei­fen lie­ßen, den rich­ti­gen Weg einzuschlagen.

Dass der Tag so durch­struk­tu­riert ist, macht ihm längst nichts mehr aus. Das Stun­den­ge­bet bedeu­te ihm viel, vor allem weil es dem Tag Struk­tur gibt. Im Tru­bel und in der Geschäf­tig­keit, die es im Klos­ter genau­so gebe, wie im Leben aus­ser­halb bie­te dies eine Pau­se mit und für Gott.

Die Klos­ter­ge­mein­schaft besteht der­zeit aus etwa 30 Brü­dern, der ältes­te 86 Jah­re alt, der jüngs­te 26. Mit sei­nen 27 Jah­ren sei er inzwi­schen nicht mehr der aller­jüngs­te, rein rech­ne­risch. Es sind noch fünf Mit­brü­der jün­ger wie er. In bene­dik­t­i­ni­schen Häu­sern geht das klös­ter­li­che Alter“ nach dem Ein­tritt und dem ers­ten Pro­fess-Datum.“, erklärt er.

Der inzwi­schen 27jährige ist in Bre­men gebo­ren, wuchs in Wil­helms­ha­ven an der Nord­see­küs­te auf und zog dann mit sei­nen Eltern nach Feich­ten an der Alz. Ab der drit­ten Klas­se besuch­te er eine baye­ri­sche Grund­schu­le, wech­sel­te auf die Maria-Ward Real­schu­le in Burg­hau­sen. In Focken­feld, der nörd­li­chen Ober­pfalz, schloss er das Inter­nats­gym­na­si­um der Franz von Sales Obla­ten“ mit dem Abitur 2016 ab. Die Begeg­nung im Reli­gi­ons­un­ter­richt mit dem dama­li­gen Feicht­ner Pfar­rer Johan­nes Wil­leit­ner hin­ter­ließ bei dem Neun­jäh­ri­gen blei­ben­den Ein­druck, so dass er sich für die Tau­fe ent­schied. Er hat­te eine Art, die mich damals begeis­ter­te. Außer­dem woll­te ich als Neu­ling bei der anste­hen­den Erst­kom­mu­ni­on nicht abseits­ste­hen,“ erin­nert er sich. Fra­ter Petrus sieht im Nach­hin­ein Pfar­rer Wil­leit­ner als Men­schen durch den Gott einen umwer­ben kann. Nach der Erst­kom­mu­ni­on wur­de er Minis­trant bis zum Jahr 2013. In Feich­ten war er auch Ober­mi­nis­trant und erleb­te die Minis­tran­ten­wall­fahrt 2010 in Rom ganz inten­siv. Bei den Kapu­zi­nern in St. Mag­da­le­na hat er flei­ßig mit­mi­nis­triert und führ­te den Altar­dienst auch nach dem Umzug nach Alt­öt­ting weiter.

Das Stu­di­um der katho­li­schen Fach­theo­lo­gie in Salz­burg brach­te ihn sei­nem Wunsch ein Wei­he­amt der Kir­che zu emp­fan­gen näher. Der­zeit arbei­tet er an sei­ner Dok­tor­ar­beit. Sei­ne Haupt­stu­di­en­fä­cher sind Lit­ur­gie­wis­sen­schaft und Dog­ma­tik. Sein The­ma ist im Grenz­be­reich bei­der Dis­zi­pli­nen ange­sie­delt: dem Zusam­men­hang von Kir­che und Lit­ur­gie. Die­sen Zusam­men­hang ver­su­che ich durch das Phä­no­men der refor­mier­ten Ordi­na­ti­ons­lit­ur­gien exem­pla­risch dar­zu­stel­len. In einem zwei­ten Teil ver­su­che ich durch einen öku­me­ni­schen brei­ten Ansatz eine gemein­sa­me Idee von Kir­che und Lit­ur­gie, einer Sakra­men­ta­len Kir­che“, zu ent­wi­ckeln“, kün­digt er an.

Mit die­sem Dok­tor­ti­tel könn­te er wei­ter die aka­de­mi­sche Lauf­bahn ein­schla­gen und ver­su­chen zu habi­li­tie­ren. Doch das möch­te er nicht. In Admont liegt der Schwer­punkt auf Schu­le und Pfar­rei­en, daher wer­de ich mit dem Dok­to­rat die geknüpf­ten Kon­tak­te bestehen las­sen und pfle­gen. Dar­über hin­aus wer­de ich wei­ter­hin als frei­er Wis­sen­schaft­ler“ mich wei­ter­zu­bil­den und im wis­sen­schaft­li­chen Dis­kurs dabei­blei­ben. Jetzt berei­tet er sich auf die Wei­he zum Dia­kon vor, die am 29. Sep­tem­ber statt­fin­den soll. Dann geht es wei­ter mit den Vor­be­rei­tun­gen zur Wei­he zum Pries­ter. Wenn alles gut geht, möch­te er Ende Juni sei­ne Pri­miz in Feich­ten fei­ern mit dem 25jährigen Pries­ter­ju­bi­lä­um von Pfar­rer Micha­el Wit­ti und 61 Jah­re nach­dem Dr. Hans Wagen­ham­mer aus Feich­ten zum Pries­ter geweiht wurde.

Im Stifts­gym­na­si­um bleibt er als Reli­gi­ons­pro­fes­sor tätig. Dort unter­rich­tet er drei Klas­sen in Reli­gi­on. Es macht mir Freu­de, mit den jun­gen Men­schen zusam­men­zu­ar­bei­ten und ihnen eine Sicht auf die Welt ver­mit­teln zu kön­nen, aber auch sich selbst immer wie­der durch ihre Fra­gen anre­gen zu lassen“.

Auf die Fra­ge, ob was es für ihn bedeu­te in Zei­ten der Kir­chen­kri­se sich bewusst für die­se zu ent­schei­den ant­wor­tet er: Ich sehe die­se Kri­sen und sehe aber in der Über­nah­me eines Amtes mei­ne Ver­ant­wor­tung in die­ser kon­kre­ten Kir­che, der römisch-katho­li­schen Kir­che, Ver­ant­wor­tung für den Auf­trag der Kir­che an und mit den Men­schen zu über­neh­men.“ Er habe durch­aus die nicht leug­ba­ren Wun­den gese­hen, die die Insti­tu­ti­on Kir­che durch geist­li­chen und kör­per­li­chen Miss­brauch geschla­gen hat. Die jewei­li­ge Kir­che ver­sagt, wenn ihre Struk­tu­ren und Hand­lun­gen durch ihre Hand­lungs­be­voll­mäch­tig­ten“ dafür sor­gen, dass die fro­he Bot­schaft nicht mehr gese­hen wird oder erfah­ren wer­den kann“, bedau­ert er.

Doch gibt es auch Frei­zei­ten für die Klos­ter­brü­der. Dann wird ins Kino oder zum Wan­dern gegan­gen, zum Eis­essen oder zum Wan­dern. Er tauscht Bibel und Stun­den­buch auch gern ein­mal gegen einen Fan­ta­sy­ro­man. Er pflegt sei­ne Kon­tak­te zur Feu­er­wehr und sei­ne Inter­nats­kol­le­gen. Dem­nächst wird er mit den Eltern in sei­ne nor­di­sche Hei­mat zum Urlaub fah­ren. Doch ins­ge­samt sei das Leben nicht nur auf das Klos­ter beschränkt, son­dern es sei eine Lebens­form, die man über­neh­me. Das darf man auch mer­ken“, macht er deutlich.

Text: Chris­ti­ne Limmer

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