Soziales

„Gewalt gegen Frauen in Deutschland enttabuisieren“

Wolfgang-Christian Bayer am 10.05.2019

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Päpstliches Missionswerk der Frauen rückt beim „Tag der Begegnung“ am 26. Mai in Koblenz das Thema häusliche Gewalt in den Fokus.

Jeden Tag ver­sucht in Deutsch­land ein Mann, sei­ne Part­ne­rin zu töten. 138.893 Fäl­le von häus­li­cher Gewalt wur­den nach Anga­ben des Bun­des­kri­mi­nal­am­tes (Stand: Novem­ber 2018) im Jahr 2017 poli­zei­lich erfasst, in rund 82 Pro­zent der Fäl­le waren die Opfer Frau­en (113.965). Die Dun­kel­zif­fer dürf­te weit­aus höher lie­gen, denn nicht jede Form von Bedro­hung und Gewalt sowie Stal­king durch Part­ner bezie­hungs­wei­se Ex-Part­ner wird ange­zeigt. Oft haben die Frau­en zuviel Angst vor den wei­te­ren Fol­gen oder schaf­fen es nicht, sich allein aus der emo­tio­na­len Ver­stri­ckung zu lösen. Nach Ansicht des Päpst­li­chen Mis­si­ons­wer­kes der Frau­en (PMF, Frau­en­mis­si­ons­werk) soll­te das Pro­blem prä­ven­tiv, poli­tisch und gesell­schaft­lich stär­ker in den Blick genom­men wer­den. Dar­um rückt das PMF das The­ma häus­li­che Gewalt in den Fokus sei­nes dies­jäh­ri­gen Tages der Begeg­nung“ am Sonn­tag, 26. Mai, in der St.-Elisabeth-Kirche in Koblenz (St.-Elisabeth-Straße 6, 56073 Koblenz-Rau­en­tal). Ab 11 Uhr sind alle Inter­es­sier­ten zur Teil­nah­me ein­ge­la­den. Im Mit­tel­punkt des Tages ste­hen zwei Vor­trä­ge von Exper­tin­nen: Die Lei­te­rin des Frau­en­hau­ses Koblenz“, Alex­an­dra Nei­si­us, spricht über die Situa­ti­on von Frau­en­häu­sern in Deutsch­land und die Arbeit des Frau­en­hau­ses Koblenz“. Das Frau­en­haus Koblenz“ wird getra­gen vom Sozi­al­dienst katho­li­scher Frau­en (SkF). Die neue Geschäfts­füh­re­rin der Arbeits­ge­mein­schaft Christ­li­cher Kir­chen (ACK), Dr. Vere­na Ham­mes, spricht zum The­ma Häus­li­che Gewalt gegen Frau­en vor Ort“. Sie hat frü­her ehren­amt­lich im Frau­en­haus Koblenz“ gear­bei­tet. Bei­de Refe­ren­tin­nen wol­len nicht nur über das The­ma auf­klä­ren, son­dern auch den Blick für mög­li­che Anzei­chen und Hin­wei­se auf häus­li­che Gewalt schärfen.

“„Wir müs­sen Gewalt gegen Frau­en in Deutsch­land enttabuisieren.“”

Dieckmann-Nardmann
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Die Prä­si­den­tin des Frau­en­mis­si­ons­wer­kes, Mar­gret Dieck­mann-Nard­mann, will das The­ma häus­li­che Gewalt auf die Agen­da der kirch­li­chen, poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Hand­lungs- und Ent­schei­dungs­trä­ger set­zen. Es kann nicht sein, dass eine zuneh­men­de Anzahl von Frau­en – und auch Män­ner – sich jeden Tag in ihrem eige­nen Zuhau­se bedroht füh­len und um die Sicher­heit ihrer Fami­lie fürch­ten müssen.“

Es gel­te, das Bewusst­sein für pro­ble­ma­ti­sche und gewalt­vol­le Bezie­hun­gen und die Wahr­neh­mung von Gefahr zu schär­fen. Gera­de in Zei­ten einer – trotz aller Inter­net-Phä­no­me­ne rund um die Selbst­dar­stel­lung im Netz – zuneh­men­den Abschot­tung des Pri­va­ten und Angst vor ver­meint­li­cher Ein­mi­schung gel­te es, Men­schen dar­über auf­zu­klä­ren, wie sie mög­li­chen Betrof­fe­nen hel­fen können. 

Wir müs­sen wie­der mehr Mut zur Zivil­cou­ra­ge haben – ohne dass man sich dabei selbst in Gefahr bringt“, so Dieck­mann-Nard­mann. Gleich­zei­tig gel­te es, gute und trag­fä­hi­ge Rah­men­be­din­gun­gen zu schaf­fen für die Arbeit von Frau­en­häu­sern und ande­ren Ein­rich­tun­gen, die Gewalt­op­fern helfen.

Das Frau­en­mis­si­ons­werk wis­se sich in der Sor­ge um Men­schen, die Opfer von häus­li­cher Gewalt sind, aber zugleich soli­da­risch ver­bun­den mit Betrof­fe­nen in aller Welt, so die Prä­si­den­tin wei­ter. Als welt­weit täti­ge Orga­ni­sa­ti­on lenkt das Frau­en­mis­si­ons­werk auch den Blick auf Gewalt gegen Frau­en zum Bei­spiel in Afri­ka, etwa in Ruan­da, in Indi­en oder auch in Latein­ame­ri­ka und Osteuropa.

Der Tag der Begeg­nung“ beginnt mit einem Got­tes­dienst in St. Eli­sa­beth um 11 Uhr. Zele­bran­ten sind der Bischof von Ken­ge, Jean-Pierre Kwambam­ba, Demo­kra­ti­sche Repu­blik Kon­go, und Pfar­rer Micha­el Fre­vel, Lei­ten­der Pfar­rer der Pfar­rei­en­gemein­schaft Koblenz-Moselweiß.

Redak­ti­on: Hil­de­gard Mathies, Köln, für das Frau­en­mis­si­ons­werk
Bil­der: Kat J. / ClipDealer

Einladung zum Tag der Begegnung des Frauenmissionswerks

Info:
Gegrün­det wur­de das Frau­en­mis­si­ons­werk im Jahr 1893 von Katha­ri­na Schyn­se aus Wall­hau­sen. Sitz der Zen­tra­le ist Koblenz. Das Frau­en­mis­si­ons­werk enga­giert sich mit sei­nen Mit­glie­dern aus der­zeit 18 deut­schen Diö­ze­sen für die Rech­te von Frau­en welt­weit sowie für die part­ner­schaft­li­che Ent­wick­lung in allen Tei­len der Welt. Prä­si­den­tin: Mar­gret Dieckmann-Nardmann

Zen­tra­le: Raven­s­teyn­stra­ße 26, D‑56076 Koblenz, Tel.: (0261) 73596, Fax: (0261) 9732408,
E‑mail: zentrale@​frauenmissionswerk.​de, Inter­net: www​.frau​en​mis​si​ons​werk​.de
Für Spen­den:
Päpst­li­ches Mis­si­ons­werk der Frau­en, Spar­kas­se Koblenz (BLZ 570 501 20),
Kon­to-Nr.: 9000407 IBAN: DE 28 57050120 0009 0004 07, SWIFT-Code (BIC): MALADE51KOB