Das glauben wir

HEUTE GOTTE ERFAHREN – Auftaktveranstaltung

Redaktion am 15.02.2023

230215 Auftakt heute gott erfahren saal Foto: Domvikar Msgr. Dr. Kirchgessner

Kann man heute noch Gott erfahren, ihm unmittelbar begegnen, und wenn ja, wie ist das möglich? Diesen Fragen widmet sich an acht Abenden die neue Vortreihe „Heute Gott erfahren“ in Spectrum Kirche, dem Exerzitien- und Bildungshaus auf Mariahilf. Den Auftakt machte am Dienstag, 14. Februar Frau Professorin Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz mit einem Grundlagenreferat: „Gott ist Liebe,“ eine Aussage, der nicht wenige, die von Leid und Not bedrängt sind, misstrauen.

Im Lau­fe des zwei­stün­di­gen Abends dechif­frier­te die Refe­ren­tin tief­schür­fend den Hin­ter­grund der Iden­ti­fi­ka­ti­on von Gott und Liebe.

Die Joseph-Ratz­in­ger-Preis­trä­ge­rin ging bei ihren Über­le­gun­gen von der reli­giö­sen Vor­stel­lungs­welt der Anti­ke aus. Die Göt­ter lie­ben die Men­schen nicht“, so die Refe­ren­tin und die Men­schen leben in Angst vor den Göt­tern, die sie durch Opfer zu kom­pen­sie­ren ver­su­chen. Sie zitier­te den Beginn der Josefs­ge­schich­te aus der Feder von Tho­mas Mann: In der Tie­fe des Brun­nens liegt Angst vor den Göt­tern“. Die­se Vor­stel­lung wan­delt sich erst­mals im Volk Isra­el, wo der Viel­göt­ter­glau­ben zum Glau­ben an Adon­ai mutiert und sich neben die Angst erst­mals Ver­trau­en stellt. Die Aura des einen Got­tes bleibt sakro­sankt, wes­halb der Hohe­pries­ter nur ein­mal im Jahr ange­bun­den das Aller­hei­ligs­te des Tem­pels betre­ten darf, doch die Macht des Einen wird nun durch Gerech­tig­keit und Erbar­men bestimmt. Im Gegen­satz zum Volk Isarel ist die­ser eine Gott treu und wahr, obwohl Isarel immer wie­der den Ver­trags­bund bricht.

230215 Auftakt Heute Gott erfahren Foto: Domvikar Msgr. Dr. Kirchgessner

In einem nächs­ten Gedan­ken­schritt unter­such­te die Reli­gi­ons­phi­lo­so­phin die bibli­schen Begrif­fe für Lie­be: Dodim, gleich­sam die Lie­be und Aha­ba. Am Bei­spiel des alt­tes­ta­ment­li­chen Hohen­lie­des der Lie­be erläu­ter­te sie den letzt­ge­sann­ten Begriff. Aha­ba, im neu­en Tes­ta­ment Aga­pe, ist die Lie­be, die in ihrer Lie­bes­kraft nicht mehr zurück­wei­chen kann, die sich um der Lie­be zum Gelie­be­ten wil­len sogar ver­prü­geln lässt, wie die Braut im Hohen­leid. Sie zitier­te Bern­hard von Clairvaux mit den Wor­ten: Gott ist die Frau, die nach uns schreibt, rennt, nach uns ver­langt, uns nach­läuft, die bis zur Bloß­stel­lung geht und sich sogar für uns ver­prü­geln lässt, die uns wäscht und dabei selbst schmut­zig wird.“ Das Was­ser, das ande­re wäscht, wird selbst trü­be“, so Gerl-Fal­ko­vitz. Das ist kei­ne Lie­be­lei, kenen Tän­de­lei, son­dern Lie­be, die gemäß Pau­lus alles gibt, die in Chris­tus gar zur Sün­de und zum Fluch wird (2 Kor 5,21). Sie zitier­te das Johan­nes­van­ge­li­um: Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er sei­nen ein­zi­gen Sohn für uns hin­gab, damit jeder, der an ihn glaubt das ewi­ge Leben hat“ (Joh 3,16).

Gott brau­che kei­ne Opfer der Men­schen, zäh­le nicht die Bluts­trop­fen sei­nes Soh­nes, viel­mehr gibt er sich in Chris­tus selbst. Die Refe­ren­tin bezeich­ne­te dies als unge­heu­re Selbst­ver-schwen­dung Got­tes“, als Lie­be, deren Tie­fe wir nicht ver­ste­hen“, und frag­te, war­um wir Men­schen die­se extre­me Zunei­gung Got­tes so wenig ver­spü­ren. Die­sem Gedan­ken wur­de in der anschlie­ßen­den regen Dis­kus­si­on noch­mals inten­siv nach­ge­gan­gen, dabei spiel­te auch die Gene­ral­fra­ge, wie man Gott heu­te begeg­nen, ihn erle­ben kön­ne, eine wich­ti­ge Rol­le. Msgr. Dr. Bern­hard Kirch­gess­ner mach­te die zahl­rei­chen Besu­cher dar­auf auf­merk­sam, dass genau dies, die Weeg­mar­ken zru Got­tes­be­geg­nung“ an den fol­gen­den sie­ben Aben­den von ver­schie­de­nen Blick­win­keln aus the­ma­ti­siert wer­de und lud zum Fol­ge­ter­min Acht­sam­keit-Ent­schleu­ni­gung-Selbst­er­kennt­nis“ für 14. März ein.

Text: Dom­vi­kar Msgr. Dr. Kirchgessner

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