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Soziales

"Ich weiß, wie viel Angst man hat"

Wolfgang-Christian Bayer am 04.04.2022

Ukrainehilfe Syrische Fluechtlinge 1 Foto: Florian Emmer
Arabische Gastfreundschaft: Redakteur Wolfgang Bayer durfte trotz der Fastenzeit das Probieren der süßen, syrischen Spezialitäten nicht ablehnen. Was ihm bei dem köstlichen Gebäck auf nicht sehr schwer fiel.

Eine junge, syrische Frau flieht mit ihren beiden Kindern aus Syrien. Nach monatelanger Trennung von ihrem Mann gibt es in der Türkei ein Wiedersehen und sie beschließen weiter nach Deutschland zu flüchten. Fünf Jahre ist das nun her und mittlerweile hilft Khadeja Shams Aldden ukrainischen Flüchtlingen die nach Passau kommen. Ein Interview über ihre Flucht und ihre Beweggründe nun auch anderen Menschen zu helfen.

Frau Shams-Ald­den, Sie kom­men aus Syri­en, einem Land des­sen Bevöl­ke­rung unglaub­li­ches Leid erfah­ren hat und immer noch erfährt, wie haben Sie es dort raus­ge­schafft und wie sind sie dann nach Deutsch­land gekommen?

Wir haben über­haupt nicht geplant nach Deutsch­land zu kom­men, ich ken­ne die Spra­che nicht und konn­te kein Wort Deutsch, aber wir muss­ten nach dem der Krieg in Syri­en aus­ge­bro­chen war ein­fach weg. Unser ers­tes Ziel war Liba­non, da wir an der Gren­ze zu dem Land gelebt haben. Wir haben dort drei Jah­re hart gear­bei­tet, aber auf­grund der vie­len Kriegs­flücht­lin­ge, wur­de allen Syrern das Arbeits­recht ent­zo­gen. Mein Mann ist dann in die Tür­kei gegan­gen und ich muss­te mit mei­nen Kin­dern zurück nach Syri­en, weil mei­ne Kin­der kei­nen Pass hat­ten. Erst drei Mona­te spä­ter konn­te ich dann mit mei­nen Kin­dern nach­kom­men. In der Tür­kei konn­ten wir auch die Spra­che nicht, wir durf­ten nicht arbei­ten und es gab auch kei­ne Mög­lich­keit zu leben, wir durf­ten aber auch nicht mehr zurück nach Syri­en. In die­ser Zeit sind vie­le Flücht­lin­ge nach Deutsch­land geflo­hen und die sag­ten uns, Deutsch­land leis­tet Hil­fe und öff­net die Türe für Flücht­lin­ge. Die Ent­schei­dung eben­falls nach Deutsch­land zu flie­hen haben mein Mann und ich dann inner­halb von einer Woche getrof­fen. Die Flucht war sehr gefähr­lich und schwie­rig mit zwei Kin­dern und wir hat­ten sehr viel Angst, aber nach zwei Wochen sind wir dann in Deutsch­land angekommen.

Pfar­rer Micha­el Gnan hat uns sehr gehol­fen, er hat­te uns acht Mona­te bei sich auf­ge­nom­men und uns danach gehol­fen eine eige­ne Woh­nung zu fin­den. Wir sind ihm dafür unend­lich dankbar.”

Khadeja Shams Aldden

Jetzt tobt auch in Euro­pa, in der Ukrai­ne, ein schreck­li­cher Krieg, der teil­wei­se Ähn­lich­kei­ten mit dem Krieg in Syri­en hat, da auch dort die rus­si­sche Regie­rung die Bevöl­ke­rung bom­bar­die­ren lässt. Wenn Sie die­se Flücht­lings­strö­me nun sehen kom­men Ihnen da selbst die­se trau­ma­ti­schen Erin­ne­run­gen wie­der hoch?

Ich füh­le wirk­lich mit den Kriegs­flücht­lin­gen, vor allem mit den Frau­en und Kin­dern, die ohne ihren Män­nern auf der Flucht sind. Mir tut es sehr, sehr leid dass auch sie ihre Hei­mat ver­las­sen müs­sen. Ich war ja selbst ein­mal in die­ser Situa­ti­on. Ich hab damals ein­fach mei­ne Toch­ter an der Brust in einer Kindertra­ge getra­gen und mei­nen Sohn fest an die Hand genom­men… und jetzt wenn ich die vie­len Frau­en sehe tut es mir schreck­lich leid, denn ich weiß wie schwie­rig das ist und wie vie­le Ängs­te man in die­ser Situa­ti­on hat. Man lebt in Frie­den in sei­ner Hei­mat, mit sei­ner gro­ßen Fami­lie und auf ein­mal muss man sei­ne Hei­mat ver­las­sen. Egal ob man schwan­ger oder krank ist oder Kin­der hat — jetzt musst du dei­ne Hei­mat hin­ter dir las­sen. Das alles habe ich selbst erlebt.

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Sie enga­gie­ren sich per­sön­lich für die ukrai­ni­schen Flücht­lin­ge, wie sieht die­se Hil­fe aus?

Wir haben mit der Feu­er­wehr Bet­ten in der Hal­le in Pas­sau auf­ge­baut, dort­hin wo die Flücht­lin­ge zuerst hin­kom­men, bevor sie auf Wohn­hei­me wei­ter­ver­teilt werden.

Ukrainehilfe Syrische Fluechtlinge 2 Foto: Bayer / pbp
Die Feuerwehr als Integrationskraft: Stadtbrandinspektor Florian Emmer zusammen mit Khadeja Shams-Aldden. Mittlerweile sind auch ihre Tochter und ihre beiden Söhne bei der Kinderfeuerwehr aktiv und sprechen schon fast besser Deutsch als Arabisch.

Sich als Frau bei der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr zu enga­gie­ren ist ja auch nicht ganz selbst­ver­ständ­lich. Wie sind Sie sind Sie denn dazu gekommen?

Mein Mann ging zuerst zur Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr, ich konn­te das nicht, da mei­ne Kin­der noch sehr klein waren und es mein wich­tigs­tes Ziel war Deutsch zu ler­nen. Ich dach­te also erst ein­mal gar nicht dar­an selbst zur Feu­er­wehr zu gehen, aber dann haben wir ein­mal selbst die Feu­er­wehr gebraucht, weil es in unse­rer Küche brann­te und die Kin­der sich dort ver­se­hent­lich ein­ge­schlos­sen hat­ten. Ich hab dann im Kin­der­gar­ten ange­ru­fen und gefragt was ich machen soll, da ich nicht zu den Kin­dern konn­te und sie sag­ten mir ich soll die Feu­er­wehr rufen, die wür­den die Tür auf­bre­chen. Bei dem Ein­satz waren dann vie­le Frau­en vor Ort, die sehr nett zu mir waren. Sie haben mich beru­higt da ich stark unter Schock stand. Ich war dann sehr erfreut, dass Frau­en in Deutsch­land auch frei­wil­lig bei der Feu­er­wehr mit­hel­fen dür­fen. Spä­ter bin ich dann auf die Web­sei­te der Feu­er­wehr gegan­gen und hab mich ange­mel­det. Die Übun­gen sind zwar sehr anstren­gend, aber sie waren trotz­dem schön und ich hab mich über­haupt nicht fremd gefühlt.

(Das Inter­view wur­de für eine bes­se­re Les­bar­keit geglättet.)