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Kirche vor Ort

120 Jahre Pfarrkirche Jägerwirth

Redaktion am 13.07.2021

Bp Bistumsblatt Pfarrjubilñen Jñgerwirth Bischof Oster 10 07 2021 1

Corona-bedingt schlichte Feier von gleich zwei Jubiläen in Jägerwirth – Baugrund für Gotteshaus einst von einem Landwirt auf eigene Rechnung bezahlt

Was wäre das wohl für ein gran­dio­ses Fest gewe­sen, hät­te nicht Coro­na zur vor allem zah­len­mä­ßi­gen Beschei­den­heit gemahnt? Denn auch die weni­gen zum Pon­ti­fi­k­al­got­tes­dienst mit Bischof Dr. Ste­fan Oster am Sams­tag­abend zuge­las­se­nen Jäger­wir­t­her ver­sprüh­ten anläss­lich des 120. Geburts­tags der Pfarr­kir­che und des hun­dert­jäh­ri­gen Bestehens der Pfar­rei jede Men­ge Freu­de und auch Stolz auf ihre so muti­gen und eif­ri­gen Vor­fah­ren. Ich möch­te Sie ein­la­den, sich von dem, was die Men­schen, die die Kir­che gebaut haben, bewegt hat, anste­cken zu las­sen: von der Sehn­sucht, eine Mit­te im Glau­ben zu haben“, beton­te der Pas­sau­er Oberhirte.

Der Bischof bedank­te sich auf­rich­tig bei allen Enga­gier­ten in Jäger­wirth, die so wun­der­ba­re Akzen­te set­zen wie die Schaf­fung des Bibel­gar­tens oder den Erhalt des klei­nen Mari­en­wall­fahrts­or­tes Hei­li­gen­brunn – ein Enga­ge­ment dafür, dass Kir­che leben­dig ist und Kir­che leben­dig bleibt.“ Die Kir­che sei die Mit­te der Gemein­schaft, die die gan­ze Gemein­de ver­bin­de, wo die wich­tigs­ten Ereig­nis­se gefei­ert, aber auch betrau­ert wür­den, gab Oster zu beden­ken. Als umso bedeut­sa­mer emp­fand er die Tat­sa­che, dass die Jäger­wir­t­her Pfarr­kir­che in der Nähe der Kata­stro­phe des Ers­ten Welt­krie­ges aus gro­ßer eige­ner Antriebs­kraft her­aus errich­tet wor­den sei – in einer Zeit, in der es vie­le Pries­ter gege­ben habe und somit auch einen eige­nen Pfar­rer für das Dorf.

Heu­te sei die Situa­ti­on der Kir­che ganz anders als damals, bekun­de­te der Bischof. Die Volks­kir­che sei einst noch ein ganz stark ver­bin­den­des Ele­ment gewe­sen – man war irgend­wie auto­ma­tisch dabei.“ Heu­te gebe es ent­ge­gen der sei­ner­zei­ti­gen Bewe­gung zur Kir­che hin eine Bewe­gung weg davon, die frei­lich viel­fach auch selbst von der Kir­che ver­schul­det sei. Unver­blümt erwähn­te Oster als einen Grund die Miss­brauchs­skan­da­le. Umso wich­ti­ger sei der Glau­be der Men­schen, dass der christ­li­che Gott ihr Herz ver­än­de­re. Bezug­neh­mend auf das Evan­ge­li­um nach Mar­kus erklär­te der obers­te Geist­li­che der Diö­ze­se, dass Jesus sei­ne Jün­ger um sich gesam­melt und sie dann ent­sen­det habe, damit sie heil­sam wir­ken, somit eine geis­tig und kör­per­lich hei­le Welt schaf­fen. Er füh­le sich beson­ders zu den Benach­tei­lig­ten und Armen gesandt, so der Pre­di­ger über den Gottessohn.

Ange­sichts des Patro­zi­ni­ums der Jäger­wir­t­her Pfarr­kir­che Hei­li­ge Fami­lie“ rief Oster dazu auf, vor die­sem Hin­ter­grund nicht nur an weih­nacht­li­che Bil­der zu den­ken, son­dern an die Erfah­rung, dass wir Geschwis­ter im Glau­ben sind – Geschwis­ter Jesu, der uns mit dem Vater ver­söhnt.“ Sei­ne Bot­schaft an die Got­tes­dienst-Teil­neh­mer for­mu­lier­te der Bischof wie folgt: Wir sind eine hei­li­ge Fami­lie, weil wir einen hei­li­gen Vater haben und einen hei­li­gen Bru­der in Jesus.“ Daher sei es not­wen­dig, als Chris­tin und Christ ein Zeug­nis abzu­ge­ben dafür, war­um die­se Kir­che gebaut wor­den ist – näm­lich aus dem Bewusst­sein her­aus, dass Gott in unse­rer Mit­te sein will.“ Der Pas­sau­er Ober­hir­te wünsch­te sich Men­schen in der Pfarr­ge­mein­de, die sagen, lass uns mal zur Quel­le unse­res Glau­bens gehen und gemein­sam aus der Bibel lesen.“

Oster stell­te auch die Fra­ge in den Raum, ob die Not in der Pfar­rei allen Men­schen bekannt sei. Jesus wür­de zu den Armen und Ver­zwei­fel­ten gehen, hob der Bischof her­vor und ani­mier­te die Zuhö­rer dazu, sich Gedan­ken zu machen, wie die Kir­che von mor­gen sein wer­de. Als die Kir­che von Jäger­wirth gebaut und die Pfarr­erhe­bung erfolgt sei, habe eine frucht­ba­re Zeit geherrscht, in der rund 20 Pfar­rei­en eigen­stän­dig gewor­den sei­en. Der hohe Geist­li­che rühm­te die Eigen­in­itia­ti­ve der Bevöl­ke­rung – auch und gera­de in Jäger­wirth. Viel Segen ist von hier aus­ge­gan­gen“, unter­strich der Bischof zu Beginn der Hei­li­gen Mes­se, die der Kir­chen­chor mit moder­nen Lie­dern musi­ka­lisch umrahm­te. Dies Haus aus Stein, es soll leben­dig sein“, hieß es in einem Zwi­schen­ge­sang. Ein Schiff, das sich Gemein­de nennt“ wur­de im Kom­mu­ni­on­dank besun­gen. Kon­ze­le­bran­ten waren Pfar­rer Chris­ti­an Böck und Stän­di­ger Dia­kon Dr. Anton Cuffari.

Die His­to­rie um Kir­chen­bau und Pfarr­erhe­bung skiz­zier­ten Pfarr­ge­mein­de­rats­vor­sit­zen­der Dr. Josef Hech­ber­ger und Kir­chen­pfle­ger Alo­is Wim­mer in ihrem Gruß­wort. Es muss für unse­re Vor­fah­ren in Jäger­wirth vor 120 Jah­ren etwas Wun­der­ba­res gewe­sen sein, end­lich eine Kir­che, einen geist­li­chen Mit­tel­punkt, in ihrem Dorf zu haben. Dafür muss­ten sie vie­le Jah­re kämp­fen und auch man­che Ent­täu­schung ver­kraf­ten. Wir sind ihnen sehr dank­bar für ihre Mühe, Aus­dau­er und Beharr­lich­keit“, sag­te Hech­ber­ger. Wim­mer erin­ner­te an das fak­ti­sche Weg­bre­chen des Reli­gi­ons­un­ter­richts, als 1887 durch den Schul­bau in Reh­schaln die Fürs­ten­zel­ler Koope­ra­to­ren nicht mehr alle drei Schul­stand­or­te ver­sor­gen konn­ten, ein Pro­test beim dama­li­gen Bischof jedoch nicht fruchtete.

1898 habe Johann Dan­nin­ger, Öko­nom aus Straß, erneut einen Vor­stoß unter­nom­men, dem sich dann die staat­li­chen Stel­len und das Ordi­na­ri­at ange­schlos­sen hät­ten, so Wim­mer. Anhand eini­ger Daten unter­mau­er­te er, mit wel­cher Inbrunst die Leu­te damals den Bau ihrer Kir­che ver­folgt hät­ten – im Juli 1900 mit der Grün­dung des Kirch­bau­ver­eins, im Novem­ber 1901 dann die Geneh­mi­gung der Plä­ne, im Novem­ber 1902 die Ertei­lung der staat­li­chen Erlaub­nis zum Bau­be­ginn. Aber bereits vor der Jahr­hun­dert­wen­de, also drei Jah­re zuvor, kauf­te Johann Dan­nin­ger auf eige­ne Rech­nung den Bau­grund und ließ bereits Bruch­stei­ne für die Grund­fes­te anlie­fern“, erzähl­te der Kir­chen­pfle­ger, der auf den ers­ten Spa­ten­stich im Som­mer 1901 hinwies.

Die Bau­erlaub­nis sei aber nur erteilt wor­den, weil sich sie­ben Bau­ern aus der künf­ti­gen Pfar­rei mit 692 See­len für Kre­di­te mit einem Volu­men von 35.000 Mark ver­bürgt hät­ten – jeder mit 5000 Mark, dies ent­spricht heu­te etwa 50.000 Euro“, berich­te­te der Kir­chen­pfle­ger, der die Namen auf­zähl­te: Johann Dan­nin­ger (Öko­nom aus Straß), Johann Nepo­muk Sonn­leit­ner (Öko­nom aus San­la­de­rer), Franz Aigner (Öko­nom aus Ober­haus­hof), Franz Put­zen­ber­ger (Öko­nom aus Groß­sand­ten), Lud­wig Zöls (Öko­nom aus Vog­larn), Jakob Sil­be­rei­sen (Schmied aus Vog­larn) und Jakob Sonn­leit­ner (Öko­nom aus Lin­den). Am 12. Okto­ber 1903 sei die ers­te hei­li­ge Mes­se in Jäger­wirth gefei­ert, am 12. März 1921 die Expo­si­tur zur Pfar­rei erho­ben wor­den, so Wim­mer. Hech­ber­ger merk­te ergän­zend an, dass die Pfarr­kir­che Hei­li­ge Fami­lie“ Mit­tel­punkt einer gro­ßen christ­li­chen Gemein­schaft sei. Glau­ben zu einem Erleb­nis zu machen, dazu tra­gen seit jeher vie­le Ehren­amt­li­che bei, die sich auf viel­fäl­ti­ge Wei­se in das kirch­li­che Leben ein­brin­gen“, stell­te der Spre­cher fest, der auch den Ver­ei­nen, jedoch in ers­ter Linie dem Seel­sor­ge­team der Pfar­rei Aner­ken­nung zollte.

Zu den bei­den Jubi­lä­en gra­tu­lier­ten auch poli­ti­sche Ehren­gäs­te. Der stell­ver­tre­ten­de Land­rat Hans Kol­ler woll­te gleich­zei­tig die Bot­schaft aus­sen­den, dass Dank­bar­keit wie­der ein Stück weit in der Gesell­schaft ver­an­kert sein soll­te. Er wür­dig­te hun­dert Jah­re Bekennt­nis zum christ­li­chen Glau­ben, zur Tra­di­ti­on und zur Hei­mat“. Fürs­ten­zells Bür­ger­meis­ter Man­fred Ham­mer zeig­te sich beein­druckt von der Leis­tung der Jäger­wir­t­her Vor­fah­ren, aus eige­ner Kraft und eige­nen Mit­teln ihre Kir­che erbaut zu haben. Er wünsch­te sich wei­ter­hin einen solch bestän­di­gen Zusam­men­halt, wie er bei­spiels­wei­se im Zuge der Dorf­er­neue­rung Jäger­wirth-Vog­larn zum Aus­druck gekom­men sei. Vor dem Kir­chen­por­tal gab es dann noch einen klei­nen Steh­emp­fang mit guten Gesprä­chen und schwung­vol­len Gesangs­ein­la­gen des Musi­cal­ver­eins, was dem Bischof sicht­lich Freu­de bereitete. 

Text: Bern­hard Brunner