Kirche vor Ort

Mission Freundschaft für Jesus

Anna Sophia Hofmeister am 14.10.2019

FOCUS Missionare info-icon-20px pbp
Haben Passau liebgewonnen: Die FOCUS-Missionare Jimmy, Jack, Maggie und Michaela (von links).

Ihre Strategie ist, für alle da zu sein, viele einzuladen und in wenige zu investieren: Seit einem Jahr begleiten vier Missionare der „Fellowship of Catholic University Students“ (FOCUS) aus den USA Passauer Studierende auf dem Weg in ein vertieftes Christsein.

In die­sem Jahr haben wir unge­fähr 250 Stu­den­ten ken­nen­ge­lernt, mit vie­len von ihnen sind wir befreun­det. In sechs Bible Stu­dies‘ betreu­en wir 35 Stu­den­ten; 20 von ihnen waren vor­her noch nie auf einer Ver­an­stal­tung der Katho­li­schen Stu­den­ten­ge­mein­de oder in einem Got­tes­dienst in St. Niko­la“, fasst Jim­my das Wir­ken der Grup­pe zusam­men. Eine Pas­sau­er Stu­den­tin lei­te inzwi­schen sogar selbst eine eige­ne Bibel­grup­pe. Den jun­gen Men­schen zei­ge das, dass das FOCUS-Prin­zip, Freund­schaft unter­ein­an­der mit Blick auf Jesus zu leben, auch inter­na­tio­nal funktioniert.

Ein Jahr Pas­sau – wel­che Erfah­run­gen habt Ihr gemacht?

Mag­gie: Ich war freu­dig über­rascht, wie gut wir von so vie­len Stu­den­ten, denen wir begeg­net sind, auf­ge­nom­men wur­den. Die Leu­te waren so gedul­dig mit unse­rem Deutsch, damit, dass wir die Spra­che und die Kul­tur erst noch ken­nen­ler­nen muss­ten. Sie haben sich wirk­lich für uns Zeit genom­men – ein ech­tes Geschenk auf jeden Fall. Ich füh­le mich defi­ni­tiv willkommen.

Jim­my: Ich erin­ne­re mich dar­an, dass ich nicht wuss­te, wie die Deut­schen dar­auf reagie­ren wür­den, wie wir als ame­ri­ka­ni­sche Mis­sio­na­re arbei­ten. Aber was sehr schön durch das gan­ze Jahr hin­durch zu sehen war, ist: Ein­fach jedes mensch­li­che Herz ist für die Freund­schaft mit Gott geschaf­fen – sodass unse­re Arbeit hier genau die­sel­be ist wie in den USA, oder wie sie in Russ­land, Chi­na oder sonst­wo wäre. Und so ist es wun­der­schön zu sehen, wie ähn­lich die Men­schen auf die­se Sehn­sucht nach einer Got­tes­be­zie­hung antworten.

Habt Ihr bestimm­te Unter­schie­de im kirch­li­chen Leben zwi­schen USA und Deutsch­land bemerkt?

Jim­my: Wir spre­chen ja von der­sel­ben einen, hei­li­gen katho­li­schen und apos­to­li­schen Kir­che. Aber die Erfah­rung von Kir­che in Euro­pa ist anders. Schon auf­grund der Geschich­te in Deutsch­land und Euro­pa gibt es hier ein ande­res Ver­ständ­nis von Kir­chen­hier­ar­chie, kirch­li­cher Auto­ri­tät und Mis­si­on all­ge­mein. Das sind für uns nicht unbe­dingt Hin­der­nis­se, aber wir müs­sen ler­nen, die­sel­be Wahr­heit auf ande­re Wei­se zu kom­mu­ni­zie­ren. Die­ser Auf­ga­be wol­len wir gerecht wer­den, da sind wir gera­de dabei.

Wel­cher für Euch viel­leicht selt­sa­mer Unter­schied ist Euch denn zum Bei­spiel aufgefallen?

Jim­my: Eine Sache, die ich komisch fand, als ich hier­her­kam, war – ein­fach, weil es für mich so anders war – dass wir in Deutsch­land kei­nen unse­rer Pries­ter Vater“ nen­nen. Klar, ich sehe Grün­de dafür, aber ich den­ke, es wäre schön, dass jeder und jedem in der Kir­che bewusst ist, dass der Pries­ter in gewis­ser Wei­se ein Vater ist, ein geist­li­cher Vater. Einer der wich­tigs­ten Aspek­te von Kir­che ist, fin­de ich, dass sie Fami­lie“ ist. Die Kir­che ist nicht zuerst eine Orga­ni­sa­ti­on, son­dern ein Orga­nis­mus. Wir sind eine Familie.

Wie habt Ihr hier bis­lang als Mis­sio­na­re gearbeitet?

Mag­gie: Ähn­lich wie in den USA, aber auch unter­schied­lich. Wir laden Men­schen zu Bible Stu­dies“ ein, bie­ten ihnen die Freund­schaft an, das gemein­sa­me Wach­sen im Glau­ben. Die Leu­te hier in Pas­sau neh­men sich mehr Zeit für uns. Wenn wir uns zum Bei­spiel auf einen Kaf­fee tref­fen, dann dau­ert das nicht nur schnel­le 40 Minu­ten, wie in mei­ner Hei­mat, wo ger­ne auf Effi­zi­enz geach­tet wird. Auch die Bible Stu­dies“ dau­ern hier ein wenig län­ger. Das gefällt mir gut!

Jim­my: Es macht Freu­de, mit dem Bis­tum hier zusam­men­zu­ar­bei­ten. Wir arbei­ten immer, egal, wo wir hin­ge­hen, mit dem ört­li­chen Bischof zusam­men; und es ist toll zu sehen, wie der Pas­sau­er Bischof vol­ler Freu­de und Freund­schaft im Evan­ge­li­um auf die Men­schen zugeht. Und dass hier Gemein­schaf­ten ent­ste­hen aus der Lie­be zu Jesus Chris­tus und mit der Sehn­sucht, Jün­ger­schaft zu leben. Es gibt uns Kraft, hier Brü­der und Schwes­tern im Glau­ben zu haben.

Wie ist es für Euch, mit ande­ren über Gedan­ken und reli­giö­se Gefüh­le zu sprechen?

Mag­gie: Ich fin­de, die Leu­te sind sehr ehr­lich hier – und sie haben kei­ne Scheu, zu sagen, ob sie einer Sache weni­ger zustim­men oder etwas nicht ver­ste­hen. Das erlaubt eine ande­re Tie­fe im Gespräch.

Also habt Ihr hier sehr inter­es­san­te und auch her­aus­for­dern­de Freundschaften?

Mag­gie: Ja, und sehr leben­di­ge Freund­schaf­ten. Ein­fach ech­te Freund­schaf­ten. Ich habe vie­le jun­ge Frau­en ken­nen­ge­lernt, bei denen ich mich ein­fach wohl­füh­le. Ihre Freund­schaft schenkt mir ein Gefühl von Zuhau­se hier in Deutschland.

Stoßt Ihr bis­wei­len auch auf Ablehnung?

Jack: Ja, manch­mal schon. Aber ich war auch über­rascht, dass vie­le Leu­te sehr auf­ge­schlos­sen waren, sogar, wenn sie nicht rich­tig ver­stan­den haben, was wir hier tun. Oft stell­ten sie dann wei­te­re Fra­gen wie War­um soll­te das eine gute Idee sein?“ oder War­um tust du dir sowas an?“ oder so ähn­lich. Was immer zu einem guten Gespräch geführt hat. Vie­le Leu­te waren inter­es­siert, stell­ten her­aus­for­dern­de Fra­gen, aber eher aus Neu­gier, was ich wirk­lich gut finde.

Habt Ihr nun beson­de­re Plä­ne für das kom­men­de Jahr, jetzt, wo Ihr so rich­tig ange­kom­men seid, die Gegend und die Stadt gut kennt?

Mag­gie: Ich möch­te mei­ne Freund­schaf­ten ver­tie­fen. Bes­ser ken­nen­ler­nen, woher sie kom­men und wie sie leben – um sie bes­ser zu verstehen.

Jim­my: Auch ich möch­te mehr Zeit mit den Men­schen hier ver­brin­gen. Wenn ich sie bes­ser ver­ste­he, kann ich bes­ser davon erzäh­len, wer Gott ist, auf eine Wei­se, die sie gut verstehen.

Michae­la: Ich ver­su­che, nicht zu vie­le Erwar­tun­gen zu haben. Mei­ne Hoff­nung ist, dass ich mich so ver­än­de­re, dass ich Jesus bes­ser reprä­sen­tie­ren kann, egal, wel­che Sprach­bar­rie­ren, kul­tu­rel­le Unter­schie­de oder ande­re sol­che Din­ge es gibt. Eini­ge Men­schen hier haben mir schon gezeigt, dass sie offen für eine Freund­schaft mit mir sind, auch wenn ich noch nicht so gut deutsch spre­chen kann. Ich will viel ler­nen, um die Men­schen für das, was sie sind zu lie­ben, so wie ich bin. Und zu erlau­ben, dass uns das jeweils formt. Da wer­de ich bestimmt ein paar Feh­ler machen, aber letzt­lich dar­an wachsen.

Mag­gie: Wir sind gespannt, was das kom­men­de Jahr mit sich bringt und freu­en uns sehr, hier zu sein!

FOCUS Missionare 2 info-icon-20px pbp