Bistum

Plan Gewinn- und Verlustrechnung 2020

Stefanie Hintermayr am 11.02.2020

200130 Plan GUV thumb info-icon-20px Foto: Stefanie Hintermayr

Finanzdirektor Dr. Josef Sonnleitner bilanziert für den Haushalt 2020: Kürzungen im Bausektor und Rücklagenentnahmen. Und: "Finanzpolitik und Neuevangelisierung gehen Hand in Hand."

Trotz deut­li­cher Kür­zun­gen im diö­ze­sa­nen Bau­be­reich ist ein aus­ge­gli­che­ner Haus­halt für das Jahr 2020 nur mit einer Ent­nah­me aus den Rück­la­gen dar­stell­bar“, so Finanz­di­rek­tor Dr. Josef Sonn­leit­ner im Rah­men der Vor­stel­lung der dies­jäh­ri­gen Plan Gewinn- und Ver­lust­rech­nung des Bis­tums Pas­sau. Dem­nach rech­net der Finanz­ex­per­te mit betrieb­li­chen Erträ­gen in Höhe von knapp 133 Mil­lio­nen Euro, rund 108 Mil­lio­nen davon wer­den aus der den Ein­nah­men der Kir­chen­steu­er bestrit­ten. Die betrieb­li­chen Aus­ga­ben belau­fen sich auf rund 139 Mil­lio­nen Euro. Des Wei­te­ren führt Sonn­leit­ner aus, dass auf­grund der anhal­ten­den Nied­rig­zins­pha­se, mit­tel­fris­tig unsi­che­ren Akti­en­per­spek­ti­ven sowie etwas rück­läu­fi­gen Erträ­gen aus Immo­bi­li­en­fonds auch heu­er ein Rück­gang im Finanz­ergeb­nis zu erwar­ten ist. Es beläuft sich auf rund 1,3 Mil­lio­nen Euro. Das Gesamt­ergeb­nis wird zudem durch die stei­gen­den Rück­stel­lun­gen für Pen­sio­nen und Bei­hil­fen belas­tet. In Sum­me wird das Haus­halts­de­fi­zit mit einer Rück­la­gen­ent­nah­me in Höhe von rund 5,4 Mil­lio­nen Euro ausgeglichen.

Rücklagenentnahme deutlich gesunken – Bauhaushalt im Fokus

Im Jahr 2019 wur­de ein Fehl­be­trag in Höhe von rund 16,9 Mil­lio­nen Euro aus­ge­gli­chen. Das Bis­tum hat die lang­fris­ti­ge Ent­wick­lung mit dann sin­ken­den Kir­chen­steu­er­ein­nah­men bedingt durch hohe Aus­tritts­zah­len gut im Blick und wir wer­den dann mit ent­spre­chen­den Maß­nah­men reagie­ren“, so Sonn­leit­ner wei­ter. Dem­nach zeich­net sich der Haus­halt 2020“ vor allem durch ein signi­fi­kan­tes Her­un­ter­fah­ren des Bau­haus­hal­tes aus, denn für die­ses Haus­halts­jahr rech­nen wir erst­mals mit dem seit län­ge­rem pro­gnos­ti­zier­ten Ende des Anstiegs der Kir­chen­steu­er­ein­nah­men“, so der Finanz­ex­per­te. Ein­spa­rungs­po­ten­ti­al lie­ge vor allem im Bau­be­reich. Wir müs­sen ver­stärkt bei allen Pro­jek­ten die Sinn- und Nut­zungs­fra­ge stel­len, mit Blick auf die Ver­ant­wor­tung der Kir­chen­steu­er­mit­tel“, so Sonn­leit­ner. Dann darf es eben bei einer Kapel­le oder Neben­kir­che nicht das Paket der Gene­ral­sa­nie­rung sein, son­dern ein­fach nur‘ eine Bestands­si­che­rung.“ Allein auf Ebe­ne der Kir­chen­stif­tun­gen sind es rund 130 Bau­pro­jek­te, die in die­sem Haus­halts­jahr zu bewäl­ti­gen sind. Das ist durch­schnitt­lich ein Pro­jekt in jeder drit­ten Pfar­rei. Wir haben in den letz­ten Jah­ren in den Pfar­rei­en ein gro­ßes Tem­po gefah­ren, hier müs­sen wir einen Gang run­ter­schal­ten, gera­de was Fili­al- und Neben­kir­chen angeht. Wir wis­sen, dass die Erwar­tungs­hal­tung vor Ort groß ist und den Men­schen ihre Kir­che wich­tig ist“, so Sonn­leit­ner. Auch Bischof Ste­fan Oster ruft mit Blick auf die hohen Bau­haus­hal­te der letz­ten Jah­re zur Sen­si­bi­li­sie­rung auf. Wir brau­chen unse­re Kir­chen und wir wol­len sie erhal­ten. Wir müs­sen aber auch Maß hal­ten. Unse­re Kir­che lebt nicht von Stei­nen, son­dern durch das Wir­ken Jesu und der Men­schen, die sich von sei­ner Bot­schaft berüh­ren las­sen“, betont Oster. Die­se Men­schen sind die tra­gen­den Stei­ne unse­rer Kir­che und daher muss unse­re Finanz­po­li­tik in ers­ter Linie zum Woh­le der Men­schen aus­ge­rich­tet sein.“ Er sei sehr froh dar­über, dass die Kir­chen und deren Erhalt den Men­schen im Bis­tum Pas­sau ein sehr hohes Anlie­gen sind. Das ist längst nicht mehr über­all so und daher bin ich den Gläu­bi­gen sehr dank­bar, dass sie Vie­les zum Erhalt der Kir­chen vor Ort in unglaub­li­cher Kraft und viel ehren­amt­li­chem Enga­ge­ment stemmen.“

„Neuakzentuierung des Finanzmitteleinsatzes“ – Einsparungen zugunsten der Pastoral

Finanz­di­rek­tor Dr. Josef Sonn­leit­ner spricht von einer Neu­ak­zen­tu­ie­rung des Finanz­mit­tel­ein­sat­zes. Dies bedeu­te eine Kon­so­li­die­rung und geziel­te Aus­rich­tung, die wir seit meh­re­ren Jah­ren ver­fol­gen und die aber auch die Ziel­set­zung hat, Ein­spa­run­gen in bestimm­ten Berei­chen zu rea­li­sie­ren, damit ein aus­ge­gli­che­ner Haus­halt dar­ge­stellt wer­den kann“. Die Finanz­po­li­tik des Bis­tums und die pas­to­ra­le Aus­rich­tung unse­res 2014 ein­ge­läu­te­ten Ver­än­de­rungs­pro­zes­ses gehen Hand in Hand“, so Sonn­leit­ner. Die Struk­tu­ren wur­den mit dem Auf­bau der flä­chen­de­cken­den Ver­wal­tungs­zen­tren, die mit einem Per­so­nal­auf­bau ver­bun­den waren, geschaf­fen. Nun ste­he die Pas­to­ral und ent­spre­chen­de Maß­nah­men der Neuevan­ge­li­sie­rung im Vor­der­grund. Die Inves­ti­tio­nen in Kir­chen und Gebäu­de sind genau­so dem Ziel der Neuevan­ge­li­sie­rung unter­ge­ord­net wie vie­le ande­re pas­to­ra­le Pro­jek­te im Bis­tum. Die Zah­len des Kir­chen­be­suchs zei­gen uns, dass Men­schen längst nicht mehr auto­ma­tisch in die Kir­che gehen. Sie blei­ben fern, weil sie sich mehr und mehr ent­frem­den, den­noch blei­ben sie Suchen­de, denen wir eine geist­li­che Hei­mat bie­ten wollen.“

Die Plan Gewinn- und Ver­lust­rech­nung 2020 wur­de vom Diö­ze­san­steu­er­aus­schuss geprüft und geneh­migt. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu den Finan­zen im Bis­tum Pas­sau fin­den Sie hier:

Finanzen und Bau

Dem Bistum Passau ist es wichtig, Dinge beim Namen zu nennen – das gilt insbesondere auch für die Finanzen, sowie alle Bau- und Renovierungsarbeiten. Die Gestaltung einer soliden, vernunftbetonten Fiskalpolitik ist unser Anspruch und unser Versprechen an alle Gläubigen in unserem Bistum.

Die Zahlen im Überblick - Rücklagenentnahme voraussichtlich 5,4 Mio €

Ins­ge­samt erhal­ten wir von den Kir­chen­steu­er­zah­lern 108,6 Mio. Euro (81,6 % der betrieb­li­chen Erträ­ge). Ver­gü­tun­gen für Leis­tun­gen, wel­che die Kir­che für den Staat erbringt, erwar­tet das Bis­tum in Höhe von 11,5 Mio. Euro (8,7 %). Wei­te­re 12,4 Mio. Euro (9,3 %) sind Pfründe‑, Miet‑, und sons­ti­ge Erträ­ge bzw. Umsatz­er­lö­se der Bil­dungs­häu­ser, des Bis­tums­blat­tes und des Dom­la­dens. Dazu kommt der Zuschuss finanz­stär­ke­rer Bis­tü­mer in Höhe von 0,5 Mio. Euro (0,4 %), der struk­tu­rel­le und regio­na­le Unter­schie­de aus­glei­chen soll. Der gesam­te Betriebs­er­trag beläuft sich auf 133,0 Mio. Euro.

Die betrieb­li­chen Auf­wen­dun­gen in Höhe von 139,7 Mio. ent­fal­len auf die zen­tra­len Berei­che Seel­sor­ge 46,9 Mio. Euro (33,6 %), sozia­le Diens­te 11,4 Mio. Euro (8,2 %) und kate­go­ria­le Seel­sor­ge – wie Jugend­ar­beit, Fami­li­en­pas­to­ral oder Kri­sen­seel­sor­ge – 13,1 Mio. Euro (9,4 %). In den Bereich Schu­le, Bil­dung und Kunst flie­ßen 19,9 Mio. Euro (14,2 %). Welt­kirch­li­che und über­diö­ze­sa­ne Pro­jek­te unter­stüt­zen wir mit 5,2 Mio. Euro (3,7 %). 26,6 Mio. Euro (19,0 %) wen­det die Diö­ze­se für alle zen­tra­len Ein­rich­tun­gen auf. Für den Unter­halt zen­tra­ler Stif­tungs­ge­bäu­de sowie sons­ti­ger wesent­li­cher Ver­pflich­tun­gen der Diö­ze­se und eine aus­rei­chen­de Deckungs­re­ser­ve sind ins­ge­samt 16,6 Mio. Euro (11,9 %) veranschlagt.

Pastoral-struktureller Erneuerungsprozess

2014 wurde die pastoral-strukturelle Erneuerung im Bistum Passau auf den Weg gebracht. Mit Themen wie der "Neuevangelisierung", "Firmung ab 16", den "Visitationen" und dem Startschuss für die "Verwaltungszentren", trägt der Prozess bereits viele Früchte.