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Das glauben wir

Den Himmel offen halten

Redaktion am 27.05.2022

220529 Predigt Baer Title TV 2 Foto: Bayer / pbp

Die Trennung der Christen von der jüdischen Glaubensgemeinschaft war ein durchaus schmerzvoller und blutiger Weg, der mit vielen Märtyrern gesäumt ist. Mehr dazu von Dompropst Michael Bär in seiner Predigt zum 7. Sonntag der Osterzeit am 29. Mai 2022.

Lie­be Schwes­tern und Brü­der,

auf dem Auf­bau über dem Hoch­al­tar ist die Stei­ni­gung unse­res Dom­pa­trons, des Hei­li­gen Ste­pha­nus dar­ge­stellt. Die Lesung aus der Apos­tel­ge­schich­te beschreibt genau die­se Sze­ne. Im Augen­blick des Ster­bens kniet der Dia­kon nie­der und sieht in einer Visi­on den Him­mel offen. Sei­nen Stei­ni­gern ver­zeiht Ste­pha­nus, setzt damit ein Zei­chen der Ver­ge­bung und durch­bricht den Kreis­lauf der Gewalt.

Über Ste­pha­nus schwe­ben zwei Figu­ren, sie stel­len die Eccle­sia, die Kir­che und die Syn­ago­ga, die jüdi­sche Glau­bens­ge­mein­schaft dar. Die Eccle­sia ist uns zuge­wandt, sie trägt den Palm­zweig, das Erken­nungs­merk­mal der Mär­ty­rer, der Blut­zeu­gen. Die Mär­ty­rer sind der Same des Chris­ten­tums, sie ver­lei­hen der jun­gen Kir­che Glaub­wür­dig­keit. Sie rich­ten das Kreuz auf in der Welt.

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Die Kir­che ent­steht – die Gläu­bi­gen, die Anhän­ger des neu­en Wegs lösen sich bewusst aus der jüdi­schen Gemein­schaft und schaf­fen etwas Neu­es, die Kir­che, die Gemein­schaft, die dem Herrn gehört.
Die Syn­ago­ga wen­det sich ab von uns, ihr Stab ist zer­bro­chen. Es zeich­net sich die Tren­nung der Chris­ten von den Juden ab. Sie war­ten wei­ter­hin auf das Kom­men des Mes­si­as, des Erlö­sers, den wir Chris­ten in Jesus von Naza­reth erkennen.

Der deutsch-jüdi­sche Freun­des­kreis hier in Pas­sau hat im Gespräch mit dem Dom­ka­pi­tel die­se Figur immer wie­der the­ma­ti­siert. Es haf­ten ihr noch die alten Kli­schees und Miss­ver­ständ­nis­se an, die der Künst­ler Prof. Hen­sel­mann jedoch schon sehr bewusst zurückdrängt.

Im Mit­tel­al­ter wur­de die Syn­ago­ga gern ver­un­glimp­fend dar­ge­stellt als Hure mit offe­nem Haar. Weni­ge Jah­re nach der Shoa in unse­rem Land waren sich sicher­lich alle an die­sem Altar Betei­lig­ten bewusst, dass rück­sichts­voll mit der Figur der Syn­ago­ga umge­gan­gen wer­den muss. Weni­ge Jah­re spä­ter haben die Väter des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils gefor­dert, dass die Juden nicht mehr als von Gott ver­wor­fen oder ver­flucht dar­ge­stellt wer­den dür­fen. Es ist viel gesche­hen, um Juden und Chris­ten mit­ein­an­der zu versöhnen. 

Reli­gi­ös moti­vier­te Krie­ge und Bür­ger­krie­ge auf der gan­zen Welt müs­sen geäch­tet wer­den. Gewalt ist kein Mit­tel, um die per­sön­li­che Got­tes­be­zie­hung, die Glau­bens­ent­schei­dung eines ande­ren, gleich wie sie aus­fällt zu beein­flus­sen. Wie infam ist es, den guten Gott zu miss­brau­chen für Feld­zü­ge gegen Anders­gläu­bi­ge und etwa gar in sei­nem Namen Tod und Ver­der­ben über sie zu brin­gen. Jesus spricht im Evan­ge­li­um: Alle sol­len eins sein.
Das Mar­ty­ri­um des Hei­li­gen Ste­pha­nus ermahnt uns, gewalt­frei mit­ein­an­der umzu­ge­hen, es gibt uns ein Bei­spiel für Ver­ge­bung und Ver­söh­nung mit­ten in der Gewalt. Das ist der Weg, den Him­mel offen zu hal­ten.

Dr. Micha­el Bär
Dom­propst