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Das glauben wir

Kehrt um!

Redaktion am 15.10.2021

211017 Predigt Kerscher title Foto: Stefanie Hintermayr/pbp

"Kehrt um und glaubt an das Evangelium!" Diese Botschaft aus dem Markusevangelium gibt uns Jesus zuallererst. Das bedeutet mehr, als sich von den Sünden abzuwenden. Es bedeutet auch, die Spielregeln der Welt zu hinterdenken und auf die Logik Gottes zu vertrauen. Mehr dazu von Kaplan Hubertus Kerscher in seiner Predigt zum 29. Sonntag im Jahreskreis am 17. Oktober 2021.

Der Ober sticht den Unter. Die einen haben das sagen, ande­re nicht. In unse­rer Welt gibt es Spiel­re­geln, die man kapie­ren muss, damit man erfolg­reich ist. Man­che Regeln sind offen­sicht­lich, ande­re lernt man erst auf die har­te Tour. Es gehört schließ­lich zum Erwach­sen­wer­den, dass man die­se Welt durchschaut. 

Jako­bus und Johan­nes, zwei Jün­ger aus dem heu­ti­gen Evan­ge­li­um, haben die Logik die­ser Welt nun auch auf das Reich Got­tes ange­wandt. Sie wol­len in der Herr­lich­keit die Ehren­plät­ze links und rechts neben Jesus. Dafür sind sie sogar bereit den Kelch Jesu zu trin­ken und sei­ne Tau­fe auf sich zu neh­men – also das Mar­ty­ri­um durchzustehen.

Die ande­ren Jün­ger bekom­men das mit und ärgern sich über ihre ehr­gei­zi­gen Kol­le­gen. Von Jesus wird das nicht gesagt. Er ant­wor­tet schlicht ehr­lich: Ihr wisst nicht, wor­um ihr bit­tet“ und Die Plät­ze im Reich Got­tes habe nicht ich zu ver­ge­ben“ – die ande­ren Jün­ger aber fin­den die Ambi­tio­nen ihrer Mit­brü­der empörend.

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Jetzt greift Jesus ein – eine Beleh­rung ist fäl­lig und zwar an alle. Jako­bus und Johan­nes, aber auch die ande­ren 10 in ihrem Ärger haben das Wesent­li­che ver­säumt: Das Reich Got­tes, das Evan­ge­li­um, hat eine ande­re Logik als die­se Welt. Die aller­ers­te Anwei­sung, die uns Jesus im Mar­kus­evan­ge­li­um gibt, lau­tet so: Kehrt um und glaubt an das Evan­ge­li­um!“ Met­a­noie­te heißt es auf Grie­chisch. Ganz wört­lich eigent­lich: Ändert den Sinn“! Umkeh­ren ist nicht nur eine mora­li­sche Kate­go­rie, indem wir sozu­sa­gen von allen Sün­den weg­ge­hen. Umkeh­ren ist erst ein­mal eine intel­lek­tu­el­le, eine geis­ti­ge Auf­ga­be. Das Evan­ge­li­um ver­langt uns den Mut ab, die Spiel­re­geln der Welt zu hin­ter­den­ken. Es heißt nicht, kei­ne Zie­le mehr zu haben: Kein Hei­li­ger und kei­ne Hei­li­ge der Kir­chen­ge­schich­te war je ambi­ti­ons­los! Es gibt nur einen wich­ti­gen Unter­schied zwi­schen hei­lig wer­den wol­len und hei­lig- gespro­chen wer­den wollen.

Dazu braucht es neben aller Denk­kraft dann auch Ver­trau­en. Ver­trau­en in die Logik Got­tes und das Evan­ge­li­um Jesu: Ein Ver­trau­en dar­auf, dass Selbst­lo­sig­keit nicht bedeu­tet, sich selbst zu ver­lie­ren; dass zu bereu­en nicht heißt zu schei­tern. Ein Ver­trau­en dar­auf, dass ich im Wil­len Got­tes wah­re Frei­heit fin­de. Ein Ver­trau­en dar­auf, dass wah­re Erlö­sung nicht bedeu­tet, auf­zu­stei­gen, son­dern geliebt zu werden.

Jako­bus und Johan­nes und der Rest, der sich echauf­fiert, sie alle den­ken immer noch in Rang­fol­gen. Sie sind durch­aus opfer­be­reit, aber das soll sich aus­zah­len. Sie hän­gen noch in der Logik der Welt fest. Bei euch soll es nicht so sein!“ sagt uns Jesus. Und trotz­dem ist es bei uns oft so. Das ist erst ein­mal nicht über­ra­schend, denn wir sind Kin­der die­ser Welt und in ihrer Logik erwach­sen gewor­den. Doch wir sind auch Kin­der Got­tes. In uns allen steckt die Sehn­sucht nach dem grö­ße­ren Sinn, nach Ewig­keit. All das fin­den dort, wo wir uns und die Welt hin­ter­den­ken können.

Huber­tus Ker­scher
Kaplan im Pfarr­ver­band Pocking