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Bistum

Festakt: Pater Heinrich Grumann verabschiedet

Pressemeldung am 17.02.2020

2200215 Verabschiedung Pater Heinrich SLW foto4 WT info-icon-20px Foto: Wolfgang Terhörst

Nach 35 Jahren ist Pater Heinrich Grumann als Präses des Seraphischen Liebeswerks Altötting am Samstag feierlich verabschiedet worden. Zahlreiche Freunde und Wegbegleiter waren in das Franziskushaus Altötting gekommen. Seine Nachfolge übernimmt Pater Marinus Parzinger.

Ein Leben für das „Unternehmen Gott“

Die Turn­hal­le des Fran­zis­kus­hau­ses war am Sams­tag­vor­mit­tag, 15. Janu­ar, bis auf den letz­ten Platz gefüllt mit Weg­be­glei­tern und Freun­den, die Pater Hein­rich Gru­mann nach 35 Jah­ren an der Spit­ze des Sera­phi­schen Lie­bes­werks (SLW) Alt­öt­ting in einem Fest­akt ver­ab­schie­den und ihm für sei­ne gro­ßen Ver­diens­te dan­ken woll­ten. Gleich­zei­tig stell­te sich sein Nach­fol­ger Bru­der Mari­nus Par­zin­ger mit unge­wohn­ten Tönen vor.

Denn noch bevor sein Vor­gän­ger P. Hein­rich offi­zi­ell ent­pflich­tet“ wur­de, griff Nach­fol­ger Bru­der Mari­nus Par­zin­ger zur ers­ten öffent­li­chen Amts­hand­lung, wie es Fran­zis­kus­haus-Lei­ter Johan­nes Erbert­se­der ankün­dig­te – näm­lich zur Trom­pe­te. Br. Mari­nus gesell­te sich zu den die Fei­er­lich­kei­ten beglei­ten­den Johan­nes­blä­sern Mit­ters­kir­chen auf die Büh­ne, um gemein­sam mit ihnen ein Stück zu spie­len. Das ver­an­lass­te Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Mar­tin Huber, zugleich Mit­glied des SLW-Stif­tungs­rats, zu der lau­ni­gen Bemer­kung, Br. Mari­nus wer­de ihm und sei­nen Kol­le­gen künf­tig hof­fent­lich nicht den Marsch bla­sen. Doch im Mit­tel­punkt des Tages stand natür­lich Pater Hein­rich. Neben Mar­tin Huber wür­dig­ten ihn Lan­des-Cari­tas­di­rek­tor Prä­lat Bern­hard Piendl, Bezirks­tags­mit­glied Gise­la Kriegl, Wolf­gang Sell­ner in Ver­tre­tung des erkrank­ten Alt­öt­tin­ger Bür­ger­meis­ters Her­bert Hofau­er und Ste­fan Jetz in Ver­tre­tung des spä­ter anrei­sen­den Land­rats Erwin Schneider.

Jetz sag­te, P. Hein­rich habe sich schon früh in sei­nem Leben ent­schie­den, für das Unter­neh­men Gott“ zu arbei­ten. Er lob­te wie die ande­ren Red­ner P. Hein­richs uner­müd­li­chen Ein­satz für das Kin­der­hilfs­werk der Kapu­zi­ner, das heu­te dank der muti­gen und weit­sich­ti­gen Ent­schei­dun­gen sei­nes Prä­ses gut gerüs­tet sei für die immer viel­fäl­ti­ger wer­den­den Auf­ga­ben in der Kin­der- und Jugend­hil­fe. Wel­che Her­aus­for­de­run­gen dabei in unse­rer Zeit zu meis­tern sind, ver­deut­lich­te anschlie­ßend der Fest­red­ner, Fran­zis­ka­ner­pa­ter und Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor Udo Schmälz­le. In sei­ner Vor­be­rei­tung habe er mit Erstau­nen fest­ge­stellt, dass die Kapu­zi­ner schon vor über 130 Jah­ren bei der Grün­dung des Sera­phi­schen Lie­bes­werks 1889 die Chan­cen­gleich­heit von Kin­dern in den Mit­tel­punkt ihrer päd­ago­gi­schen Arbeit gerückt hät­ten – ein Pro­blem, das gesamt­ge­sell­schaft­lich bis heu­te nicht gelöst sei: Cha­peau!“

Im Gegen­teil gehe es heu­te mehr denn je dar­um, die Welt von der Ent­so­li­da­ri­sie­rung zu ent­gif­ten“. Hier kön­ne und müs­se die Kir­che ihren Bei­trag leis­ten, nach­dem das Kon­zept der Moder­ne, nach­dem der säku­la­re Mensch allein durch Ver­nunft und Wis­sen alle Pro­ble­me der Erde lösen kön­ne, geschei­tert sei. Schmälz­le zitier­te den Phi­lo­so­phen Jür­gen Haber­mas mit der Aus­sa­ge, die reli­giö­se Erfah­rung sei der Pfahl im Fleisch der Moder­ne. Aller­dings brau­che die Kir­che für ihre Rol­le in der moder­nen Gesell­schaft glaub­wür­di­ge Struk­tu­ren und Han­deln­de, so der Pas­to­ral­theo­lo­ge. Wie kön­ne Kir­che ver­lo­ren gegan­ge­nes Ver­trau­en wie­der­ge­win­nen? Eine Ant­wort liegt für Schmälz­le in der fran­zis­ka­ni­schen Tra­di­ti­on, im fran­zis­ka­ni­schen Genom“. Kon­kret ver­wies er auf die Arbeit vor Ort wie etwa in den Ein­rich­tun­gen des Lie­bes­werks – hier sei jeder Euro weit bes­ser ange­legt als in teu­ren Bera­tungs­fir­men. Für den Fest­red­ner liegt der Schlüs­sel zur Glaub­wür­dig­keit und Zukunft von Kir­che in der Arbeit am Men­schen, gera­de auch mit jun­gen Men­schen. Es gehe dar­um, Men­schen etwas zu- und nicht abzu­spre­chen, nicht bei ihren Defi­zi­ten anzu­fan­gen, son­dern bei dem, was sie mit­brin­gen – und das dann zu ent­wi­ckeln. Kin­dern müss­ten spü­ren: In dir ist Gott lebendig!“ 

Die­ser Ansatz sei zutiefst fran­zis­ka­nisch, eben­so wie demo­kra­ti­sche Struk­tu­ren und ein Wech­sel in lei­ten­den Posi­tio­nen, bemerk­te Pater Schmälz­le mit einem Sei­ten­blick auf Bischofs­kon­fe­renz und Rom. Schon für Franz und Kla­ra von Assi­si sei das Evan­ge­li­um ent­schei­dend gewe­sen, und nicht die Hier­ar­chie: Das soll­ten wir ler­nen und beher­zi­gen.“ Es sei not­wen­dig und frucht­bar, Men­schen und Mit­ar­bei­ter in die Got­tes­be­zie­hung mit hin­ein­zu­neh­men. Denn Gott wol­le nicht klein­ma­chen, son­dern befä­hi­gen. Ich wün­sche mir, dass die­se Got­tes­be­zie­hung uns alle packt – dann habe ich kei­ne Angst, dass wir unse­re Pro­ble­me in Kir­che und Gesell­schaft lösen!“ Welch ermu­ti­gen­des Schlusswort.

Kapu­zi­ner­pro­vin­zi­al Br. Chris­to­pho­rus Goeder­eis war es dann über­las­sen, Pater Hein­rich offi­zi­ell von sei­nem Amt als SLW-Prä­ses zu ent­bin­den, ver­bun­den mit einem gro­ßen Vergelt’s Gott. Der sicht­lich gerühr­te Pater Hein­rich erleb­te, wie ihm die ver­sam­mel­te Fest­ge­mein­de mit Stan­dig Ova­tions Aner­ken­nung für sei­ne über­ra­gen­de Lebens­leis­tung zoll­te. Genug des Lobes“, lau­te­te dann auch des Geehr­ten ers­te Aus­sa­ge in sei­ner Dan­kes­re­plik. Viel habe er bewe­gen kön­nen in den ver­gan­ge­nen 35 Jah­ren, doch nun freue er sich beson­ders, dass die Lei­tung des Sera­phi­schen Lie­bes­werks wie­der­um in die Hän­de eine Mit­bru­ders gelegt wer­den kön­ne, in die von Bru­der Marinus.

Geselligkeit und Besinnung

Gesel­lig­keit und Besin­nung – bei­des gehör­te am Fest­akt für P. Hein­rich Gru­mann dazu. So umrahm­ten Kon­rad Raischl und Band mit Lebens­me­lo­di­en“ einen bun­ten Nach­mit­tag mit Ver­tre­tun­gen der SLW-Ein­rich­tun­gen sowie Kaf­fee und Kuchen. Beim abschlie­ßen­den Got­tes­dienst um 16 Uhr in der Fran­zis­kus­haus­kir­che umschrieb der neue SLW-Prä­ses Bru­der Mari­nus Par­zin­ger den Tag im SLW als einen Tag des Dan­kes, des Abschieds und Neu­be­ginns“ – in der Gewiss­heit: Es geht mit­ein­an­der wei­ter!“ Mit Bezug auf die von ihm aus­ge­wähl­te Stel­le aus dem Mar­kus-Evan­ge­li­um („Las­set die Kin­der zu mir kom­men – denn Men­schen wie ihnen gehört das Reich Got­tes“) for­der­te Br. Mari­nus: So wie Jesus die Kin­der in den Arm neh­me und seg­ne, soll­ten auch wir als Erwach­se­ne unse­re christ­li­che Glau­bens­hal­tung wei­ter­ge­ben. Für ihn sei es ein Glück, mit Kin­dern arbei­ten zu dür­fen, aber auch als eine Her­aus­for­de­rung“. P. Hein­rich habe dies­be­züg­lich in sei­nen 35 Jah­ren als Prä­ses des Sera­phi­schen Lie­bes­werks gro­ße Fuß­spu­ren hin­ter­las­sen. Aber jeder habe sei­ne eige­ne Schuh­grö­ße, so Br. Mari­nus mit einem Augen­zwin­kern. Nach dem durch ihn erteil­ten abschlie­ßen­den Segen hat­te Kapu­zi­ner­pro­vin­zi­al P. Chris­to­pho­rus Goeder­eis dann das letz­te Wort zum Abschluss des Fest­ak­tes: Hein­rich, Vergelt’s Gott, Mari­nus, alles Gute!“

Text+Fotos: Wolf­gang Ter­hörst, Ros­wi­tha Dorfner