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Start der Verwaltungszentren


 

 

Bistum Passau startet mit Verwaltungszentren

Die Reform hat begonnen
18 Verwaltungszentren als Antwort auf immer komplexere Aufgabenstellungen

„Unser Bistum: Glaube lebt. Gemeinsam neu Kirche sein.“ Unter diesem Leitwort steht der pastoral-strukturelle Erneuerungsprozess im Bistum Passau. In einem ersten Schritt werden nun – schneller als zunächst geplant – 18 sogenannte Verwaltungsräume eingerichtet. Damit will man die Verwaltung professionalisieren und für immer komplexere Aufgabenstellungen rüsten. Gleichzeitig sollen so die Pfarrer wieder mehr Zeit für ihre Kernaufgabe bekommen: die Seelsorge.

Der 1.1.2021 ist ein Stichtag. Ab diesem Zeitpunkt läuft eine Übergangsregelung aus und es kommt zu einer deutlichen Verschärfung der Umsatzbesteuerung, die auch die Kirchengemeinden trifft. Damit verbunden ist ein erheblicher Mehraufwand in der Buchhaltung und Verwaltung. Ganz ähnlich schaut es mit der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung aus. Auch hier ein Wust an Neuerungen, die beachtet werden müssen, weil es sonst schnell teuer werden kann. Das sind zwei der Gründe, die dazu geführt haben, dass die Diözese bei der Einrichtung der Verwaltungsräume aufs Tempo drücken musste. Eigentlich waren zunächst drei Modellversuche geplant, um die Erfahrungen dann in die Fläche zu übertragen. „Mit der Umsatzsteuerproblematik im Rücken haben wir schnell gemerkt, dass wir nicht so lange warten können“, erklärt Generalvikar Dr. Klaus Metzl. Bis Sommer 2019 sollen deshalb alle 18 Verwaltungszentren (siehe Karte unten) laufen, so das erklärte Ziel.

Nachdem die Grenzen der 18 Zentren abgesteckt sind, hat die Suche nach Personal begonnen. Fünf Arbeitsplätze sind im Normalfall pro Verwaltungsraum vorgesehen, wobei Kirche und Caritas wieder ein Stück näher zusammenrücken: Verwaltungsleitung, Buchhaltungsfachkraft, Sekretariat sowie von Seiten der Caritas die Regionalleitung Kindertagesstätten plus Assistenz. Sämtliche Aufgaben und Prozesse werden erfasst und beschrieben, um die künftigen Verwaltungsleiter in Traineeprogrammen gezielt schulen zu können. Bis 6. Juni sollen die Hauptaufgaben definiert sein. Heuer im September beginnt bereits die Schulung der ersten sechs Kandidaten, weitere folgen im Januar und April 2019. Mit der genauen Beschreibung der Arbeitsabläufe möchte man zudem die bestmögliche Verzahnung der Verwaltunszentren mit den Fachstellen des Bischöflichen Ordinariats erreichen. Auch die Bau- und Umbauarbeiten haben mancherorts bereits begonnen, wobei den Verantwortlichen auch klar ist, dass man nicht überall 2019 komplett fertig sein wird. Vor allem die benötigte IT-Anbindung bereite oft Probleme. So werden beispielsweise im Verwaltungszentrum Regen die benötigten Büros zunächst in Zwiesel eingerichtet.

Die gesamten Kosten für Bau und Personal trägt die Diözese. Lediglich im Bereich Kindertagesstätten ist eine Umlagefinanzierung über eine Verwaltungspauschale angedacht. Und was Generalvikar Dr. Klaus Metzl auch ganz wichtig ist, um Gerüchten vorzubeugen: „Es wird im Zuge der Reform keine Pfarrei aufgelöst und es gibt keinen Stellenabbau in den Pfarrämtern.“ Das Ziel ist vielmehr die Entlastung der Geistlichen von Verwaltungsaufgaben, damit die sich wieder stärker der Seelsorge, der Verkündigung des Evangeliums, der Feier der Sakramente widmen können. Damit reagiert die Diözese auch auf die Tatsache, dass immer weniger Priester mit immer größer werdenden Seelsorgeeinheiten klarkommen müssen. Dieser Trend wird sich künftig eher noch verstärken.
Doch nicht nur die Geistlichen, auch das Ehrenamt braucht dringend Unterstützung. Vor allem Kirchenpfleger, die sich in einer der 140 Stiftungskindertagesstätten engagieren, seien häufig überlastet. Dies werde sich mit der Umsatzbesteuerung noch verstärken. Hinzu kämen heikle Haftungsfragen, die mit ehrenamtlichem Engagement nicht mehr vereinbar seien.  
Allerdings müssen die jeweiligen Pfarrer und Kirchenverwaltungen selbst darüber entscheiden, ob sie an den Verwaltungszentren teilhaben wollen oder nicht. „Wir wollen keine  funktionierenden Abläufe zerschlagen“, betont der Generalvikar. Und er macht auch deutlich, dass die Verwaltungsreform eigentlich nur ein erster Schritt, quasi die Grundvoraussetzung im Erneuerungsprozess, ist. Mission und Auftrag hat Bischof Dr. Stefan Oster definiert: „Jesus erneuert uns – und die Welt.“ Das Ziel sei eine frohe, einladende und soldiarische Glaubensgemeinschaft, die aus der Eucharistie lebt. Die großen Herausforderungen seien: Gott um seiner selbst willen zu lieben, Jüngerschaft zu leben und den missionarischen Einsatz zu praktizieren. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass sich entlang der Verwaltungszentren in einem organischen Prozess nach und nach auch größere pastorale Räume bilden werden. „In diesen werden neue Formen der Pastoral, des sakramentalen, geistlichen und gemeinschaftlichen Lebens entwickelt“, heißt es in den Leitlinien. Und auch hier wird noch einmal verdeutlicht, dass die Lebensfähigkeit und Selbstständigkeit von Kirchorten gefördert werden soll. „Es gilt der Grundsatz: Eine lebendige Pfarrei bleibt erhalten und sucht nach Wegen der Kooperation in Liturgie, Diakonie und Verkündigung.“
Für den Personalreferenten des Bistums, Domkapitular Josef Ederer, ist ein Ziel der Verwaltungsreform auch, die Erwartungen der Gläubigen noch besser zu erfüllen. Als Beispiel nennt er die Begleitung der Angehörigen nach einem Todesfall. „Es geht darum, dass für ein ganzheitliches Christsein wieder mehr Zeit ist“, sagt Ederer.
Die Wirklichkeit ungeschönt wahrnehmen – auch das ist ein Punkt in den Leitlinien des Bistums. Die Einrichtung der Verwaltungszentren ist eine große Investition und eine erste Antwort auf diese ungeschönte Wahrnehmung. Ein Schritt auf dem Weg der Erneuerung.
          

>>>Wolfgang Krinninger

Generalvikar Dr. Klaus Metzl im Interview zum Thema
"Verwaltungszentren im Bistum Passau im Rahmen des pastoral-strukturellen Erneuerungsprozesses".

Bischof Dr. Stefan Oster SDB hat bereits im letzten Herbst nach vielen vorangehenden Gesprächen in der gesamten Diözese den pastoral-strukturellen Erneuerungsprozess „Unser Bistum – Glaube lebt. Gemeinsam neu Kirche sein“ angestoßen. Er wünscht sich, dass die Kirche vor Ort erfahrbar ist und auch in Zukunft bleibt. Dazu braucht es zentrale Orte mit Liturgie, Willkommenskultur und Service. Eine Voraussetzung dafür werden die sogenannten Verwaltungszentren sein, die nun auf den Weg gebracht werden.

Start für diese Verwaltungszentren ist im Herbst. Und wie das Ganze konkret aussehen wird, das erklärt Generalvikar Dr. Klaus Metzl in folgendem Interview:

 

 

Hier die Karte mit den geplanten Verwaltungszentren:

Kirchenverwaltungswahlen 2018 – Bistum Passau entlastet Ehrenamtliche auf breiter Basis

Die Kirchenverwaltungswahlen am 18. November 2018 stehen ganz im Zeichen des pastoral-strukturellen Prozesses „Unser Bistum: Glaube lebt – gemeinsam neu Kirche sein“. Diese Woche fand hierzu eine von insgesamt vier Informationsveranstaltungen statt, die in der Diözese abgehalten werden, um die Mitglieder der Kirchenverwaltungen über künftige Änderungen und vor allem Entlastungen zu informieren. Denn vor den Wahlen im Herbst soll bei allen Ehrenamtlichen, die sich bei der Wahl aufstellen lassen, spürbar werden: „Die Diözese entlastet uns vor immer komplexeren Verwaltungsaufgaben!“. Bei der ersten Veranstaltung in St. Valentin in Passau waren über 120 Frauen und Männer deshalb sehr interessiert, was sich im Bistum tut - vor allem in der Verwaltung. Wie mehrfach berichtet, werden in der Diözese Passau 18 Verwaltungszentren eingerichtet die sich gebietsmäßig an den früheren Dekanaten orientieren und für eine deutliche bürokratische Entlastung in den Kirchenorten sorgen sollen.

Den Auftakt bei der Infoveranstaltung machte Generalvikar Dr. Klaus Metzl, indem er die Eckpunkte der Veranstaltung absteckte und das Ziel des pastoral-strukturellen Erneuerungsprozess erklärte: „Es geht um die zeitliche und inhaltliche Entlastung in den Pfarreien, damit die lebendigen Kirchenorte in ihrer Vielzahl erhalten bleiben und wir die Jüngerschaft Jesu mit missionarischem Einsatz fortführen können“, so Metzl. Domkapitular Josef Ederer verwies in seiner Funktion als Leiter des Personalreferats auf die aktuellen Behördenauflagen in Zusammenhang mit den neuen Buchhaltungsmaßstäben und Datenschutzrichtlinien. Darüber hinaus stellte er das Berufsprofil der künftigen Verwaltungsleiter vor. Diese sollen zum einen eine fundierte fachliche Qualifikation mitbringen und zum anderen eine hohe soziale Kompetenz besitzen. Gute Verwaltung lebe von Menschen, die harmonisch miteinander kommunizieren und das sei Grundvoraussetzung dafür, dass zwischen den Pfarreien und den 18 Verwaltungszentren eine effektive und serviceorientierte Kooperation möglich wird. Die Kanzlerin und Justiziarin des Bistums Passau, Antonia Murr, verdeutlichte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Infoveranstaltung die juristischen Grundlagen der künftigen Verwaltungsstruktur sowie die vertragliche Basis der sogenannten kirchlichen Zweckvereinbarungen, in welchen bestimmte Aufgaben von der jeweiligen Kirchenstiftung auf die Verwaltungsleiter der Diözese Passau übertragen werden. Murr hob den freiwilligen Charakter der Kooperation hervor: „Es handelt sich hier um ein Angebot, mit dem wir nicht nur die Priester, sondern die vielen Ehrenamtlichen vor Ort entlasten wollen.“ Das solle ein freiwilliger und kostenloser Mehrwert sein, denn die an die Verwaltungszentren übertragenen Dienstleistungen wie Personalführung, Grundstücksverwaltung, Baumaßnahmen etc. „werde den Pfarrverbänden selbstverständlich nicht in Rechnung gestellt.“ Damit konnten die Bedenken einiger Teilnehmerinnen und Teilnehmer schnell zerstreut werden, dass die Kosten durch hochqualifizierte Verwaltungsleiterinnen und –leiter in irgendeiner Form an die Pfarreien weitergegeben würden. „Diese Verwaltungsreform ist notwendig“, so der Generalvikar und stellte klar, dass die dafür notwendigen Personalkosten auch die Diözese trägt. Der stellvertretende Finanzdirektor Thomas Mader betonte, dass es ab Januar 2021 zu einer deutlichen Verschärfung der Umsatzbesteuerung kommt, die alle Kirchengemeinden trifft und dass damit ein erheblicher Mehraufwand in Buchhaltung und Verwaltung verbunden sei. Bis zum Jahr 2021 werden alle Kirchenstiftungen ihre Umsatzsteuermeldungen über die neu geschaffenen Buchungszentren abgewickelt. „Wir machen das alles, um Sie zu unterstützen und Sie vor den Gefahren der immer komplizierter werdenden Gesetzgebung zu schützen“, betonte der Generalvikar.
Am Ende der Veranstaltung war bei den Ehrenamtlichen Zustimmung zur Reform, aber auch Erleichterung spürbar. „Ich bin schon lange auf der Suche nach einem Nachfolger in der Kirchenverwaltung“, sagte ein Teilnehmer. Ein anderer fügte hinzu, dass es mit diesen Entlastungen für viele Gläubige wieder leichter werde, die Verantwortung für ein solches Ehrenamt zu übernehmen.