Bistum

Das Prinzip Hoffnung

Redaktion am 09.03.2024

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Gruppenbild mit den Mitgliedern des Geschäftsführenden Vorstands des Diözesanrats (v.l.): Dr. Peter Seidl, Geschäftsführer Michael Bruns, Angelika Görmiller, Prof. Dr. Thomas Söding, Diözesanratsvorsitzender Markus Biber und der bischöfliche Beauftragte Domdekan Dr. Hans Bauernfeind.

„Gerufen und gefordert. Kirche in Europa und der Welt“ – unter diesem Leitwort diskutierte der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Passau mit hochkarätigen Gästen in der Landvolkshochschule Niederalteich. Der Theologe und ZdK-Vizepräsident Thomas Söding und der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, gaben am zweiten Tag der Vollversammlung wertvolle Impulse.

Pas­sau. Was muss pas­sie­ren, damit die Kir­che nicht wei­ter an Ver­trau­en ver­liert, son­dern damit das, was sie hat, erleb­bar wird und die Men­schen inter­es­siert? Teil­ha­be, ver­än­der­te Ent­schei­dungs­pro­zes­se, Ver­wur­ze­lung vor Ort und das Über­win­den inner­kirch­li­cher Rei­bungs­pro­zes­se nann­te Diö­ze­san­rats­vor­sit­zen­der Mar­kus Biber als Ant­wor­ten nach einem span­nen­den Stu­di­en­tag mit DBK-Spre­cher Mat­thi­as Kopp und ZdK-Vize­prä­si­dent Tho­mas Söding. 

Mat­thi­as Kopp war als Spre­cher der deut­schen Sprach­grup­pe, Tho­mas Söding als theo­lo­gi­scher Exper­te bei der Welt­bi­schofs­syn­ode in Rom dabei. Bei­de haben zudem den Syn­oda­len Weg in Deutsch­land von Anfang an mit­ge­stal­tet. Ent­spre­chend inter­es­sant konn­ten sie über die­se Wei­chen­stel­lun­gen in der katho­li­schen Kir­che berichten. 

Für bei­de steht fest, dass der Weg, den die Kir­che ein­ge­schla­gen hat, unum­kehr­bar ist. Kopp, per Zoom live zuge­schal­tet, erin­ner­te an die gro­ßen, run­den, nicht hier­ar­chisch besetz­ten Tische bei der Welt­bi­schofs­syn­ode, die Momen­te des Schwei­gens zwi­schen den Wort­bei­trä­gen, die Teil­nah­me vie­ler Frau­en, den star­ken Tief­gang bei theo­lo­gi­schen The­men. Dahin­ter kom­men wir nicht mehr zurück“, ließ er kei­nen Zwei­fel. Das Abschluss­pa­pier sei ein star­kes Doku­ment“, das eine hoff­nungs­vol­le Per­spek­ti­ve eröff­ne und Mut mache. Er hof­fe, dass der Papst die Kraft habe, die­se star­ken Impul­se beim Abschluss der Syn­ode im Okto­ber 2024 auf­recht­zu­er­hal­ten. Auf Fort­schrit­te hof­fe er etwa bei neu­en For­men der Seel­sor­ge, der Ver­kün­di­gung und Lai­en­be­tei­li­gung und der Frau­en­fra­ge. Die­se vier Wochen in Rom waren für mich ein per­sön­li­ches und geist­li­ches High­light“, bekann­te Kopp. Und das will etwas hei­ßen, nach­dem er die Ewi­ge Stadt in und aus­wen­dig kennt und als lang­jäh­ri­ger DBK-Spre­cher viel erlebt hat. 

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Zwei Schrit­te vor, einer zurück“ – unter die­ses Leit­wort stell­te Tho­mas Söding sei­nen Vor­trag in Nie­der­al­t­eich. Er sieht in den Reform­be­mü­hun­gen in Deutsch­land und bei der Welt­kir­che den stärks­ten Auf­bruch seit dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil“. Er mach­te auch deut­lich, dass der Syn­oda­le Weg in Deutsch­land nicht nur kri­ti­siert wer­de. Wir bekom­men unglaub­lich viel Zustim­mung aus der katho­li­schen Welt. Was in Deutsch­land pas­siert, hat Wirk­sam­keit weit über die Gren­zen hinaus.“

In sei­nem Vor­trag zeig­te er Gemein­sam­kei­ten und Unter­schie­de, Ver­lauf und Wir­kung des deut­schen und römi­schen Wegs auf. Zen­tra­le Fra­gen sei­en: Wie kann Kle­ri­ka­lis­mus über­wun­den wer­den, ohne das Bischofs­amt zu beschä­di­gen? Wie kön­nen die Rech­te von Frau­en gestärkt wer­den, ohne dass die sakra­men­ta­le Grund­struk­tur infra­ge gestellt wird? Wie bleibt die katho­li­sche Kir­che zusam­men, wenn sie in wich­ti­gen indi­vi­du­al­ethi­schen Fra­gen uneins ist? Ver­bun­den sei­en all die­se Fra­gen und Pro­zes­se durch die Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums und die Syn­oda­li­tät, die er als Meta­the­ma bezeich­ne­te. Inter­es­san­te Unter­schie­de, die Söding aus­ge­macht hat: Das Dis­kus­si­ons­spek­trum in Deutsch­land sei offe­ner, der Erfah­rungs­raum in Rom sei wei­ter. Der bes­se­re Aus­tausch tut not. Deutsch­land muss neue The­men erschlie­ßen, Rom Ent­schei­dun­gen tref­fen“, fass­te der Pro­fes­sor der Ruhr-Uni­ver­si­tät Bochum zusam­men. Er sei ange­spannt, aber opti­mis­tisch, dass der deut­sche Weg auch in Rom ver­stan­den wird.

Für Deutsch­land wünscht Söding sich weni­ger Gre­mi­en, die dann aber mehr zu sagen haben“. Mit grö­ße­ren Rech­ten stei­ge dann deren Attrak­ti­vi­tät. Für den römi­schen Weg erhofft er sich, dass Syn­oda­li­tät als Prin­zip gestärkt wird. Mit der For­de­rung nach mehr Par­ti­zi­pa­ti­on, der Öff­nung des Zöli­bats und der För­de­rung der Gleich­be­rech­ti­gung habe es beim ers­ten Teil der Welt­bi­schofs­syn­ode eine Fül­le von Impul­sen gege­ben, die eigent­lich den deut­schen Weg stärk­ten. Jetzt sei es wich­tig, am Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­blem zwi­schen den Betei­lig­ten dies- und jen­seits der Alpen zu arbei­ten. Wir müs­sen im Gespräch blei­ben mit Rom und zei­gen, dass das, was wir in Deutsch­land vor­ha­ben, der katho­li­schen Kir­che hilft“, sag­te Söding. Evan­ge­li­sie­rung ste­he kei­nes­falls im Wider­spruch zur Lösung von Struk­tur­pro­ble­men, son­dern es gebe einen inne­ren Zusammenhang.

Dass die Kir­che mit dem Rücken zur Wand steht, mach­te am Ende der Tagung Mat­thi­as Kopp deut­lich: Der jet­zi­ge Pro­zess sei ent­schei­dend, weil er ver­bind­lich sei. Aus die­sem Grund erhof­fe er sich kon­kre­te Ergeb­nis­se, da sonst der Mas­sen­ex­odus aus der katho­li­schen Kir­che unauf­halt­sam fort­schrei­ten wer­de. Er habe in sei­ner Zeit als Archäo­lo­ge vie­le Mosai­ke frei­ge­legt. Der Syn­oda­le Weg sei ein gro­ßes Mosa­ik, ver­deut­lich­te Kopp. Auch wenn es manch­mal frus­trie­rend sei, wer­den wir die­ses Mosa­ik Stück für Stück wei­ter legen“. Dazu brau­che es einen lan­gen Atem und vie­le klei­ne Schritte. 

Dem schloss sich ein sicht­lich zufrie­de­ner Diö­ze­san­rats­vor­sit­zen­der Mar­kus Biber in sei­nem Schluss­wort an: Die­se bei­den Tage haben Hoff­nung gemacht und mög­li­che wei­te­re Schrit­te aufgezeigt.“

Text+Fotos: Wolf­gang Krinninger

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