Soziales

Pflegende sind "kostbare, funkelnde Edelsteine"

Wolfgang-Christian Bayer am 22.06.2019

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Tag für Tag leisten sie Großartiges und tragen ganz wesentlich zum Funktionieren unserer Gesellschaft bei. Dabei gehen sie oft an ihre Grenzen und weit darüber hinaus, stellen eigene Bedürfnisse hinten an.

Doch die Aner­ken­nung für den viel­fäl­ti­gen Ein­satz von Pfle­ge­kräf­ten und Men­schen, die sich zu Hau­se um die Pfle­ge von Ange­hö­ri­gen küm­mern, kommt meist zu kurz. Einen Gegen­ak­zent dazu woll­ten Pas­saus Bischof Dr. Ste­fan Oster SDB und das Refe­rat Sozi­al- und Pfle­ge­be­ru­fe im Bis­tum Pas­sau setzen. 

Im Rah­men der Maria-Hilf-Woche 2019 wur­de erst­mals ein Tag für Pfle­gen­de“ ver­an­stal­tet – ein Tag, zum Dan­ke sagen, zur Wür­di­gung des Enga­ge­ments und ein Tag, der eine Kraft­quel­le für die Teil­neh­men­den sein soll­te. Rund 300 Frau­en und Män­ner waren der Ein­la­dung gefolgt. Unter ihnen waren zahl­rei­che Men­schen, die zu Hau­se die Pfle­ge ermög­li­chen, aber auch Pfle­ge­kräf­te und Ver­ant­wort­li­che der Sozi­al­sta­tio­nen, Kran­ken­häu­ser, Hei­me, Hos­pi­ze, Betreu­ungs­ein­rich­tun­gen und Besuchs­diens­te im gesam­ten Bis­tums­ge­biet sowie Leh­ren­de und Ler­nen­de der Berufs­fach­schu­len für Alten- und Kran­ken­pfle­ge und auch vie­le, die mit ihrem gesell­schaft­li­chen oder poli­ti­schen Enga­ge­ment dafür sor­gen, dass hilfs­be­dürf­ti­gen Men­schen gehol­fen wird, führ­te Dom­ka­pi­tu­lar Ger­hard Auer zu Beginn des Got­tes­diens­tes im Pas­sau­er Dom aus.

Pfle­ge ist ein Dienst, den wir unse­rer eige­nen Mensch­lich­keit und unse­rem Nächs­ten schul­den. Gott selbst ist das Vor­bild zuge­wand­ter, die­nen­der und selbst­lo­ser Lie­be“, so Auer zur Ein­stim­mung. Es ist uns ein gro­ßes Anlie­gen, Men­schen, die für ande­re einen Dienst tun, der oft her­aus­for­dernd ist und oft nicht gese­hen wird, in den Mit­tel­punkt zu stel­len und ihnen zu zei­gen, wie wich­tig sie uns sind“, führ­te Bischof Oster aus. Was die Pfle­gen­den leis­ten, nann­te er ein groß­ar­ti­ges Zei­chen der Mensch­lich­keit“. In sei­ner Pre­digt bezeich­ne­te er Pfle­gen­de als kost­ba­re, fun­keln­de Edelsteine“


Das gesell­schaft­li­che Kli­ma wer­de immer rau­er, vie­le wür­den nach dem Mot­to zuerst ich“ den­ken und han­deln. Nicht so die Pfle­gen­den. Sie sind bei­spiel­haft für uns alle“, stell­te Oster her­aus. Er wün­sche sich, dass von der Poli­tik mehr gese­hen und belohnt wer­de, was Pfle­gen­de leis­ten, und ihr groß­ar­ti­ger Dienst von der Gesell­schaft ins­ge­samt mehr aner­kannt wer­de. Am Ende des stim­mungs­vol­len Got­tes­diens­tes, der musi­ka­lisch von den Diö­ze­san­blech­blä­sern beglei­tet wur­de, bete­ten alle gemein­sam das neue Gebet für Men­schen, die ande­re pfle­gen, dass der Bischof extra für die­sen Tag und dar­über hin­aus ver­fasst hat.

Anschlie­ßend wur­de der Dan­ke­schön­tag“ im Fest­zelt fort­ge­setzt. Bei einem Mit­tag­essen und Kaf­fee und Kuchen gab es die Mög­lich­kei­ten, sich zu stär­ken, ein paar Stun­den mit Gleich­ge­sinn­ten“ zu ver­brin­gen und sich inten­siv aus­zu­tau­schen. Das Wich­tigs­te, was die Teil­neh­mer mit­neh­men soll­ten, ist das Wis­sen, dass sie vie­le sind, dass sie nicht allei­ne sind. Denn sowohl in der pro­fes­sio­nel­len Pfle­ge als auch daheim kommt man sich manch­mal so ein­sam und ver­las­sen vor.

Aber heu­te sieht man, dass es nicht so ist“, so Andre­as Kin­der­mann-Gei­n­e­­der vom Refe­rat Sozi­al- und Pfle­ge­be­ru­fe. Die Gemein­schaft und die gesel­li­gen Stun­den, die auch ermög­lich­ten, ein­mal alle Sor­gen kurz zu ver­ges­sen, taten den Teil­neh­mern sicht­bar gut. Es herrsch­te eine aus­ge­las­se­ne, dank­ba­re Stim­mung. Die­ser Tag ist ein­fach herr­lich und ganz wich­tig für uns. Das Dan­ke‘ kann sich jeder leis­ten, doch es wird zu sel­ten gesagt“, stell­te bei­spiels­wei­se Irm­gard Göblmei­er fest, Lei­te­rin der Fach­stel­le für pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge beim Kreis-Cari­tas­ver­band Rot­tal-Inn. Sie nahm gemein­sam mit ihren Kol­le­gin­nen am Tag für Pfle­gen­de“ teil.

Für mich per­sön­lich ist die­ser Tag sehr wich­tig. Die Pfle­gen­den brau­chen Unter­stüt­zung und Kraft“, so Teil­neh­me­rin Fran­zis­ka Lin­din­ger aus Unterigl­bach bei Orten­burg. Was die Pfle­gen­den voll­brin­gen, wird viel zu wenig wert­ge­schätzt – nicht nur finan­zi­ell, son­dern auch, was die Aner­ken­nung betrifft“, sag­te Chris­ti­an Schön­bau­er, der als Betreu­ungs­as­sis­tent in einem Senio­ren­heim beschäf­tigt ist. Er selbst sei mit sei­ner Situa­ti­on zwar sehr zufrie­den, so ein Dan­ke­schön­tag“ tue aber ein­fach der See­le sehr gut. Zum Abschluss des ers­ten Tags für Pfle­gen­de“ im Bis­tum Pas­sau waren die Teil­neh­mer erneut in den Dom ein­ge­la­den. Dort gab Dom­or­ga­nist Lud­wig Ruck­de­schel eigens für sie ein Orgel­kon­zert mit Wer­ken von Johann Sebas­ti­an Bach, Craig Sel­lar Lang und Charles-Marie Widor.

Text und Bil­der: pbp

Hier der Bericht auf unserRadio zum "Tag für Pflegende".