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Weltkirche

WELTWÄRTS-Freiwilligendienst im Coronajahr

Stefanie Hintermayr am 08.10.2020

201002 Interview Weltwaerts im Coronajahr foto4 Laura Moritz info-icon-20px Foto: Laura Moritz
V.l.n.r.: Alexandra, Laura, Jonathan und Samuel mit Kindern (vor Corona)

Die beiden Jugendlichen Laura Moritz und Jonathan Nicklas vom 8. August 2019 bis 4. April 2020 acht Monate lang WELTWÄRTS in Peru im Einsatz. In der zweitgrößten Stadt Arequipa haben sie sich in diversen Projekten für Schulen und Kinderheime engagiert. Coronabedingt mussten sie verfrüht abbrechen. Im Interview erzählen sie von ihrem Freiwilligendienst im Ausnahmejahr 2020.

Ein normaler Start

Lau­ra Moritz, Jahr­gang 1998, aus­ge­bil­de­te Erzie­he­rin aus der Pfar­rei St. Peter in Pas­sau-Auer­bach, hat sich für Peru ent­schei­den. Eben­so Jona­than Nick­las, Jahr­gang 2001, Abitu­ri­ent aus der Pfar­rei Sin­zing im Land­kreis Regens­burg. Ein knap­pes Jahr lang woll­ten sie Frei­wil­li­gen­dienst in der zweit­größ­ten Stadt Perus, Are­qui­pa leis­ten. Dazwi­schen kam: Coro­na. Was am 8. August 2019 ganz nor­mal” gestar­tet war, hat sich schließ­lich im März 2020 kom­plett gedreht. Alles war plötz­lich anders; der Lock-Down hat­te auch Are­qui­pa fest im Griff. Von einem Tag auf den ande­ren war Mili­tär auf den Stra­ßen. Es wur­de alles sehr ernst genom­men, klei­ne Geschäf­te und Märk­te geschlos­sen. Es war eine rich­ti­ge Aus­nah­me­si­tua­ti­on”, erzählt Lau­ra, die für die Orga­ni­sa­ti­on CIR­CA-MAS im Ein­satz war. An ver­schie­de­nen Schu­len, v.a. in den ärme­ren Stadt­vier­teln, gab sie Eng­lisch­un­ter­richt und betreu­te außer­dem Kin­der in Kin­der­hei­men, wie auch Jonathan.

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Die Kehrtwende: Corona

Sor­gen um ihre Gesund­heit haben sich Lau­ra und Jona­than nie gemacht, trotz der feh­len­den gewohn­ten Hygie­ne­stan­dards. Wir waren über WELT­WÄRTS sehr gut ver­si­chert und wären ver­mut­lich in eine Kli­nik mit euro­päi­schen Stan­dards gekom­men”, meint die 22-Jäh­ri­ge. Die bei­den ver­spür­ten eher Wut und Trau­rig­keit über den bevor­ste­hen­den Abbruch ihres Frei­wil­li­gen­diens­tes. Pro­jek­te muss­ten sie eben­so unvoll­endet zurück­las­sen wie auch die vie­len lieb­ge­won­ne­nen Men­schen, von denen sie sich nicht ein­mal rich­tig ver­ab­schie­den konn­ten. Beson­ders schlimm sei die Zeit der Qua­ran­tä­ne gewe­sen, in der sie nur abwar­ten und bis zur Rück­ho­lung nichts machen konn­ten, erzählt Jona­than. Aber die Rück­hol­ak­ti­on habe ich als sehr posi­tiv emp­fun­den. Ich fühl­te mich immer gut infor­miert”, meint Lau­ra. Sie hät­ten sich immer bes­tens betreut gefühlt von Chris­ti­ne Kram­mer, der WELT­WÄRTS-Ver­ant­wort­li­chen im Bis­tum Pas­sau. Sie hat­te zum Coro­na-Lock­down im März von einem Tag auf den ande­ren alle Hän­de voll zu tun. Wir beka­men vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (BMZ) sehr plötz­lich die Anwei­sung, unse­re WELT­WÄRTS-Frei­wil­li­gen zurück­zu­ho­len”, berich­tet sie. Die Flug­hä­fen in Süd­ame­ri­ka wur­den über Nacht gesperrt. Es gab kein Ent­kom­men mehr. Und ich hat­te kei­ne Mög­lich­keit mehr, die Rück­ho­lung zu orga­ni­sie­ren, weil es kei­ne Flü­ge mehr gab. Es war eine kri­ti­sche, auf­re­gen­de, ange­spann­te Situa­ti­on für alle Betei­lig­ten”, schil­dert Chris­ti­ne Kram­mer. Tag und Nacht sei sie im Ein­satz gewe­sen und emo­tio­nal sehr ange­spannt. Als ich dann nach lan­gem Hin und Her das OK bekam, dass mei­ne Jugend­li­chen aus­flie­gen konn­ten, war das eine rie­si­ge Erleich­te­rung”, freut sich Chris­ti­ne Kram­mer noch jetzt. Erleich­tert über die geglück­te Rück­hol­ak­ti­on und wie­der wohl­be­hal­ten Zuhau­se zurück, hat Jona­than aber erst ein­mal einen regel­rech­ten Kul­tur­schock erlebt. Beson­ders schlimm sei­en die ers­ten Tage und Wochen nach sei­ner Ankunft gewe­sen. Da ging für ihn das Coro­na­the­ma” erst rich­tig los. Jetzt wur­de ihm bewusst, was Coro­na in Peru im Gegen­satz zu sei­nem Hei­mat­land Deutsch­land bedeu­tet. In Peru bedeu­tet das, dass man wirk­lich Angst hat, sei­ne Fami­lie nicht mehr durch­zu­brin­gen und in Hun­gers­not zu gera­ten”, erzählt er. Scha­de, dass wir nicht zur nächs­ten Par­ty gehen kön­nen wegen Coro­na”, sei im Gegen­satz dazu der Kom­men­tar sei­ner Freun­de Zuhau­se gewesen.

201002 Interview Weltwaerts im Coronajahr foto1 Laura Moritz
Jonathan Nickls (im Bild li.) und Laura Moritz (2.v.l.) am 1. Schultag als Lehrer
201002 Interview Weltwaerts im Coronajahr foto2 Laura Moritz
Laura (mit Alexandra) im Kinderheim Santa Rosa
201002 Interview Weltwaerts im Coronajahr foto3 Laura Moritz
Formaión (Morgenappell) in der Schule in Sor Anna
201002 Interview Weltwaerts im Coronajahr foto4 Laura Moritz
V.l.n.r.: Alexandra, Laura, Jonathan und Samuel mit Kindern (vor Corona)
201002 Interview Weltwaerts im Coronajahr foto5 Laura Moritz
Die Freiwilligendienstler mit den Kindern im Kino
201002 Interview Weltwaerts im Coronajahr foto6 Laura Moritz
Laura mit ihrer 6. Schulklasse
201002 Interview Weltwaerts im Coronajahr foto7 Laura Moritz
"Actionfoto" mit Laura, Samuel, Jonathan und Alexandra mit den Heimkindern
201002 Interview Weltwaerts im Coronajahr foto8 Laura Moritz
Laura (2.v.l.) und Jonathan (3.v.l.) zusammen mit Heimkindern

Die Zukunft

Zur Fra­ge nach ihrer Zukunft meint Lau­ra, sie wol­le sich auch wei­ter­hin ent­wick­lungs­po­li­tisch enga­gie­ren. Wir wer­den defi­ni­tiv Kon­takt hal­ten mit der Orga­ni­sa­ti­on CIR­CA-MAS”, betont Lau­ra. Sobald es wie­der mög­lich ist, wol­len wir die Men­schen und Kin­der in den Schu­len und Kin­der­hei­men wie­der besu­chen und unse­re unfer­ti­gen Pro­jek­te been­den.” Danach ver­spür­ten sie einen regel­re­chen Hun­ger, meint Jona­than. In den Pro­jek­ten steckt sehr viel Poten­ti­al. Das wür­den wir ger­ne noch aus­schöp­fen.” Was aber an obers­ter Stel­le steht, sind die Men­schen. Ich habe vie­le Freun­de in Peru, mit denen ich den Kon­takt auf­recht­erhal­ten will. Ich habe auch vor, wie­der dort­hin zu flie­gen.” Sobald es wie­der mög­lich ist und sie es ein­rich­ten kön­nen wer­den die bei­den das mit Sicher­heit tun. Peru ist für Lau­ra und Jona­than noch lan­ge nicht abgeschlossen.

WELTWÄRTS: Zukunft ungewiss

Coro­na hat auch lang­fris­ti­ge und weit­rei­chen­de Fol­gen für das WELT­WÄRTS-Frei­wil­li­gen-Pro­gramm. Der Jahr­gang von Lau­ra und Jona­than 2019 wird der vor­erst letz­te für Jugend­li­che im Bis­tum Pas­sau gewe­sen sein, bestä­tigt Chris­ti­ne Kram­mer. Der Ent­sen­de­jahr­gang 2020 wur­de auf­grund der Coro­na­pan­de­mie gecan­celt. Es gibt kei­ne Ein­satz­or­te für mei­ne Frei­wil­li­gen in den Län­dern des glo­ba­len Südens. Das Risi­ko ist schlicht­weg zu groß. Und für nächs­tes Jahr 2021 ist es auch noch immer unge­wiss. Über­haupt ist eine Ent­sen­dung zu unsi­cher, bevor ein Impf­stoff gefun­den wird.”

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