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Bistum

Erste Synodalversammlung in Frankfurt beendet

Armin Berger am 03.02.2020

IMG 1357 web Synodalerweg malzkorn info-icon-20px © Synodaler Weg/Malzkorn

Mit einem Appell, Kirche lebendig zu gestalten, ist am Samstag (1. Februar 2020) in Frankfurt am Main die erste Synodalversammlung des Synodalen Weges in Deutschland zu Ende gegangen. Bischof Stefan Oster berichtet im Interview über seine Eindrücke.

Seit Don­ners­tag hat­ten sich rund 230 Mit­glie­der der Syn­odal­ver­samm­lung und 20 Beob­ach­ter aus dem benach­bar­ten Aus­land und der Öku­me­ne ver­sam­melt, um den von der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz und dem Zen­tral­ko­mi­tee der deut­schen Katho­li­ken (ZdK) aus­ge­rich­te­ten Syn­oda­len Weg inhalt­lich zu gestal­ten. Neben einer theo­lo­gi­schen Grund­le­gung über den Begriff Syn­oda­li­tät“ und der Ver­ab­schie­dung der Geschäfts­ord­nung stand die inhalt­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit den vier The­men für die Syn­odal­fo­ren im Vor­der­grund der Bera­tun­gen. Die­se umfas­sen die Berei­che Macht und Gewal­ten­tei­lung in der Kir­che – Gemein­sa­me Teil­nah­me und Teil­ha­be am Sen­dungs­auf­trag“, Pries­ter­li­che Exis­tenz heu­te“, Frau­en in Diens­ten und Ämtern in der Kir­che“ und Leben in gelin­gen­den Bezie­hun­gen – Lie­be leben in Sexua­li­tät und Partnerschaft“.

IMG 1689 web Synodalerweg malzkorn info-icon-20px © Synodaler Weg/Malzkorn
Eröffnung am 30.01.2020 im St. Bartholomäusdom in Frankfurt am Main: Moderatorin Prof. Dr. Claudia Nothelle mit den Zeugnisgebern Pfarrer Christian Kobert, Michaela Labudda, Bischof Stefan Oster SDB, Michaela Brönner, Sr. Philippa Rath OSB und Christian Gärtner (v.l.). © Synodaler Weg/Malzkorn

Der Vor­sit­zen­de der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz, Kar­di­nal Rein­hard Marx, zog eine posi­ti­ve Bilanz der ers­ten Syn­odal­ver­samm­lung. Das Expe­ri­ment ist im ers­ten Akt gelun­gen. Spür­bar war ein neu­es Mit­ein­an­der, das sich in der Form der Got­tes­diens­te, im gegen­sei­ti­gen Zuhö­ren bis hin zur Sitz­ord­nung gezeigt hat. Die Ver­samm­lung war ein groß­ar­ti­ger Quer­schnitt der Kir­che in unse­rem Land. Wir sind dank­bar für die Offen­heit und Ehr­lich­keit und den guten Umgangs­ton von Anfang bis zum Ende“, so Kar­di­nal Marx. In Frank­furt habe man gespürt, dass sich die Kir­che – trotz aller Kri­sen – im Auf­bruch befin­de. Es ist ein Suchen, Rin­gen und Posi­tio­nie­ren, aber es ist gelun­gen, Bar­rie­ren, die uns blo­ckie­ren, abzu­bau­en. Der Syn­oda­le Weg ist ein Pro­zess, Neu­es zu wagen, er ist ein geist­li­ches Expe­ri­ment“, so Kar­di­nal Marx. Die­ses Expe­ri­ment ist davon geprägt, dass wir kei­ne Mau­ern um uns her­um auf­bau­en, dass es kei­ne Tabus in der Debat­te gibt, son­dern alles geprägt sein muss von der Fra­ge, wie wir als Kir­che glaub­wür­di­ger wer­den.“ Kar­di­nal Marx kün­dig­te an, über die ers­te Syn­odal­ver­samm­lung in Kür­ze auch Papst Fran­zis­kus zu informieren.

Der Prä­si­dent des ZdK, Prof. Dr. Tho­mas Stern­berg, beton­te in einer abschlie­ßen­den Pres­se­kon­fe­renz, dass die ers­ten Schrit­te gemacht sei­en: In bun­ter Mischung tag­te die Syn­odal­ver­samm­lung. Es hat sich gezeigt, dass sich auch in der Sitz­fol­ge der Geist aus­drü­cken kann und durch erstaun­li­che und über­ra­schen­de Nach­bar­schaf­ten, die zum Ken­nen­ler­nen füh­ren, frucht­bar wird.“ Längst sei­en die The­men des Syn­oda­len Weges, die ihren Aus­gang in der MHG-Stu­die („Sexu­el­ler Miss­brauch an Min­der­jäh­ri­gen durch katho­li­sche Pries­ter, Dia­ko­ne und männ­li­che Ordens­an­ge­hö­ri­ge im Bereich der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz“) haben, über die­sen kon­kre­ten Anlass hin­aus grund­sätz­li­cher gewor­den. Vie­le Reform­the­men wur­den in den vier Foren­be­rei­chen deut­lich ange­spro­chen. In kla­rer Spra­che eröff­ne­te sich ein Kalei­do­skop von Stand­punk­ten, Mei­nun­gen und Erfah­run­gen“, so Prof. Stern­berg. Unter der auf­merk­sa­men Beglei­tung der Glau­bens­ge­schwis­ter aus den euro­päi­schen Nach­bar­län­dern und aus den ande­ren christ­li­chen Kir­chen ist deut­lich gewor­den, dass eine gro­ße Mehr­heit der Ver­sam­mel­ten Refor­men und Ver­än­de­run­gen will, um als Kir­che Ver­trau­en zurück­zu­ge­win­nen und glaub­wür­dig Zeug­nis von dem geben zu kön­nen, wor­aus sie leben will.“ Die Syn­odal­ver­samm­lung habe gezeigt, dass auch ein Dis­kus­si­ons- und Ent­schei­dungs­pro­zess ein geist­li­cher Weg sein kön­ne. Die ver­gan­ge­nen Tage geben uns Zuver­sicht. Der Weg ent­steht beim Gehen, die ers­te Stre­cke ist gelau­fen“, so Tho­mas Sternberg.

Text: DBK / Syn­oda­ler Weg

Fragen an Bischof Dr. Stefan Oster SDB nach dem Abschluss der ersten Synodalversammlung:

Wie haben Sie die ers­te Syn­odal­ver­samm­lung erlebt?

Ambi­va­lent. Auf der einen Sei­te emp­fin­de ich es als gute Erfah­rung, wenn wir wirk­lich in ein ech­tes Gespräch kom­men. Und ich unter­stel­le den aller­meis­ten auch, dass sie das wol­len. Und ich hat­te mit vie­len Men­schen gute Begeg­nun­gen. Auf der ande­ren Sei­te geht es in den Gesprächs­fo­ren um die gro­ßen Reiz­the­men. Und die sind einer­seits emo­tio­nal sehr auf­ge­la­den, ande­rer­seits will eine gro­ße Mehr­heit Ände­run­gen bei die­sen The­men. Und bei­de Fak­to­ren machen ein sach­li­ches Gespräch tat­säch­lich schwie­rig — zumal unter per­ma­nen­ter media­ler Beob­ach­tung. Damit wird dann gefühlt schnell klar, wer ver­meint­lich rich­tig und wer falsch liegt. 

Sie sind dem Forum Sexu­al­mo­ral“ zuge­teilt. Was ist Ihnen wich­tig, in die­ses Forum einzubringen?

Ich habe grund­sätz­lich sehr gro­ßes Ver­trau­en in die Leh­re der Kir­che. Sie ist vol­ler Weis­heit und Men­schen­kennt­nis — auch und gera­de für die­sen Bereich. Ande­rer­seits erle­be ich, dass gera­de die­se Leh­re für vie­le Men­schen kaum noch ver­mit­tel­bar ist. Das hat vie­le Grün­de, auch unse­re eige­ne Glaub­wür­dig­keit. Wenn ich einen Bei­trag leis­ten könn­te, hier zu ver­mit­teln, wäre ich schon dankbar. 

Mit wel­chen Emp­fin­dun­gen bli­cken Sie auf die kom­men­den zwei Jah­re bezüg­lich des Syn­oda­len Wegs?

Ich habe in den letz­ten Tagen wie­der eini­ges gelernt — bin vie­len Men­schen begeg­net und ler­ne neue Per­spek­ti­ven ken­nen. Dar­auf freue ich mich. Sor­ge habe ich bezüg­lich der Wucht, mit der man­che Ände­run­gen ein­ge­for­dert wer­den. Das ent­wi­ckelt eine Dyna­mik, der man sich nur schwer ent­zie­hen kann, und durch die man mit gro­ßer Selbst­ver­ständ­lich­keit bereit ist, sich über kirch­li­che Leh­re hin­weg­zu­set­zen. Frei­lich immer unter dem Stich­wort Wei­ter­ent­wick­lung“. Damit zeich­net sich für die, die hier nicht mit­ge­hen wol­len oder kön­nen, eine noch deut­li­che­re Pola­ri­sie­rung ab, als wir sie ohne­hin schon haben. Das macht mit wirk­lich Sorgen.

(Inter­view: Pas­sau­er Bistumsblatt)