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Club of Rome


Club of Rome will Arbeitsosigkeit abschaffen!

Forscher plädieren für eine neue Politik der Vollbeschäftigung  / 20-Stunden-Woche als garantiertes Minimum.

Die Arbeitslosigkeit wird abgeschafft. Der Staat garantiert jedem eine bezahlte Grundbeschäftigung von 20 Wochenstunden, Arbeitslosengeld und Sozialhilfe gibt es nicht mehr. Das Arbeitsleben wird flexibler und endet nicht abrupt mit 60 oder 65, sondern läuft langsam aus. Freiwillige Tätigkeiten werden als wesentlicher Teil des Wohlstands eines Staates erkannt und gefördert.

Das sind Kernpunkte einer neuen Politik der Vollbeschäftigung, die der Club of Rome entwerfen ließ. Die Autoren, der Ex-Manager Orio Giarini und der Ökonom Patrick M. Liedtke, gehen von der These aus, dass die menschliche Arbeit unentbehrlich für das Selbstwertgefühl ist: Wir sind, was wir produzieren. Gemeint ist damit jedoch nicht nur die klassische Erwerbsarbeit. Aufgewertet werden müssten auch unbezahlte Tätigkeiten für die Familie, wie Kinderbetreuung und Erziehung, oder das Hobby, weil dies maßgeblich zum Funktionieren der Gesellschaft beitrage. Giarini und Liedtke sehen in der modernen Dienstleistungsgesellschaft keine Möglichkeit für eine Art Vollbeschäftigung, wie sie in Deutschland in den 60er Jahren bestand. Genügend klassische Arbeitsplätze für (= fast) alle seien wegen der hohen Produktivitätsgewinne und der veränderten Arbeitsstrukturen weder durch forciertes Wirtschaftswachstum noch durch weitere generelle Arbeitszeitverkürzung zu erreichen.

Dennoch müsse die hohe Arbeitslosigkeit - in den Industriestaaten ist derzeit fast jeder zehnte betroffen - dringend abgebaut werden. Die Autoren schlagen ein Drei-Schichten-Modell der Arbeit vor. In der ersten Schicht sorgt der Staat dafür, dass jeder Arbeitslose eine "Grundversorgung mit Arbeit" bekommt. Motto: Den Menschen soll geholfen werden, tätig zu sein, anstatt sie dafür zu bzahlen, untätig zu sein (damit sind keine sog. 1-Euro-Jobs gemeint, sondern regulär bezahlte Arbeit. Anm. d.Red.). Die Mittel, die bei Arbeitslosengeld, Sozialhilfe und sonstigen Unterstützungen gespart werden, reichten aus, um diese Basiseinheit offizieller Arbeit zu finanzieren - etwa in Sozial- und Sicherheitsdiensten, bei kommunalen Arbeiten sowie im Umweltschutz und der Lehre.

Arbeit ist unendlich vorhanden, vieles aber nicht in der normalen Geldwirtschaft unterzubringen, sagte Liedtke. Die dritte Schicht - die freiwillige Arbeit - soll laut Giarini/Liedtke etwa dadurch aufgewertet werden, dass sie ähnlich wie das Wirtschaftswachstum durch geeignete Indikatoren regelmäßig gemessen wird. Wie wertvoll unbezahlte Arbeit in Familie, Haushalt oder Ehrenamt ist, zeigt eine Berechnung des Statistischen Bundesamtes: Würde sie in Geld bewertet, läge das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland um ein Drittel höher.
   
Darüber lohnt es sich einmal nachzudenken!