Bistum

Ein Streiter für den Herrn

Tamina Friedl am 03.03.2024

Buchvorstellung Huber 01 Foto: Tamina Friedl / pbp

Eine Straße in Landau ist nach ihm benannt, ebenso eine Schule. Jedes Jahr im April findet eine Gedächtniswallfahrt in seinem Namen statt. Pfarrer Johann Baptist Huber ist präsent in Landau an der Isar. Dort, wo er von 1931 bis 1942 als Stadtpfarrer tätig war, wirkt seine Zivilcourage, sein Widerstand gegen den Nationalsozialismus und sein unermüdlicher Einsatz für seinen Glauben und die Gläubigen seiner Pfarrei noch heute nach.

Dass er auch über Land­au hin­aus ein Vor­bild sein kann, des­sen Wer­te ins­be­son­de­re in der heu­ti­gen Zeit von Rele­vanz sind, wird im neu­en Buch Ein Strei­ter für den Her­ren“ deut­lich. Das vier­te Buch in einer Rei­he über Glau­bens­zeu­gen, her­aus­ge­ge­ben vom Bis­tum Pas­sau, wur­de nun im Rah­men eines Fest­got­tes­diens­tes mit Bischof Ste­fan Oster in der Land­au­er Stadt­pfarr­kir­che Mariä Him­mel­fahrt offi­zi­ell vorgestellt.

Im Buch stel­len Bischof Ste­fan Oster in sei­nem Geleit­wort, sowie Pfar­rer Chris­ti­an Krieg­baum des­sen Vor­gän­ger Stadt­pfar­rer Huber aus geist­li­cher Sicht vor. Prof. Dr. Chris­ti­an Hand­schuh, Pro­fes­sor für Kir­chen­ge­schich­te an der Uni­ver­si­tät Pas­sau, und Pro­mo­vend Simon Mei­er erar­bei­ten in ihrem Bei­trag einen kir­chen­ge­schicht­li­chen Über­blick über sei­ne Vita gepaart mit einer Milieu­stu­die zu Land­au. Wolf­gang Krin­nin­ger, Chef­re­dak­teur des Pas­sau­er Bis­tums­blat­tes, lässt in sei­nen Inter­views mit Anne­ma­rie Wall­ner, Nik Söltl und Jür­gen Stad­ler drei Men­schen zu Wort kom­men, die sich beson­ders dafür ein­set­zen, dass das Wir­ken von Johann Bap­tist Huber nicht in Ver­ges­sen­heit gerät. 

Johann Bap­tist Huber hat­te offen­sicht­lich die Fähig­keit, sei­ne Umwelt an etwas zu erin­nern“, so Bis­tums­ar­chi­va­rin Prof. Dr. Han­ne­lo­re Putz. Sein Leben lang habe er Wider­stand gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus geleis­tet mit dem Ziel, sei­ne Gemein­de gegen die NS-Ideo­lo­gie zu immu­ni­sie­ren. Dabei sei­en es neben sei­ner bedin­gungs­los christ­li­chen Grund­hal­tung, die dem Natio­nal­so­zia­lis­mus grund­sätz­lich wider­sprach“, so schrei­ben Hand­schuh und Mei­er im Buch, auch sei­ne kon­ser­va­ti­ve Grund­ein­stel­lung und sein ver­ant­wor­tungs­vol­les Bewusst­sein für die Pfarr­seel­sor­ge“ gewe­sen, die sein Wir­ken gegen das NS-Regime beding­ten. Auf die­se Wei­se erin­ne­re er – damals wie heu­te – die Men­schen an Kern­ge­dan­ken der Seel­sor­ge, an Glau­ben, an ein christ­li­ches Mit­ein­an­der und an eine gesell­schaft­li­che Stand­fes­tig­keit ange­sichts extrem-den­ken­der Grup­pen. Echt kan­tig“ sei er dabei gewe­sen, so Han­ne­lo­re Putz. Oder anders gesagt: Echt stur.“

Stadt­pfar­rer Huber erin­nert mich dar­an, dass ich als Pries­ter nicht zum Rück­zug ins stil­le Käm­mer­lein oder in den hei­li­gen Raum der Kir­che beru­fen bin, son­dern zum Ein­satz für die Men­schen, die mir in mei­nem Dienst als Seel­sor­ger anver­traut sind.”

Pfarrer Christian Kriegbaum

Jeder von uns im Klei­nen ist eine Art Erzäh­lung“, stell­te Bischof Ste­fan Oster in sei­ner Pre­digt fest. In einer Zeit, in der es in den Augen man­cher Men­schen kei­ne gro­ßen Erzäh­lun­gen mehr gebe, wür­den wir uns gegen­sei­tig die Geschich­ten unse­res eige­nen Lebens erzäh­len rund um die Fra­ge: Was macht dich eigent­lich aus?“. Als Chris­tin­nen und Chris­ten hät­ten wir wie­der­um noch eine gro­ße Erzäh­lung: die Geschich­te Got­tes mit sei­nem Volk. Geschich­ten wie die von Pfar­rer Huber, die sich hin­ein­stel­len in die gro­ße Geschich­te unse­res Glau­bens, kön­nen uns dabei hel­fen, uns zu fra­gen: Was gibt uns Bedeut­sam­keit, wenn ich auf die­se Gestalt schaue?“

Letzt­lich gehe es dar­um, zu ent­schei­den, ob man eine Teil­neh­mer- oder Beob­ach­ter­per­spek­ti­ve ein­neh­me. Je tie­fer man sich in die gro­ße Geschich­te unse­res Glau­bens hin­ein stel­len las­se, je mehr man also mit dem Herrn in einer inne­ren Ver­bin­dung lebe, des­to mehr wach­se etwas, was wir Zeu­gen­schaft nen­nen. Wir sind hier, um Pfar­rer Huber zu ehren und uns dank­bar zu erin­nern, was er uns geschenkt hat: Zeu­gen­schaft. Und was für eine“, so der Bischof. Trotz aller offen­sicht­li­cher Gefahr durch die Natio­nal­so­zia­lis­ten habe er sich so sehr in die Geschich­te und die Gegen­wart Jesu hin­ein neh­men las­sen, dass er der Hir­te für den eigent­li­chen Hir­ten gewor­den ist“. Er habe so tief Ori­en­tie­rung geben kön­nen, dass er gesagt habe: Ich die­ne jeman­dem und einer Sache, die grö­ßer ist als mein eige­nes Leben.“ Als Zeu­gin­nen und Zeu­gen sei­en auch wir beru­fen, heu­te die gro­ße Geschich­te zu erzäh­len und eine Ent­schei­dung zu tref­fen, ob wir uns anrüh­ren las­sen oder in der Beob­ach­ter­per­spek­ti­ve blei­ben. Die Kir­che sei nie ein Hau­fen Hei­li­ger“ gewe­sen, beton­te Bischof Oster. Wie auch Stadt­pfar­rer Huber sei­en elf der zwölf Apos­tel für den eige­nen Glau­ben gestor­ben. Die Maß­geb­li­chen für die Kir­che sind die eigent­li­chen Zeu­gen, dass der Herr wirk­lich da ist.“ Er rufe immer wie­der: Wenn ihr euch mit mir ver­bin­det, dann habt ihr das Leben.“ Dann mer­ke man plötz­lich, wie die eige­ne klei­ne Geschich­te im Hori­zont der gro­ßen Geschich­te den tiefs­ten Sinn bekom­me, den man haben könne.

Im Anschluss an den Got­tes­dienst, der auch von Schü­le­rin­nen und Schü­lern der Pfar­rer-Huber-Schu­le in Land­au mit­ge­stal­tet wur­de, gab es schließ­lich noch die Mög­lich­keit, beim Sekt­emp­fang im Pfarr­saal zur Begeg­nung und zum Aus­tausch zusam­men­zu­kom­men. Außer­dem konn­te hier auch bereits das Buch gekauft wer­den, gepaart mit der Gele­gen­heit, die Autoren direkt über ihre Bei­trä­ge auszufragen.

Die Predigt von Bischof Stefan Oster SDB zum Nachhören:

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Mehr zum Buch beim Passauer Bistumsblatt:

Das Buch finden Sie ab jetzt im Domladen:

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