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Soziales

KDFB: Der Trauer in Corona-Zeiten Raum geben

Pressemeldung am 27.05.2020

Mai20 trauerbegleitung info-icon-20px Foto: KDFB

Trauer, Macht- und Hilflosigkeit. Wenn ein geliebter Mensch stirbt, strömen unterschiedlichste Emotionen auf die Hinterbliebenen ein. Der Verlust wiegt schwer, die Verarbeitung des Erlebten braucht Zeit. Das ist schon „normalerweise“ so. Doch die Corona-Krise erschwert die Situation vieler trauernden Frauen und Männer um ein Vielfaches. Dem Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) in der Diözese Passau ist es ein großes Anliegen, gerade jetzt das Angebot der Trauerbegleitung verstärkt in den Fokus zu rücken.

Wäh­rend der Aus­gangs­be­schrän­kun­gen waren die spe­zi­ell geschul­ten Trau­er­be­glei­te­rin­nen Bir­git Czip­pek, Bri­git­te Hartl, Christl Hoch, Ulri­ke König, Rena­te Pongratz sowie Hil­trud Tschirner tele­fo­nisch für Hil­fe­su­chen­de erreich­bar, um ihnen ein offe­nes Ohr und trös­ten­de Wor­te zu schen­ken. Mit den Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mern des Trau­er­früh­stücks, das nor­ma­ler­wei­se ein­mal monat­lich statt­fin­det, und der fes­ten Trau­er­grup­pe, die kurz nach dem Start wegen der Aus­gangs­be­schrän­kun­gen lei­der gestoppt wer­den muss­te, sind die Trau­er­be­glei­te­rin­nen ste­tig in schrift­li­chen und tele­fo­ni­schen Kon­takt. Zum Oster­fest wur­de von mir bei­spiels­wei­se mit einem Brief und Tex­ten der Kon­takt auf­recht­erhal­ten. Die Reso­nanz war sehr groß, alle freu­ten sich sehr und mir wur­de bestä­tigt, dass der Zusam­men­halt unter­ein­an­der wei­ter sehr inten­siv besteht“, schil­dert Hil­trud Tschirner. Den Trau­er­be­glei­te­rin­nen ist wich­tig zu zei­gen: Nie­mand muss allei­ne die Trau­er bewäl­ti­gen! Denn wo kei­ne Umar­mun­gen sein dür­fen, wo die klas­si­schen Ritua­le zum Abschied neh­men weg­fal­len, wo ein gesamt­ge­sell­schaft­li­ches Kli­ma von Angst die eige­ne Situa­ti­on noch schwe­rer zu ertra­gen macht, kön­nen die Ein­sam­keit und die Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit, die nach dem Ver­lust eines lie­ben Men­schen emp­fun­den wer­den, zu bestim­men­den Gefüh­len werden. 

Die Trau­er ist kei­ne Krank­heit, aber sie kann krank machen.”

Ulrike König - Trauerbegleiterin

Eine große Auswahl an Büchern zum Thema "Trauer" finden Sie im Domladen:

Ohne Anspra­che besteht die Gefahr, dass die Trau­er um die Ver­stor­be­nen im Moment teil­wei­se ver­drängt wird, da man mit dem Coro­na­vi­rus eine neue Kri­se zu bewäl­ti­gen hat“, sagt Ulri­ke König. Eine zen­tra­le Bot­schaft in der Arbeit mit Trau­ern­den ist für sie: Die Trau­er ist kei­ne Krank­heit, aber sie kann krank machen, wenn sie nicht gelebt wird, wenn sie ver­drängt wird.“ Des­halb sei es wich­tig, die ver­schie­de­nen Gefüh­le anzu­neh­men, den Schmerz her­aus­zu­schrei­en, Trä­nen zuzu­las­sen. Trau­er ist die natür­li­che und gesun­de Reak­ti­on auf den Ver­lust einer gelieb­ten Per­son. Ohn­macht, Wut, Ver­zweif­lung oder Schuld­ge­füh­le gehö­ren zur Trau­er, aber manch­mal auch Lachen und Fröh­lich­sein“, führt König aus. Sie weist zudem dar­auf hin, dass Trau­er nicht nur gro­ßen See­len­schmerz her­vor­ru­fen kann, son­dern auch kör­per­li­che Sym­pto­me: Alles tut weh, man kann nichts essen, nicht schla­fen. Die­se Sym­pto­me sind eine Zeit lang ganz natür­lich und man soll­te sie auch nicht gleich mit medi­zi­ni­schen Mit­teln bekämpfen.“

Wich­tig zu wis­sen ist wei­ter­hin, dass jeder Trau­er­pro­zess indi­vi­du­ell und auch in unter­schied­li­chen Pha­sen ver­läuft. Die einen wol­len erst ein­mal funk­tio­nie­ren, ande­re zie­hen sich lie­ber zurück und fin­den dann erst Kraft für den Schritt in die Beglei­tung. Aus mei­ner Erfah­rung kom­men nur ganz weni­ge Men­schen, beson­ders Trau­ern­de, sofort zum Gespräch, da muss die Not sehr groß sein“, fügt Hil­trud Tschirner hin­zu. Doch wenn der Bedarf besteht, wenn die Trau­ern­den soweit sind und Hil­fe von außen wün­schen, dann sind nun auch wie­der per­sön­li­che Tref­fen mit den Trau­er­be­glei­te­rin­nen mög­lich. Um die größt­mög­li­che Sicher­heit für die Trau­ern­den sowie die Trau­er­be­glei­te­rin­nen gewähr­leis­ten zu kön­nen, wer­den in der KDFB-Geschäfts­stel­le in Pas­sau natür­lich die gän­gi­gen Abstands- und Hygie­ne­maß­nah­men umge­setzt. Zudem wur­de eine spe­zi­el­le Trenn­wand aus Ple­xi­glas auf­ge­stellt, die im 1:1‑Gespräch zum Tröpfchen‑, Nies- und Hus­ten­schutz dient. So kann zumin­dest wäh­rend des Gesprächs der Mund­schutz abge­setzt wer­den, was eine ange­neh­me­re Gesprächs­at­mo­sphä­re fördert. 

Das Ziel der Trau­er ist ein lang­sa­mes Los­las­sen und sich lösen.”

Ulrike König - Trauerbegleiterin

Auch Tref­fen in der frei­en Natur für einen Spa­zier­gang sind mög­lich. Die Trau­er­be­glei­te­rin­nen hof­fen sehr, dass vie­le Betrof­fe­ne das kos­ten­lo­se Ange­bot wahr­neh­men. Denn sie befürch­ten, dass Hin­ter­blie­be­ne lang­fris­tig dar­un­ter lei­den wer­den, dass im Zuge der Coro­na-Kri­se oft­mals kein rich­ti­ger Abschied mög­lich war. Durch das Weg­fal­len von Ritua­len wie Trau­er­fei­ern bestehe die Gefahr, dass der Tod des gelieb­ten Men­schen gar nicht rich­tig rea­li­siert wer­den kön­ne – und dass die Trau­er dann erst­mal nicht ange­nom­men bezie­hungs­wei­se zuge­las­sen wird. Eine wür­de­vol­le Beer­di­gung mit der Fami­lie, den Freun­den und Bekann­ten ist für vie­le Hin­ter­blie­be­ne sehr wich­tig. Hier kann man Gefüh­le und den Schmerz tei­len und erfährt Trost“, so Trau­er­be­glei­te­rin Ulri­ke König. Sie hält es für eine gute Mög­lich­keit, die Trau­er­fei­er zu einem spä­te­ren Zeit­punkt nach­zu­ho­len. Das Begrei­fen, dass der gelieb­te Mensch wirk­lich nicht mehr wie­der­kommt, sei ein wich­ti­ger Schritt in der Trau­er. Ger­ne gehen die KDFB-Trau­er­be­glei­te­rin­nen die­sen Weg gemein­sam mit den Trau­ern­den. Das Ziel der Trau­er ist ein lang­sa­mes Los­las­sen und sich lösen. Oft brau­chen Hin­ter­blie­be­ne ein­fach nur eine Per­son, die zuhört. Wir sind da!“, betont König abschlie­ßend im Namen ihre Kol­le­gin­nen in der Trau­er­ar­beit. Trau­ern­de kön­nen sich zu den übli­chen Büro­zei­ten bei der KDFB-Geschäfts­stel­le in Pas­sau unter Tele­fon 0851 36361 mel­den. Hier wird dann der Kon­takt zu einer Trau­er­be­glei­te­rin hergestellt.

Text: KFDB