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Soziales

Geht an die Grenzen - Günther Jäger auf Lesbos

Redaktion am 16.05.2022

220516 Bericht Diakon Jaeger Lesbos1 Bildquelle: Günther Jäger

Nach sieben Wochen Aufenthalt auf Lesbos zu Jahresbeginn ist Diakon Günther Jäger ungebrochen engagiert in der Flüchtlingshilfe tätig. Den Mut an seiner Arbeit hat er keinesfalls verloren, trotz aller Widrigkeiten: „Freud und Leid wohnen immer noch Tür an Tür“, berichtet er.

Da ist die Afri­ka­ni­sche Fami­lie aus dem Kon­go, die um ein paar T‑Shirts und Turn­schu­he gebe­ten haben, da ihre Klei­dung schon sehr abge­tra­gen ist. Und wenn’s geht viel­leicht noch je eine Jeans für den Vater und die Mut­ter“, so Jäger, der die gewünsch­ten Kla­mot­ten bringt und mit afri­ka­ni­schen Dank­ge­sän­gen emp­fan­gen und umarmt wird. Die Flucht­ge­schich­ten blei­ben die glei­chen, wie schon seit Jah­ren: Die Geflüch­te­ten erzäh­len von Hoff­nung auf ein siche­res Leben in Euro­pa, fern der Bedro­hun­gen durch Code­co-Mili­zen im Hei­mat­land. Trotz der Umstän­de und des doch frag­lich men­schen­un­wür­di­gen Lebens in einem gro­ßen Camp, weit vor der Küs­te Grie­chen­lands, sind sie glück­lich und dank­bar hier zu sein“, so Jäger, der eine afgha­ni­sche Fami­lie gegen­über­stellt. Hos­sein war Mit­ar­bei­ter der afgha­ni­schen Regie­rung, sei­ne Frau im Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um. Die Bedro­hun­gen haben seit 2016 zuge­nom­men. Genau­so wie Swee­na, die im Früh­jahr 2017 ihren Vater ver­lo­ren hat; die Repres­sa­li­en der Tali­ban waren für sein Herz zu viel. Die Mut­ter war an Krebs gestor­ben. Der Bru­der wur­de als Poli­zist mas­siv bedroht und wur­de schließ­lich von den Tali­ban erschos­sen. Swee­na selbst flüch­te­te 2017 aus Kabul erst in den Iran, und von dort­hin wei­ter in die Tür­kei. Fünf Ver­su­che spä­ter gelang ihr 2020 die Flucht nach Les­bos. Die Kos­ten hier­für betru­gen 6.000 Dol­lar für sich und ihr neu­ge­bo­re­nes Baby. Kaum ange­kom­men war sie wie­der auf der Flucht, weil das Camp Moi­ra abbrann­te. Was bleibt, sind schließ­lich nur noch ein paar Hab­se­lig­kei­ten, wie ihre Klei­dung am Kör­per, und das Baby. Vier­mal wur­de ihr Asyl­an­trag bis­her abge­lehnt. Mein Mann ist krank und muss vie­le Tablet­ten neh­men. Und ich selbst bin in psy­cho­lo­gi­scher Behand­lung. Ich kann nicht mehr“, berich­tet sie Gün­ther Jäger.

Freu­de und Hoff­nung, Trau­er und Angst der Men­schen von heu­te, beson­ders der Armen und Bedräng­ten aller Art, sind auch Freu­de und Hoff­nung, Trau­er und Angst der Jün­ger Christi.”

Günther Jäger, Diakon

Nicht nur Swee­na fragt sich, war­um ukrai­ni­sche Flücht­lin­ge so pro­blem­los in die Euro­päi­sche Uni­on kom­men kön­nen, wo sie schnell und unkom­li­ziert eine Unter­kunft, finan­zi­el­le Unter­stüt­zung, einen Kin­der­gar­ten- oder Schul­platz und eine Arbeits­er­laub­nis bekom­men, wäh­rend sie selbst im Camp unter teils unwür­di­gen Bedin­gun­gen leben müs­sen. Gün­ther Jäger bleibt ihr die Ant­wort schul­dig. Es geht mir tief ins Herz. Hier mer­ke ich wie­der deut­lich, was es heißt, an die Rän­der zu gehen.“ Aber trotz allem ist Hil­fe mög­lich, auch mit­tels Unter­stüt­zung durch einen Anwalt. Nicht nur die Ukrai­ne ist ein Kriegs­ge­biet, son­dern auch Afgha­ni­stan“, so Jägers Wor­te. Ich wer­de nicht müde, den Men­schen zu hel­fen. Es ist mein Auf­trag; es ist mei­ne Beru­fung. Auch wenn ich die­sen Gott nicht immer ver­ste­he – er muss doch irgend­wo sein. Es sind wohl zu vie­le Kri­sen in der Welt“, so Jäger. 

Aus den klei­nen all­täg­li­chen Begeg­nun­gen und dem Gebet schöpft der enga­gier­te Dia­kon Kraft für sich und sei­ne Arbeit. Ich wer­de nicht auf­ge­ben. Gott gibt mir die Kraft dazu“, ist er sich sicher.

Text: Tine Limmer

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