Bistum

Pressegespräch zur Domorgelsanierung

Thomas König am 18.09.2019

190918_Domorgel-PK_1 info-icon-20px Foto: Wolfgang-Christian Bayer

Die Passauer Domorgel wird ab Herbst 2020 umfassend renoviert. Rund fünf Jahre wird das Großprojekt dauern, die Kosten belaufen sich auf ca. 6,5 Millionen EUR. Während der Sanierungsphase wird die weltberühmte Orgel aber immer teilweise bespielbar sein. Alle Details wurden am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im Domchorsaal vorgestellt.

Nach bei­na­he 40 Jah­ren seit der letz­ten gro­ßen Instand­set­zung muss sich die Köni­gin der Instru­men­te“, wie die Orgel gern bezeich­net wird, einer Gene­ral­sa­nie­rung unter­zie­hen. Staub und Schim­mel­be­fall haben der Dom­or­gel stark zuge­setzt, auch alters­be­ding­te Mate­ri­al­er­mü­dung zeigt sich, die Sta­tik berei­tet Pro­ble­me und auch der Brand­schutz muss auf einen aktu­el­len Stand gebracht wer­den. Eine eigens ein­be­ru­fe­ne Orgel­kom­mis­si­on hat über Jah­re eine genaue Erhe­bung der Schä­den durch­ge­führt und einen Plan für die Gene­ral­sa­nie­rung des welt­be­rühm­ten Instru­ments erar­bei­tet. Die­ser soll ab Herbst 2020 umge­setzt wer­den. Dom­propst Dr. Micha­el Bär stell­te das Groß­pro­jekt Dom­or­gel­sa­nie­rung ein­gangs der Pres­se­kon­fe­renz vor.

Das Dom­ka­pi­tel zum Hei­li­gen Ste­pha­nus stellt sich zusam­men mit dem H.H. Bischof Dr. Ste­fan Oster SDB der Ver­ant­wor­tung, das Orgel­werk in der Kathe­dra­le für künf­ti­ge Genera­tio­nen zu sichern, damit es wei­ter­hin als Köni­gin der Musi­ca Sacra zur Ehre Got­tes und zur Freu­de der Men­schen erklin­gen kann.”

Dompropst Dr. Michael Bär (Projektleiter Domorgelsanierung)

Bericht über die Pressekonferenz

Bischof Dr. Ste­fan Oster sag­te in sei­nem State­ment, dass wir heu­te in der Ver­kün­di­gung auch einen deut­li­chen Akzent auf die Beto­nung des Schö­nen, auf die Ästhe­tik legen dürf­ten. Denn unse­re gro­ße christ­li­che Tra­di­ti­on hat einen unfass­bar rei­chen Schatz an kul­tu­rel­lem Erbe in Kunst, Archi­tek­tur, Lite­ra­tur – und eben auch Musik“, so der Bischof. Und die vie­len Men­schen, die unse­rer Tra­di­ti­on solch her­aus­ra­gen­de Kunst­wer­ke geschenkt haben, waren eben gläu­bi­ge Men­schen, ihre Kunst war und ist immer auch Aus­druck ihres Glaubens.”

Heu­te sind Ästhe­tik, Schön­heit, Kunst ein über­aus wich­ti­ger Zugang zum Glau­ben. Und wohl nicht mehr zuerst die Leh­re oder die Moral — auch wenn die­se wich­tig blei­ben. Aber wenn Men­schen spü­ren, dass gro­ße Kunst, gro­ße Musik tie­fen Glau­ben zum Aus­druck bringt, dann fragt sich der eine oder ande­re viel­leicht, wer denn die­ser Gott ist, der in sol­cher Schön­heit ver­ehrt wird.”

Bischof Dr. Stefan Oster SDB

Das Spiel der Orgel baut Brü­cken zwi­schen Him­mel und Erde. Die Pas­sau­er Dom­or­gel begeis­tert jähr­lich Tau­sen­de Men­schen — Tou­ris­ten wie Gläu­bi­ge. Allei­ne im Jahr 2018 waren es über 140.000 Besu­cher. Neben Rei­ni­gung und Ertüch­ti­gung der Orgel, steht beim Groß­pro­jekt natür­lich auch der Klang der Pas­sau­er Dom­or­gel im Fokus. Dom­or­ga­nist Lud­wig Ruck­de­schel und der Orgel­bau­er Ekke­hard Fehl erläu­ter­ten beim Pres­se­ge­spräch sowohl die Sanie­rungs­teil­schrit­te der Orgel im Dom, als auch das klang­li­che Kon­zept. Die­ses soll im Zuge der Gene­ral­sa­nie­rung der Orgel über­ar­bei­tet und dabei die Beson­der­hei­ten der Stein­mey­er-Orgel, die 1928 im Pas­sau­er Dom ein­ge­baut wur­de, wie­der in den Vor­der­grund des Klang­er­leb­nis­ses gestellt wer­den. Durch die Syn­the­se aus Ele­men­ten der Stein­mey­er-Orgel und der bestehen­den Orgel (1978 bis 1981 umge­stal­tet durch die Fir­ma Eisen­barth aus Pas­sau) wird die Orgel um meh­re­re Regis­ter und auch Pfei­fen anwachsen.

Phil­ipp Klais, von der Fir­ma Klais Orgel­bau aus Bonn, stell­te dann die Zusam­men­ar­beit der ver­schie­de­nen Orgel­bau­un­ter­neh­men vor. Betei­ligt am Groß­pro­jekt sind die Orgel­bau­fir­men Karl Schu­ke Ber­li­ner Orgel­bau­werk­statt, Klais Orgel­bau aus Bonn, die Pas­sau­er Orgel­bau­fir­ma Eisen­barth und das Orgel­bau­un­ter­neh­men Casa­vant Frè­res aus Kanada. 

Ein wei­te­rer wich­ti­ger Punkt, der beim Pres­se­ter­min nicht feh­len durf­te, waren die Finan­zen. Über die Kos­ten des Groß­pro­jekts und den Zeit­plan, infor­mier­te Finanz­di­rek­tor Dr. Josef Sonn­lei­ter. Die Sanie­rung der Orgel wird ca. 6,5 Mil­lio­nen Euro kos­ten und knapp 5 Jah­re dauern.

In vor­aus­schau­en­der Wei­se wur­den für die Sanie­rungs­maß­nah­me bereits seit vie­len Jah­ren zweck­ge­bun­de­ne Rück­la­gen auf­ge­baut. Gebil­det wur­den die­se Rück­la­gen aus dem lau­fen­den Betrieb der Orgel­kon­zer­te. Geplant sind dar­über hin­aus auch Spon­so­ring-Akti­vi­tä­ten, um För­de­rer für die größ­te Dom­or­gel welt­weit zu akquirieren.”

Dr. Josef Sonnleitner - Finanzdirektor Bistum Passau

Da die Bespiel­bar­keit der Dom­or­gel auch wäh­rend der Sanie­rungs­pha­se in den kom­men­den Jah­ren gewähr­leis­tet ist, sei man zuver­sicht­lich, dass auch wei­ter­hin Gel­der aus den Kon­zer­ten für die Dom­or­gel­sa­nie­rung bereit­ge­stellt wer­den kön­nen, so Finanz­di­rek­tor Dr. Josef Sonnleitner.

Die Klän­ge der größ­ten Dom­or­gel welt­weit, wer­den also zu kei­ner Zeit völ­lig ver­stum­men. Die ein­zel­nen Orgeln wer­den nach der Rei­he saniert, so wird die Pas­sau­er Dom­or­gel wäh­rend der gesam­ten Sanie­rungs­pha­se — zwar teils ein­ge­schränkt — aber zu den gewohn­ten Zei­ten hör- und erleb­bar bleiben.

Mehr Infor­ma­tio­nen über das detail­ier­te Klang­kon­zept, das im Zuge der Sanie­rung umge­setzt wer­den soll, erfah­ren Sie hier: